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Vladimir Nabokov - Lolita

21. August 2009 um 23:59

Jedesmal wenn mich jemand fragt, was das für ein Buch ist, bin ich geschockt das es kaum ein Jugendlicher kennt, es ist doch schließlich ein Klassiker. Dieses Buch ist äußerst faszinierend und abstoßend zugleich.



Sehr informativ äußert sich diese Seite darüber:



http://www.die-leselust.de/buch/nabokov_vladimir_lolita.htm


Originaltitel: Lolita
Roman. Rowohlt Verlag 1957
527 Seiten, ISBN: 3499225433


Eigentlich war Humbert Humbert schon als er vom Bahnhof abgeholt wurde der festen Überzeugung, keinen Tag länger als unbedingt notwendig in Ramsdale zu verbringen. Der erste Eindruck von seinem Quartier bestätigt ihn nur darin; doch dann sieht er sie. Dolores Haze, 12 Jahre alt - und ein richtiges Nymphchen. Sie sieht aus wie das Mädchen, das er einst liebte, als er selbst in diesem Alter war - und seither war sein Verlangen nach diesen Kindern, die in ihrer Unschuld doch schon so aufreizend waren, nie mehr erloschen.

Eine Gelegenheit wie diese - darauf hatte er ewig gewartet. Ein Kind, so nah, das er ansehen konnte, das ganz unbefangen im Badeanzug, im Schlafanzug vor ihm spielte - und ihn dann doch auch immer wieder mit diesem Blick ansieht - eine himmlische Situation. Wenn nur die Mutter nicht wäre, die immer in den unpassendsten Momenten nach seiner Aufmerksamkeit verlangt. Und die ganz unbewusst in einen Wettstreit mit ihrer Tochter tritt.

Doch das Glück ist nicht von langer Dauer. Dann ist Sommer, Ferien - und Dolly muss ins Feriencamp - und er kann es nicht verhindern. Der einzige Weg, Dolly, seiner Lolita, auch weiterhin näher bleiben zu können ist - ihre Mutter zu heiraten. Diese blüht auf, fängt an, das Haus neu einzurichten, zu dekorieren - und findet dabei auch das Tagebuch, das Humbert von Beginn seines Aufenthalts an geführt hat. Abscheulich, was sie darin lesen muss! Nicht nur, dass über sie selbst die widerwärtigsten Ausdrücke zu lesen sind, es ist vor allem kein Zweifel mehr daran möglich, dass Humberts Interesse alleine der Tochter gilt. Aber nie, nie soll er sie wiedersehen! Das ruft sie ihm noch zu - bevor sie aus dem Haus stürmt, um prompt von einem Auto überfahren zu werden.

Zitternd und aufgeregt fährt Humbert zum Camp, um seine Stieftochter abzuholen. Sie hat niemanden mehr auf dieser Welt, es gibt nur noch ihn - und ganz unschuldig will er seine Freude an ihr haben, will sie in Tiefschlaf versetzen, sie nur anschauen - doch das Schlafmittel wirkt nicht.

Sie ist es schließlich, die ihn verführt. Die daraufhin mit ihm herumreist, quer durchs ganze Land. Und er? Er strampelt, um seine Lolita bei Laune zu halten. Sie nicht schmollen zu lassen, gewisse Gefälligkeiten von ihr zu erwarten, ihr Kleider zu kaufen - so groß die Lust, so groß ist auch die Qual dieses Zusammenlebens. Und nach einem Jahr ist es damit auch genug; sie beschließen, wieder an einem Ort zu bleiben, Dolly zur Schule gehen zu lassen. Er solle nicht so konservativ sein, hört er permanent von ihren Lehrern, er solle auch mal erlauben, dass Dolly mit Jungen in Kontakt käme, an den unschuldigen Spielen teilnähme. Aber seine Eifersucht kennt keine Grenzen.

Und dann, als seine Angst den Höhepunkt erreicht, schlägt sie vor, wieder auf Reisen zu gehen...

Was für ein Buch! Dass es bei Erscheinen einen Skandal ausgelöst hat, ist nicht verwunderlich - auch heute ist es noch ganz schön heftig, diese pädophilen Gelüste lesen zu müssen. Obwohl Nabokov nie pornographisch wird, reichen doch seine Andeutungen schon aus. Und so, wie der Autor diese Besessenheit schildert, kann man nicht anders als sich in die Gedankengänge des kranken Mannes einzufühlen, seine Begierden mitzuerleben. Man ist zwischen Ekel und Faszination hin und her gerissen.

Was mit den beiden passiert, die gegenseitige Abhängigkeit, die emotionalen Stürme - das ist in einer Brillianz geschildert, die ihresgleichen sucht. Trotzdem hat das Buch auch Längen; die lange Reise ermüdet nicht nur H.H. und seine Lolita, sondern auch den Leser, und manchen wirren Gedankengängen mag man gar nicht mehr folgen.

Dennoch - ein Buch, das ich gewiss nicht zum letzten Mal gelesen habe. Und das seinen Ruf in der Weltliteratur völlig zu Recht erworben hat.

Vladimir Nabokov

wurde am 23. April 1899 in St. Petersburg geboren. Nach der Oktoberrevolution flieht die Familie 1919 nach England. Er studiert in Cambridge und Berlin. Nach der Flucht aus Deutschland lebt er erst in Paris, dann in den USA. Er starb am 2. Juli 1977.





MEIN FAZIT: Ich bin noch nicht einmal ganz fertig aber es ist ein unglaubliches Buch.... ich empfehle wirklich jedem, es zu lesen...


LG

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22. August 2009 um 2:44

Das 12 jährige Mädchen
verkörpert Reinheit und Unschuld. Es ist über dies genau das Alter in dem die Sexualität erwacht. In meinen Augen macht es absolut Sinn!

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22. August 2009 um 11:40

Du
darfst nicht vergessen, dass das Buch mehrere klare Schwerpunkte hat - die sind nicht unbedingt das, was du erwartest, aber das liegt an deiner Sicht. Neben aller Künstlerischkeit ist dieses Buch auch die Psychostudie eines Pädophilen und seines Opfers, das selbst Täterqualitäten entwickelt. Deswegen ist es eben eine 12jährige, ein Pädophiler wird mit einer 16jährigen nicht mehr viel anfangen können. Du kannst ja nicht etwas völlig anderes als die dargstellte Geschichte erwarten, und dann fragen, warum das nicht so ist

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22. August 2009 um 15:51

Leider
verdummen die Teenies heute immer mehr

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22. August 2009 um 15:52

Ja! Und?
Es geht um Humberts Obsession. Und um die darauf basierende Flucht vor anderen Menschen und letztlich auch vor sich selbst!

Sicher muss man diesen Klassiker nicht mögen, aber zu behaupten ein jugendliches Mädchen hätte dem kein Abbruch getan ist wohl völliger Quatsch. Denn genau darum gehts doch! Um das Leiden eines Pädophilen. Um das Leiden unter seiner Obsession. Der Roman ist wesentlich vielschichtiger als Du es hier darzustellen versuchst. Wenn Du glaubst, es ginge darum die Pädophilie gutzuheissen oder zu beschönigen, dann hast Du absolut nichts kapiert!

"In etwas negativen gibt es nichts positives!"

Es geht darum dieses Thema anders zu betrachten! Etwas Negatives so darzustellen, wie es oberflächlich betrachtet scheint, ist sehr einfach. Aber so etwas nachvollziehbar und mit Intelligenz anstatt mit Scheuklappen zu behandeln, ist nicht nur wichtig sondern auch lobenswert!

Humbert Humbert ist nicht der Titelheld sondern die tragische Figur...

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22. August 2009 um 17:04

Wenn
du es nicht einmal gelesen hast, woher weißt du so genau, dass er positiv dargestellt wird? Das wird er nicht, er steht einfach unter der Lupe des Autors, mit all seinen Eigenschaften und vor allem mit seiner Krankheit. Es ist eine Psychoanalyse, das hat nichts mit Positivität zu tun.

Im übrigen halte ich Goethe für den am meisten überschätzten Papierbeschmierer aller Zeiten. Der Mann hatte gute Ideen - schreiben konnte er nicht. Ich finde es grässlich wie alle diesen unleserlichen Mist hochjubeln. Würde da nicht Goethe sondern Heinz Müller als Autor stehen, würde es keiner auch nur drucken. Aber das so nebenbei.

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22. August 2009 um 20:59

Ich finde man sollte
das Buch lesen udn darüber anchdenken, bevor man urteilt, ob es so etwas geben darf, wenn du das gerade auch auf "Lolita" beziehen möchtest.

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22. August 2009 um 21:13
In Antwort auf polmanina

Wenn
du es nicht einmal gelesen hast, woher weißt du so genau, dass er positiv dargestellt wird? Das wird er nicht, er steht einfach unter der Lupe des Autors, mit all seinen Eigenschaften und vor allem mit seiner Krankheit. Es ist eine Psychoanalyse, das hat nichts mit Positivität zu tun.

Im übrigen halte ich Goethe für den am meisten überschätzten Papierbeschmierer aller Zeiten. Der Mann hatte gute Ideen - schreiben konnte er nicht. Ich finde es grässlich wie alle diesen unleserlichen Mist hochjubeln. Würde da nicht Goethe sondern Heinz Müller als Autor stehen, würde es keiner auch nur drucken. Aber das so nebenbei.

Es ist ein unheimlich
aufregendes Werk, das einen anekelt und doch fasziniert... oder nicht?

Er wird ja auch nicht positiv dargestellt und Pädophilie auch nicht. Humbert Humbert , diese Figur, sieht sich selbst als einen, der in einem Elend steckt.

Ich finde Theodor Fontanes "Effi Briest" schlecht. Ich habe angefangen, es zu lesen, aber nein danke...

Also ich finde dafür Goethe nicht komplett schlecht...


Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Frech und froh

Liebesqual verschmäht mein Herz,
Sanften Jammer, süßen Schmerz;
Nur vom Tücht'gen will ich wissen,
Heißem Äuglen, derben Küssen.
Sei ein armer Hund erfrischt
Von der Lust, mit Pein gemischt!
Mädchen, gib der frischen Brust
Nichts von Pein und alle Lust.



Du hast den guten, alten Schiller hier nochmal:

Friedrich von Schiller (1759-1805)
Sehnsucht

Ach, aus dieses Tales Gründen,
Die der kalte Nebel drückt,
Könnt ich doch den Ausgang finden,
Ach wie fühlt ich mich beglückt!
Dort erblick ich schöne Hügel,
Ewig jung und ewig grün!
Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel,
Nach den Hügeln zög ich hin.

Harmonien hör ich klingen,
Töne süßer Himmelsruh,
Und die leichten Winde bringen
Mir der Düfte Balsam zu,
Goldne Früchte seh ich glühen,
Winkend zwischen dunkelm Laub,
Und die Blumen, die dort blühen,
Werden keines Winters Raub.

Ach wie schön muss sichs ergehen
Dort im ewgen Sonnenschein,
Und die Luft auf jenen Höhen,
O wie labend muss sie sein!
Doch mir wehrt des Stromes Toben,
Der ergrimmt dazwischen braust,
Seine Wellen sind gehoben,
Dass die Seele mir ergraust.

Einen Nachen seh ich schwanken,
Aber ach! der Fährmann fehlt.
Frisch hinein und ohne Wanken,
Seine Segel sind beseelt.
Du musst glauben, du musst wagen,
Denn die Götter leihn kein Pfand,
Nur ein Wunder kann dich tragen
In das schöne Wunderland.


Und der darf nicht fehlen:

Heinrich Heine (1797-1856)
Diese schönen Gliedermassen...

Diese schönen Gliedermassen
Kolossaler Weiblichkeit
Sind jetzt, ohne Widerstreit,
Meinen Wünschen überlassen.

Wär ich, leidenschaftentzügelt,
Eigenkräftig ihr genaht,
Ich bereute solche Tat!
Ja, sie hätte mich geprügelt.

Welcher Busen, Hals und Kehle!
(Höher seh ich nicht genau.)
Eh' ich ihr mich anvertrau,
Gott empfehl ich meine Seele



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22. August 2009 um 21:20
In Antwort auf paluti

Ja! Und?
Es geht um Humberts Obsession. Und um die darauf basierende Flucht vor anderen Menschen und letztlich auch vor sich selbst!

Sicher muss man diesen Klassiker nicht mögen, aber zu behaupten ein jugendliches Mädchen hätte dem kein Abbruch getan ist wohl völliger Quatsch. Denn genau darum gehts doch! Um das Leiden eines Pädophilen. Um das Leiden unter seiner Obsession. Der Roman ist wesentlich vielschichtiger als Du es hier darzustellen versuchst. Wenn Du glaubst, es ginge darum die Pädophilie gutzuheissen oder zu beschönigen, dann hast Du absolut nichts kapiert!

"In etwas negativen gibt es nichts positives!"

Es geht darum dieses Thema anders zu betrachten! Etwas Negatives so darzustellen, wie es oberflächlich betrachtet scheint, ist sehr einfach. Aber so etwas nachvollziehbar und mit Intelligenz anstatt mit Scheuklappen zu behandeln, ist nicht nur wichtig sondern auch lobenswert!

Humbert Humbert ist nicht der Titelheld sondern die tragische Figur...

Ja
Er ist keine Heldenfigur, sondern auch er ist Opfer seiner Leidenschaft, seiner Besessenheit vielleicht von den "Nymphchen", wie er sie nennt.

Lolita - der Begriff wird heute auf "Kindfrauen" angewandt, ist eine Koseform zu Dolores. Dolores, Lola, Lolita. Bei einer Lolita treffen dann Kindermerkmale und Reifemerkmale aufeinander, so wie es heute gebraucht wird. Wenn man sich manche Werbeplakate ansieht, merkt man, der Jugendwahn von heute ist ein Lolitawahn. Volle Lippen, hohe Wangenknochen, große Augen, seidige Haare in Kombination mit dem heutigen Magerwahn... ein möglichst kindliches Aussehen...

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23. August 2009 um 18:10

Ich bitte dich
noch einmal unsere Beiträge zu lesen. Weder wird Humbert im Buch positiv dargestellt, noch hier von jemandem in Schutz genommen. Es ist eine PSYCHOLOGISCHE STUDIE EINES PÄDOPHILEN in Romanform. Keine Heldendarstellung, keine Positivierung, eine S-T-U-D-I-E. Wenn man sich für Psychologie begeistern kann, liest man es - interessieren einen Gehirne kranker Menschen nicht, liest man es nicht. Was erwartest du also nun genau?

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23. August 2009 um 18:45

Ich habe kein Verszändnis
für seine Pädophilie, ich sehe sie aber als das, was sie ist: Eine Anomalie, eine Krankheit... Eine Abart.

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23. August 2009 um 18:45

Ich habe kein Verständnis
für seine Pädophilie, ich sehe sie aber als das, was sie ist: Eine Anomalie, eine Krankheit... Eine Abart.

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