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Wie kann ich lernen beruflich herunter zu fahren?

14. Dezember 2018 um 18:26 Letzte Antwort: 14. Dezember 2018 um 22:53

Ich weiß momentan nicht weiter und hoffe, hier einen Rat oder Tipp zu bekommen, der nicht darauf hinaus läuft, den Job zu wechseln... 

Kurz zu mir, ich bin 30 und seit 5 Jahren Führungskraft (Standortleitung). 
Wenn's mir zu blöd wird, gehe ich- das hat zur Folge, dass mein längster Job im Lebenslauf nur 2 Jahre hielt. Ich wurde nie gekündigt, ich bin immer gegangen, meistens dann, wenn ich anfing mich zu langweilen. 

Ich liebe meinen Job eigentlich, ich liebe die Branche und das Thema und habe mir ein großes Netzwerk aufgebaut. Wenn ich einen neuen Job beginne, brenne ich dafür und mutiere zum Workaholic. Ich gebe Vollgas, vernachlässige alles andere und kümmer mich nur noch um mein neues Baby. Bei meinem längstem Job (dem 2 Jahres Step) wurde mir nach ca 8 Monaten langweilig. Ich kann meinen Job, ich weiß wie es geht. Ich habe damals sehr schnell ein Team aufgebaut, Strukturen geschafft und nach 8 Monaten hatte ich erstmals das Gefühl, jetzt im Alltagstrott angekommen zu sein. Dennoch wusste ich damals, dass der Job die Eintrittskarte für diese Branche ist und ich nicht wieder gehen kann. Ich habe es dann noch 1,5 Jahre ausgehalten, allerdings endete das letzte halbe Jahr damit, dass ich mich um 11 ins Büro gequält habe und meistens gelangweilt um 13 Uhr wieder ging. Witzigerweise war ich in meinem Job trotzdem gut. Wie gesagt, ich wurde nie gekündigt. 

Aber ich bin dann gegangen, weil ich mich zu energiegeladen gefühlt habe, um mich auszuruhen. Ich bin zu einem neuen Arbeitgeber gewechselt, der zwar das selbe macht, aber ganz anders arbeitet. Plötzlich hatte ich eine Hierarchie vor mir, wurde gar nicht mehr am Erfolg gemessen, sondern nur noch an Anwesenheit. Meine Ideen durfte ich nicht einbringen. Nach 4 Monaten habe ich gekündigt und bin zum nächsten Job. 
Dieses Mal wieder ein Traumjob, alles war prima! Aber leider mussten wir den Standort nach einem Jahr schließen. Durch Kontakte von diesem Arbeitgeber wurde ich "weitergereicht" zum nächsten, da sitze ich nun seit 3 Monaten und bekomme jeden Tag das blanke kotzen... 
Am liebsten wäre ich längst wieder weg, aber leider gibt es nicht viele Arbeitgeber dieser Branche, und momentan wird auch niemand mit meinen Qualifikationen gesucht. Ausserdem weiß ich, dass es vernünftiger wäre, nun mindestens 3 Jahre bei einem Arbeitgeber zu bleiben- ansonsten ist der Lebenslauf ruiniert. 

Ich muss gestehen, ich stamme aus einer Unternehmerfamilie und ich weiß, dass ich ein grottenschlechter Arbeitnehmer bin. Mich muss man laufen lassen, dann kann ich mich entfalten und gebe Vollgas. Wenn ich in einen Käfig gesperrt werde, mich nicht einbringen kann und irgendwo abgestellt werde, frustiert es mich zutiefst. Ich war lange auf der Suche nach einem Investor, um mein eigenes Baby zu gründen. Aber leider findet man so einen nicht mal eben, obwohl ich weiß, dass ich der Typ bin, der das Zeug zum eigenen Unternehmen hätte. 

Mein Job aktuell ist (für mich) eine Katastophe. Zu meinem Chef kann ich einfach keine gute Beziehung aufbauen. Ich habe das Gefühl, er hat mich damals nur als Gefallen eingestellt, weil mein Ex-Arbeitgeber mich gerne nach der Schließung vermitteln wollte.
Ich bin jetzt Standortleiter, darf aber meinen Standort nicht leiten. Er trifft die Entscheidungen, und zwar alle. Meine Ideen will er gar nicht hören. Wir telefonieren alle 3-4 Wochen mal, ansonsten hab ich mit ihm nichts am Hut. Neulich sagte er zu mir, er will keinen zweiten Chef im Unternehmen. 
Sein Team, circa 20 Mitarbeiter, kommt morgens nur zur Arbeit, um sich auf den Feierabend zu freuen. Niemand ist mit Leidenschaft dabei, die eine Hälfte hat innerlich längst gekündigt und will aber 2-3 Jahre für den Lebenslauf bleiben, die andere Hälfte sind Freunde vom Chef, die er aus Mitleid eingestellt hat. Sie sind nur da, weil sie wissen, dass ihr Kumpel sie niemals kündigen würde. Qualifikationen bringen sie keine mit und so plätschert der Erfolg des Unternehmens so vor sich hin. 

Für mich ist das eine grausame Arbeitsumgebung. Ich liebe meinen Job doch eigentlich, aber hier macht es wirklich keinen Spaß. Die Kollegen demotivieren sich alle gegenseitig, niemand ist gerne dort, die Stimmung ist extrem schlecht. 
Zudem will ich nicht für ein Unternehmen arbeiten, welches vor sich hin plätschert. Im Gegenteil. Ich habe bisher immer einen Big Player aufgebaut.

Eigentlich habe ich innerlich auch längst gekündigt. Ich merke, wie ich nur noch Dienst nach Vorschrift mache und mein Potenzial von 100% auf circa 20% runtergefahren habe. Ich reiße mich am Riemen, mich nicht zu sehr einzusetzen, weil mein Chef ausnahmslos alle Vorschläge abweist und ich es doch dann gleich lassen kann. Aber das ist eine Arbeitsweise von mir, die ich selbst hasse. 

Jetzt könnte man meinen: Sei doch froh, du wirst fürstlich dafür bezahlt, wenig zu tun. Aber ich kann mich nicht darüber freuen, im Gegenteil, es frustriert und stresst mich. Ich habe neulich einen Hörsturz bekommen, aber nicht wegen Überforderung, sondern wahrscheinlich eher wegen Unterforderung. Ich merke, dass ich in ein Loch falle, welches schon fast depressive Symptome hat. 

Ich versuche mir einzureden, dass doch alles gut ist: Ich bekomme mein Gehalt pünktlich und mein Job ist ziemlich sicher. 
Aber in Wahrheit bin ich überhaupt nicht ausgelastet und frage mich ständig, wie andere das machen. Es gibt so viele Leute, die einfach ihre Arbeit absitzen und sich ins Privatleben stürzen. Wieso kann ich das nicht? 
Jahrelang war mir Karriere wichtig, ich habe nie Hobbies gehabt. Für mich war es Luxus, wenn ich die Zeit hatte, mich 4 mal im Monat mit Freunden zu treffen. 
Jetzt hätte ich so viel Zeit, ich könnte mich ins Privatleben stürzen: aber da ist nichts. Mein Freundeskreis ist klein, ich habe 4 sehr enge Freunde, der rest sind eher Bekanntschaften, die mal stärker, und mal schwächer sind. Ich glaube das ist normal. 
Hobbies? Schwierig. Ich stelle fest, dass mich kaum etwas interessiert. Mein Job war lange mein Hobby, auch privat hab ich mich sehr gerne auf Events rund um meinen Job getummelt. Heute traue ich mich dort nicht mehr hin, weil es mir peinlich ist, dieses Unternehmen repräsentieren zu müssen. 

Wohin mit meiner Energie? 
Ich habe jetzt angefangen zu boxen, was wirklich ganz nett ist. Ich freue mich sehr auf meine Boxstunden, aber ich kann ja jetzt nicht jeden Tag 5 Stunden boxen gehen?! Ist das der Sinn des Lebens, seine Wut am Boxsack rauszulassen? Wohl kaum. 

Wieso ich noch nicht längst über alle Berge bin? Weil ich mir meinen Lebenslauf ruiniert habe und denke, es wäre besser, mindestens 2 Jahre die Klappe zu halten und eine Konstante zu haben. Ich will das auch versuchen, diese Sache mit dem "ins Privatleben" stürzen.
Bisher bin ich nicht glücklich damit und lese momentan viele Coaching Bücher a la "Am Arsch vorbei geht auch ein Weg", doch leider stehe ich mir selber im Weg und kann mich einfach noch nicht darüber freuen, gerade keine Verantwortung mehr zu haben, nicht mehr wichtig zu sein und meine Zeit abzusitzen. 

Ja ich war jahrelang ein Workaholic und ich hab's mir ziemlich einfach gemacht. Ich bin total der Ansicht, dass man sich von allem trennen sollte, was einen nicht glücklich macht und dass man auf dem Friedhof nicht der reichste sein sollte, dass man sein Leben in vollen Zügen genießen soll und das tun sollte, was einen glücklich macht. 

Ich frage mich, wie man es lernen kann, sich einfach zufrieden zu geben mit dem, was ist. 
Wie machen andere das? Es gibt doch so viele Menschen, die ihre Jobs hassen und nur als Ernährer sehen, die halten es manchmal über 10 Jahre dort aus. Wieso kann ich das nicht? Wieso ist in meinem Hirn eingebrannt, dass mein Job meine Leidenschaft, meine Berufung sein muss? Wie kann ich das abstellen? 

Ich weiß, es gibt viele Coaches, die auf diesem Weg begleiten könnten, aber so viel verdiene ich dann anscheinend doch nicht. Kann ich mich irgendwie selber coachen? Hat jemand ähnliches durch und kann vielleicht ein Buch empfehlen? Oder habt ihr andere Tipps?
 

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14. Dezember 2018 um 18:37

Na das ist doch bei dir recht leicht zu deuten (nicht dass das auf alle zutrifft...): du hast im prinzip kein Privatleben und da nix was dir Freude macht, also muss zumindest der Job der Hammer sein. Das kann ich sogar verstehen. Jeder braucht etwas wofür er lebt.  Was ist mit einer Partnerin? Reisen? Was wohltätiges? Eine eigene familie gründen? Sind das für dich keine Ziele, die Interesse wecken?

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14. Dezember 2018 um 21:16

Du hast recht, bisher war mir meine Karriere immer wichtiger. 

Wenn ich an meinem Vorhaben weiter festhalten will, die nächsten 2-3 Jahre für den Lebenslauf in einem Unternehmen zu bleiben, muss ich mir einen Ausgleich suchen, um nicht verrückt zu werden. 
Ich bin single und kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, eine Familie zu gründen. Ich will/wollte nie Kinder. 

Reisen: Ja, das habe ich seit letztem Jahr für mich entdeckt, möglichst alle spätestens 4 Monate mal zu verreisen, sei es auch nur ein Wochenendtripp Als Ausgleich brauche ich aber etwas, was häufiger stattfindet.

Man muss doch irgendwie lernen können, runterzuschrauben?! Irgendwie muss es doch gehen, ohne dabei depressiv zu werden? 

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14. Dezember 2018 um 22:06
In Antwort auf duesseldorf2012

Du hast recht, bisher war mir meine Karriere immer wichtiger. 

Wenn ich an meinem Vorhaben weiter festhalten will, die nächsten 2-3 Jahre für den Lebenslauf in einem Unternehmen zu bleiben, muss ich mir einen Ausgleich suchen, um nicht verrückt zu werden. 
Ich bin single und kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, eine Familie zu gründen. Ich will/wollte nie Kinder. 

Reisen: Ja, das habe ich seit letztem Jahr für mich entdeckt, möglichst alle spätestens 4 Monate mal zu verreisen, sei es auch nur ein Wochenendtripp Als Ausgleich brauche ich aber etwas, was häufiger stattfindet.

Man muss doch irgendwie lernen können, runterzuschrauben?! Irgendwie muss es doch gehen, ohne dabei depressiv zu werden? 

Also ich muss sagen, ich bzw. Mein mann und ich haben anspruchsvolle, fordernde jobs, aber gerade deshalb brauchen wir am Wochenende ausgleich um den kopf frei zu kriegen und wir sind tatsächlich kaum ein Wochenende unverplant. Hier ein wochenendtrip, da ins kabarett und Freunde treffen, Familie, skifahren im winter, wandern im Sommer, diverse Sportveranstaltungen live erleben, Ausflug in ne stadt,.... irgendwas reizt uns immer und das ist es was mich erfüllt. Die Arbeit passt, aber glücklich macht mich mein privatleben, nicht der Job. 

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14. Dezember 2018 um 22:53
In Antwort auf duesseldorf2012

Ich weiß momentan nicht weiter und hoffe, hier einen Rat oder Tipp zu bekommen, der nicht darauf hinaus läuft, den Job zu wechseln... 

Kurz zu mir, ich bin 30 und seit 5 Jahren Führungskraft (Standortleitung). 
Wenn's mir zu blöd wird, gehe ich- das hat zur Folge, dass mein längster Job im Lebenslauf nur 2 Jahre hielt. Ich wurde nie gekündigt, ich bin immer gegangen, meistens dann, wenn ich anfing mich zu langweilen. 

Ich liebe meinen Job eigentlich, ich liebe die Branche und das Thema und habe mir ein großes Netzwerk aufgebaut. Wenn ich einen neuen Job beginne, brenne ich dafür und mutiere zum Workaholic. Ich gebe Vollgas, vernachlässige alles andere und kümmer mich nur noch um mein neues Baby. Bei meinem längstem Job (dem 2 Jahres Step) wurde mir nach ca 8 Monaten langweilig. Ich kann meinen Job, ich weiß wie es geht. Ich habe damals sehr schnell ein Team aufgebaut, Strukturen geschafft und nach 8 Monaten hatte ich erstmals das Gefühl, jetzt im Alltagstrott angekommen zu sein. Dennoch wusste ich damals, dass der Job die Eintrittskarte für diese Branche ist und ich nicht wieder gehen kann. Ich habe es dann noch 1,5 Jahre ausgehalten, allerdings endete das letzte halbe Jahr damit, dass ich mich um 11 ins Büro gequält habe und meistens gelangweilt um 13 Uhr wieder ging. Witzigerweise war ich in meinem Job trotzdem gut. Wie gesagt, ich wurde nie gekündigt. 

Aber ich bin dann gegangen, weil ich mich zu energiegeladen gefühlt habe, um mich auszuruhen. Ich bin zu einem neuen Arbeitgeber gewechselt, der zwar das selbe macht, aber ganz anders arbeitet. Plötzlich hatte ich eine Hierarchie vor mir, wurde gar nicht mehr am Erfolg gemessen, sondern nur noch an Anwesenheit. Meine Ideen durfte ich nicht einbringen. Nach 4 Monaten habe ich gekündigt und bin zum nächsten Job. 
Dieses Mal wieder ein Traumjob, alles war prima! Aber leider mussten wir den Standort nach einem Jahr schließen. Durch Kontakte von diesem Arbeitgeber wurde ich "weitergereicht" zum nächsten, da sitze ich nun seit 3 Monaten und bekomme jeden Tag das blanke kotzen... 
Am liebsten wäre ich längst wieder weg, aber leider gibt es nicht viele Arbeitgeber dieser Branche, und momentan wird auch niemand mit meinen Qualifikationen gesucht. Ausserdem weiß ich, dass es vernünftiger wäre, nun mindestens 3 Jahre bei einem Arbeitgeber zu bleiben- ansonsten ist der Lebenslauf ruiniert. 

Ich muss gestehen, ich stamme aus einer Unternehmerfamilie und ich weiß, dass ich ein grottenschlechter Arbeitnehmer bin. Mich muss man laufen lassen, dann kann ich mich entfalten und gebe Vollgas. Wenn ich in einen Käfig gesperrt werde, mich nicht einbringen kann und irgendwo abgestellt werde, frustiert es mich zutiefst. Ich war lange auf der Suche nach einem Investor, um mein eigenes Baby zu gründen. Aber leider findet man so einen nicht mal eben, obwohl ich weiß, dass ich der Typ bin, der das Zeug zum eigenen Unternehmen hätte. 

Mein Job aktuell ist (für mich) eine Katastophe. Zu meinem Chef kann ich einfach keine gute Beziehung aufbauen. Ich habe das Gefühl, er hat mich damals nur als Gefallen eingestellt, weil mein Ex-Arbeitgeber mich gerne nach der Schließung vermitteln wollte.
Ich bin jetzt Standortleiter, darf aber meinen Standort nicht leiten. Er trifft die Entscheidungen, und zwar alle. Meine Ideen will er gar nicht hören. Wir telefonieren alle 3-4 Wochen mal, ansonsten hab ich mit ihm nichts am Hut. Neulich sagte er zu mir, er will keinen zweiten Chef im Unternehmen. 
Sein Team, circa 20 Mitarbeiter, kommt morgens nur zur Arbeit, um sich auf den Feierabend zu freuen. Niemand ist mit Leidenschaft dabei, die eine Hälfte hat innerlich längst gekündigt und will aber 2-3 Jahre für den Lebenslauf bleiben, die andere Hälfte sind Freunde vom Chef, die er aus Mitleid eingestellt hat. Sie sind nur da, weil sie wissen, dass ihr Kumpel sie niemals kündigen würde. Qualifikationen bringen sie keine mit und so plätschert der Erfolg des Unternehmens so vor sich hin. 

Für mich ist das eine grausame Arbeitsumgebung. Ich liebe meinen Job doch eigentlich, aber hier macht es wirklich keinen Spaß. Die Kollegen demotivieren sich alle gegenseitig, niemand ist gerne dort, die Stimmung ist extrem schlecht. 
Zudem will ich nicht für ein Unternehmen arbeiten, welches vor sich hin plätschert. Im Gegenteil. Ich habe bisher immer einen Big Player aufgebaut.

Eigentlich habe ich innerlich auch längst gekündigt. Ich merke, wie ich nur noch Dienst nach Vorschrift mache und mein Potenzial von 100% auf circa 20% runtergefahren habe. Ich reiße mich am Riemen, mich nicht zu sehr einzusetzen, weil mein Chef ausnahmslos alle Vorschläge abweist und ich es doch dann gleich lassen kann. Aber das ist eine Arbeitsweise von mir, die ich selbst hasse. 

Jetzt könnte man meinen: Sei doch froh, du wirst fürstlich dafür bezahlt, wenig zu tun. Aber ich kann mich nicht darüber freuen, im Gegenteil, es frustriert und stresst mich. Ich habe neulich einen Hörsturz bekommen, aber nicht wegen Überforderung, sondern wahrscheinlich eher wegen Unterforderung. Ich merke, dass ich in ein Loch falle, welches schon fast depressive Symptome hat. 

Ich versuche mir einzureden, dass doch alles gut ist: Ich bekomme mein Gehalt pünktlich und mein Job ist ziemlich sicher. 
Aber in Wahrheit bin ich überhaupt nicht ausgelastet und frage mich ständig, wie andere das machen. Es gibt so viele Leute, die einfach ihre Arbeit absitzen und sich ins Privatleben stürzen. Wieso kann ich das nicht? 
Jahrelang war mir Karriere wichtig, ich habe nie Hobbies gehabt. Für mich war es Luxus, wenn ich die Zeit hatte, mich 4 mal im Monat mit Freunden zu treffen. 
Jetzt hätte ich so viel Zeit, ich könnte mich ins Privatleben stürzen: aber da ist nichts. Mein Freundeskreis ist klein, ich habe 4 sehr enge Freunde, der rest sind eher Bekanntschaften, die mal stärker, und mal schwächer sind. Ich glaube das ist normal. 
Hobbies? Schwierig. Ich stelle fest, dass mich kaum etwas interessiert. Mein Job war lange mein Hobby, auch privat hab ich mich sehr gerne auf Events rund um meinen Job getummelt. Heute traue ich mich dort nicht mehr hin, weil es mir peinlich ist, dieses Unternehmen repräsentieren zu müssen. 

Wohin mit meiner Energie? 
Ich habe jetzt angefangen zu boxen, was wirklich ganz nett ist. Ich freue mich sehr auf meine Boxstunden, aber ich kann ja jetzt nicht jeden Tag 5 Stunden boxen gehen?! Ist das der Sinn des Lebens, seine Wut am Boxsack rauszulassen? Wohl kaum. 

Wieso ich noch nicht längst über alle Berge bin? Weil ich mir meinen Lebenslauf ruiniert habe und denke, es wäre besser, mindestens 2 Jahre die Klappe zu halten und eine Konstante zu haben. Ich will das auch versuchen, diese Sache mit dem "ins Privatleben" stürzen.
Bisher bin ich nicht glücklich damit und lese momentan viele Coaching Bücher a la "Am Arsch vorbei geht auch ein Weg", doch leider stehe ich mir selber im Weg und kann mich einfach noch nicht darüber freuen, gerade keine Verantwortung mehr zu haben, nicht mehr wichtig zu sein und meine Zeit abzusitzen. 

Ja ich war jahrelang ein Workaholic und ich hab's mir ziemlich einfach gemacht. Ich bin total der Ansicht, dass man sich von allem trennen sollte, was einen nicht glücklich macht und dass man auf dem Friedhof nicht der reichste sein sollte, dass man sein Leben in vollen Zügen genießen soll und das tun sollte, was einen glücklich macht. 

Ich frage mich, wie man es lernen kann, sich einfach zufrieden zu geben mit dem, was ist. 
Wie machen andere das? Es gibt doch so viele Menschen, die ihre Jobs hassen und nur als Ernährer sehen, die halten es manchmal über 10 Jahre dort aus. Wieso kann ich das nicht? Wieso ist in meinem Hirn eingebrannt, dass mein Job meine Leidenschaft, meine Berufung sein muss? Wie kann ich das abstellen? 

Ich weiß, es gibt viele Coaches, die auf diesem Weg begleiten könnten, aber so viel verdiene ich dann anscheinend doch nicht. Kann ich mich irgendwie selber coachen? Hat jemand ähnliches durch und kann vielleicht ein Buch empfehlen? Oder habt ihr andere Tipps?
 

Du hebst dich in die Höhe wie toll du doch bist und was du doch alles kannst. Bist nur am runtermachen was die Unternehmen angeht. Darüber solltest du eher mal nachdenken. Mach dich selbstständig. Dann kannst du toller Hengst spielen und deine Angestellten werden dir applaudieren müssen.  

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