Home / Forum / Gesellschaft & Leben / Vorher - nacher

Vorher - nacher

28. Juni 2009 um 12:31

meines schwagers familie besitzt seit jahrzehnten einen wintersitz in südafrika. er hat das land also schon zu zeiten der apartheit erlebt.
nach deren abschaffung behauptete er, viele schwarze wünschten sich die ehemaligen zustände zurück. immerhin sei für sie gesorgt worden.
ein gutsbesitzer bspw war nämlich verpflichtet, seine (schwarzen) arbeiter gut zu behandeln, sich um deren gesundheit und wohlergehen zu kümmern, denn an seinem hofstaat maß sich sein ruf. heute hingegen müsse jeder selber schauen wo er bleibt - stammesrivalitäten, kleinkriminalität und verarmung der (nach wie vor) unterprivilegierten sind die natürlichen folgen.
aber deswegen lieber auf das höchste gut der freiheit verzichten???

mit ähnlichen reaktionen hatte man es nach unserer wende zu tun:
vorher wurde für arbeit gesorgt, es gab KiTas und wohnungen für jedermann. die kids wurden rund um die uhr beschäftigt und alle waren (im nachhinein) eigentlich glücklich und zufrieden.

vl gibt es sogar stimmen, die behaupten unter saddam hussein war alles besser...

ist der mensch also wirklich ein so faules gewohnheitstier, dass er sich lieber lenken lässt und dafür auf seine freiheit verzichtet, als sein leben selbst zu gestalten?
oder ist das schlicht die nostalgische ader, die mal eben aufpocht, wenn es um die guten alten zeiten geht?


Mehr lesen

28. Juni 2009 um 18:41

Hatte ich letztens
schon gepostet.

"Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen [A482] (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein."

Zitate :Immanuel Kant

Da ist schon was wahres dran.Man muß allerdings dazu sagen, daß es bei der Freiheit zig Schattierungen gibt.Da stellt sich die philosophische Frage verhunger ich lieber als freier Mann, oder nehme ich ein gewisses Mass an Unfreiheit in kauf und bekomme jeden Tag eine warme Mahlzeit.

Diese Frage muß sich wohl jeder selbst beantworten!

Den Spruch eines Ostdeutschen im Fernsehen fand ich irgendwie passend dazu:"Früher konnte ich es mir leisten zu verreisen aber durfte nicht, heute kann ich verreisen aber kann es mir nicht leisten."

Das ist irgendwie bitter und zynisch aber trifft es genau auf den Punkt.

Life is a ... !

lg
dante

Gefällt mir

28. Juni 2009 um 20:35
In Antwort auf dante692

Hatte ich letztens
schon gepostet.

"Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen [A482] (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein."

Zitate :Immanuel Kant

Da ist schon was wahres dran.Man muß allerdings dazu sagen, daß es bei der Freiheit zig Schattierungen gibt.Da stellt sich die philosophische Frage verhunger ich lieber als freier Mann, oder nehme ich ein gewisses Mass an Unfreiheit in kauf und bekomme jeden Tag eine warme Mahlzeit.

Diese Frage muß sich wohl jeder selbst beantworten!

Den Spruch eines Ostdeutschen im Fernsehen fand ich irgendwie passend dazu:"Früher konnte ich es mir leisten zu verreisen aber durfte nicht, heute kann ich verreisen aber kann es mir nicht leisten."

Das ist irgendwie bitter und zynisch aber trifft es genau auf den Punkt.

Life is a ... !

lg
dante

Jetzt wie du s sagst,
erinnere ich mich an dein zitat. hab sogar nach kant weitergegooglet!

ja, die schattierungen der freiheit...
freiheit ist also relativ, denn auf die warme mahlzeit verzichten wir alle nicht frei-willig, lassen uns aber fangen in systemen wie arbeitgeber-arbeitnehmerbezieh ungen, zeitarbeiterfirmen, versicherungen, ratenzahlungen, ... oder wir zwängen uns in gesellschaftsnormen, die uns dieses und jenes vorschreiben, anderes wiederum nicht dulden...

aber freien willens ein stück freiheit hergeben, sich in abhängigkeiten begeben u.ä. ist kein vergleich zur geraubten freiheit, gegen den willen festgehalten und unterdrückt werden.


- muss jetzt leider kurz aufhören.
bis später

Gefällt mir

28. Juni 2009 um 23:03


@wenn in Deutschland eine Partei entstehen würde, ...@


wo das hinführen kann, wissen wir ja

aber ich möchte mir nicht vorstellen, dass sich die menschen mit "brot und spielen" zufrieden geben würden. im gegenteil: liegt es nicht in der natur des menschen, immer mehr zu begehren?
denn wunschlos glücklich - gibt es das überhaupt?

ich glaube, dass sich diktaturen und andere grundrechte mißachtende regierungsformen nur deswegen so lange halten, weil sie überzeugend angst und schrecken verbreiten

Gefällt mir

28. Juni 2009 um 23:18

Freiheit
wie frei ist denn jemand der sich nicht mal ein Monatsticket leisten kann um wenigstens die Stadt ganz frei abzufahren. Wie frei ist jemand der sich nach seinem finanziellen Ruin das Leben nimmt. oder auch aus vielen anderen "Gründen". Wie frei ist jemand der von allerlei Süchten abhängig ist. Alkohol gab es auch im Osten, Drogen jedoch nicht. Und dort gab es keine bis zur Bewußtlsigkeit vollgetrunkene Kinder! Wie frei ist jemand der sich seinen Lebensunterhalt aus Mülltonnen zusammensucht. Ja es gibt Hartz IV, keine Ahnung warum es trotzdem viele Bettler und Flaschensammler gibt. (Finde es übrigens nett, dass inzwischen viele ihre Flaschen so abstellen, dass sie von den Bedürftigen problemlos eingesammelt werden können. Habe sogar schon mal beobachtet wie jemand auf einem Bahnhof ganz vorsichtig eine Flasche in den Müll tat, so dass sie nicht zerbrechen konnte.)
Wie frei ist jemand der keine Kinder will aus Angst seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Im Osten hatten die Frauen meist mit zwanzig ihr erstes Kind. Es folgten weitere. Wie frei ist jemand der lieber nicht frei im Wald rumläuft oder nachts auf der Straße weil es Überfälle gibt. Im Osten konntest Du Kinder alleine losschicken, manchmal kilometerweit ohne Angst haben zu müssen, dass sie nicht anmkommen. Selbst Säuglinge konnte man problemlos in Kinderwagen vor Kaufhäusern stehen lassen. Was natürlich auch was hat wenn das Kind im Kinderwagen heutzutage mit reingenommen werden kann.
Dafür gab es da viele andere Dinge die nicht gerade ok waren z. B. die Bespitzelung und dass man nicht in alle Länder reisen konnte. Trotzdem sind manche damals mehr verreist als jetzt, weil jetzt das Geld fehlt.Aber es war auch so, dass einige Kräfte Interesse daran hatten das System zu zerstören.
Insgesamt waren viele Menschen viel entspannter und zufriedener als heute. Jeder! konnte Arbeit bekommen. Schulessen gab es für 55 Pfennig, Familien mit mehr als vier Kindern zahlten gar nichts. ich glaube sogar ddazu kam noch die tägliche Freimilch.
Einem kompletten Volk einfach mal so ein anderes System überstülpen und sich nun Westen nennen war nicht sio gut. Das hätten viele ieber anders gewollt.



"ist der mensch also wirklich ein so faules gewohnheitstier, dass er sich lieber lenken lässt und dafür auf seine freiheit verzichtet, als sein leben selbst zu gestalten?"

Das wäre ja mal schön. Aber manch einer wird ständig von den Ämtern gezwungen zu irgendwelchen Dingen. Sei es Bewerbungen und andere Nachweise bringen, seien es gezwungene unterbezahlte (Sklaven-)arbeiten zu verrichten. So wie das System aufgebaut ist wird es aber definitiv nicht genügend Arbeitsplätze für alle geben. Aber ne man muß diejenigen die sowieso oft kaum noch klar kommen auch noch kaputt spielen. Im Fernsehen zeigten sie mal, dass eine solche Beamtin einen ihrer Sozialhilfeempfänger beim betteln sah und wollte das glatt von seinem Geld abziehen. Nicht, dass da mal einer wieder auf die Beine kommt. ... Wenn ich so etwas höre dann weiß ich auch nicht mehr. Meistens würde ich denn aber als erstes mal empfehlen, dass diejenigen die sich solche Systeme ausdenken, paar Wochen selber so leben bevor sie ihr Amt, ihren Dienst für ihr Volk aufnehmen. Und vor allem so einer Beamtin.



"oder ist das schlicht die nostalgische ader, die mal eben aufpocht, wenn es um die guten alten zeiten geht"

Da ist sicher auch etwas dabei. Aber wenn Du Dir die Zahlen im Vergleich ansiehst so weißt Du evtl. mehr. Ich kann nur sagen was viele so sehen.

Gefällt mir

29. Juni 2009 um 0:26

Das eine übel durch ein anderes ersetzen
das muss wohl der preis sein. mit hunger gegen die unterdrückung, mit ausbeutung gegen die tyrannei, mit krieg gegen den terror..

gegenwärtig gelingt es ja nirgends so recht, freiheit und frieden schmerzlos herzustellen

Gefällt mir

29. Juni 2009 um 1:10

@Für mich ist Freiheit auch das höchste Gut. Aber das lässt sich mit vollem Magen auch leicht sagen.
naja, die schwarze bevölkerung südafrikas bekam ja auch ihre warme mahlzeit und darüber hinaus noch frühstück, abendessen, wohnung, kleidung und medizinische versorgung... mehr als das allernötigste.

jetzt haben sie nichts, aber dürfen dafür auf einst verbotenen bänken sitzen (womöglich das einzige, was kostenlos ist...)

ich muss ehrlich sagen, ich fand die behauptung meines schwagers ziemlich überheblich. es klang nach "wir weißen haben ihnen wenigstens etwas geboten, aber von alleine bringen die schwarzen ja nichts zustande"
aber mit armut, kriminalität und aids in zunehmendem maße hat die schwarze bevölkerung ihre freiheit zu ertragen, weil immer noch keine chancengleichheit besteht.




Gefällt mir

29. Juni 2009 um 9:43
In Antwort auf lemonice73


@wenn in Deutschland eine Partei entstehen würde, ...@


wo das hinführen kann, wissen wir ja

aber ich möchte mir nicht vorstellen, dass sich die menschen mit "brot und spielen" zufrieden geben würden. im gegenteil: liegt es nicht in der natur des menschen, immer mehr zu begehren?
denn wunschlos glücklich - gibt es das überhaupt?

ich glaube, dass sich diktaturen und andere grundrechte mißachtende regierungsformen nur deswegen so lange halten, weil sie überzeugend angst und schrecken verbreiten

Nein Lemonice
das ist im Rückschluß so nicht korrekt.

"ich glaube, dass sich diktaturen und andere grundrechte mißachtende regierungsformen nur deswegen so lange halten, weil sie überzeugend angst und schrecken verbreiten"

Länder wie Lichtenstein, Brunei, Vereinigte Arabische Emirate etc. sind keine Demokratien.Aber sie haben dafür einen anderen Bonus, sie sind reich.
Die Bewohner würden einen Teufel tun hier etwas zu ändern.Sie profitieren direkt oder indirekt vom Reichtum der jeweiligen Länder.
Du siehst, wenn die Bedürfnisse befriedigt werden sind die Bürger auch gerne bereit auf Demokratie zu verzichten.Es fällt einem nur nicht sofort auf, da es so wenig Länder gibt wo die Rahmenbedingungen ( Befriedigung der Bedürfnisse ) so perfekt sind wie bei diesen Beispielen.

Mit der Partei wollte ich nicht auf die NSDAP anspielen.Dieser Drops ist gelutscht.Mit solchen platten Sprüchen würdest du die Mehrheit nicht mehr überzeugen können.Zudem hat die Partei ja nur Versprechungen gemacht und keine absoluten Garantien geben können.

Ich meinte Punkte wie "gläserner Bürger", Zensur, Einschränkung der Meinungsfreiheit, Bespitzelung durch den Staat und nicht ein Szenario wie den Holocaust.

"aber ich möchte mir nicht vorstellen, dass sich die menschen mit "brot und spielen" zufrieden geben würden. im gegenteil: liegt es nicht in der natur des menschen, immer mehr zu begehren? "

Hat im Imperium Romanum lange gut funktioniert und ist in meinen Augen ein Evergreen.Wenn der Rest der Welt ein abschreckendes Beispiel ist ( Hunger, Arbeitslosigkeit etc. ) dann lernt man schnell seine eingeschränkte Freiheit + Vollverpflegung zu schätzen.


Verstehe mich bitte nicht falsch.Ich bin für die Freiheit des Menschen und die Möglichkeiten die eine Demokratie offeriert.Ich wollte an dieser Stelle nur erläutern warum ich mir vorstellen könnte das Menschen ihre Freiheitsrechte freiwillig aufgeben, oder sich dankend in ihr Schicksal fügen.

Das Ende einer Demokratie ist dann gekommen oder steht kurz bevor, wenn der Staat es nicht mehr schafft die Bedürfnisse der Mehrheit der Bevölkerung ausreichend zu befriedigen.
Daran sollten unsere Politiker in Europa immer wieder erinnert werden.Sie brauchen nur die Geschichtsbücher aufschlagen, da steht es schwarz auf weiß!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!


lg
dante

Gefällt mir

30. Juni 2009 um 18:48

Naben t4u
Kann mich dem nur anschliessen.Vorallem den Aspekt mit dem Vergessen.

Da ich politisch interessiert bin passiert mir das aber nicht.Ich weiß noch genau was in den letzten 30 Jahren politisch passiert ist und das werde ich mit meiner Stimme im September auch honorieren .

lg
dante

Gefällt mir

30. Juni 2009 um 22:55

Schönreden
du hast zuweifellos recht. der mensch neigt dazu, üble erfahrungen zu verdrängen oder sie wenigstens schönzureden (wie bspw bush die wirklich nette definition für waterboarding durchgesetzt hat; statt folter war es nur mehr eine "verhörtechnik" )

dazu kommt: wenn der neue zustand nicht mal die erwartungen erfüllt, wenn er absolut beklagenswert ist - ja was soll man dann daran bejubeln? wie blumenfee schreibt: ist doch jacke wie hose

trotzdem glaube ich, ist der drang nach freiheit von ganz speziellen flügeln getragen. die kraft, die ein geeintes volk für seine befreiung entwickeln kann, ist nahezu bezwingend, eben revolutionär, während bspw volksaufstände gegen soziale oder finanzielle mißstände lediglich aufbrausen und auch wieder abebben.

und deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass mein schwager recht hat mit seinem statement. ich bin viel eher davon überzeugt, dass jeder betroffene seine freiheit zu schätzen weiß. gemeckert wird eh immer, aber die mauern wieder zu machen, die rassen wieder trennen? niemals!!!

Gefällt mir

Frühere Diskussionen

Diskussionen dieses Nutzers

Beliebte Diskussionen

Teste die neusten Trends!
experts-club

Das könnte dir auch gefallen