Home / Forum / Gesellschaft & Leben / Verschleiern sich Frauen wirklich freiwillig!!!

Verschleiern sich Frauen wirklich freiwillig!!!

9. Juli 2005 um 14:47

Habe heute in einem grossen Einkaufszentrum eine Familie gesehen, Kind, Vater und Mutter. Die Mutter war total verschleiert mit einem Dschador in schwarzer Farbe. Über die Augen hatte sie auch ein Tuch, so dass man von der Frau nichts sah, nicht mal die Augen, was bei einem Dschador sonst der Fall ist. Ich finde sowas furchtbar, ich denke nicht, dass die Frauen sowas freiwillig machen, wie es oft gesagt wird in solchen Kulturen. Glaubt ihr das?

Mehr lesen

10. Juli 2005 um 13:47

Ich habe lange
in moslimischen Ländern gelebt, vier Jahre in Saudi-Arabien und 13 Jahre in Ägypten, das was Du da gesehen hast (komplett verhüllt), schreibt der Islam nicht vor, das sind findamentalistische Randgruppen, die es so machen.
Frauen sollen ihr Haar verdecken, die Handfläschen und Fußsohlen und das nur freiwillig.
Die allermeisten Frauen , die ich dort kennen gelernt habe, haben sich, wenn sie verschleiert waren aus eigennen Stücken dazu entschlossen denn es ist sogar so, das wenn ein Mann eine Frau dazu zwingt es ihm als Sünde angerechnet wird, für die er dann, am Tag seines Gerichtes, wenn er gestorben ist, bestraft wird.
Die Frauen wachsen dort ganz anders auf als hier in Europa, die Menschen dort sind religiöser und haben andere Werte, für die Frauen dort ist es ganz normal, das sie irgendwann einen Schleier Tragen.
Viele verbinden es mit der Pilgerfahrt nach Mekka, welche eine der fünf Säulen des Islam ist,jeder der es sich irgenwie leisten kann, pilgert auxh dort hin und nach der die meisten Mosliminen sich verschleiern.
Es gibt natürlich auch die ein oder andere, die dazu gezwungen wurde, es ist aber nicht die Regel, kommt aber in weniger kultuvierten Kreise, bei sehr armen, nicht so gebildeten Bevölkerungsschichten vor.

Gruß

equinox68

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 9:32
In Antwort auf shena_12375982

Ich habe lange
in moslimischen Ländern gelebt, vier Jahre in Saudi-Arabien und 13 Jahre in Ägypten, das was Du da gesehen hast (komplett verhüllt), schreibt der Islam nicht vor, das sind findamentalistische Randgruppen, die es so machen.
Frauen sollen ihr Haar verdecken, die Handfläschen und Fußsohlen und das nur freiwillig.
Die allermeisten Frauen , die ich dort kennen gelernt habe, haben sich, wenn sie verschleiert waren aus eigennen Stücken dazu entschlossen denn es ist sogar so, das wenn ein Mann eine Frau dazu zwingt es ihm als Sünde angerechnet wird, für die er dann, am Tag seines Gerichtes, wenn er gestorben ist, bestraft wird.
Die Frauen wachsen dort ganz anders auf als hier in Europa, die Menschen dort sind religiöser und haben andere Werte, für die Frauen dort ist es ganz normal, das sie irgendwann einen Schleier Tragen.
Viele verbinden es mit der Pilgerfahrt nach Mekka, welche eine der fünf Säulen des Islam ist,jeder der es sich irgenwie leisten kann, pilgert auxh dort hin und nach der die meisten Mosliminen sich verschleiern.
Es gibt natürlich auch die ein oder andere, die dazu gezwungen wurde, es ist aber nicht die Regel, kommt aber in weniger kultuvierten Kreise, bei sehr armen, nicht so gebildeten Bevölkerungsschichten vor.

Gruß

equinox68

Naja, nicht so ganz freiwillig.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Frauen freiwillig verschleiern, denn wenn man in Saudi Arabien oder zum Beispiel im Iran ohne Schleier rumläuft, wird man mitunter verhaftet. Unter Freiwilligkeit verstehen ich, freie Meinungsäusserung, so dass sich eine mit Tschador und eine andere ohne mit Rock und normaler Bluse kleiden kann und das ist sicher nicht der Fall dort.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 10:33

Für die meisten ist es ganz normal,
da sie da hineingeboren werden...

sie wurden geboren und es war eben so und sie können sich diesem zwang nicht entziehen.

ich denke zwar, dass einige es auch freiwillig machen, aber dann doch wohl eher die, die nur ein kopftuch tragen.

beim tschador ist es wohl eher nicht so, da ist es halt vorgeschrieben und nicht zu ändern...


sommer

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:15
In Antwort auf shena_12375982

Ich habe lange
in moslimischen Ländern gelebt, vier Jahre in Saudi-Arabien und 13 Jahre in Ägypten, das was Du da gesehen hast (komplett verhüllt), schreibt der Islam nicht vor, das sind findamentalistische Randgruppen, die es so machen.
Frauen sollen ihr Haar verdecken, die Handfläschen und Fußsohlen und das nur freiwillig.
Die allermeisten Frauen , die ich dort kennen gelernt habe, haben sich, wenn sie verschleiert waren aus eigennen Stücken dazu entschlossen denn es ist sogar so, das wenn ein Mann eine Frau dazu zwingt es ihm als Sünde angerechnet wird, für die er dann, am Tag seines Gerichtes, wenn er gestorben ist, bestraft wird.
Die Frauen wachsen dort ganz anders auf als hier in Europa, die Menschen dort sind religiöser und haben andere Werte, für die Frauen dort ist es ganz normal, das sie irgendwann einen Schleier Tragen.
Viele verbinden es mit der Pilgerfahrt nach Mekka, welche eine der fünf Säulen des Islam ist,jeder der es sich irgenwie leisten kann, pilgert auxh dort hin und nach der die meisten Mosliminen sich verschleiern.
Es gibt natürlich auch die ein oder andere, die dazu gezwungen wurde, es ist aber nicht die Regel, kommt aber in weniger kultuvierten Kreise, bei sehr armen, nicht so gebildeten Bevölkerungsschichten vor.

Gruß

equinox68

Nur Menschen, die vor Liebe überfließen
Nur Menschen, die vor Liebe überfließen, werden zum Aufbau der glücklichen und aufgeklärten Welt der Zukunft beitragen. Ihre Lippen werden aus Liebe lächeln, ihr Herz wird vor Liebe überfließen, ihre Augen werden Liebe und die zärtlichsten menschlichen Gefühle ausstrahlen. Sie sind die Helden der Liebe, die vom Auf- und Untergang der Sonne und vom flackernden Sternenlicht immer neue Botschaften der Liebe empfangen.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:17
In Antwort auf iolyn_12733717

Nur Menschen, die vor Liebe überfließen
Nur Menschen, die vor Liebe überfließen, werden zum Aufbau der glücklichen und aufgeklärten Welt der Zukunft beitragen. Ihre Lippen werden aus Liebe lächeln, ihr Herz wird vor Liebe überfließen, ihre Augen werden Liebe und die zärtlichsten menschlichen Gefühle ausstrahlen. Sie sind die Helden der Liebe, die vom Auf- und Untergang der Sonne und vom flackernden Sternenlicht immer neue Botschaften der Liebe empfangen.

Der Islam dient zu Vernunft,Toleranz und Liebe
"Die Helden der Liebe behandeln andere Menschen liebevoll. Selbst wenn sie Ärger und Wut empfinden, dient dies der Disziplin und ist insofern als positiv zu betrachten. "


F. Gülen

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:18
In Antwort auf iolyn_12733717

Der Islam dient zu Vernunft,Toleranz und Liebe
"Die Helden der Liebe behandeln andere Menschen liebevoll. Selbst wenn sie Ärger und Wut empfinden, dient dies der Disziplin und ist insofern als positiv zu betrachten. "


F. Gülen

Warum erschuf Gott das Universum ? Musste ER es tun ? Warum hat ER es nicht schon früher erschaffen
Zunächst einmal sollte man zur Kenntnis nehmen, dass wir als menschliche Wesen alles aus menschlicher Perspektive betrachtet wahrnehmen und unsere Beobachtungen in entsprechende Worte kleiden. Um ein Beispiel zu nennen: die Menschen handeln aus einer Notwendigkeit oder aus einem Verlangen heraus. Wir beabsichtigen, Dinge zu tun, weil wir bestimmte Bedürfnisse haben oder dazu gezwungen werden.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:21
In Antwort auf iolyn_12733717

Warum erschuf Gott das Universum ? Musste ER es tun ? Warum hat ER es nicht schon früher erschaffen
Zunächst einmal sollte man zur Kenntnis nehmen, dass wir als menschliche Wesen alles aus menschlicher Perspektive betrachtet wahrnehmen und unsere Beobachtungen in entsprechende Worte kleiden. Um ein Beispiel zu nennen: die Menschen handeln aus einer Notwendigkeit oder aus einem Verlangen heraus. Wir beabsichtigen, Dinge zu tun, weil wir bestimmte Bedürfnisse haben oder dazu gezwungen werden.

Tasawwuf oder Sufismus
Tasawwuf oder Sufismus
Tasawwuf oder Sufismus (die im Deutschen bevorzugte Übersetzung) ist der Name des Weges, auf den sich die Sufis begeben, um Gott zu erreichen.

---------------------------------------------------------------------------------

Tasawwuf oder Sufismus (die im Deutschen bevorzugte Übersetzung) ist der Name des Weges, auf den sich die Sufis begeben, um Gott zu erreichen. Während der Begriff tasawwuf normalerweise den theoretischen oder philosophischen Aspekt der Suche nach der Wahrheit bezeichnet, wird die praktische Seite normalerweise durch den Ausdruck Derwisch sein umschrieben.
Tasawwuf wurde schon auf verschiedene Art und Weise definiert. Manchen zufolge bedeutet tasawwuf die Aufhebung von Ego und Selbst-Zentriertheit des Menschen durch den Allmächtigen Gott und seine spirituelle Wiedererweckung durch das Licht Seines Wesens; mit anderen Worten, die Vernichtung des menschlichen Willens und die anschließende Lenkung durch Seinen Willen. Ein anderer Ansatz zur Definition von tasawwuf sieht diesen als kontinuierliches Bestreben, alle fehlerhaften Grundsätze und schlechten Verhaltensweisen über Bord zu werfen und sich stattdessen gute Eigenschaften anzueignen.
Junayd al-Baghdadi, ein berühmter Sufimeister, definiert tasawwuf als einen Weg, sich die Selbstaufhebung in Gott und Beständigkeit oder Existenz mit Gott ins Gedächtnis zurück zu rufen. Einer anderen Definition zufolge heißt tasawwuf, ewig mit Gott zusammen zu sein oder sich in Seiner immer währenden Gegenwart aufzuhalten und dabei nichts Weltliches oder Außerweltliches anzustreben. Tasawwuf ist der Widerstand gegen die Versuchungen des fleischlichen Selbst und schlechter moralischer Eigenschaften und der Versuch, sich lobenswerte moralische Eigenschaften anzueignen.

Es gibt auch einige, die tasawwuf als über die (äußere) Realität der Dinge und Ereignisse hinaus sehen und als Interpretation von allem was sich (in der Welt) in Bezug auf Gott tut beschreiben. Weiterhin gilt als tasawwuf, jede Handlung des Allmächtigen als ein Fenster zu betrachten, durch das man Ihn schauen kann, sein Leben in ständigem Bemühen zu leben, Ihn durch einen tiefgründigen, spirituellen Blick, der sich nicht mit physischen Begriffen wiedergeben lässt, zu sehen oder zu schauen und sich schließlich ganz darüber bewusst zu sein, ständig von Ihm gesehen zu werden.

All diese Erklärungsversuche können folgendermaßen zusammengefasst werden: Tasawwuf bedeutet, dass man durch die Befreiung von den Übeln und Schwächen, die dem Menschen eigen sind, und durch die Aneignung von Eigenschaften der Engel sowie durch Gott gefälliges Verhalten, sein Leben in Übereinstimmung mit den Erfordernissen des Wissens um Gott und mit der Liebe zu Ihm und im spirituellen Entzücken, das so entsteht, lebt.

Tasawwuf gründet auf die Befolgung der Regeln der Sharia und auf die Durchdringung ihrer (inneren) Bedeutungen. Auch gute Umgangsformen sind erforderlich. Ein Eingeweihter oder Reisender auf dem Pfad (arab.: salik), der erfolgreich ist, kann niemals die äußere Befolgung der Sharia von ihrer inneren Dimension trennen; er erfüllt beide, die inneren wie auch die äußeren Aspekte der Religion. Durch eine solche Befolgung reist er in äußerster Demut und Ergebenheit seinem Ziel entgegen.

Tasawwuf ist ein Pfad, der zur Kenntnis Gottes führt, und ein Weg, der Ernsthaftigkeit (von Ziel und Richtung) erfordert. Für gleichgültiges oder leichtfertiges Verhalten bietet er keinen Platz. Er verlangt vom Eingeweihten, ähnlich wie die Honigbiene, die ständig vom Bienenstock zur Blume und wieder zurück fliegt, ausdauernd um die Kenntnis Gottes zu ringen. Er sollte sein Herz von allen anderen Bindungen als der Suche nach Gott reinigen und allen Neigungen, Wünschen und Gelüsten des fleischlichen Selbst widerstehen. Er sollte auch sein Leben auf spiritueller Ebene mit der Bereitschaft, Göttlichen Segen zu empfangen, und in strikter Befolgung des Beispiels des Propheten führen. Er sollte seine eigenen Interessen zu Gunsten der Ansprüche Gottes, der Wahrheit, zurück stellen und dabei aufrichtig seine Bindung und sein Festhalten an Gott bekennen.

Nach diesen einleitenden Definitionen sollten wir nun das Ziel, den Nutzen und die Prinzipien des tasawwuf diskutieren:
Tasawwuf erfordert strikte Befolgung der religiösen Pflichten, Enthaltsamkeit in der Lebensführung und den Entschluss, allen tierischen Trieben zu entsagen. Tasawwuf bedeutet, auf einer spirituellen Ebene zu leben, und erreicht dieses Ziel durch die Reinigung des menschlichen Herzens und die Entwicklung der Sinne und Fähigkeiten auf dem Weg zu Gott. Tasawwuf befähigt den Menschen, durch die ständige Ausübung der Praktiken zur Verehrung Gottes, sein Bewusstsein, ein Diener Gottes zu sein, zu vertiefen. Er befähigt den Menschen, auf die vergängliche Dimension der Welt und ihre den Wünschen und Launen zugekehrte Seite zu verzichten; er macht ihn aufnahmebereit für die andere Welt und die Seite jener Welt, die den Wunderbaren Göttlichen Namen zugewandt ist.
Der Nutzen von tasawwuf liegt darin begründet, dass der Mensch die Engelsseite seiner Existenz weiter entwickelt und sich ein starkes, tief empfundenes und erfahrenes Bewusstsein um die Wahrheit und die Glaubensartikel aneignet, welche er anfangs nur oberflächlich akzeptiert hat.

Die Prinzipien des tasawwuf lassen sich wie folgt einteilen:

1. Einen festen, wahren Glauben an die Göttliche Einheit zu erlangen und das Leben nach dessen Anforderungen auszurichten.

2. Zusätzlich zur Beachtung der Göttlichen Rede (des Koran) die Anordnungen der Göttlichen Kraft und Seines Willens gegenüber dem Universum (d.h. den Gesetzen der Schöpfung und des Lebens, die Inhalt der Wissenschaft sind) zu erkennen und sie zu befolgen.

3. Von Göttlicher Liebe überzufließen und ein gutes Verhältnis zu allen anderen Wesen in dem Bewusstsein (das sich aus der Göttlichen Liebe herleitet) zu unterhalten, dass das Universum eine Wiege der Brüderlichkeit ist.

4. Aus Nächstenliebe zu handeln und damit dem Wohlergehen und Glück anderer Menschen Priorität einzuräumen.

5. In Übereinstimmung mit den Anforderungen des Göttlichen Willens nicht des eigenen zu handeln und zu versuchen, das Leben so weit es geht unter Selbst-Auflösung in Gott und in Abhängigkeit von Ihm zu leben.

6. Sich für Liebe, spirituelle Sehnsucht, Vergnügen und Ekstase zu öffnen.

7. Sich die Möglichkeit anzueignen, das, was in den Herzen oder im Verstand ist, durch die oberflächlichen Erscheinungen, durch die Göttlichen Mysterien und durch die Bedeutungen an der Oberfläche der Ereignisse wahrzunehmen und zu entschleiern.

8. Orte und die Nähe solcher Freunde aufzusuchen, die die Vermeidung von Sünden und das Voranschreiten auf dem Weg Gottes ermutigen.

9. Zufrieden zu sein mit den rechtmäßigen oder legalen Genüssen und entschlossen zu sein, keine Schritte auf das Unrechtmäßige hin zu unternehmen.

10. Beständig gegen weltliche Begierden und die Illusionen anzukämpfen, die uns dazu verführen, anzunehmen, diese Welt sei ewig.

11. Nicht zu vergessen, dass selbst auf dem Weg, der Religion zu dienen und etwas für die Leitung der Menschen zu unternehmen, Erlösung nur durch Gewissheit oder Überzeugung und Aufrichtigkeit oder Reinheit in Absicht und Ziel möglich ist, die ausschließlich darauf abzielen, das Wohlgefallen Gottes zu erlangen. (Überzeugung bezeichnet hier die Überzeugung von der Wahrheit der religiösen Prinzipien des Glaubens und des Verhaltens)

Der Erwerb von Wissen, das Verstehen der religiösen und gnostischen Wissenschaften und das Befolgen der Weisungen eines makellosen spirituellen Meisters kann den oben aufgeführten Prinzipien, die für den Weg des Naqshbandiya-Sufiordens von größter Wichtigkeit sind, noch hinzu gefügt werden.
Es wird nützlich sein, tasawwuf im Licht der folgenden grundlegenden Konzepte zu diskutieren, die Inhalt von Büchern sind, die zum Thema gute Moral, gutes Benehmen und Askese verfasst wurden, und die man als die Stellen betrachtet, an denen man die Weisheit des Propheten im Herzen des Menschen findet. Diese Konzepte können auch als die Lichter gelten, durch die der Mensch den spirituellen Pfad zu Gott erkennt und Ihm folgen kann.
Das erste und bedeutendste dieser Konzepte ist die Wachsamkeit (yaqza), auf die auch der Ausspruch des Propheten Meine Augen schlafen, mein Herz aber nicht und die Bemerkung des vierten Kalifen Ali Die Menschen schlafen. Sie wachen erst auf, wenn sie sterben hinweisen.
Dem Konzept der Wachsamkeit folgen tawba (Reue), inaba (aufrichtige Buße), awba (sich Gott in Reue zuwenden), muhasaba (Selbstkritik oder sich selbst in Frage stellen), tafakkur (Reflektion), firar (Flucht), itisam (Zuflucht suchen), halwat (Alleinsein), uzlat (Zurückgezogenheit), hal (spiritueller Zustand), maqam (spirituelle Station oder Rang), qalb (Herz), huzn (Trauer oder Leid), khawf (Furcht vor Gott), raja (Hoffnung oder Erwartung), zuhd (Askese) und noch viele weitere mehr, die demnächst regelmäßig hier an dieser Stelle analysiert werden sollen.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:23
In Antwort auf iolyn_12733717

Tasawwuf oder Sufismus
Tasawwuf oder Sufismus
Tasawwuf oder Sufismus (die im Deutschen bevorzugte Übersetzung) ist der Name des Weges, auf den sich die Sufis begeben, um Gott zu erreichen.

---------------------------------------------------------------------------------

Tasawwuf oder Sufismus (die im Deutschen bevorzugte Übersetzung) ist der Name des Weges, auf den sich die Sufis begeben, um Gott zu erreichen. Während der Begriff tasawwuf normalerweise den theoretischen oder philosophischen Aspekt der Suche nach der Wahrheit bezeichnet, wird die praktische Seite normalerweise durch den Ausdruck Derwisch sein umschrieben.
Tasawwuf wurde schon auf verschiedene Art und Weise definiert. Manchen zufolge bedeutet tasawwuf die Aufhebung von Ego und Selbst-Zentriertheit des Menschen durch den Allmächtigen Gott und seine spirituelle Wiedererweckung durch das Licht Seines Wesens; mit anderen Worten, die Vernichtung des menschlichen Willens und die anschließende Lenkung durch Seinen Willen. Ein anderer Ansatz zur Definition von tasawwuf sieht diesen als kontinuierliches Bestreben, alle fehlerhaften Grundsätze und schlechten Verhaltensweisen über Bord zu werfen und sich stattdessen gute Eigenschaften anzueignen.
Junayd al-Baghdadi, ein berühmter Sufimeister, definiert tasawwuf als einen Weg, sich die Selbstaufhebung in Gott und Beständigkeit oder Existenz mit Gott ins Gedächtnis zurück zu rufen. Einer anderen Definition zufolge heißt tasawwuf, ewig mit Gott zusammen zu sein oder sich in Seiner immer währenden Gegenwart aufzuhalten und dabei nichts Weltliches oder Außerweltliches anzustreben. Tasawwuf ist der Widerstand gegen die Versuchungen des fleischlichen Selbst und schlechter moralischer Eigenschaften und der Versuch, sich lobenswerte moralische Eigenschaften anzueignen.

Es gibt auch einige, die tasawwuf als über die (äußere) Realität der Dinge und Ereignisse hinaus sehen und als Interpretation von allem was sich (in der Welt) in Bezug auf Gott tut beschreiben. Weiterhin gilt als tasawwuf, jede Handlung des Allmächtigen als ein Fenster zu betrachten, durch das man Ihn schauen kann, sein Leben in ständigem Bemühen zu leben, Ihn durch einen tiefgründigen, spirituellen Blick, der sich nicht mit physischen Begriffen wiedergeben lässt, zu sehen oder zu schauen und sich schließlich ganz darüber bewusst zu sein, ständig von Ihm gesehen zu werden.

All diese Erklärungsversuche können folgendermaßen zusammengefasst werden: Tasawwuf bedeutet, dass man durch die Befreiung von den Übeln und Schwächen, die dem Menschen eigen sind, und durch die Aneignung von Eigenschaften der Engel sowie durch Gott gefälliges Verhalten, sein Leben in Übereinstimmung mit den Erfordernissen des Wissens um Gott und mit der Liebe zu Ihm und im spirituellen Entzücken, das so entsteht, lebt.

Tasawwuf gründet auf die Befolgung der Regeln der Sharia und auf die Durchdringung ihrer (inneren) Bedeutungen. Auch gute Umgangsformen sind erforderlich. Ein Eingeweihter oder Reisender auf dem Pfad (arab.: salik), der erfolgreich ist, kann niemals die äußere Befolgung der Sharia von ihrer inneren Dimension trennen; er erfüllt beide, die inneren wie auch die äußeren Aspekte der Religion. Durch eine solche Befolgung reist er in äußerster Demut und Ergebenheit seinem Ziel entgegen.

Tasawwuf ist ein Pfad, der zur Kenntnis Gottes führt, und ein Weg, der Ernsthaftigkeit (von Ziel und Richtung) erfordert. Für gleichgültiges oder leichtfertiges Verhalten bietet er keinen Platz. Er verlangt vom Eingeweihten, ähnlich wie die Honigbiene, die ständig vom Bienenstock zur Blume und wieder zurück fliegt, ausdauernd um die Kenntnis Gottes zu ringen. Er sollte sein Herz von allen anderen Bindungen als der Suche nach Gott reinigen und allen Neigungen, Wünschen und Gelüsten des fleischlichen Selbst widerstehen. Er sollte auch sein Leben auf spiritueller Ebene mit der Bereitschaft, Göttlichen Segen zu empfangen, und in strikter Befolgung des Beispiels des Propheten führen. Er sollte seine eigenen Interessen zu Gunsten der Ansprüche Gottes, der Wahrheit, zurück stellen und dabei aufrichtig seine Bindung und sein Festhalten an Gott bekennen.

Nach diesen einleitenden Definitionen sollten wir nun das Ziel, den Nutzen und die Prinzipien des tasawwuf diskutieren:
Tasawwuf erfordert strikte Befolgung der religiösen Pflichten, Enthaltsamkeit in der Lebensführung und den Entschluss, allen tierischen Trieben zu entsagen. Tasawwuf bedeutet, auf einer spirituellen Ebene zu leben, und erreicht dieses Ziel durch die Reinigung des menschlichen Herzens und die Entwicklung der Sinne und Fähigkeiten auf dem Weg zu Gott. Tasawwuf befähigt den Menschen, durch die ständige Ausübung der Praktiken zur Verehrung Gottes, sein Bewusstsein, ein Diener Gottes zu sein, zu vertiefen. Er befähigt den Menschen, auf die vergängliche Dimension der Welt und ihre den Wünschen und Launen zugekehrte Seite zu verzichten; er macht ihn aufnahmebereit für die andere Welt und die Seite jener Welt, die den Wunderbaren Göttlichen Namen zugewandt ist.
Der Nutzen von tasawwuf liegt darin begründet, dass der Mensch die Engelsseite seiner Existenz weiter entwickelt und sich ein starkes, tief empfundenes und erfahrenes Bewusstsein um die Wahrheit und die Glaubensartikel aneignet, welche er anfangs nur oberflächlich akzeptiert hat.

Die Prinzipien des tasawwuf lassen sich wie folgt einteilen:

1. Einen festen, wahren Glauben an die Göttliche Einheit zu erlangen und das Leben nach dessen Anforderungen auszurichten.

2. Zusätzlich zur Beachtung der Göttlichen Rede (des Koran) die Anordnungen der Göttlichen Kraft und Seines Willens gegenüber dem Universum (d.h. den Gesetzen der Schöpfung und des Lebens, die Inhalt der Wissenschaft sind) zu erkennen und sie zu befolgen.

3. Von Göttlicher Liebe überzufließen und ein gutes Verhältnis zu allen anderen Wesen in dem Bewusstsein (das sich aus der Göttlichen Liebe herleitet) zu unterhalten, dass das Universum eine Wiege der Brüderlichkeit ist.

4. Aus Nächstenliebe zu handeln und damit dem Wohlergehen und Glück anderer Menschen Priorität einzuräumen.

5. In Übereinstimmung mit den Anforderungen des Göttlichen Willens nicht des eigenen zu handeln und zu versuchen, das Leben so weit es geht unter Selbst-Auflösung in Gott und in Abhängigkeit von Ihm zu leben.

6. Sich für Liebe, spirituelle Sehnsucht, Vergnügen und Ekstase zu öffnen.

7. Sich die Möglichkeit anzueignen, das, was in den Herzen oder im Verstand ist, durch die oberflächlichen Erscheinungen, durch die Göttlichen Mysterien und durch die Bedeutungen an der Oberfläche der Ereignisse wahrzunehmen und zu entschleiern.

8. Orte und die Nähe solcher Freunde aufzusuchen, die die Vermeidung von Sünden und das Voranschreiten auf dem Weg Gottes ermutigen.

9. Zufrieden zu sein mit den rechtmäßigen oder legalen Genüssen und entschlossen zu sein, keine Schritte auf das Unrechtmäßige hin zu unternehmen.

10. Beständig gegen weltliche Begierden und die Illusionen anzukämpfen, die uns dazu verführen, anzunehmen, diese Welt sei ewig.

11. Nicht zu vergessen, dass selbst auf dem Weg, der Religion zu dienen und etwas für die Leitung der Menschen zu unternehmen, Erlösung nur durch Gewissheit oder Überzeugung und Aufrichtigkeit oder Reinheit in Absicht und Ziel möglich ist, die ausschließlich darauf abzielen, das Wohlgefallen Gottes zu erlangen. (Überzeugung bezeichnet hier die Überzeugung von der Wahrheit der religiösen Prinzipien des Glaubens und des Verhaltens)

Der Erwerb von Wissen, das Verstehen der religiösen und gnostischen Wissenschaften und das Befolgen der Weisungen eines makellosen spirituellen Meisters kann den oben aufgeführten Prinzipien, die für den Weg des Naqshbandiya-Sufiordens von größter Wichtigkeit sind, noch hinzu gefügt werden.
Es wird nützlich sein, tasawwuf im Licht der folgenden grundlegenden Konzepte zu diskutieren, die Inhalt von Büchern sind, die zum Thema gute Moral, gutes Benehmen und Askese verfasst wurden, und die man als die Stellen betrachtet, an denen man die Weisheit des Propheten im Herzen des Menschen findet. Diese Konzepte können auch als die Lichter gelten, durch die der Mensch den spirituellen Pfad zu Gott erkennt und Ihm folgen kann.
Das erste und bedeutendste dieser Konzepte ist die Wachsamkeit (yaqza), auf die auch der Ausspruch des Propheten Meine Augen schlafen, mein Herz aber nicht und die Bemerkung des vierten Kalifen Ali Die Menschen schlafen. Sie wachen erst auf, wenn sie sterben hinweisen.
Dem Konzept der Wachsamkeit folgen tawba (Reue), inaba (aufrichtige Buße), awba (sich Gott in Reue zuwenden), muhasaba (Selbstkritik oder sich selbst in Frage stellen), tafakkur (Reflektion), firar (Flucht), itisam (Zuflucht suchen), halwat (Alleinsein), uzlat (Zurückgezogenheit), hal (spiritueller Zustand), maqam (spirituelle Station oder Rang), qalb (Herz), huzn (Trauer oder Leid), khawf (Furcht vor Gott), raja (Hoffnung oder Erwartung), zuhd (Askese) und noch viele weitere mehr, die demnächst regelmäßig hier an dieser Stelle analysiert werden sollen.

Der Ursprung des Sufismus
Der Ursprung des Sufismus
Die Geschichte der islamischen religiösen Wissenschaften klärt uns darüber auf, dass die religiösen Gebote in der Frühzeit des Islam noch nicht schriftlich fixiert wurden. Die Praxis und die mündliche Verbreitung ...

---------------------------------------------------------------------------------

Die Geschichte der islamischen religiösen Wissenschaften klärt uns darüber auf, dass die religiösen Gebote in der Frühzeit des Islam noch nicht schriftlich fixiert wurden. Die Praxis und die mündliche Verbreitung dieser Gebote, die sich auf Glauben, Verehrung und das tägliche Leben beziehen, machten es dem Menschen leicht, sie auswendig zu lernen. Daher konnten sie später dann auch problemlos in Buchform zusammen gefasst werden. Was auswendig gelernt und praktiziert wurde, wurde auf Papier aufgezeichnet und geordnet. Weil die hier zur Diskussion stehenden religiösen Gebote die lebenswichtigen Angelegenheiten des individuellen wie auch des gesellschaft-lichen islamischen Lebens beinhalteten, räumten ihnen die Gelehrten Priorität ein, trugen sie zusammen und veröffentlichten sie als Bücher. Rechtsgelehrte sammelten und kodifizierten das islamische Recht und die Bestimmungen und Prinzipien, die sich auf alle Gebiete des Lebens beziehen. Die Traditionalisten (muhaddithun) begründeten die Prophetentra-dition und den islamischen 'way of life' und bewahrten sie ebenfalls in Büchern; Theologen wandten sich den Angelegenheiten rund um den Glauben der Muslime zu, und die Koraninterpreten widmeten sich dem Studium der Bedeutung des Koran mitsamt denjenigen Themen, die später als koranische Wissenschaften bezeichnet werden sollten. In diesen Bereich fallen naskh (Abschaffung eines Gesetzes), inzal (die Hinabsendung des ganzen Koran in einem Stück), tanzil (die Hinabsendung des Koran durch Gott in mehreren Teilen bei verschiedenen Gelegenheiten), qiraat (Rezitation des Koran), tawil (Exegese), etc.. Dank dieser allgemein anerkannten Bestrebungen wurden die Wahrheiten des Islam und all seiner Prinzipien so gefestigt, dass keine Zweifel an ihrer Authentizität aufkommen konnten.
Während all diese Arbeiten in den Bereichen der religiösen Wissenschaften im Wesentlichen auf die Rechtsprechung, Tradition (hadith), Theologie und Koraninterpretation gründen, versuchten die Sufis, die sich vor allem auf die spirituelle Dimension der Wahrheit Muhammads konzentrierten, vor allem, auf das Wesen des Menschen, die wahre Beschaffenheit der Existenz und die innere Dynamik von Mensch und Kosmos hinzuweisen. Dies taten sie, indem sie ihre Aufmerksamkeit derjenigen Realität der Dinge schenkten, die unterhalb und jenseits ihrer äußeren Dimen-sion liegen. Sie ergänzten die Korankom-mentare, die Berichte der Traditionalisten und die Beweisführung der Rechtsgelehrten um ihre Askese, ihre Spiritualität, ihre Selbstreini-gung und - auf einen Nenner gebracht - um ihre Erfahrung in der Ausübung der Religion. So entwickelten die Sufimeister ihre eigenen Wege. Das islamische spirituelle Leben, basierend auf den Handlungen des Geistes wie z. B. Askese, regelmäßige Verehrung, Unterlassung von allen großen und kleinen Sünden, Aufrichtigkeit und lautere Absicht, Liebe, Sehnsucht und das Eingeständnis der grundlegenden Hilflosigkeit und Unvollkom-menheit, wurden zu den Hauptthemen einer neuen Wissenschaft, die sich tasawwuf, Sufismus, nannte und ihre eigenen Methoden, Prinzipien, Bestimmungen und Kategorien besaß. Auch wenn sich im Laufe der Zeit einige Meinungsverschiedenheiten unter den Orden ergaben, die später gegründet wurden, lässt sich festhalten, dass das Hauptanliegen dieser Wissenschaft die Essenz der Weisheit Muhammads ist.

Leider wurden Sharia und Sufismus gelegentlich als einander gegensätzlich beschrieben, obwohl sie doch nur zwei unterschiedliche Aspekte einer einzigen Wahrheit sind. Der Sufismus ist faktisch die Seele der Sharia, er beinhaltet Genügsamkeit, Selbst-kontrolle und -kritik, regelmäßiges Beten, permanenten Kampf, den Versuchungen des Teufels und dem fleischlichen, zu Bösem verleitenden Ich zu widerstehen, Erfüllung religiöser Pflichten etc.. Während es als exoterisch galt, der Sharia Priorität einzuräumen und sich somit auf die äußeren Dimensionen der Religion zu beschränken, wurden die Anhänger des tasawwuf als reine Esoteriker bezeichnet. Diese Diskriminierung entsteht teilweise aus der Behauptung, die Gebote der Sharia würden durch Rechtsgelehrte und Muftis (islamische Gesetzeskundige) reprä-sentiert, die Prinzipien des tasawwuf dagegen durch die Sufis. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass der Mensch immer dazu neigt, dem, was seinem Temperament und seinen Fähigkeiten am meisten entspricht, den Vorzug zu geben.

So wie aber Rechtsgelehrte, Traditionalisten und Koraninterpreten bedeutende Werke schufen, die auf Koran und Sunna basierten, und Methoden folgten, die auf die Zeit des Propheten und seiner Anhänger zurück gingen, stellten auch die Sufis Werke über Genügsamkeit, spirituellen Kampf gegen fleischliche Begierden und Versuchungen, Geisteszustände und spirituelle Stationen zusammen, die auf den gleichen Quellen basierten, die sie jedoch zusätzlich noch mit ihren eigenen spirituellen Erfahrungen, mit Liebe, Eifer und Begeisterung ergänzten. Auf diese Weise versuchten sie, diejenigen zu erreichen und für ihren Weg und den spirituellen Aspekt des religiösen Lebens zu gewinnen, die der äußeren Dimension der Religion und der ausschließlichen Reflexion über diese verhaftet sind.

Sowohl die Sufis als auch die Gelehrten, die dafür kritisiert wurden, sich nur auf die äußeren Aspekte der Religion zu beschränken, waren im Allgemeinen bemüht, sich an die Göttlichen Pflichten und Verbote zu halten. Trotzdem führten extreme Ansichten auf beiden Seiten zu Unstimmigkeiten zwischen den zwei Parteien. Tatsächlich gab es aber keine wesentlichen Gegensätze; es sollte auch nicht als Indiz für einen Streit gelten, dass unterschiedliche Aspekte und Elemente der Religion unter verschiedenen Bezeichnungen gehandelt und präsentiert wurden. Ganz sicher kann man nicht von einer Unstimmigkeit sprechen, wenn sich die Rechtsprechung mit den Dingen des täglichen Lebens, der Verehrung und mit der Frage, wie sich das individuelle und gesellschaftliche Leben regulieren lässt, beschäftigt, und der Sufismus seinerseits den Menschen anleitet, sein Leben durch Selbstreinigung und spirituelles Training auf einer höheren Ebene der Spiritualität zu leben. Sufismus und Rechts-prechung sind in Wirklichkeit zwei Fakultäten einer einzigen Universität, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Menschen beide Gesichter bzw. Dimensionen der Sharia vorzustellen und ihnen zu helfen, sie in ihrem Leben zu praktizieren. Eine dieser Fakultäten kann nicht ohne die andere existieren. Die eine lehrt uns, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten, die für das Gebet vorschrifts-gemäße Reinigung durchzuführen, zu fasten, die obligatorischen Almosen zu geben und das tägliche Leben - vom Einkauf bis zur Hochzeit - zu regulieren usw.. Die andere konzentriert sich auf die Bedeutung dieser und anderer Verehrungspraktiken, sie teilt uns mit, wie die Verehrung zu einer unverzichtbaren Dimension der menschlichen Existenz werden kann und wie der Mensch in den Rang eines universellen, vollkommen Wesens - den Rang wahrer Menschlichkeit - erhoben werden kann. Daher dürfen beide Disziplinen nicht vernachlässigt werden.

Obwohl einige angebliche Sufis in ihrer Unverschämtheit so weit gingen, religiöse Gelehrte als Zeremonienmeister' oder Exoteriker' zu bezeichnen, haben sich die wahren, vollkommenen Sufis immer auf die Hauptprinzipien der Sharia verlassen und ihre Vorstellungen auf das Buch, den Koran, und auf die Sunna gegründet; ihre Methoden haben sie stets aus diesen Hauptquellen des Islam abgeleitet. Die folgenden Werke z. B. gehören zu den wertvollen Quellen, in denen das Thema Sufismus in Übereinstimmung mit dem Buch und der Sunna behandelt wird:
Wasaya (Ratschläge), Riaya (Beachtung von Regeln) von al-Muhasibi, al-Taarruf li-Madhhabi ahl al-Tasawwuf (Einführung in die Schule der Sufis) von Kalabazi, al-Luma (Das Schimmern) von at-Tusi, Qaut al-Qulub (Die Nahrung des Herzens) von Abu Talib al-Makki und al-Risala (Die Abhandlung) von al-Qushairi.

Diesen großen Autoren folgte Imam al-Ghazali, der Verfasser des berühmten Werkes Ihyaal-Ulum al-Din (Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften) mit seinem Werk Hujjat al-Islam. Er unterzog alle Begriffe, Prinzipien und Regeln des tasawwuf einer Revision, bestätigte diejenigen, die von den Sufimeistern allgemein akzeptiert waren und kritisierte andere. Er wiedervereinigte einmal mehr beide Disziplinen - die innere und die äußere Dimension des Islam oder den Tasawwuf und die Rechtsprechung. Die Sufimeister nach ihm präsentierten den Sufismus als eine der religiösen Wissenschaften bzw. als eine deren Dimensionen und setzten sich für eine Verständigung mit den Gelehrten der Zeremonien' ein. Darüber hinaus gelang es ihnen, einigen Themen wie z.B. den unterschiedlichen Geisteszuständen, Gewissheit und Überzeugung, Aufrichtigkeit und Moral, mit denen sich der tasawwuf eingehend beschäftigt, Eingang in die Curricula der madrasat (singl.: madrasa) zu verschaffen - der Institutionen, in denen die religiösen Wissenschaften gelehrt werden.

Auch wenn sich der Sufismus vor allem auf die innere Dimension des Menschen konzentriert, die religiösen Gebote auf ihre Bedeutungen und Auswirkungen auf Seele und Herz des Menschen untersucht und somit abstrakt ist, widerspricht er keineswegs irgendeinem islamischen Weg, der auf dem Koran und der Sunna basiert. Seine Quelle liegt wie die anderer religiöser Wissen-schaften auch im Koran, in der Sunna und in den Schlüssen, die die aufrichtigen Gelehrten der Frühzeit des Islam aus diesen beiden Quellen zogen - dem ijtihad. Der Sufismus legt Wert auf Wissen, Wissen um Gott, Gewissheit, Aufrichtigkeit, vollkommene Frömmigkeit und andere, ähnlich grundlegende Eigenschaften.

Nur weil wir tasawwuf mit unterschiedlichen Titeln wie Wissenschaft der esoterischen Wahrheiten oder Mysterien', Wissenschaft der spirituellen Zustände und Stationen des Menschen' und Wissenschaft der Einweihung' definieren, heißt das noch lange nicht, dass er sich von anderen religiösen Wissenschaften gänzlich unterscheidet. Solche Definitionen ergaben sich aus den jahrhundertelangen Erfahrungen von unterschiedlichsten Menschen mit der Sharia. Die Standpunkte der Sufis und die Vorstellungen und Schlussfolgerungen der Shariagelehrten als grundverschieden zu bezeichnen, bedeutet eine Verzerrung der Tatsachen. Natürlich ist es nicht zu leugnen, dass einige Sufis fanatisch an ihren eigenen Wegen festhielten, was auch für einige religiöse Gelehrte (Rechtsgelehrte, Tradition-isten und Koraninterpreten) gilt, die sich auf die äußere Dimension ihrer Religion beschränkten; diejenigen, die dem mittleren geraden Weg folgten, waren jedoch immer in der Mehrheit. Aus einigen unpassenden Gedanken und Worten, die von einigen wenigen Rechtsgelehrten und Sufis gegen die jeweils anderen ins Feld geführt wurden, sollte man nicht schließen, dass es grundsätzliche Unstimmigkeiten zwischen diesen beiden Gruppen gäbe. Verglichen mit der Zahl derer, die stets auf der Seite von Toleranz und Übereinstimmung standen, nimmt sich die Zahl derjenigen, die einen Konflikt verursacht oder sich an einem solchen beteiligt haben, äußerst gering aus. Dieses Verhältnis entspricht dem natürlichen Zustand, denn die Rechtsgelehrten finden genau wie die Sufis auch ihre Grundprinzipien in Koran und Sunna.

Dazu kommt, dass die Prioritäten des tasawwuf sich niemals von denen der Rechtsprechung unterschieden haben. Beide Disziplinen oder Wege haben immer die Bedeutung von Glauben, guten Taten und gutem Verhalten betont. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Sufis mehr Wert als die Rechtsgelehrten auf die Reinigung des Ichs legten, sich mehr auf die Bedeutung und eine Vervielfältigung ihrer guten Taten sowie auf die Erlangung einer höheren Ebene der guten Moral konzentrierten; denn mit ihrer Hilfe sollte das Bewusstsein des Menschen im Wissen um Gott erwachen und der Mensch einen Weg einschlagen, der zu der erforderlichen Aufrichtigkeit in der Praxis der Religion führe und Gottes Wohlgefallen hervorrufe. Wenn es dem Menschen gelingt, sich durch diese Tugenden einen anderen Charakter anzueig-nen (ein anderes Herz - spirituellen Verstand - inmitten des alten Herzens, tieferes Wissen um Gott und eine andere Sprache', um den Namen Gottes auszusprechen), kann er allen Geboten die die Sharia vorsieht, in einem tieferen Bewusstsein um seine Dienerschaft entsprechen. Er wird sie dann gern und mit größerer Leidenschaft erfüllen.

Durch den tasawwuf übt sich der Mensch in Spiritualität. Durch seinen Kampf mit sich selbst, durch Einsamkeit oder Zurückgezo-genheit, Anrufung, Selbstkontrolle und Selbstkritik zerreißen die Fesseln der inneren Dimension seiner Existenz; der Mensch ist mehr denn je von allen größeren und kleineren Prinzipien seines Glaubens überzeugt.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:24
In Antwort auf iolyn_12733717

Der Ursprung des Sufismus
Der Ursprung des Sufismus
Die Geschichte der islamischen religiösen Wissenschaften klärt uns darüber auf, dass die religiösen Gebote in der Frühzeit des Islam noch nicht schriftlich fixiert wurden. Die Praxis und die mündliche Verbreitung ...

---------------------------------------------------------------------------------

Die Geschichte der islamischen religiösen Wissenschaften klärt uns darüber auf, dass die religiösen Gebote in der Frühzeit des Islam noch nicht schriftlich fixiert wurden. Die Praxis und die mündliche Verbreitung dieser Gebote, die sich auf Glauben, Verehrung und das tägliche Leben beziehen, machten es dem Menschen leicht, sie auswendig zu lernen. Daher konnten sie später dann auch problemlos in Buchform zusammen gefasst werden. Was auswendig gelernt und praktiziert wurde, wurde auf Papier aufgezeichnet und geordnet. Weil die hier zur Diskussion stehenden religiösen Gebote die lebenswichtigen Angelegenheiten des individuellen wie auch des gesellschaft-lichen islamischen Lebens beinhalteten, räumten ihnen die Gelehrten Priorität ein, trugen sie zusammen und veröffentlichten sie als Bücher. Rechtsgelehrte sammelten und kodifizierten das islamische Recht und die Bestimmungen und Prinzipien, die sich auf alle Gebiete des Lebens beziehen. Die Traditionalisten (muhaddithun) begründeten die Prophetentra-dition und den islamischen 'way of life' und bewahrten sie ebenfalls in Büchern; Theologen wandten sich den Angelegenheiten rund um den Glauben der Muslime zu, und die Koraninterpreten widmeten sich dem Studium der Bedeutung des Koran mitsamt denjenigen Themen, die später als koranische Wissenschaften bezeichnet werden sollten. In diesen Bereich fallen naskh (Abschaffung eines Gesetzes), inzal (die Hinabsendung des ganzen Koran in einem Stück), tanzil (die Hinabsendung des Koran durch Gott in mehreren Teilen bei verschiedenen Gelegenheiten), qiraat (Rezitation des Koran), tawil (Exegese), etc.. Dank dieser allgemein anerkannten Bestrebungen wurden die Wahrheiten des Islam und all seiner Prinzipien so gefestigt, dass keine Zweifel an ihrer Authentizität aufkommen konnten.
Während all diese Arbeiten in den Bereichen der religiösen Wissenschaften im Wesentlichen auf die Rechtsprechung, Tradition (hadith), Theologie und Koraninterpretation gründen, versuchten die Sufis, die sich vor allem auf die spirituelle Dimension der Wahrheit Muhammads konzentrierten, vor allem, auf das Wesen des Menschen, die wahre Beschaffenheit der Existenz und die innere Dynamik von Mensch und Kosmos hinzuweisen. Dies taten sie, indem sie ihre Aufmerksamkeit derjenigen Realität der Dinge schenkten, die unterhalb und jenseits ihrer äußeren Dimen-sion liegen. Sie ergänzten die Korankom-mentare, die Berichte der Traditionalisten und die Beweisführung der Rechtsgelehrten um ihre Askese, ihre Spiritualität, ihre Selbstreini-gung und - auf einen Nenner gebracht - um ihre Erfahrung in der Ausübung der Religion. So entwickelten die Sufimeister ihre eigenen Wege. Das islamische spirituelle Leben, basierend auf den Handlungen des Geistes wie z. B. Askese, regelmäßige Verehrung, Unterlassung von allen großen und kleinen Sünden, Aufrichtigkeit und lautere Absicht, Liebe, Sehnsucht und das Eingeständnis der grundlegenden Hilflosigkeit und Unvollkom-menheit, wurden zu den Hauptthemen einer neuen Wissenschaft, die sich tasawwuf, Sufismus, nannte und ihre eigenen Methoden, Prinzipien, Bestimmungen und Kategorien besaß. Auch wenn sich im Laufe der Zeit einige Meinungsverschiedenheiten unter den Orden ergaben, die später gegründet wurden, lässt sich festhalten, dass das Hauptanliegen dieser Wissenschaft die Essenz der Weisheit Muhammads ist.

Leider wurden Sharia und Sufismus gelegentlich als einander gegensätzlich beschrieben, obwohl sie doch nur zwei unterschiedliche Aspekte einer einzigen Wahrheit sind. Der Sufismus ist faktisch die Seele der Sharia, er beinhaltet Genügsamkeit, Selbst-kontrolle und -kritik, regelmäßiges Beten, permanenten Kampf, den Versuchungen des Teufels und dem fleischlichen, zu Bösem verleitenden Ich zu widerstehen, Erfüllung religiöser Pflichten etc.. Während es als exoterisch galt, der Sharia Priorität einzuräumen und sich somit auf die äußeren Dimensionen der Religion zu beschränken, wurden die Anhänger des tasawwuf als reine Esoteriker bezeichnet. Diese Diskriminierung entsteht teilweise aus der Behauptung, die Gebote der Sharia würden durch Rechtsgelehrte und Muftis (islamische Gesetzeskundige) reprä-sentiert, die Prinzipien des tasawwuf dagegen durch die Sufis. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass der Mensch immer dazu neigt, dem, was seinem Temperament und seinen Fähigkeiten am meisten entspricht, den Vorzug zu geben.

So wie aber Rechtsgelehrte, Traditionalisten und Koraninterpreten bedeutende Werke schufen, die auf Koran und Sunna basierten, und Methoden folgten, die auf die Zeit des Propheten und seiner Anhänger zurück gingen, stellten auch die Sufis Werke über Genügsamkeit, spirituellen Kampf gegen fleischliche Begierden und Versuchungen, Geisteszustände und spirituelle Stationen zusammen, die auf den gleichen Quellen basierten, die sie jedoch zusätzlich noch mit ihren eigenen spirituellen Erfahrungen, mit Liebe, Eifer und Begeisterung ergänzten. Auf diese Weise versuchten sie, diejenigen zu erreichen und für ihren Weg und den spirituellen Aspekt des religiösen Lebens zu gewinnen, die der äußeren Dimension der Religion und der ausschließlichen Reflexion über diese verhaftet sind.

Sowohl die Sufis als auch die Gelehrten, die dafür kritisiert wurden, sich nur auf die äußeren Aspekte der Religion zu beschränken, waren im Allgemeinen bemüht, sich an die Göttlichen Pflichten und Verbote zu halten. Trotzdem führten extreme Ansichten auf beiden Seiten zu Unstimmigkeiten zwischen den zwei Parteien. Tatsächlich gab es aber keine wesentlichen Gegensätze; es sollte auch nicht als Indiz für einen Streit gelten, dass unterschiedliche Aspekte und Elemente der Religion unter verschiedenen Bezeichnungen gehandelt und präsentiert wurden. Ganz sicher kann man nicht von einer Unstimmigkeit sprechen, wenn sich die Rechtsprechung mit den Dingen des täglichen Lebens, der Verehrung und mit der Frage, wie sich das individuelle und gesellschaftliche Leben regulieren lässt, beschäftigt, und der Sufismus seinerseits den Menschen anleitet, sein Leben durch Selbstreinigung und spirituelles Training auf einer höheren Ebene der Spiritualität zu leben. Sufismus und Rechts-prechung sind in Wirklichkeit zwei Fakultäten einer einzigen Universität, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Menschen beide Gesichter bzw. Dimensionen der Sharia vorzustellen und ihnen zu helfen, sie in ihrem Leben zu praktizieren. Eine dieser Fakultäten kann nicht ohne die andere existieren. Die eine lehrt uns, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten, die für das Gebet vorschrifts-gemäße Reinigung durchzuführen, zu fasten, die obligatorischen Almosen zu geben und das tägliche Leben - vom Einkauf bis zur Hochzeit - zu regulieren usw.. Die andere konzentriert sich auf die Bedeutung dieser und anderer Verehrungspraktiken, sie teilt uns mit, wie die Verehrung zu einer unverzichtbaren Dimension der menschlichen Existenz werden kann und wie der Mensch in den Rang eines universellen, vollkommen Wesens - den Rang wahrer Menschlichkeit - erhoben werden kann. Daher dürfen beide Disziplinen nicht vernachlässigt werden.

Obwohl einige angebliche Sufis in ihrer Unverschämtheit so weit gingen, religiöse Gelehrte als Zeremonienmeister' oder Exoteriker' zu bezeichnen, haben sich die wahren, vollkommenen Sufis immer auf die Hauptprinzipien der Sharia verlassen und ihre Vorstellungen auf das Buch, den Koran, und auf die Sunna gegründet; ihre Methoden haben sie stets aus diesen Hauptquellen des Islam abgeleitet. Die folgenden Werke z. B. gehören zu den wertvollen Quellen, in denen das Thema Sufismus in Übereinstimmung mit dem Buch und der Sunna behandelt wird:
Wasaya (Ratschläge), Riaya (Beachtung von Regeln) von al-Muhasibi, al-Taarruf li-Madhhabi ahl al-Tasawwuf (Einführung in die Schule der Sufis) von Kalabazi, al-Luma (Das Schimmern) von at-Tusi, Qaut al-Qulub (Die Nahrung des Herzens) von Abu Talib al-Makki und al-Risala (Die Abhandlung) von al-Qushairi.

Diesen großen Autoren folgte Imam al-Ghazali, der Verfasser des berühmten Werkes Ihyaal-Ulum al-Din (Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften) mit seinem Werk Hujjat al-Islam. Er unterzog alle Begriffe, Prinzipien und Regeln des tasawwuf einer Revision, bestätigte diejenigen, die von den Sufimeistern allgemein akzeptiert waren und kritisierte andere. Er wiedervereinigte einmal mehr beide Disziplinen - die innere und die äußere Dimension des Islam oder den Tasawwuf und die Rechtsprechung. Die Sufimeister nach ihm präsentierten den Sufismus als eine der religiösen Wissenschaften bzw. als eine deren Dimensionen und setzten sich für eine Verständigung mit den Gelehrten der Zeremonien' ein. Darüber hinaus gelang es ihnen, einigen Themen wie z.B. den unterschiedlichen Geisteszuständen, Gewissheit und Überzeugung, Aufrichtigkeit und Moral, mit denen sich der tasawwuf eingehend beschäftigt, Eingang in die Curricula der madrasat (singl.: madrasa) zu verschaffen - der Institutionen, in denen die religiösen Wissenschaften gelehrt werden.

Auch wenn sich der Sufismus vor allem auf die innere Dimension des Menschen konzentriert, die religiösen Gebote auf ihre Bedeutungen und Auswirkungen auf Seele und Herz des Menschen untersucht und somit abstrakt ist, widerspricht er keineswegs irgendeinem islamischen Weg, der auf dem Koran und der Sunna basiert. Seine Quelle liegt wie die anderer religiöser Wissen-schaften auch im Koran, in der Sunna und in den Schlüssen, die die aufrichtigen Gelehrten der Frühzeit des Islam aus diesen beiden Quellen zogen - dem ijtihad. Der Sufismus legt Wert auf Wissen, Wissen um Gott, Gewissheit, Aufrichtigkeit, vollkommene Frömmigkeit und andere, ähnlich grundlegende Eigenschaften.

Nur weil wir tasawwuf mit unterschiedlichen Titeln wie Wissenschaft der esoterischen Wahrheiten oder Mysterien', Wissenschaft der spirituellen Zustände und Stationen des Menschen' und Wissenschaft der Einweihung' definieren, heißt das noch lange nicht, dass er sich von anderen religiösen Wissenschaften gänzlich unterscheidet. Solche Definitionen ergaben sich aus den jahrhundertelangen Erfahrungen von unterschiedlichsten Menschen mit der Sharia. Die Standpunkte der Sufis und die Vorstellungen und Schlussfolgerungen der Shariagelehrten als grundverschieden zu bezeichnen, bedeutet eine Verzerrung der Tatsachen. Natürlich ist es nicht zu leugnen, dass einige Sufis fanatisch an ihren eigenen Wegen festhielten, was auch für einige religiöse Gelehrte (Rechtsgelehrte, Tradition-isten und Koraninterpreten) gilt, die sich auf die äußere Dimension ihrer Religion beschränkten; diejenigen, die dem mittleren geraden Weg folgten, waren jedoch immer in der Mehrheit. Aus einigen unpassenden Gedanken und Worten, die von einigen wenigen Rechtsgelehrten und Sufis gegen die jeweils anderen ins Feld geführt wurden, sollte man nicht schließen, dass es grundsätzliche Unstimmigkeiten zwischen diesen beiden Gruppen gäbe. Verglichen mit der Zahl derer, die stets auf der Seite von Toleranz und Übereinstimmung standen, nimmt sich die Zahl derjenigen, die einen Konflikt verursacht oder sich an einem solchen beteiligt haben, äußerst gering aus. Dieses Verhältnis entspricht dem natürlichen Zustand, denn die Rechtsgelehrten finden genau wie die Sufis auch ihre Grundprinzipien in Koran und Sunna.

Dazu kommt, dass die Prioritäten des tasawwuf sich niemals von denen der Rechtsprechung unterschieden haben. Beide Disziplinen oder Wege haben immer die Bedeutung von Glauben, guten Taten und gutem Verhalten betont. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Sufis mehr Wert als die Rechtsgelehrten auf die Reinigung des Ichs legten, sich mehr auf die Bedeutung und eine Vervielfältigung ihrer guten Taten sowie auf die Erlangung einer höheren Ebene der guten Moral konzentrierten; denn mit ihrer Hilfe sollte das Bewusstsein des Menschen im Wissen um Gott erwachen und der Mensch einen Weg einschlagen, der zu der erforderlichen Aufrichtigkeit in der Praxis der Religion führe und Gottes Wohlgefallen hervorrufe. Wenn es dem Menschen gelingt, sich durch diese Tugenden einen anderen Charakter anzueig-nen (ein anderes Herz - spirituellen Verstand - inmitten des alten Herzens, tieferes Wissen um Gott und eine andere Sprache', um den Namen Gottes auszusprechen), kann er allen Geboten die die Sharia vorsieht, in einem tieferen Bewusstsein um seine Dienerschaft entsprechen. Er wird sie dann gern und mit größerer Leidenschaft erfüllen.

Durch den tasawwuf übt sich der Mensch in Spiritualität. Durch seinen Kampf mit sich selbst, durch Einsamkeit oder Zurückgezo-genheit, Anrufung, Selbstkontrolle und Selbstkritik zerreißen die Fesseln der inneren Dimension seiner Existenz; der Mensch ist mehr denn je von allen größeren und kleineren Prinzipien seines Glaubens überzeugt.

Was ist ein Sofi bzw. Sufi ?
Was ist ein Sofi bzw. Sufi ?
Wir möchten uns nun mit der Frage beschäftigen, was eigentlich ein Sufi (bzw. Sofi) ist. Was unterscheidet ihn von anderen Menschen, was charakterisiert seine Beziehung zu Gott ?

---------------------------------------------------------------------------------

Sofi ist ein Begriff, der auf die Anhänger des tasawwuf (des Sufismus) verwendet wird (vor allem benutzen ihn die Persisch und Türkisch sprechenden Menschen). Anderen zufolge lautet die richtige Aussprache Sufi. Ich denke, dass sich der Unterschied aus den verschiedenen Ansichten zum Ursprung dieses Wortes ergibt. Wer meint, das Wort leite sich von sof (Wolle), safa (spirituelles Vergnügen, Heiterkeit), safwat (Reinheit) oder sophos (einem griechischen Wort für Weisheit) ab oder impliziere Hingebung, bevorzugt das Wort Sofi. Andere, die der Ansicht sind, das Wort stamme von suffa (Zimmer), und betonen, dass es nicht mit sofu (religiöser Eiferer) verwechselt werden dürfe, gebrauchen das Wort Sufi.
Der Begriff Sofi wurde auf verschiedene Art und Weise definiert; einige dieser Definitionen möchte ich hier aufzählen:

* Ein Sofi ist ein Reisender zu Gott, der es geschafft hat, sein Ich zu reinigen, der inneres Licht und spirituelle Aufklärung erlangt hat.

* Ein Sofi ist ein demütiger Soldat Gottes, den der Allmächtige für Sich ausgewählt und vom Einfluss seines fleischlichen, boshaften Ichs befreit hat.

* Ein Sofi ist ein Reisender zur Wahrheit Muhammads, der, nicht um aufzufallen, sondern als Zeichen von Würde und Besitzlosigkeit, einen einfachen Umhang trägt und der Welt als Quell von Untugend und fleisch-lichen Gelüsten entsagt. Sofis tragen einen einfachen Umhang aus Wolle und werden deshalb mutasawwif (pl. mutasawwifun) genannt, um ihre gesellschaftliche Stellung, ihren Glauben, ihre Haltung und ihren Lebensweg nachdrücklich zu betonen. Das Tragen eines einfachen wollenen Umhangs war nämlich auch für den Propheten, seine Gefährten und andere Menschen mit aufrichtiger Gesinnung typisch.

* Ein Sofi ist ein Reisender zum Gipfel der wahren Menschlichkeit, der sich von der fleischlichen Verworrenheit und allen Arten menschlichen Schmutzes befreit hat, um seine essenzielle göttliche Natur und Identität zu verwirklichen.

* Ein Sofi ist ein Mensch, der es verdient hat, Sofi genannt zu werden, da er versucht, den Menschen der suffa - den armen gelehrten Anhängern des Propheten, die in einer Kammer lebten, welche an die Moschee des Propheten grenzte - zu ähneln, indem er sein Leben dem Ziel widmet, sich diesen Namen zu verdienen.

Es gibt auch solche, die der Meinung sind, das Wort Sofi würde sich von saf (rein) ableiten. Obwohl die lobenswerten Bemühungen der Sofis, Gott zu erfreuen, ihm unablässig zu dienen und ihre Herzen auf Gott zu rich-ten, ausreichen würden, um sie als reine Menschen zu bezeichnen, ist es doch grammatikalisch unzulässig anzunehmen, Sofi wäre eine Ableitung von saf. Darüber hinaus existiert auch die Ansicht, Sofi käme von dem griechischen Wort sophia oder sophos, das Weisheit bedeutet. Ich denke aber, dass dies eine Erfindung ausländischer Forscher ist, die es lieber sähen, einen ausländischen Ursprung des Wortes tasawwuf aufspüren zu können.

Der erste Mensch, der in der islamischen Geschichte Sofi genannt wurde, ist Abu Hashim al-Kufi, ein großer Asket seiner Zeit. Abu Hashim starb im Jahre 150 nach der Hidschra (im Jahre 622), das heißt, das Wort Sofi wurde bereits im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra der Generation der Gefährten des Propheten und ihrer gesegneten Nachfolger verwandt.

Der Sufismus, der uns in der islamischen Geschichte erstmals in Gestalt des Abu Hashim al-Kufi begegnete, schien ein Weg spiritueller Menschen sein, die den Schritten unseres Propheten, Friede und Segen seien mit ihm, und seinen Gefährten in ihrem Lebensstil folgten. Darum wurde der Sufismus immer wieder als spirituelle Dimension des Islam bezeichnet. Sein ursprünglicher Zweck bestand darin, die Menschen zu erziehen, ihre Herzen auf Gott auszurichten und von der Liebe zu Ihm entflammt zu sein. Er konzentrierte sich, ganz dem Vorbild des Propheten folgend, auf gute Moral und Wohlverhalten. Zwar mag mit einiger Berechtigung darauf hingewiesen werden, dass im Laufe der Zeit einige Abweichungen auftra-ten, diese sollten aber nicht als eine Rechtfertigung dafür benutzt werden, den Weg spiritueller Reinheit ganz zu verurteilen.

Der Mystiker Imam Qushayri (+1074) beschreibt die Sufis, die ein spiri-tuelles Leben führen so:

Der bedeutendste Titel im Islam ist der eines Gefährten des Propheten, Friede und Segen seien mit ihm. Dies ist eine so große Ehrung, dass sie ausschließlich den Gefährten zuteil werden kann. Die zweitgrößte Ehrung ist den Tabiun vorbehalten, denen, die den Gefährten nachfolgten und sie noch mit eigenen Augen sahen. Die Taba-i Tabiun sind diejenigen, die diese Tabiun noch kennen lernten. Direkt nach dem Tode dieser dritten Generation, zufällig zeitlich übereinstimmend mit dem Ausbruch einiger interner Konflikte und Glaubensabweichungen, entwickelten die Sufis wichtige Fertigkeiten in der Wiederbelebung des spirituellen Aspektes des Islam. Sie standen damit auf einer Stufe mit den Traditionalisten, den Rechtswissenschaftlern und den Theologen, die dem Islam - jeder auf seinem Fachgebiet - große Dienste erwiesen.

Vor allem die frühen Sufis waren ausgezeichnete rechtschaffene Menschen. Sie führten ein aufrechtes, ehrenhaftes, genügsames und einfaches Leben, frei von jeglichen Makeln; weit davon entfernt, körperliches Glück und die Befriedigung fleischlicher Gelüste zu suchen, folgten sie dem Vorbild des Propheten. Sie waren in ihrem Glauben und Denken so ausgeglichen, dass man sie nicht als Anhänger von alten Philosophen, christlichen Mystikern oder hinduistischen Fakiren betrachten kann. Denn tasawwuf wurde von seinen frühen Anhängern und Repräsentanten zu allererst als Wissenschaft von der inneren Welt des Menschen, der Realität der Dinge und der Mysterien der Existenz bezeichnet. Ein Sofi war ein Student dieser Wissenschaft, der den höchsten Rang eines universellen oder vollkommenen Menschen anstrebt.

Tasawwuf ist eine lange Reise, die zum Unendlichen Einen führt und nicht enden wollende Bemühungen erfordert. Er ist ein Marathon, der gelaufen wird, ohne je anzuhalten - mit unnachgiebiger Entschlossenheit und ohne irgendeinen weltlichen Nutzen zu erwarten. Er hat nichts mit westlichen oder östlichen Arten von Mystizismus, Yoga oder Philosophien gemein. Ein Sofi, der entschlossen ist, diesen Marathon zu laufen und den Unendlichen Einen zu erreichen, ist weder ein Mystiker, noch ein Yogi oder ein Philosoph.

Zwar ist es wirklich so, dass einige Hindus und griechische Philosophen einem Weg folgten, der zur Selbstreinigung führte, und dass sie die fleisch-lichen Gelüste und die weltlichen Reize bekämpften; der Weg, dem diese nacheiferten unterscheidet sich jedoch völlig vom tasawwuf. Während sich die Sofis nämlich vor allem durch Anrufung, regelmäßige Verehrung, größtmöglichen Gehorsam Gottes und Würde selbst zu reinigen suchten und bis zum Tod auf ihrem Weg voran schritten, beachteten die alten Philosophen nicht selten nur wenige dieser Regeln oder Handlungen. Ihre Selbstreinigung - falls man davon überhaupt sprechen kann - rief in ihnen oft Überheblichkeit und Arroganz hervor, nicht aber Würde und Selbstkritik.

Die Sofis lassen sich hinsichtlich ihres Weges in zwei Kategorien einteilen:

* Die erste Kategorie beinhaltet diejenigen, die dem Wissen Priorität einräumen und versuchen, ihrer Bestimmung durch das Wissen um Gott (marifa) gerecht zu werden.

* Die zweite Kategorie besteht aus Menschen, die dem Weg der Sehnsucht, der spirituellen Ekstase und der spirituellen Entdeckungen folgen.

Sofis der ersten Kategorie bringen ihr Leben damit zu, sich ununterbrochen auf einer Reise zu Gott zu befinden, auf der sie sich in Gott und durch Gott weiter entwickeln. Sie reisen auf den Flügeln des Wissens und des Wissens um Gott und bemühen sich zu erfahren, was der Satz Es gibt keine Kraft und keine Stärke außer durch Gott bedeutet. Jede Wandlung, jede Veränderung, jede Gestaltung und Umgestaltung, die sie in der Existenz wahrnehmen, jedes Ereignis, dessen Zeuge sie werden oder das sie selbst erleben, ist wie eine verständliche Botschaft der Kraft Gottes und des Willens Gottes, die aber in vielen verschiedenen Zungen ausgedrückt wird.

Für die Sufis der zweiten Kategorie gilt, dass sie gelegentlich von ihrer eigentlichen Bestimmung abweichen und es nicht schaffen zu Gott, dem Allmächtigen, zu gelangen. Obwohl sie ihre Reise und ihre Askese durch-aus ernsthaft betreiben, ist dies darauf zurückzuführen, dass sie verborgene Realitäten und Wahrheiten oder Wundertaten entdecken wollen und spirituelles Vergnügen und Ekstase anstreben. Obwohl auch dieser zweite Weg durch Koran und Sunna legitimiert ist, kann er einige Eingeweihte dazu verführen, an gewissen Bedürfnissen und Erwartungen festzuhalten. Zu nennen sind hier der Wunsch nach dem Erwerb eines spirituellen Ranges und die Fähigkeit zu besitzen, Wunder zu vollbringen, der Wunsch, als ein Heiliger bekannt zu sein usw.. Daher ist der erste Weg, der auch zur größten Rechtschaffenheit unter der Anleitung des Koran führt, sicherer.

Die Sufis teilen die Menschen in drei Gruppen ein:

Zur ersten Gruppe gehören diejenigen, die sie die Vollkommenen nennen und die ihre Bestimmung erreicht haben. Diese Gruppe beinhaltet zwei Untergruppen - die Propheten und diejenigen, die sich vervollkommnet haben, d.h. die dadurch zur Wahrheit gelangt sind, dass sie eben diese strikt befolgt haben. Nicht unbedingt alle, die sich vervollkommnet haben, sind gleichzeitig auch spirituelle Führer. Einige von ihnen führen keine anderen Menschen zur Wahrheit, sondern werden von den Wellen des Ozeans der Begegnung mit Gott und der Verwirrung überspült und aufgerieben. Ihre Beziehungen zur sichtbaren materiellen Welt sind erschüttert, deshalb leben sie, ohne dazu fähig zu sein, andere zu führen.

Diejenigen, die der zweiten Gruppe angehören, werden Eingeweihte genannt. Auch hier gibt es zwei Untergruppen. Die erste umfasst die, die dieser Welt vollständig entsagen und, ohne an das Jenseits zu denken, Gott, den Allmächtigen, suchen. In der zweiten Untergruppe finden sich diejenigen, deren Ziel es ist, ins Paradies einzugehen und die nicht ganz auf rechtmäßige weltliche Freuden verzichten. Sie werden Asketen, Verehrende, Arme oder Hilflose genannt.

Was die dritte Kategorie anbelangt, so nennen die Sofis deren Angehörige die sich (an der Welt) Festklammernden oder die träge Gewordenen, denn ihr einziges Ziel besteht darin, ein ruhiges, komfortab-les Leben zu führen. Diese sind böse und unglückselig, dem Koran zufolge gehören sie zur Gruppe derer, die auf der Linken stehen, die blind und taub sind und nichts verstehen.

Einige haben die drei hier genannten Kategorien auch nur in zwei Gruppen unterteilt, in die Vornehmen, die sich in die Richtung Gottes bewegen - die Menschen auf der rechten Seite, und diejenigen auf der linken Seite.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:26
In Antwort auf iolyn_12733717

Was ist ein Sofi bzw. Sufi ?
Was ist ein Sofi bzw. Sufi ?
Wir möchten uns nun mit der Frage beschäftigen, was eigentlich ein Sufi (bzw. Sofi) ist. Was unterscheidet ihn von anderen Menschen, was charakterisiert seine Beziehung zu Gott ?

---------------------------------------------------------------------------------

Sofi ist ein Begriff, der auf die Anhänger des tasawwuf (des Sufismus) verwendet wird (vor allem benutzen ihn die Persisch und Türkisch sprechenden Menschen). Anderen zufolge lautet die richtige Aussprache Sufi. Ich denke, dass sich der Unterschied aus den verschiedenen Ansichten zum Ursprung dieses Wortes ergibt. Wer meint, das Wort leite sich von sof (Wolle), safa (spirituelles Vergnügen, Heiterkeit), safwat (Reinheit) oder sophos (einem griechischen Wort für Weisheit) ab oder impliziere Hingebung, bevorzugt das Wort Sofi. Andere, die der Ansicht sind, das Wort stamme von suffa (Zimmer), und betonen, dass es nicht mit sofu (religiöser Eiferer) verwechselt werden dürfe, gebrauchen das Wort Sufi.
Der Begriff Sofi wurde auf verschiedene Art und Weise definiert; einige dieser Definitionen möchte ich hier aufzählen:

* Ein Sofi ist ein Reisender zu Gott, der es geschafft hat, sein Ich zu reinigen, der inneres Licht und spirituelle Aufklärung erlangt hat.

* Ein Sofi ist ein demütiger Soldat Gottes, den der Allmächtige für Sich ausgewählt und vom Einfluss seines fleischlichen, boshaften Ichs befreit hat.

* Ein Sofi ist ein Reisender zur Wahrheit Muhammads, der, nicht um aufzufallen, sondern als Zeichen von Würde und Besitzlosigkeit, einen einfachen Umhang trägt und der Welt als Quell von Untugend und fleisch-lichen Gelüsten entsagt. Sofis tragen einen einfachen Umhang aus Wolle und werden deshalb mutasawwif (pl. mutasawwifun) genannt, um ihre gesellschaftliche Stellung, ihren Glauben, ihre Haltung und ihren Lebensweg nachdrücklich zu betonen. Das Tragen eines einfachen wollenen Umhangs war nämlich auch für den Propheten, seine Gefährten und andere Menschen mit aufrichtiger Gesinnung typisch.

* Ein Sofi ist ein Reisender zum Gipfel der wahren Menschlichkeit, der sich von der fleischlichen Verworrenheit und allen Arten menschlichen Schmutzes befreit hat, um seine essenzielle göttliche Natur und Identität zu verwirklichen.

* Ein Sofi ist ein Mensch, der es verdient hat, Sofi genannt zu werden, da er versucht, den Menschen der suffa - den armen gelehrten Anhängern des Propheten, die in einer Kammer lebten, welche an die Moschee des Propheten grenzte - zu ähneln, indem er sein Leben dem Ziel widmet, sich diesen Namen zu verdienen.

Es gibt auch solche, die der Meinung sind, das Wort Sofi würde sich von saf (rein) ableiten. Obwohl die lobenswerten Bemühungen der Sofis, Gott zu erfreuen, ihm unablässig zu dienen und ihre Herzen auf Gott zu rich-ten, ausreichen würden, um sie als reine Menschen zu bezeichnen, ist es doch grammatikalisch unzulässig anzunehmen, Sofi wäre eine Ableitung von saf. Darüber hinaus existiert auch die Ansicht, Sofi käme von dem griechischen Wort sophia oder sophos, das Weisheit bedeutet. Ich denke aber, dass dies eine Erfindung ausländischer Forscher ist, die es lieber sähen, einen ausländischen Ursprung des Wortes tasawwuf aufspüren zu können.

Der erste Mensch, der in der islamischen Geschichte Sofi genannt wurde, ist Abu Hashim al-Kufi, ein großer Asket seiner Zeit. Abu Hashim starb im Jahre 150 nach der Hidschra (im Jahre 622), das heißt, das Wort Sofi wurde bereits im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra der Generation der Gefährten des Propheten und ihrer gesegneten Nachfolger verwandt.

Der Sufismus, der uns in der islamischen Geschichte erstmals in Gestalt des Abu Hashim al-Kufi begegnete, schien ein Weg spiritueller Menschen sein, die den Schritten unseres Propheten, Friede und Segen seien mit ihm, und seinen Gefährten in ihrem Lebensstil folgten. Darum wurde der Sufismus immer wieder als spirituelle Dimension des Islam bezeichnet. Sein ursprünglicher Zweck bestand darin, die Menschen zu erziehen, ihre Herzen auf Gott auszurichten und von der Liebe zu Ihm entflammt zu sein. Er konzentrierte sich, ganz dem Vorbild des Propheten folgend, auf gute Moral und Wohlverhalten. Zwar mag mit einiger Berechtigung darauf hingewiesen werden, dass im Laufe der Zeit einige Abweichungen auftra-ten, diese sollten aber nicht als eine Rechtfertigung dafür benutzt werden, den Weg spiritueller Reinheit ganz zu verurteilen.

Der Mystiker Imam Qushayri (+1074) beschreibt die Sufis, die ein spiri-tuelles Leben führen so:

Der bedeutendste Titel im Islam ist der eines Gefährten des Propheten, Friede und Segen seien mit ihm. Dies ist eine so große Ehrung, dass sie ausschließlich den Gefährten zuteil werden kann. Die zweitgrößte Ehrung ist den Tabiun vorbehalten, denen, die den Gefährten nachfolgten und sie noch mit eigenen Augen sahen. Die Taba-i Tabiun sind diejenigen, die diese Tabiun noch kennen lernten. Direkt nach dem Tode dieser dritten Generation, zufällig zeitlich übereinstimmend mit dem Ausbruch einiger interner Konflikte und Glaubensabweichungen, entwickelten die Sufis wichtige Fertigkeiten in der Wiederbelebung des spirituellen Aspektes des Islam. Sie standen damit auf einer Stufe mit den Traditionalisten, den Rechtswissenschaftlern und den Theologen, die dem Islam - jeder auf seinem Fachgebiet - große Dienste erwiesen.

Vor allem die frühen Sufis waren ausgezeichnete rechtschaffene Menschen. Sie führten ein aufrechtes, ehrenhaftes, genügsames und einfaches Leben, frei von jeglichen Makeln; weit davon entfernt, körperliches Glück und die Befriedigung fleischlicher Gelüste zu suchen, folgten sie dem Vorbild des Propheten. Sie waren in ihrem Glauben und Denken so ausgeglichen, dass man sie nicht als Anhänger von alten Philosophen, christlichen Mystikern oder hinduistischen Fakiren betrachten kann. Denn tasawwuf wurde von seinen frühen Anhängern und Repräsentanten zu allererst als Wissenschaft von der inneren Welt des Menschen, der Realität der Dinge und der Mysterien der Existenz bezeichnet. Ein Sofi war ein Student dieser Wissenschaft, der den höchsten Rang eines universellen oder vollkommenen Menschen anstrebt.

Tasawwuf ist eine lange Reise, die zum Unendlichen Einen führt und nicht enden wollende Bemühungen erfordert. Er ist ein Marathon, der gelaufen wird, ohne je anzuhalten - mit unnachgiebiger Entschlossenheit und ohne irgendeinen weltlichen Nutzen zu erwarten. Er hat nichts mit westlichen oder östlichen Arten von Mystizismus, Yoga oder Philosophien gemein. Ein Sofi, der entschlossen ist, diesen Marathon zu laufen und den Unendlichen Einen zu erreichen, ist weder ein Mystiker, noch ein Yogi oder ein Philosoph.

Zwar ist es wirklich so, dass einige Hindus und griechische Philosophen einem Weg folgten, der zur Selbstreinigung führte, und dass sie die fleisch-lichen Gelüste und die weltlichen Reize bekämpften; der Weg, dem diese nacheiferten unterscheidet sich jedoch völlig vom tasawwuf. Während sich die Sofis nämlich vor allem durch Anrufung, regelmäßige Verehrung, größtmöglichen Gehorsam Gottes und Würde selbst zu reinigen suchten und bis zum Tod auf ihrem Weg voran schritten, beachteten die alten Philosophen nicht selten nur wenige dieser Regeln oder Handlungen. Ihre Selbstreinigung - falls man davon überhaupt sprechen kann - rief in ihnen oft Überheblichkeit und Arroganz hervor, nicht aber Würde und Selbstkritik.

Die Sofis lassen sich hinsichtlich ihres Weges in zwei Kategorien einteilen:

* Die erste Kategorie beinhaltet diejenigen, die dem Wissen Priorität einräumen und versuchen, ihrer Bestimmung durch das Wissen um Gott (marifa) gerecht zu werden.

* Die zweite Kategorie besteht aus Menschen, die dem Weg der Sehnsucht, der spirituellen Ekstase und der spirituellen Entdeckungen folgen.

Sofis der ersten Kategorie bringen ihr Leben damit zu, sich ununterbrochen auf einer Reise zu Gott zu befinden, auf der sie sich in Gott und durch Gott weiter entwickeln. Sie reisen auf den Flügeln des Wissens und des Wissens um Gott und bemühen sich zu erfahren, was der Satz Es gibt keine Kraft und keine Stärke außer durch Gott bedeutet. Jede Wandlung, jede Veränderung, jede Gestaltung und Umgestaltung, die sie in der Existenz wahrnehmen, jedes Ereignis, dessen Zeuge sie werden oder das sie selbst erleben, ist wie eine verständliche Botschaft der Kraft Gottes und des Willens Gottes, die aber in vielen verschiedenen Zungen ausgedrückt wird.

Für die Sufis der zweiten Kategorie gilt, dass sie gelegentlich von ihrer eigentlichen Bestimmung abweichen und es nicht schaffen zu Gott, dem Allmächtigen, zu gelangen. Obwohl sie ihre Reise und ihre Askese durch-aus ernsthaft betreiben, ist dies darauf zurückzuführen, dass sie verborgene Realitäten und Wahrheiten oder Wundertaten entdecken wollen und spirituelles Vergnügen und Ekstase anstreben. Obwohl auch dieser zweite Weg durch Koran und Sunna legitimiert ist, kann er einige Eingeweihte dazu verführen, an gewissen Bedürfnissen und Erwartungen festzuhalten. Zu nennen sind hier der Wunsch nach dem Erwerb eines spirituellen Ranges und die Fähigkeit zu besitzen, Wunder zu vollbringen, der Wunsch, als ein Heiliger bekannt zu sein usw.. Daher ist der erste Weg, der auch zur größten Rechtschaffenheit unter der Anleitung des Koran führt, sicherer.

Die Sufis teilen die Menschen in drei Gruppen ein:

Zur ersten Gruppe gehören diejenigen, die sie die Vollkommenen nennen und die ihre Bestimmung erreicht haben. Diese Gruppe beinhaltet zwei Untergruppen - die Propheten und diejenigen, die sich vervollkommnet haben, d.h. die dadurch zur Wahrheit gelangt sind, dass sie eben diese strikt befolgt haben. Nicht unbedingt alle, die sich vervollkommnet haben, sind gleichzeitig auch spirituelle Führer. Einige von ihnen führen keine anderen Menschen zur Wahrheit, sondern werden von den Wellen des Ozeans der Begegnung mit Gott und der Verwirrung überspült und aufgerieben. Ihre Beziehungen zur sichtbaren materiellen Welt sind erschüttert, deshalb leben sie, ohne dazu fähig zu sein, andere zu führen.

Diejenigen, die der zweiten Gruppe angehören, werden Eingeweihte genannt. Auch hier gibt es zwei Untergruppen. Die erste umfasst die, die dieser Welt vollständig entsagen und, ohne an das Jenseits zu denken, Gott, den Allmächtigen, suchen. In der zweiten Untergruppe finden sich diejenigen, deren Ziel es ist, ins Paradies einzugehen und die nicht ganz auf rechtmäßige weltliche Freuden verzichten. Sie werden Asketen, Verehrende, Arme oder Hilflose genannt.

Was die dritte Kategorie anbelangt, so nennen die Sofis deren Angehörige die sich (an der Welt) Festklammernden oder die träge Gewordenen, denn ihr einziges Ziel besteht darin, ein ruhiges, komfortab-les Leben zu führen. Diese sind böse und unglückselig, dem Koran zufolge gehören sie zur Gruppe derer, die auf der Linken stehen, die blind und taub sind und nichts verstehen.

Einige haben die drei hier genannten Kategorien auch nur in zwei Gruppen unterteilt, in die Vornehmen, die sich in die Richtung Gottes bewegen - die Menschen auf der rechten Seite, und diejenigen auf der linken Seite.

Tawba, Inaba und Awba
Tawba, Inaba und Awba
In dieser Folge aus der Reihe "Grundlagen des Sufismus" geht es um die Begriffe Tawba (Reue), Inaba (aufrichtige Buße) und Awba (Zuwendung zu Gott in Reue).

---------------------------------------------------------------------------------

(Reue, aufrichtige Buße und die Zuwendung zu Gott in Reue)
Reue (tawba) bedeutet, dass jemandem etwas Leid tut, er nun Gewissensbisse bekommt und sich dann Gott mit der neu gefassten Absicht zuwendet, bislang Vernachlässigtes nachzuholen. Islamischen Gelehrten zufolge bezeichnet Reue auch das aufrichtige Bemühen, sich davor zu schützen, dem Wesen Gottes in Gefühlen, Gedanken, Absichten und Handlungen entgegen zu treten, und Seinen Anordnungen und Verboten nachzukommen. Reue besteht nicht darin, über irgendetwas Schlechtes oder Verbotenes verärgert zu sein und es aufzugeben. Reue heißt, sich von allem, was Gott hasst und verbietet, fern zu halten, selbst wenn Gefühl und Verstand dies nicht für nötig halten. Normalerweise wird Reue in Verbindung mit dem Wort nasuh gebraucht, was wörtlich soviel heißt wie rein, aufrichtig korrigierend, verbessernd und wiederherstellend. Tawba nasuh - aufrichtige und korrigierende Reue - meint eine reine, aufrichtige Reue, die auf vollkommene Art und Weise verbessert und wiederherstellt. Dies bedeutet, dass man für das, was man zu Unrecht getan hat, aufrichtige, innige und echte Gewissensbisse fühlt und in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel für andere Menschen liefert. Der Koran verrät uns, was er unter wahrer Reue versteht: O ihr, die ihr glaubt, wendet euch in aufrichtiger Reue zu Allah. (66:8)
Drei Kategorien von Reue werden unterschieden:
a) In die erste Kategorie fällt die Reue gewöhnlicher Menschen, die nicht in der Lage sind, Gottes Wahrheiten zu erkennen. Diese Menschen sind auf Grund ihres Ungehorsams gegenüber Gott besorgt. Sie sind sich ihrer Sünden bewusst, da diese ihr Herz verdunkeln. Nun wenden sie sich Gott zu und fassen ihre Reue in Worte wie z.B.: Ich bin gestürzt oder habe eine Sünde begangen, vergib mir", oder Ich bitte Gott um Verzeihung!"

b)Diejenigen, die sich der Wahrheiten Gottes hinter den Schleiern der materiellen Existenz teilweise bewusst sind, fühlen eine innere Erregung, wenn sie sündigen. Sobald ihr Verstand oder ihr Herz auf irgendetwas stößt, was nicht mit ihrer Überzeugung vereinbar ist, dass sie sich ständig in der Allgegenwart Gottes befinden, bzw. immer dann, wenn sie sich bewusst werden, dass ihre Herzen voller Achtlosigkeit sind, leiden sie unter starken Gewissensbissen. In solchen Momenten suchen sie unverzüglich Zuflucht zur Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Ein Mensch mit diesem Grad der Aufmerksamkeit und spirituellen Wachsamkeit ist in der folgenden Tradition beschrieben:
(Gottes Gesandter erklärte Jemand, der seine Sünden aufrichtig bereut, ist, als hätte er sie niemals begangen. Wenn Gott einen Seiner Diener liebt, werden ihm seine Sünden nicht schaden. Dann rezitierte er den Vers: Ganz gewiss, Gott liebt den, der oft bereut und diejenigen, die stets danach streben, sich selbst zu reinigen. Zum Kennzeichen der Reue befragt erklärte er: Es sind die tief empfundenen Gewissensbisse. (Qushayri, ar-Risala, S. 91)

c) Diejenigen, deren Herzen aufmerksam sind und die ihr Leben so leben, wie es die Tradition Meine Augen schlafen, mein Herz jedoch nicht. (Bukhari, Tahajjud, 16; Muslim, Musafirin, 125) beschreibt, räumen alles, was zwi-schen Gott und ihre Herzen bzw. andere innere Fähigkeiten tritt, sofort beiseite und gewinnen das Bewusstsein um ihre Beziehung zum Licht der Lichter schnell zurück. Sie verkörpern unablässig die Bedeutung des Ausspruches (Er war) ein vortrefflicher Diener; stets wandte er sich (Allah) zu. (38:44).

Reue bedeutet, die dringend erforderliche Reinheit nach jeder spirituellen Beschädigung zurück zu gewinnen. Oft bezeichnet sie auch eine Selbsterneuerung. Die verschiedenen Stadien der Reue sind folgende:

1. Man bekommt ein schlechtes Gewissen und bedauert etwas.
2. Man fürchtet sich jedes Mal, wenn man an die Sünden denkt, die man in der Vergangenheit begangen hat.
3. Man versucht, Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen und unterstützt die Sache der Gerechtigkeit.
4. Man überprüft die eigene Verantwortlichkeit und kümmert sich um Pflichten, die man zuvor vernachlässigt hat. Man holt Versäumtes nach.
5. Man verbessert sich selbst, indem man spirituelle Mängel, die durch Abweichungen und Irrtümer entstanden sind, beseitigt.
6. Man bedauert und beklagt die Zeiten, in denen man nicht an Gott gedacht, Ihm nicht gedankt und nicht über Seine Werke nachgedacht hat. Man ist ständig besorgt und alarmiert, dass eigene Gedanken und Gefühle durch etwas, was die Beziehung zu Gott beeinträchtigen könnte, verunreinigt werden könnten. Diese letzte Eigenschaft ist nur denjenigen eigen, die sich durch extreme Nähe zu Gott auszeichnen.
Wenn ein Mensch keine Gewissensbisse, keine Reue und keinen Abscheu gegenüber den kleinen oder großen Irrtümern, die ihm unterlaufen sind, fühlt und nicht besorgt ist, dass er die gleichen Fehler zu anderer Zeit noch einmal begehen könnte, wenn er nicht im Dienst an Gott Zuflucht sucht, um sich von den Abweichungen und Irrtümern, denen er verfallen ist, indem er Gott abtrünnig wurde, zu befreien - dann wird seine Reue nicht mehr als eine Lüge sein.

Mawlana Dschalal ad-Din ar-Rumi (1207-1273) sagt über die aufrichtige Reue:


Ich habe bereut und mich Gott so aufrichtig zugewandt,
dass ich (mein Reuegelübde) solange nicht brechen werde,
bis meine Seele meinen Körper verlässt.
Denn wirklich, wer sonst als ein Esel
läuft in sein Verderben,
Nachdem er (auf Grund seiner Sünden)
so viel durchgemacht hat?"
Reue ist ein Eid auf die Rechtschaffenheit. An ihr unerschütterlich fest zu halten, ist eine Heldentat, die eine ausgeprägte Willenskraft erfordert. Muhammad, der Meister all jener, die bereuen, sagt, dass jemand, der aufrichtige Reue zeigt und sie unentwegt aufrecht erhält, von gleichem Rang wie die Märtyrer ist. Die Reue von Menschen, die sich nicht von ihren Sünden und Abweichungen befreien können, obwohl sie ständig etwas bereuen, bedeutet dagegen eine Verspottung der Tür', an die sich die wahrhaft Bereuenden mit äußerster Entschiedenheit und Offenheit wenden.
Ein Mensch, der sich nicht von seinen Sünden abwendet, obwohl er behauptet, die Hölle zu fürchten, der Unrecht tut, obwohl er versichert, dass er ins Paradies gelangen möchte, der gleichgültig gegenüber dem Weg und der Praxis des Propheten ist, obwohl er geltend macht, dass er ihn doch liebt - so ein Mensch kann nicht ernsthaft und offenherzig in seinen Bemühungen sein. Es ist also schwierig, jemanden für glaubwürdig und aufrichtig zu halten, der permanent sündigt und danach bereuen möchte.

Das erste Stadium, in das ein Eingeweihter eintritt, ist die Reue, das zweite ist inaba (die aufrichtige Buße). Im täglichen Sprachgebrauch bezeichnet inaba auch die Zeremonie, die abgehalten wird, wenn ein Mensch sich einem spirituellen Führer (einem murshid) unterwirft. Während Reue das Training von Gefühlen, Gedanken und Handlungen erfordert, um aus Ablehnung Annahme und Gehorsam werden zu lassen, verlangt die aufrichtige Buße eine sorgfältige Überprüfung von Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit und Angemessenheit jener Annahme und jenes Gehorsams. Reue ist ein Fortschreiten oder eine Reise zu Gott und bedeutet, sich zu bemühen, alles, was Gott gefällt, zu tun und sich von allem, was er verbietet, fern zu halten. Aufrichtige Buße ist ein Aufstieg, der über die Stadien der Reise zu Gott hin führt. Sie bezeichnet die Anstrengung, ein aufrechtes und selbstloses Leben zu führen und sich in das Vorhaben zu vertiefen, für alles, was man tut und denkt, den Zuspruch Gottes zu erhalten. Awba (die Zuwendung zu Gott in Reue) ist ein Aufstieg über die Phasen der Reise, die von Gott zurück führt. Awba bedeutet, für die Rechtleitung anderer Menschen verantwortlich zu sein, nachdem man den islamischen Weg des Glaubens, Denkens und Handelns verinnerlicht hat.

Anders ausgedrückt: Wer aus Furcht davor, als Ungläubiger zu sterben und auf ewig verdammt zu werden, bei Gott Zuflucht sucht, zeigt Reue. Wer mit dem Wunsch, den eigenen spirituellen Rang zu bewahren, ganz in Gott aufgeht, zeigt aufrichtige Buße. Wer sich aber allen Wünschen, Bestrebungen und Zielen, an denen Gott keinen Gefallen findet, verschließt, übt größtmögliche Zuwendung zu Gott in Reue. Auf der ersten Stufe steht die Gesamtheit der Gläubigen. Davon kündet der Vers Und wendet euch allesamt reumütig Allah zu, o ihr Gläubigen... (Der Koran, 24:31) Die zweite Stufe ist den außergewöhnlich rechtschaffenen Menschen und jenen mit dem stärksten Glauben und einem so vorbildlichen Verhalten vorbehalten, dass sie in die Nähe Gottes gefunden haben. Diese Stufe reicht von den Worten des Verses Und kehrt euch zu eurem Herrn und ergebt euch Ihm... (Der Koran, 39:54) bis zu den Worten ...der reumütig war und sich in Acht nahm. (Der Koran, 50:33) Die dritte Stufe errei-chen nur Propheten und Gesandte. Gott schätzt und preist sie: (Er war) ein vortrefflicher Diener; stets wandte er sich Allah zu. (Der Koran, 50:33)

Worte, die Reue bekunden, drücken, wenn sie von Menschen ausgesprochen werden, die sich ihrer Existenz in der Allgegenwart Gottes ständig bewusst sind, aufrichtige Buße oder die Zuwendung zu Gott in Reue aus. In diesem Sinne sollen auch die Worte Muhammads, des vortrefflichsten aller Menschen, verstanden werden, wenn er sagt: Ich bitte Gott siebzig oder hundertmal am Tag um Verzeihung." Reue ist eine Handlungsweise derer, die versuchen, ein aufrichtiges Leben zu führen, gelegentlich aber vergessen, dass sie sich als Gottes Diener unter Seiner ständigen Aufsicht befinden und sich nicht ständig dessen bewusst sind, was Gottes Nähe wirklich bedeutet. Diejenigen, die im ständigen Bewusstsein der Nähe Gottes leben, betrachten es als Achtlosigkeit, sich Gott so zuzuwenden, wie es gewöhnliche Menschen tun. Denn Er leitet sie nach Seinem Wunsch; Er beaufsichtigt sie unablässig und ist ihnen näher als irgendetwas anderes. Ihr gegenwärtiges Stadium ist nicht das von Menschen, die die Einheit alles Existierenden schauen. Denn in diesem Stadium befinden sich nur die wirklich vollkommen untadeligen Menschen, die erkennen, dass die Schöpfung vollkommen in Gott aufgeht und Ihn deshalb als das einzig wahre Wesen akzeptieren. Ihr Stadium ist vielmehr das von Menschen, die die Einheit des Bezeugten feststellen. Sie sind gelehrte und rechtschaffene Menschen, die es akzeptieren, dass der wahrhaftig Existierende derjenige ist, der jenseits der Schöpfung bezeugt und wahrgenommen wird. Um es noch genauer zu sagen: Dieses Stadium ist denjenigen vorbehalten, die im Schatten der Praxis des Propheten Muhammad oder im Licht seiner Laterne ihren Weg gehen. Wenn Menschen, die sich nicht in diesem Stadium befinden und (nur) an der äußeren Oberfläche ihrer Existenz leben, von awba und inaba sprechen, können sie allenfalls Vermutungen äußern und nicht wirklich fundiert über diese Punkte sprechen.


Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:26

Kein gesellschaftlicher Zwang......
glaub mir, es steckt kein gesellschaftlicher Zwang dahinter, auch nötigen Frauen andere nicht dazu.
Das habe ich zumindest noch nie mitbekommen, daß es mal von einem Mann ausgeht, aber von anderen Frauen nicht.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:28
In Antwort auf iolyn_12733717

Tawba, Inaba und Awba
Tawba, Inaba und Awba
In dieser Folge aus der Reihe "Grundlagen des Sufismus" geht es um die Begriffe Tawba (Reue), Inaba (aufrichtige Buße) und Awba (Zuwendung zu Gott in Reue).

---------------------------------------------------------------------------------

(Reue, aufrichtige Buße und die Zuwendung zu Gott in Reue)
Reue (tawba) bedeutet, dass jemandem etwas Leid tut, er nun Gewissensbisse bekommt und sich dann Gott mit der neu gefassten Absicht zuwendet, bislang Vernachlässigtes nachzuholen. Islamischen Gelehrten zufolge bezeichnet Reue auch das aufrichtige Bemühen, sich davor zu schützen, dem Wesen Gottes in Gefühlen, Gedanken, Absichten und Handlungen entgegen zu treten, und Seinen Anordnungen und Verboten nachzukommen. Reue besteht nicht darin, über irgendetwas Schlechtes oder Verbotenes verärgert zu sein und es aufzugeben. Reue heißt, sich von allem, was Gott hasst und verbietet, fern zu halten, selbst wenn Gefühl und Verstand dies nicht für nötig halten. Normalerweise wird Reue in Verbindung mit dem Wort nasuh gebraucht, was wörtlich soviel heißt wie rein, aufrichtig korrigierend, verbessernd und wiederherstellend. Tawba nasuh - aufrichtige und korrigierende Reue - meint eine reine, aufrichtige Reue, die auf vollkommene Art und Weise verbessert und wiederherstellt. Dies bedeutet, dass man für das, was man zu Unrecht getan hat, aufrichtige, innige und echte Gewissensbisse fühlt und in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel für andere Menschen liefert. Der Koran verrät uns, was er unter wahrer Reue versteht: O ihr, die ihr glaubt, wendet euch in aufrichtiger Reue zu Allah. (66:8)
Drei Kategorien von Reue werden unterschieden:
a) In die erste Kategorie fällt die Reue gewöhnlicher Menschen, die nicht in der Lage sind, Gottes Wahrheiten zu erkennen. Diese Menschen sind auf Grund ihres Ungehorsams gegenüber Gott besorgt. Sie sind sich ihrer Sünden bewusst, da diese ihr Herz verdunkeln. Nun wenden sie sich Gott zu und fassen ihre Reue in Worte wie z.B.: Ich bin gestürzt oder habe eine Sünde begangen, vergib mir", oder Ich bitte Gott um Verzeihung!"

b)Diejenigen, die sich der Wahrheiten Gottes hinter den Schleiern der materiellen Existenz teilweise bewusst sind, fühlen eine innere Erregung, wenn sie sündigen. Sobald ihr Verstand oder ihr Herz auf irgendetwas stößt, was nicht mit ihrer Überzeugung vereinbar ist, dass sie sich ständig in der Allgegenwart Gottes befinden, bzw. immer dann, wenn sie sich bewusst werden, dass ihre Herzen voller Achtlosigkeit sind, leiden sie unter starken Gewissensbissen. In solchen Momenten suchen sie unverzüglich Zuflucht zur Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Ein Mensch mit diesem Grad der Aufmerksamkeit und spirituellen Wachsamkeit ist in der folgenden Tradition beschrieben:
(Gottes Gesandter erklärte Jemand, der seine Sünden aufrichtig bereut, ist, als hätte er sie niemals begangen. Wenn Gott einen Seiner Diener liebt, werden ihm seine Sünden nicht schaden. Dann rezitierte er den Vers: Ganz gewiss, Gott liebt den, der oft bereut und diejenigen, die stets danach streben, sich selbst zu reinigen. Zum Kennzeichen der Reue befragt erklärte er: Es sind die tief empfundenen Gewissensbisse. (Qushayri, ar-Risala, S. 91)

c) Diejenigen, deren Herzen aufmerksam sind und die ihr Leben so leben, wie es die Tradition Meine Augen schlafen, mein Herz jedoch nicht. (Bukhari, Tahajjud, 16; Muslim, Musafirin, 125) beschreibt, räumen alles, was zwi-schen Gott und ihre Herzen bzw. andere innere Fähigkeiten tritt, sofort beiseite und gewinnen das Bewusstsein um ihre Beziehung zum Licht der Lichter schnell zurück. Sie verkörpern unablässig die Bedeutung des Ausspruches (Er war) ein vortrefflicher Diener; stets wandte er sich (Allah) zu. (38:44).

Reue bedeutet, die dringend erforderliche Reinheit nach jeder spirituellen Beschädigung zurück zu gewinnen. Oft bezeichnet sie auch eine Selbsterneuerung. Die verschiedenen Stadien der Reue sind folgende:

1. Man bekommt ein schlechtes Gewissen und bedauert etwas.
2. Man fürchtet sich jedes Mal, wenn man an die Sünden denkt, die man in der Vergangenheit begangen hat.
3. Man versucht, Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen und unterstützt die Sache der Gerechtigkeit.
4. Man überprüft die eigene Verantwortlichkeit und kümmert sich um Pflichten, die man zuvor vernachlässigt hat. Man holt Versäumtes nach.
5. Man verbessert sich selbst, indem man spirituelle Mängel, die durch Abweichungen und Irrtümer entstanden sind, beseitigt.
6. Man bedauert und beklagt die Zeiten, in denen man nicht an Gott gedacht, Ihm nicht gedankt und nicht über Seine Werke nachgedacht hat. Man ist ständig besorgt und alarmiert, dass eigene Gedanken und Gefühle durch etwas, was die Beziehung zu Gott beeinträchtigen könnte, verunreinigt werden könnten. Diese letzte Eigenschaft ist nur denjenigen eigen, die sich durch extreme Nähe zu Gott auszeichnen.
Wenn ein Mensch keine Gewissensbisse, keine Reue und keinen Abscheu gegenüber den kleinen oder großen Irrtümern, die ihm unterlaufen sind, fühlt und nicht besorgt ist, dass er die gleichen Fehler zu anderer Zeit noch einmal begehen könnte, wenn er nicht im Dienst an Gott Zuflucht sucht, um sich von den Abweichungen und Irrtümern, denen er verfallen ist, indem er Gott abtrünnig wurde, zu befreien - dann wird seine Reue nicht mehr als eine Lüge sein.

Mawlana Dschalal ad-Din ar-Rumi (1207-1273) sagt über die aufrichtige Reue:


Ich habe bereut und mich Gott so aufrichtig zugewandt,
dass ich (mein Reuegelübde) solange nicht brechen werde,
bis meine Seele meinen Körper verlässt.
Denn wirklich, wer sonst als ein Esel
läuft in sein Verderben,
Nachdem er (auf Grund seiner Sünden)
so viel durchgemacht hat?"
Reue ist ein Eid auf die Rechtschaffenheit. An ihr unerschütterlich fest zu halten, ist eine Heldentat, die eine ausgeprägte Willenskraft erfordert. Muhammad, der Meister all jener, die bereuen, sagt, dass jemand, der aufrichtige Reue zeigt und sie unentwegt aufrecht erhält, von gleichem Rang wie die Märtyrer ist. Die Reue von Menschen, die sich nicht von ihren Sünden und Abweichungen befreien können, obwohl sie ständig etwas bereuen, bedeutet dagegen eine Verspottung der Tür', an die sich die wahrhaft Bereuenden mit äußerster Entschiedenheit und Offenheit wenden.
Ein Mensch, der sich nicht von seinen Sünden abwendet, obwohl er behauptet, die Hölle zu fürchten, der Unrecht tut, obwohl er versichert, dass er ins Paradies gelangen möchte, der gleichgültig gegenüber dem Weg und der Praxis des Propheten ist, obwohl er geltend macht, dass er ihn doch liebt - so ein Mensch kann nicht ernsthaft und offenherzig in seinen Bemühungen sein. Es ist also schwierig, jemanden für glaubwürdig und aufrichtig zu halten, der permanent sündigt und danach bereuen möchte.

Das erste Stadium, in das ein Eingeweihter eintritt, ist die Reue, das zweite ist inaba (die aufrichtige Buße). Im täglichen Sprachgebrauch bezeichnet inaba auch die Zeremonie, die abgehalten wird, wenn ein Mensch sich einem spirituellen Führer (einem murshid) unterwirft. Während Reue das Training von Gefühlen, Gedanken und Handlungen erfordert, um aus Ablehnung Annahme und Gehorsam werden zu lassen, verlangt die aufrichtige Buße eine sorgfältige Überprüfung von Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit und Angemessenheit jener Annahme und jenes Gehorsams. Reue ist ein Fortschreiten oder eine Reise zu Gott und bedeutet, sich zu bemühen, alles, was Gott gefällt, zu tun und sich von allem, was er verbietet, fern zu halten. Aufrichtige Buße ist ein Aufstieg, der über die Stadien der Reise zu Gott hin führt. Sie bezeichnet die Anstrengung, ein aufrechtes und selbstloses Leben zu führen und sich in das Vorhaben zu vertiefen, für alles, was man tut und denkt, den Zuspruch Gottes zu erhalten. Awba (die Zuwendung zu Gott in Reue) ist ein Aufstieg über die Phasen der Reise, die von Gott zurück führt. Awba bedeutet, für die Rechtleitung anderer Menschen verantwortlich zu sein, nachdem man den islamischen Weg des Glaubens, Denkens und Handelns verinnerlicht hat.

Anders ausgedrückt: Wer aus Furcht davor, als Ungläubiger zu sterben und auf ewig verdammt zu werden, bei Gott Zuflucht sucht, zeigt Reue. Wer mit dem Wunsch, den eigenen spirituellen Rang zu bewahren, ganz in Gott aufgeht, zeigt aufrichtige Buße. Wer sich aber allen Wünschen, Bestrebungen und Zielen, an denen Gott keinen Gefallen findet, verschließt, übt größtmögliche Zuwendung zu Gott in Reue. Auf der ersten Stufe steht die Gesamtheit der Gläubigen. Davon kündet der Vers Und wendet euch allesamt reumütig Allah zu, o ihr Gläubigen... (Der Koran, 24:31) Die zweite Stufe ist den außergewöhnlich rechtschaffenen Menschen und jenen mit dem stärksten Glauben und einem so vorbildlichen Verhalten vorbehalten, dass sie in die Nähe Gottes gefunden haben. Diese Stufe reicht von den Worten des Verses Und kehrt euch zu eurem Herrn und ergebt euch Ihm... (Der Koran, 39:54) bis zu den Worten ...der reumütig war und sich in Acht nahm. (Der Koran, 50:33) Die dritte Stufe errei-chen nur Propheten und Gesandte. Gott schätzt und preist sie: (Er war) ein vortrefflicher Diener; stets wandte er sich Allah zu. (Der Koran, 50:33)

Worte, die Reue bekunden, drücken, wenn sie von Menschen ausgesprochen werden, die sich ihrer Existenz in der Allgegenwart Gottes ständig bewusst sind, aufrichtige Buße oder die Zuwendung zu Gott in Reue aus. In diesem Sinne sollen auch die Worte Muhammads, des vortrefflichsten aller Menschen, verstanden werden, wenn er sagt: Ich bitte Gott siebzig oder hundertmal am Tag um Verzeihung." Reue ist eine Handlungsweise derer, die versuchen, ein aufrichtiges Leben zu führen, gelegentlich aber vergessen, dass sie sich als Gottes Diener unter Seiner ständigen Aufsicht befinden und sich nicht ständig dessen bewusst sind, was Gottes Nähe wirklich bedeutet. Diejenigen, die im ständigen Bewusstsein der Nähe Gottes leben, betrachten es als Achtlosigkeit, sich Gott so zuzuwenden, wie es gewöhnliche Menschen tun. Denn Er leitet sie nach Seinem Wunsch; Er beaufsichtigt sie unablässig und ist ihnen näher als irgendetwas anderes. Ihr gegenwärtiges Stadium ist nicht das von Menschen, die die Einheit alles Existierenden schauen. Denn in diesem Stadium befinden sich nur die wirklich vollkommen untadeligen Menschen, die erkennen, dass die Schöpfung vollkommen in Gott aufgeht und Ihn deshalb als das einzig wahre Wesen akzeptieren. Ihr Stadium ist vielmehr das von Menschen, die die Einheit des Bezeugten feststellen. Sie sind gelehrte und rechtschaffene Menschen, die es akzeptieren, dass der wahrhaftig Existierende derjenige ist, der jenseits der Schöpfung bezeugt und wahrgenommen wird. Um es noch genauer zu sagen: Dieses Stadium ist denjenigen vorbehalten, die im Schatten der Praxis des Propheten Muhammad oder im Licht seiner Laterne ihren Weg gehen. Wenn Menschen, die sich nicht in diesem Stadium befinden und (nur) an der äußeren Oberfläche ihrer Existenz leben, von awba und inaba sprechen, können sie allenfalls Vermutungen äußern und nicht wirklich fundiert über diese Punkte sprechen.


Bediüzzaman
Erste offizielle Internetpräsenz über die Risale-i Nur und Bediüzzaman Said Nursi auf deutsch.
Gibt es eine Möglichkeit, den Tod zu töten, so- dass nun der Verfall der Welt entfällt, mensch- liche Schwäche und Armseligkeit aufgehoben und die Pforte des Grabes verschlossen werden, dann sage es mir; ich höre. Wenn nicht, dann schweig! In der grossen Moschee des Kosmos erklärt der Quran den Kosmos. Lauschen wir ihm! Lassen wir uns von seinem Licht erleuchten! Handeln wir nach seiner Rechtleitung. Er sei unser immer währendes Gebet! In der Tat ist er das Wort und als solches wird er bezeichnet. Er ist die Wahrheit. Er spricht die Wahrheit. Er zeigt die Tatsachen auf und strahlt das Licht seiner Weisheit aus

Bediüzzaman Said Nursi

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:29
In Antwort auf elba_11867912

Naja, nicht so ganz freiwillig.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Frauen freiwillig verschleiern, denn wenn man in Saudi Arabien oder zum Beispiel im Iran ohne Schleier rumläuft, wird man mitunter verhaftet. Unter Freiwilligkeit verstehen ich, freie Meinungsäusserung, so dass sich eine mit Tschador und eine andere ohne mit Rock und normaler Bluse kleiden kann und das ist sicher nicht der Fall dort.

Was?????
So ein Schwachsinn.
Worauf beruht Deine Aussage?
Verhalfte?
In Saudi?

Ich finde, man sollte sich, wenn man keine Ahnung hat nicht in der Form äußern.

Gruß

Anna

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:32
In Antwort auf iolyn_12733717

Bediüzzaman
Erste offizielle Internetpräsenz über die Risale-i Nur und Bediüzzaman Said Nursi auf deutsch.
Gibt es eine Möglichkeit, den Tod zu töten, so- dass nun der Verfall der Welt entfällt, mensch- liche Schwäche und Armseligkeit aufgehoben und die Pforte des Grabes verschlossen werden, dann sage es mir; ich höre. Wenn nicht, dann schweig! In der grossen Moschee des Kosmos erklärt der Quran den Kosmos. Lauschen wir ihm! Lassen wir uns von seinem Licht erleuchten! Handeln wir nach seiner Rechtleitung. Er sei unser immer währendes Gebet! In der Tat ist er das Wort und als solches wird er bezeichnet. Er ist die Wahrheit. Er spricht die Wahrheit. Er zeigt die Tatsachen auf und strahlt das Licht seiner Weisheit aus

Bediüzzaman Said Nursi

Kommentare zum Islam: von Jahonn Wolfgang von Goethe
Ob der Quran von Ewigkeit sei?
Danach frag' ich nicht!

Dass er das Buch der Bücher sei
Glaub ich aus Mosleminen-Pflicht.


Närrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist!

Wenn Islam Gottergeben heißt,
Im Islam leben und sterben wir alle.


Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;

Wer ihn selbst zum Gotte machte
Kränkte seinen heiligen Willen.


Und so muss das Rechte scheinen
Was auch Mohamet gelungen;

Nur durch den Begriff des Einen
Hat er alle Welt bezwungen.








Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:34
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentare zum Islam: von Jahonn Wolfgang von Goethe
Ob der Quran von Ewigkeit sei?
Danach frag' ich nicht!

Dass er das Buch der Bücher sei
Glaub ich aus Mosleminen-Pflicht.


Närrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist!

Wenn Islam Gottergeben heißt,
Im Islam leben und sterben wir alle.


Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;

Wer ihn selbst zum Gotte machte
Kränkte seinen heiligen Willen.


Und so muss das Rechte scheinen
Was auch Mohamet gelungen;

Nur durch den Begriff des Einen
Hat er alle Welt bezwungen.








Kommentare zum Islam: Otto Fürst von Bismarck-schönhausen
Ich behaupte folgendes: Mohammed ist von einer besonderen Bedeutung. Es ist fern von der Wahrscheinlichkeit, dass der Schöpfer eine solche Existenz zum zweiten Mal in den möglichen Bereich bringt.


Ich bedauere mich darum, Oh Mohammed, dass ich nicht mit Dir in gleicher Zeit leben konnte! Dieses Buch, dessen Lehrer und Verkünder Du bist, ist nicht Deins. Es ist von Gott. Es abzustreiten, dass dieses Buch von Gott ist, ist so lächerlich, wie wenn man zu behaupten versuchen würde, dass die positiven Wissenschaften absurd seien.


Darum hat die Menschheit ein besonders mächtiges Genie wie Dich, einmal erlebt und wird es nie wieder erleben können. Ich beuge mich, bar Deiner würdevollen Gegenwart in vollkommener Ehrfurcht

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:36
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentare zum Islam: Otto Fürst von Bismarck-schönhausen
Ich behaupte folgendes: Mohammed ist von einer besonderen Bedeutung. Es ist fern von der Wahrscheinlichkeit, dass der Schöpfer eine solche Existenz zum zweiten Mal in den möglichen Bereich bringt.


Ich bedauere mich darum, Oh Mohammed, dass ich nicht mit Dir in gleicher Zeit leben konnte! Dieses Buch, dessen Lehrer und Verkünder Du bist, ist nicht Deins. Es ist von Gott. Es abzustreiten, dass dieses Buch von Gott ist, ist so lächerlich, wie wenn man zu behaupten versuchen würde, dass die positiven Wissenschaften absurd seien.


Darum hat die Menschheit ein besonders mächtiges Genie wie Dich, einmal erlebt und wird es nie wieder erleben können. Ich beuge mich, bar Deiner würdevollen Gegenwart in vollkommener Ehrfurcht

Kommentare zum Islam: Jacques Yves Cousteau
Ich bezeuge, dass der Quran, dem die moderne Wissenschaft nach 14 Jahrhunderten hinterher folgt, das Wort Gottes ist.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:37
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentare zum Islam: Jacques Yves Cousteau
Ich bezeuge, dass der Quran, dem die moderne Wissenschaft nach 14 Jahrhunderten hinterher folgt, das Wort Gottes ist.

Kommentare zum Islam: Maurice Bucaille
Ursprünglich hatte ich mich ohne jede vorgefasste Meinung und in völliger Objektivität mit der Quranischen Offenbarung beschäftigt, als ich den Grad der Vereinbarkeit des Quranischen Textes mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft untersuchte. Aus Übersetzungen wusste ich, dass der Quran häufig von allen Arten von Naturphänomenen spricht, aber ich hatte hiervon nur eine summarische Kenntnis. Erst durch das aufmerksame Studium des arabischen Textes legte ich mir eine Aufstellung an; dabei wurde mir klar, dass der Quran keine einzige Behauptung enthält, die sich vom heutigen wissenschaftlichen Standpunkt aus kritisieren ließe.


Der Quran ist aber keineswegs ein Buch mit dem Ziel, gewisse Gesetze darzulegen, die das Universum beherrschen; sein Ziel ist im Wesentlichen religiös. Der Mensch wird grundsätzlich bei der Beschreibung der göttlichen Allmacht aufgefordert, über die Werke der Schöpfung nachzudenken. Damit gehen Anspielungen auf Fakten einher, die der menschlichen Beobachtung zugänglich sind, oder auf die von Gott festgelegten Gesetze, die die Organisation des Universums bestimmen, ebenso im Bereich der Naturwissenschaften als auch dessen, was den Menschen betrifft. Ein Teil dieser Aussagen ist leicht verständlich, aber die Bedeutung eines anderen Teils kann man nur erfassen, wenn man die dafür unabdingbaren wissenschaftlichen Kenntnisse besitzt. Das heißt, dass der Mensch früherer Jahrhunderte nur einen vordergründigen Sinn erkennen konnte, was ihn wegen der ungenügenden Kenntnisse seiner Zeit in einigen Fällen nicht zu exakten Schlüssen führte.


Diese letztgenannte Feststellung macht es unmöglich, der Hypothese jener zuzustimmen, die in Mohammed den Autor des Quran sehen. Wie hätte ein Mann, der anfangs Analphabet war und aus Sicht des literarischen Wertes zum ersten Autor der gesamten arabischen Literatur geworden wäre, wissenschaftliche Aussagen treffen können, die kein menschliches Wesen in jener Zeit erarbeiten konnte, und dies ohne den geringsten Irrtum in diesen Aussagen?


Die in dieser Studie allein aus wissenschaftlicher Sicht entwickelten Betrachtungen werden zu dem Urteil führen, dass es undenkbar ist, dass ein Mensch, der im 7. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung lebte, über sehr verschiedene Themen im Quran Gedanken formulieren konnte, die nicht die seiner Zeit waren und die mit dem übereinstimmen, was Jahrhunderte später bewiesen wurde. Meines Erachtens gibt es keine menschliche Erklärung für den Quran.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:39
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentare zum Islam: Maurice Bucaille
Ursprünglich hatte ich mich ohne jede vorgefasste Meinung und in völliger Objektivität mit der Quranischen Offenbarung beschäftigt, als ich den Grad der Vereinbarkeit des Quranischen Textes mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft untersuchte. Aus Übersetzungen wusste ich, dass der Quran häufig von allen Arten von Naturphänomenen spricht, aber ich hatte hiervon nur eine summarische Kenntnis. Erst durch das aufmerksame Studium des arabischen Textes legte ich mir eine Aufstellung an; dabei wurde mir klar, dass der Quran keine einzige Behauptung enthält, die sich vom heutigen wissenschaftlichen Standpunkt aus kritisieren ließe.


Der Quran ist aber keineswegs ein Buch mit dem Ziel, gewisse Gesetze darzulegen, die das Universum beherrschen; sein Ziel ist im Wesentlichen religiös. Der Mensch wird grundsätzlich bei der Beschreibung der göttlichen Allmacht aufgefordert, über die Werke der Schöpfung nachzudenken. Damit gehen Anspielungen auf Fakten einher, die der menschlichen Beobachtung zugänglich sind, oder auf die von Gott festgelegten Gesetze, die die Organisation des Universums bestimmen, ebenso im Bereich der Naturwissenschaften als auch dessen, was den Menschen betrifft. Ein Teil dieser Aussagen ist leicht verständlich, aber die Bedeutung eines anderen Teils kann man nur erfassen, wenn man die dafür unabdingbaren wissenschaftlichen Kenntnisse besitzt. Das heißt, dass der Mensch früherer Jahrhunderte nur einen vordergründigen Sinn erkennen konnte, was ihn wegen der ungenügenden Kenntnisse seiner Zeit in einigen Fällen nicht zu exakten Schlüssen führte.


Diese letztgenannte Feststellung macht es unmöglich, der Hypothese jener zuzustimmen, die in Mohammed den Autor des Quran sehen. Wie hätte ein Mann, der anfangs Analphabet war und aus Sicht des literarischen Wertes zum ersten Autor der gesamten arabischen Literatur geworden wäre, wissenschaftliche Aussagen treffen können, die kein menschliches Wesen in jener Zeit erarbeiten konnte, und dies ohne den geringsten Irrtum in diesen Aussagen?


Die in dieser Studie allein aus wissenschaftlicher Sicht entwickelten Betrachtungen werden zu dem Urteil führen, dass es undenkbar ist, dass ein Mensch, der im 7. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung lebte, über sehr verschiedene Themen im Quran Gedanken formulieren konnte, die nicht die seiner Zeit waren und die mit dem übereinstimmen, was Jahrhunderte später bewiesen wurde. Meines Erachtens gibt es keine menschliche Erklärung für den Quran.

Kommentar zum Islam: Cat Stevens (Yusuf Islam)
Als ich den Heiligen Quran erstmals las, habe ich gemerkt, dass es nur einen einzigen Gott gibt und dass der Glaube auch einzig ist. Wiederum habe ich festgestellt, dass der Quran als Wegweiser, Rechtleitung und Glaube für den Menschen die letzte Offenbarung ist. Ein Jahr später nachdem ich den Quran erstmals gelesen hatte, versuchte ich so zu leben, wie es im Quran beschrieben ist.


Der Islam trennt die Menschen nicht in Gruppen. Ich habe die Einheit (Gottes) als Ziel des ganzen Kosmos gesehen. Wer dessen gesamte Bereiche betrachten mag, wird dieselben Grundsätze feststellen.


Ich habe den Islam als in allen Zeiten durchführbar erkannt. Es gibt noch etwas besonderes, der Heilige Quran ist selbst ein Wunder. Die Bedeutsamkeit des Islam erwächst daraus, dass er unmittelbar zu Menschen und seiner Seele spricht.


Als ich den Quran erstmals gelesen hatte, stellte ich fest, dass der Islam keine Religion ist, die nur für einen Zeitabschnitt bestimmt war, sondern dass er eine Religion ist, die man in jeder Zeit und an jedem Ort durchführen kann, nicht unvollkommen wie andere Religionen. Der Quran ist das einzige Buch, das zu Menschen an Bildungsstufen spricht und ihren Seelen die Wahrheit erteilt. Als ich dieses Geheimnis entdeckt hatte, stellte ich fest, meine eigene Identität entdeckt zu haben.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:43
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentar zum Islam: Cat Stevens (Yusuf Islam)
Als ich den Heiligen Quran erstmals las, habe ich gemerkt, dass es nur einen einzigen Gott gibt und dass der Glaube auch einzig ist. Wiederum habe ich festgestellt, dass der Quran als Wegweiser, Rechtleitung und Glaube für den Menschen die letzte Offenbarung ist. Ein Jahr später nachdem ich den Quran erstmals gelesen hatte, versuchte ich so zu leben, wie es im Quran beschrieben ist.


Der Islam trennt die Menschen nicht in Gruppen. Ich habe die Einheit (Gottes) als Ziel des ganzen Kosmos gesehen. Wer dessen gesamte Bereiche betrachten mag, wird dieselben Grundsätze feststellen.


Ich habe den Islam als in allen Zeiten durchführbar erkannt. Es gibt noch etwas besonderes, der Heilige Quran ist selbst ein Wunder. Die Bedeutsamkeit des Islam erwächst daraus, dass er unmittelbar zu Menschen und seiner Seele spricht.


Als ich den Quran erstmals gelesen hatte, stellte ich fest, dass der Islam keine Religion ist, die nur für einen Zeitabschnitt bestimmt war, sondern dass er eine Religion ist, die man in jeder Zeit und an jedem Ort durchführen kann, nicht unvollkommen wie andere Religionen. Der Quran ist das einzige Buch, das zu Menschen an Bildungsstufen spricht und ihren Seelen die Wahrheit erteilt. Als ich dieses Geheimnis entdeckt hatte, stellte ich fest, meine eigene Identität entdeckt zu haben.

Kommentar zum Islam: Roger Garaudy
Als ich die außerabendländischen Kulturen erforschte, habe ich entdeckt, dass im Islam ein besonderes Potenzial vorhanden ist. Das war keine plötzliche Entdeckung. Mein erster Artikel über islamisch-arabische Kultur hatte ich in voller Begeisterung nach meiner sehr bedeutsamen Begegnung mit Scheich Ibrahim im Jahre 1949 verfasst. Heute aber gibt der Islam, wenn ich unser Jahrhundert kritisch betrachte, Antwort auf meine Lebensfragen, die ich in drei Stichpunkten zusammenfasse.

Mohammed beanspruchte niemals, einen neuen Glauben gegründet zu haben. Er hat uns den ursprünglichen Glauben Abrahams verkündet. Im Quran heißen Moses und Jesus, Propheten des Islam. Die Welt kann darin eine Einheit unter Juden, Christen und Moslems schaffen.

Der Islam trennt wissenschaftliche Bildung nicht von Weisheit und Weisheit nicht vom Glauben. Die islamische Bildung hatte in den glänzenden Zeiten der Universität Cordoba die Forschung der Ursachen nicht von der Forschung des Zieles getrennt. Dies hindert jedenfalls, dass sich wissenschaftliche Bildung und Technologie in die Bürokratie der Bildung und Technologie umwandelt und dass sich Politik in Machiavellismus verändert. Es zwingt dazu, nicht nur nach dem Wie sondern auch nach dem Warum zu fragen.

Der Islam veranlasst die Menschen die Frage nach der Beziehung zwischen dem Glaube und Politik, welche zwei Dimensionen des Menschen bilden, in der Öffentlichkeit zu besprechen und lässt sie nicht mit den Beziehungen zweier Institutionen wie Kirche und Staat verwechseln, wie es in Frankreich und in allen anderen Ländern Europas vorkommt.


Sie werden fragen, wo es diesen idealen Islam gibt. Nirgendwo! - Richtig, er existiert nur in einem Buch und im Herzen der Menschen, so wie er aber in christlichen Gemeinschaften niemals vorhanden war.


Garaudy schreibt weiter, dass diese ideale islamische Gemeinschaft in ihrem einzigen und einzigartigen Beispiel durch den Ehrwürdigen Propheten in Medina gegründet wurde. Damit hatte der Islam eine bedeutende Lücke in der Christenheit erfüllt und Ordnung in der Gesellschaft geschaffen. Die Gemeinde, welche Mohammed zustandebrachte, ist weder um ein bestimmtes Blut, noch um ein bestimmtes Stück Erde, noch um einen bestimmten Markt, noch um eine bestimmte Kultur errichtet. Sie ist auf die Einheit im Glauben aufgebaut. Sie ist offen für alle. So stellte sich mir dies als der Grundstein einer menschlichen Gemeinschaft heraus.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:45
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentar zum Islam: Roger Garaudy
Als ich die außerabendländischen Kulturen erforschte, habe ich entdeckt, dass im Islam ein besonderes Potenzial vorhanden ist. Das war keine plötzliche Entdeckung. Mein erster Artikel über islamisch-arabische Kultur hatte ich in voller Begeisterung nach meiner sehr bedeutsamen Begegnung mit Scheich Ibrahim im Jahre 1949 verfasst. Heute aber gibt der Islam, wenn ich unser Jahrhundert kritisch betrachte, Antwort auf meine Lebensfragen, die ich in drei Stichpunkten zusammenfasse.

Mohammed beanspruchte niemals, einen neuen Glauben gegründet zu haben. Er hat uns den ursprünglichen Glauben Abrahams verkündet. Im Quran heißen Moses und Jesus, Propheten des Islam. Die Welt kann darin eine Einheit unter Juden, Christen und Moslems schaffen.

Der Islam trennt wissenschaftliche Bildung nicht von Weisheit und Weisheit nicht vom Glauben. Die islamische Bildung hatte in den glänzenden Zeiten der Universität Cordoba die Forschung der Ursachen nicht von der Forschung des Zieles getrennt. Dies hindert jedenfalls, dass sich wissenschaftliche Bildung und Technologie in die Bürokratie der Bildung und Technologie umwandelt und dass sich Politik in Machiavellismus verändert. Es zwingt dazu, nicht nur nach dem Wie sondern auch nach dem Warum zu fragen.

Der Islam veranlasst die Menschen die Frage nach der Beziehung zwischen dem Glaube und Politik, welche zwei Dimensionen des Menschen bilden, in der Öffentlichkeit zu besprechen und lässt sie nicht mit den Beziehungen zweier Institutionen wie Kirche und Staat verwechseln, wie es in Frankreich und in allen anderen Ländern Europas vorkommt.


Sie werden fragen, wo es diesen idealen Islam gibt. Nirgendwo! - Richtig, er existiert nur in einem Buch und im Herzen der Menschen, so wie er aber in christlichen Gemeinschaften niemals vorhanden war.


Garaudy schreibt weiter, dass diese ideale islamische Gemeinschaft in ihrem einzigen und einzigartigen Beispiel durch den Ehrwürdigen Propheten in Medina gegründet wurde. Damit hatte der Islam eine bedeutende Lücke in der Christenheit erfüllt und Ordnung in der Gesellschaft geschaffen. Die Gemeinde, welche Mohammed zustandebrachte, ist weder um ein bestimmtes Blut, noch um ein bestimmtes Stück Erde, noch um einen bestimmten Markt, noch um eine bestimmte Kultur errichtet. Sie ist auf die Einheit im Glauben aufgebaut. Sie ist offen für alle. So stellte sich mir dies als der Grundstein einer menschlichen Gemeinschaft heraus.

Kommentar zum Islam : Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Meine Gedanken - Gedanken eines Christen - zum Quran beruhen auf einem sehr persönlichen Quranerlebnis, von dem ich zu Beginn wenigstens andeutungsweise reden möchte. Ich befand mich körperlich und seelisch in einem Zustand der Krise; angesichts einer nahenden Krankheit war ich körperlich ganz leicht und seelisch wie mir selbst entnommen. Dazu kam persönlicher Schmerz. In dieser Zeit kam mir der Gedanke, den Quran zu lesen. Ich hatte mich früher schon öfter darin versucht, den Quran im Zusammenhang zu erfassen, doch hatte ich mehr den Eindruck, einer ungeordneten Masse von Sentenzen, Bildern und Erzählungen gegenüberzutreten. Dann erlebte ich mich auf einmal durch den Quran wie ganz vom Sprechen Gottes umgriffen. Ich erlebte den Quran als die Sprachwerdung Gottes. Gott umfasst alles Geschehen. Gott öffnet dem Menschen die Brust, und die Verse Gottes dringen als seine Zeichen in den Menschen ein.

So erlebte ich es damals. Damals hätte mich die Bibel nicht trösten können, deren episch-abständiger Ton mich nicht erreicht hätte. Ich erlebte den Quran wie eine Bibel hoch zwei, eine Bibel der zweiten Potenz, und das Bild vom von innen durchleuchteten, unendlich facettierten, übergroßen Juwel tauchte in mir auf, als ich den Quran in meiner Qurankunde für Christen beschrieben habe. Mein Quranerlebnis ist die Geburtstunde für dieses mein Buch geworden. Es war für mich kein Zweifel mehr, im Quran dem Worte Gottes zu begegnen.

Ich erfuhr den Quran als aktualisierten Monotheismus.

Gott umgreift alles. Der Quran ist, genauer, reaktualisierter Monotheismus.

Islam und Quran betonen gegenüber dem jeweils heils- und religionsgeschichtlich Neuen das Bleibende und Selbe, die Religion in den Religionen, um einen Ausdruck von Ulrich Mann zu gebrauchen. Dabei ist der religionsökumenische Aspekt des Qurans unüberhörbar: die getrennten Brüder werden zum Gespräch gerufen.

Wir werden durch den Quran aufgerufen zum Bekenntnis, zum Dialog und zur Erweiterung des Offenbarungsverständnisses. Offenbarungsurkunden sind alle heiligen Bücher der Buchbesitzer, nicht nur die Bücher der Bibel.



Sure 33, 44 heißt es:


Mohammed ist Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten.



In diesem Ausdruck Siegel liegt zugleich Abschluss und Bestätigung.

Jesus sagt also ausdrücklich, dass nach ihm ein zweiter Gesandter kommen werde, der in die ganze Wahrheit hineinfahren wird. Dieser trägt den Namen: Paraklet. (Joh. 16, 7.13) . Der Name Ahmed im Quran gilt als Hinweis auf Mohammed als Parakleten.

Die Umma, die von Mohammed gegründete islamische Gemeinde, ist weder eine Staats- noch eine Kirschengründung. Sie ist din wa daula, Einheit von geistlichem und weltlichem Reich, und nimmt darin die Reichsgottespredigt Jesu auf. Sie meint letztlich einen universalen Islam, der allen offenbarten Religionen zugrunde liegt. Dieser universale Islam ist das Bleibende, in dessen Namen Jesus als der eschatologische Mensch vor die Menschheit tritt.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:45
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentar zum Islam: Cat Stevens (Yusuf Islam)
Als ich den Heiligen Quran erstmals las, habe ich gemerkt, dass es nur einen einzigen Gott gibt und dass der Glaube auch einzig ist. Wiederum habe ich festgestellt, dass der Quran als Wegweiser, Rechtleitung und Glaube für den Menschen die letzte Offenbarung ist. Ein Jahr später nachdem ich den Quran erstmals gelesen hatte, versuchte ich so zu leben, wie es im Quran beschrieben ist.


Der Islam trennt die Menschen nicht in Gruppen. Ich habe die Einheit (Gottes) als Ziel des ganzen Kosmos gesehen. Wer dessen gesamte Bereiche betrachten mag, wird dieselben Grundsätze feststellen.


Ich habe den Islam als in allen Zeiten durchführbar erkannt. Es gibt noch etwas besonderes, der Heilige Quran ist selbst ein Wunder. Die Bedeutsamkeit des Islam erwächst daraus, dass er unmittelbar zu Menschen und seiner Seele spricht.


Als ich den Quran erstmals gelesen hatte, stellte ich fest, dass der Islam keine Religion ist, die nur für einen Zeitabschnitt bestimmt war, sondern dass er eine Religion ist, die man in jeder Zeit und an jedem Ort durchführen kann, nicht unvollkommen wie andere Religionen. Der Quran ist das einzige Buch, das zu Menschen an Bildungsstufen spricht und ihren Seelen die Wahrheit erteilt. Als ich dieses Geheimnis entdeckt hatte, stellte ich fest, meine eigene Identität entdeckt zu haben.

Said167
Von Grundgedanken her, finde ich den Islam sehr gut aber man muß auch mal ehrlich sagen, das das was heute viel Muslime leben nicht im geringsten was mit dem Isalm an sich zu tun hat.
Ich war 12 Jahre lang mit einem Ägypter verheiratet und es war die Hölle auf Erden.
Was Du hier schreibst, ist ja alles prima aber es wird niemanden überzeugen, der sich mal etwas umschaut und betrachtet, was so alles im Namen des Islam passeirt.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:48
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentar zum Islam : Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Meine Gedanken - Gedanken eines Christen - zum Quran beruhen auf einem sehr persönlichen Quranerlebnis, von dem ich zu Beginn wenigstens andeutungsweise reden möchte. Ich befand mich körperlich und seelisch in einem Zustand der Krise; angesichts einer nahenden Krankheit war ich körperlich ganz leicht und seelisch wie mir selbst entnommen. Dazu kam persönlicher Schmerz. In dieser Zeit kam mir der Gedanke, den Quran zu lesen. Ich hatte mich früher schon öfter darin versucht, den Quran im Zusammenhang zu erfassen, doch hatte ich mehr den Eindruck, einer ungeordneten Masse von Sentenzen, Bildern und Erzählungen gegenüberzutreten. Dann erlebte ich mich auf einmal durch den Quran wie ganz vom Sprechen Gottes umgriffen. Ich erlebte den Quran als die Sprachwerdung Gottes. Gott umfasst alles Geschehen. Gott öffnet dem Menschen die Brust, und die Verse Gottes dringen als seine Zeichen in den Menschen ein.

So erlebte ich es damals. Damals hätte mich die Bibel nicht trösten können, deren episch-abständiger Ton mich nicht erreicht hätte. Ich erlebte den Quran wie eine Bibel hoch zwei, eine Bibel der zweiten Potenz, und das Bild vom von innen durchleuchteten, unendlich facettierten, übergroßen Juwel tauchte in mir auf, als ich den Quran in meiner Qurankunde für Christen beschrieben habe. Mein Quranerlebnis ist die Geburtstunde für dieses mein Buch geworden. Es war für mich kein Zweifel mehr, im Quran dem Worte Gottes zu begegnen.

Ich erfuhr den Quran als aktualisierten Monotheismus.

Gott umgreift alles. Der Quran ist, genauer, reaktualisierter Monotheismus.

Islam und Quran betonen gegenüber dem jeweils heils- und religionsgeschichtlich Neuen das Bleibende und Selbe, die Religion in den Religionen, um einen Ausdruck von Ulrich Mann zu gebrauchen. Dabei ist der religionsökumenische Aspekt des Qurans unüberhörbar: die getrennten Brüder werden zum Gespräch gerufen.

Wir werden durch den Quran aufgerufen zum Bekenntnis, zum Dialog und zur Erweiterung des Offenbarungsverständnisses. Offenbarungsurkunden sind alle heiligen Bücher der Buchbesitzer, nicht nur die Bücher der Bibel.



Sure 33, 44 heißt es:


Mohammed ist Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten.



In diesem Ausdruck Siegel liegt zugleich Abschluss und Bestätigung.

Jesus sagt also ausdrücklich, dass nach ihm ein zweiter Gesandter kommen werde, der in die ganze Wahrheit hineinfahren wird. Dieser trägt den Namen: Paraklet. (Joh. 16, 7.13) . Der Name Ahmed im Quran gilt als Hinweis auf Mohammed als Parakleten.

Die Umma, die von Mohammed gegründete islamische Gemeinde, ist weder eine Staats- noch eine Kirschengründung. Sie ist din wa daula, Einheit von geistlichem und weltlichem Reich, und nimmt darin die Reichsgottespredigt Jesu auf. Sie meint letztlich einen universalen Islam, der allen offenbarten Religionen zugrunde liegt. Dieser universale Islam ist das Bleibende, in dessen Namen Jesus als der eschatologische Mensch vor die Menschheit tritt.

Kommentar zum Islam :Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Islam und Christentum - zwei Geschwisterreligionen

Der christlich-islamische Dialog hat in der letzten Jahren ohne Zweifel große Fortschritte gemacht. Man hat sich längst daran gewöhnt, von den drei Abrahamsreligionen zu sprechen. Darin liegt die Vorstellung einer geschwisterlichen Verwandtschaft eingeschlossen. Als ein besonders sichtbarer Ausdruck dieser Zusammengehörigkeit finden da und dort bereits gelegentliche ökumenische Gottesdienste statt. Die drei abrahamitischen Religionen stellen sich dann als drei Konfessionen der Einen Religion Gottes dar.

So erfreulich diese und manche andere Erscheinungen im Dialogfeld von Christentum und Islam auch sind. Viel zu gering ist noch das gegenseitige wirkliche Wissen von der Geschwisterreligion, halten sich unterschwellige Ängste vom Überrolltwerden vom Islam, die durch Aufbau von Feindbildern durch die Medien noch genährt werden.

Ohne mich weiter bei diesen unerfreulichen Tatsachen aufzuhalten, gehe ich gleich auf eine Hauptschwierigkeit im Verhältnis von Christentum und Islam ein. Auf dieses Problem darf man nach erfolgreichem Dialog endlich eine positive Klärung erwarten, ja man muss sie aus Gründen, die in den Wurzeln des Christentums und in der Lehre von den Gesandten des Korans liegen, mit Notwendigkeit fordern. Ich fordere sie ausdrücklich als Christ. Es handelt sich um die Anerkennung des Propheten Mohammed als eines wahren und legitimen Gesandten Gottes innerhalb der Reihe der gottgesandten Propheten, der auch für die christlichen Kirchen und Gemeinschaften eine wegweisende Botschaft von Gott überbracht hat. Auf diese Aufgabe des Propheten Mohammed und seine enge, ja brüderliche Beziehung zu Jesus von Nazareth werde ich im Laufe meines Vortrags noch näher eingehen.

Die evangelische Kirche hat es hier besonders schwer, da sie im Kampf gegen den Nationalsozialismus in der sog. Barmer Theologischen Erklärung Jesus als das eine Wort bekannte, neben dem es andere Worte Gottes von analoger Autorität rächt gebe. Damit sind die andern Religionen eigentlich als religiöse Gesprächspartner nicht mehr vorhanden, Aber die Barmer Thesen, wie man sie auch nennt, gemessen nicht überall in der evangelischen Kirche die gleiche unumstrittene Autorität. Ich meinte, dieses Hindernis wenigstens nennen zu sollen.

Ein weiteres schweres Hindernis für den Dialog liegt schließlich im Problem der Mission. Mission und Dialog schließen sich gegenseitig aus. Die bekannte Aufforderung zur Mission an die Christen steht am Schluss des Matthäus-Evangeliums, wo es heißt: Mir [Jesus] ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker. Dieser vermutlich unechte Taufbefehl enthält dann noch den für das Neue Testament singulären trinitarischen Zusatz: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Es ist aber in diesem Text in einem differenzierten Sinne von den Völkern, den éthne, die Rede. Ethne bedeutet Heiden, das sind die Anhänger der Götterreligionen oder Völkerreligionen. Das Volk Gottes aber heißt Iaós, nicht éhnos. Die Jünger sind also nicht zu denen gesandt, die schon bei Gott sind. Das gilt insbesondere für das Judentum und für den Islam. In einem weiteren Sinne für alle Weltreligionen.

Der Koran bringt das auf eine eindeutige Weise zum Ausdruck, indem er in Sure 3 zum Dialog aufruft:


Kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns!


In Sure 29,45 erläutert der Koran:




Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift [Juden und Christen], es sei denn in bester Weise. Und sprechet: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt ward und herabgesandt ward zu euch, und unser Gott und euer Gott ist ein einiger Gott und ihm sind wir ergeben.



Am zusammenhangvollsten wird dies aber in Sure 5, 52-53 zur Sprache gebracht. Man hat diese Sure auch das Testament des Korans genannt (M. Salim Abdullah), da sie die letzte Koranoffenbarung enthält, die an den Propheten Mohammed erging, wie wir aus V. 5 entnehmen können (Heute habe ich euch eure Religion vollendet):


Einem jeden von euch haben wir eine klare Satzung gegeben und einen deutlichen Weg vorgeschrieben. Und hätte Gott es gewollt, er hätte euch alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch er wünscht euch auf die Probe zu stellen durch das, was er euch gegeben. Wetteifert daher miteinander in guten Werken.



Diese Koranoffenbarung hat die größte Bedeutung für die deutsche Dichtung und Philosophie gewonnen, und zwar als Ringparabel, wie sie in Lessings dramatischem Gedicht Nathan der Weise uns aus dem Munde des weisen Nathan vorgestellt wird. Die literarische Einkleidung konnte Lessing der dritten Novelle des ersten Tages von Boccaccios Dekameron entnehmen. Bei Lessing tritt aber eine noch größere Nähe zum Koran hervor:


Es eifre jeder seiner unbestochnen,

Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Es strebe von euch jeder um die Wette,

Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag

Zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,

Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,

Mit innigster Ergebenheit in Gott

Zu Hilf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte

Bei euern Kindes-Kindeskindem äußern:

So lad ich über tausend tausend Jahre

Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird

Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen

Als ich; und sprechen.

Diese Stelle hat das koranische Toleranzverständnis in den Mittelpunkt der deutschen Dichtung und Philosophie gestellt, sehr zum Missfallen des kirchlich-dogmatischen Christentums. Da die Deutschen ein Volk sind, das seine eigenen Wurzeln nicht kennt die Muslime, die dieses Toleranzverständnis in ihrem Koran als für sie verbindlich vorfinden, in dieser Hinsicht deutscher als die Deutschen. Die deutsche Kultur der Neuzeit hat ihre Wurzeln nicht so sehr im christlichen Abendland, sondern in der Geistigkeit bedeutender Juden (Spinoza, Moses Mendelssohn) und in der Spiritualität des Korans. Neben Lessing, seien hier nur Herder, der sogar ein evangelischer Theologe und Geistlicher war, Rückert und vor allem Goethe mit seinem West-östlichen Divan genannt. Im Islam sind wir geboren, im Islam leben und sterben wir alle., war in seinen Briefen seit 1815 ein immer wiederkehrender Satz. Er hatte Korane für Forschungszwecke anschaffen lassen und stand im Briefwechsel mit berühmten Koranforschem. Den dialogischen Zusammenhang zwischen Orient und Okzident hielt er für nunmehr unauflöslich. Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen. Immanuel Kant hat über eine seiner religionsphilosophischen Schriften die Basmala (Im Namen Gottes des Barmherzigen, des Erbarmers) in arabischer Schrift gesetzt, die Trinitätsformel hätte er dazu nicht benutzen können, da sie seinen philosophischen Intentionen nicht entsprach. Lessing, um auf ihn zurückzukommen, hat darüber hinaus in Seiner Erziehung des Menschengeschlechts auf ein nunmehr anbrechendes Reich des Geistes hingedeutet, das auf die Gesetzesreligionen Reich des Vaters und der versöhnenden kirchlichen Vermittlungsreligionen (Reich des Sohnes) folgen wird. Damit ist ein Hinweis auf den Propheten Mohammed gegeben, durch den der Geist sprach und der mit der Verheißung des Johannes-Evangeliums von einem zweiten Gesandten, dem Parakleten, in Verbindung steht. Ich werde darauf noch näher eingehen. Die gesamte deutsche Geschichtsphilosophie (Fichte, Hegel usw.) hängt mit diesen drei Reichen Lessings zusammen, die in ein nachchristliches Zeitalter hinaustreten. Diese Bemühungen sind von der Kirche durchweg zurückgewiesen worden. Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Wissenschaftslehre von Johann Gottlieb Fichte, obgleich sie sich als Weg zum wahren Christentum versteht, eher mit einer hinduistischen Upatüshad in Zusammenhang gebracht werden kann als mit dem auf kirchlicher Autorität Aussenden Dogmatismus. Es ist ein Christentum des Geistes.

Wir sollten die Chance wahrnehmen, die sich aus der neuen Begegnung eines durch den Dialog geöffneten, reinen, zugleich rechtlich als gleichwertig gesicherten Islam mit dem zu seinen wahren Wurzeln offenen geistigen und freien Christentums in Deutschland ergeben kann. Schon einmal war in Deutschland eine solche Vision in der größten deutschen Dichtung des Hochmittelalters, in Wolfram von Eschenbachs Parzival, aufgeleuchtet. Parzival als Vertreter eines geistigen Christentums und sein ihm noch unbekannter Bruder Feirefiz als Repräsentant des Islam erkennen sich nach vergeblichem Kampf gegeneinander als zusammengehörig, die zusammen erst eine Ganzheit bilden. Deutschland könnte die Stätte dieser Begegnung werden, aus der wechselseitig größte Kulturleistungen hervorgehen.

Ich möchte nun zunächst auf die große Bedeutung hinweisen, die der Koran für das Verständnis der Bibel besitzt. Im Koran fließen Überlieferungsströme wieder ein, die durch die Kanonisierung des Alten und Neuen Testaments eingeschränkt oder ausgeschlossen worden sind. Die Evangelien beispielsweise sind erst am Ende des ersten bis zum Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus entstanden. Die darin benutzten Überlieferungen wurden für neue Zwecke umgebogen. Die jesuanische und urchristliche Überlieferung ist nicht ungebrochen in das Neue Testament übergegangen. Der Islam spricht in diesem Zusammenhang von Fälschungen der Überlieferung, die durch den Koran richtig gestellt werden. Die moderne wissenschaftliche Erforschung der Evangelien bestätigt das, indem sie die Sinnverschiebungen herausarbeitet, die sich an den Überlieferungselementen ergeben hat (Form- und Redaktionsgeschichte). Die moderne theologische Wissenschaft ist geradezu leidenschaftlich bemüht, das Bild des historischen Jesus, des Menschen Jesus, wieder aus den einzelnen Überlieferungsschichten herauszuarbeiten, der seinem Volk als Prophet erschien.

Die jüdischen und christlichen Legenden, die im Koran neu geoffenbart erscheinen, trug der Prophet lange mit sich herum. Er hatte sie mündlich von jüdischen oder judenchristlichen Gewährsleuten erfahren. Sie waren in dieser Form auch den Moslems bekannt. Das alles gehört zu den asbab an-nuzul, den Ursachen der Offenbarung, bis dann die Neuoffenbarung und Richtigstellung durch den nuzul, den Niederstieg des klärenden Offenbarungswortes, erfolgte. In diesem Sinne urteilt der bedeutende Koranforscher Rudi Paret: Die Reproduktion des von anderen übernommenen Materials ist . . in seinem Bewusstsein zu einem echten Offenbarungserlebnis geworden. Aber für Mohammed lag eben der eigentliche Schwerpunkt im letzten Stadium des Aneignungsprozesses. Der Sache nach mochte sein Wissen von einem fremden Menschen stammen, - in der abschließenden Formulierung in deutlicher arabischer Sprache wurde es ihm neu geschenkt, und zwar von oben, nämlich von Gott.*1

Hier ist die Bedeutung der Judenchristen als Vermittler hervorzuheben. Es gab, wenn Sie das Neue Testament aufmerksam lesen, eine große Spaltung in der Urchristenheit, nämlich in eine Gruppe, die sich um den Bruder Jesu, Jakobus den Gerechten, scharte, die Judenchristen, und in eine andere Gruppe, die sich hauptsächlich um den Apostel Pauls scharte, die Heidenchristen. Die hatten zum Teil die gleichen Quellen der Jesusüberlieferung, legten sie aber unterschiedlich aus und - das gilt insbesondere für die heidenchristliche Gruppe - versahen sie mit Zusätzen und Umdeutungen, wie man das schon deutlich im ältesten synoptischen Evangelium, dem Markus-Evangelium, erkennen kann.

Diese beiden Gruppen bekämpften sich zum Teil bis aufs Blut. Das können Sie aus den Paulusbriefen noch herauslesen. Für die judenchristlichen Gemeinden waren viele Auffassungen, die in den heidenchristlichen Gemeinden in den Mittelpunkt der christlichen Religion traten: das stellvertretende Sühnopfer Christi, die Erbsündenlehre, die Vergöttlichung Jesu, die Abschaffung des mosaischen Gesetzes usw., unannehmbare Dinge und mit der Lehre Jesu völlig unvereinbar. Für das Judenchristentum war der Apostel Paulus der Feind, der feindliche Mann, der Unkraut in den Weizen hineingesät hat, der Pseudoapostel, der ja von sich gesagt hatte, dass ihn der historische Jesus nicht interessiere (2. Korinther 5,16). Ich will damit kein endgültiges Urteil über Paulus aussprechen, aber ich möchte Ihnen doch wenigstens andeuten, dass es da eine große Spaltung gab. So drifteten diese zwei Christentümer auseinander: siegreich die heidenchristliche Richtung, die nach Griechenland, nach Rom, also nach dem Westen hin sich ausbreitete, und nach Osten die judenchristliche Hälfte, die sich über Arabien, Syrien, Mesopotamien, Indien und nach Äthiopien hin ausbreitete. Ihren Sieg hat der bedeutende Neutestamentler Adolf Schlatter so beschrieben: Mohammed übernahm den von den jüdischen Christen bewahrten Besitz, ihr Gottesbewusstsein, ihre den Gerichtstag verkündigende Eschatologie, ihre Sitte und ihre Legende und richtete als der von Gott Gesandte ein neues Apostolat auf. *2

Mohammed hat weder die hebräische Bibel noch das Neue Testament gekannt, geschweige daraus abgeschrieben. Der Koran ist eine davon völlig unabhängige Neuschöpfung aus mündlichen Quellen. Schon der Name für Jesus im Koran, Isa, weist auf die Judenchristen hin. Nach einem Besuch bei dem Dortmunder Imam Ismail Zengin schenkte mir dieser ein Bild, das den Stammbaum des Propheten Mohammed darstellt. Dabei führte er aus: Wir, die Moslems, stammen von Ismael ab, die Juden von Jakob/Israel und ihr Christen von Esau. Diese Bemerkung verwundene mich, da sie mir sonst unbekannt war. Dann aber fiel mir auf, dass in dem Namen Isa das hebräische Wort für Esau, Esaw, stecken könnte. Die Judenchristen und ihr Begründer Jesus war für die Juden, die die Judenchristen aus der Synagogengemeinschaft ausgestoßen hatten, der feindliche Bruder Esau, der am Freiheitskampf gegen die Römer nicht teilgenommen hatte und über den Fall Jerusalems in Schadenfreude ausbrach. Später hat sich diese Gehässigkeit, die mit dem Namen Isa/Esau verbunden war, wohl verloren. Aber der Name blieb, im Arabischen wäre ja auf jeden Fall ein Jeschu möglich gewesen. *3

Man kann die Botschaft des Korans einen aktualisierten Monotheismus nennen. Gott umfasst alles. Selbst die Auferstehung ist bereits in die Schöpfung hineinverlegt.


O ihr Menschen, wenn ihr betreffs der Auferstehung im Zweifel seid, so haben wir euch erschaffen aus Staub, alsdann aus einem Samentropfen, alsdann aus geronnenem Blut, alsdann aus Fleisch, geformtem und umgeformten auf dass wir euch (unsere Macht) erwiesen. (Sure 22, 5-7)



Die kosmische Anbetung ist für jeden, der sehen will, erkennbar, da morgens und abends in den langen Schatten alle Welt vor Gott niederfällt.


Siehst du denn nicht, dass alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, sich vor Gott niederwirft, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Berge, die Bäume und die Tiere und viele Menschen? (Sure 22, 18)



Nur der Mensch ist ein Undankbarer. In der Not erinnert er sich Gottes, geht die Not vorüber vergisst er Gott.


Siehst du denn nicht, dass die Schiffe auf dem Meere durch Gottes Gnade eilen, um euch etwas von seinen Zeichen zu zeigen? Hierin sind wahrlich Zeichen für jeden Standhaften und Dankbaren. Und wenn sie eine Woge gleich Schatten bedeckt, dann rufen sie zu Gott in lauterem Glauben. Hat er sie jedoch zum Strand errettet, dann schwanken einige hin und her. Unsere Zeichen aber bestreiten nur alle Treulosen und Undankbaren. (Sure 31, 30)



Der Koran mit seiner Sprachwerdung Gottes sucht diesen Rückfall zu verhindern. Wer den Koran liest, erlebt sich ganz vom Sprechen Gottes umgriffen. Die ständige Rezitation des Korans ist der aktualisierte Monotheismus.

Aber der Islam beginnt nicht mit der Sendung des Propheten Mohammed. Wir müssen zwischen dem historischen Islam, der mit der Koranoffenbarung durch den Propheten Mohammed begann, und einem universalen Islam, der mit Adam als dem ersten Propheten in die Welt kam. Es gibt eine ganze Reihe oder Kette von Gesandten Gottes von Adam bis zum letzten Propheten, Mohammed. Zu diesen Gesandten gehören beispielsweise Rama, Buddha, Zarathusthra (Zoroaster), Noah, Abraham, Mose, Johannes der Täufer, Jesus u.a. Mit dem Auftreten dieser Gesandten ist die Entstehung einer Religion verbunden und der Empfang einer Offenbarung in Gestalt eines Buches. Es liegt also ein Islam-Kern allen Religionen zugrunde, was immer auch später sich um diesen legte. Der Islam ist die Ur-Religion in allen Religionen. Völker, zu denen kein Gesandter karr4 leben noch in der Unwissenheit (Dschahiliya), wie der Islam das Heiden- oder Völkertum nennt. Eine besondere Beziehung besteht im Koran zwischen den Gesandten Gottes Jesus und Mohammed. Der Koran enthält eine eigene Christologie, die manche Entsprechung zu den judenchristlichen Überlieferungen im Lukas-Evangelium und in der lukanischen Apostelgeschichte besitzt. Es ist eine Knecht-Gottes-Christologie im Unterschied zur Sohn- Gottes-Christologie in den Evangelien. Wie wird Jesus im Koran genannt? Er heißt dort der Gottesknecht, der Messias, Gottes Prophet und Apostel (Gesandter), Gottes Geist, Gottes Wort (Logos), er ist geboren von der Jungfrau Maria, in diesem Sinne ist er der zweite Adam, wie dieser unmittelbar von Gott geschaffen. Ob es im Koran zu einer wirklichen Ablehnung der Trinitätslehre kommt, ist umstritten. Abgelehnt wird die auch von der Reichskirche als häretisch abgelehnte Trinität: Gott, Maria, Jesus. Die Anschauungen des Korans ließen sich leicht mit der Auffassung des Arius in Einklang bringen, der den Logos (Wort bei Gott) auf der Ebene des Geschöpfes sieht. Auch hat die kirchliche Trinitätslehre nicht unmittelbar etwas mit dem historischen Jesus zu tun. Auf dies Problem geht die so genannte Zwei-Naturen-Lehre ein. Die ursprüngliche Intention der Trinitätslehre ist die Einheit Gottes als innergöttliche Entfaltung und Lebendigkeit dieser Einheit. Über diese Zusammenhänge hat die Diskussion zwischen Islam und Christentum noch gar nicht recht begonnen. *4

Ein schwerwiegender Unterschied zwischen offizieller christlicher Überlieferung und Koran scheint darin zu bestehen, daß nach koranischer Überlieferung Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Vielmehr heißt es in der Sure 4, 157:


Und wegen ihrer Rede: Wir haben ja den Messias, Jesus, Sohn der Maria, den Gesandten Gottes, ermordet, doch konnten sie ihn nicht töten, noch am Kreuz sterben lassen, sondern es erschien ihnen bloß so, und diejenigen, die das Gegenteil in dieser Sache behaupten, sind ja selber im Zweifel darüber, sie haben Sicherheit, sondern folgen einer Vermutung, da sie ihn nicht für sicher getötet hatten. (Übersetzung: Sadr-ud-din)



Dieses es erschien ihnen bloß so ist eine den Sinn zu vermitteln suchende Übersetzung des koranischen Ausdrucks wa lakin schubbiha lahum, und das heißt wörtlich vielmehr wurde er ihnen (den Juden) ähnlich gemacht (d.h. einem, der tatsächlich am Kreuz gestorben ist). Das übersetzen jetzt einige, leider auch Paret, im Sinne von Legenden, die in gnostischen Kreisen und später auch im Islam aufgekommen sind, als wäre für Jesus ein anderer unterschoben worden, der statt seiner gekreuzigt und am Kreuz gestorben ist. Wo man dieser Vorstellung einer Substitution oder Unterschiebung eines anderen für Jesus nachgibt, übersetzt man dann in folgendem Sinn: Vielmehr erschien ihnen (ein anderer) ähnlich (so dass sie ihn mit Jesus verwechselten und töteten). Aber der koranische Text zwingt gar nicht dazu, denn nicht er wurde ähnlich gemacht, Judas oder sonst einer, sondern Jesus wurde ähnlich gemacht für den Anblick der Juden, als wäre er tatsächlich am Kreuz gestorben. Denn davon war in der Rede der Juden ja vorher die Rede.

Es wird heute sehr lebhaft - auch im Zusammenhang mit dem Turiner Grabtuch - erörtert, dass Jesus noch lebend vom Kreuz abgenommen, dann in die Grabkammer zur weiteren Behandlung niedergelegt wurde und danach unter Umständen bis nach Kaschmir weiter gewandert sei. Ich kann für diese Vorstellungen hier nur auf die diesbezügliche Literatur (Holger Kersten, Elmar R. Gruber, Siegfried Oberineier u.A.) hinweisen. Sie haben sehr viel für sich, wenn man das Johannes-Evangelium - wohlgemerkt das ursprüngliche! - richtig liest. Dort heißt es nicht, dass Jesus am Kreuz gestorben sei, sondern dass er erhöht worden ist von der Erde (Job. 12,32, vgl. auch 3,24, 8,28). Das stimmt zusammen mit Sure 4, 158:


Nein, Gott hat ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig und weise.



Damit wird noch einmal ausdrücklich im Anschluss an den vorausgegangenen Vers 157 zurückgewiesen, dass Jesus am Kreuz gestorben sei und stattdessen betont, dass Gott ihn zu sich erhöht (rafa'a) hat. Gott hat seinen Gesandten nicht verlassen, sondern, so ergänzt Sure 23, 50, ihn und seine Mutter, nachdem er sie vorher in ein Land gerettet hatte, das einige auf Kaschmir deuten, zu sich in den Himmel erhoben:


Wir (=Gott) machten den Sohn der Maria und seine Mutter zu einem Zeichen und gaben ihnen Zuflucht auf einer Höhe, einem Ort der Sicherheit mit Wasser von fließenden Quellen.



Daraus folgt, dass der Koran sogar einen versteckten Hinweis auf die leibhafte Himmelfahrt der Maria gibt.

In der Sure 19 Meryem und in der Sure 3 die Sippe Imran wird die Geburtsgeschichte Jesu erzählt, die judenchristliche Überlieferung ähnlich der lukanischen enthält.

In der außerkoranischen Mahdi-Vorstellung werden Endzeit und Wiederkunft Jesu vorausgesagt. Die Welt treibt der Endzeit zu. Die Verhältnisse auf Erden verschlechtern sich. Der Mahdi (=ein von Gott Geleiteter) bringt das goldene Zeitalter. Nach diesem Zwischenreich eilt die Welt endgültig ihrem Ende entgegen. Der Antichrist (Daddschal) erscheint. Danach erscheint der zu Gott entrückte Jesus und verkündigt den universalen Islam. Die zweite Lebenshälfte Jesu wird also in die Endzeit gerückt. Dann erfolgt der erste Posaunenstoß Israfils. Alles wird tot niedergestreckt. Mit dem zweiten Posaunenstoß setzt dann das Jüngste Gericht ein.

Es gibt aber auch Hinweise auf Mohammed in der Bibel. 5. Mose 18,15 heißt es:



Einen Propheten wie mich wird der Herr dein Gott dir erwecken aus der Mitte deiner Brüder; auf den sollt ihr hören!



Auf diesen Propheten, der als der kommende zweite Mose erwartet wird, bezieht sich Jesaja 42,6. Dort heißt er der Gottesknecht, der den Volksbund stiftet. In diesem Sinne heißt er auch: der Prophet. In diesem Sinne gibt es in den Evangelien, besonders im Matthäus-Evangelium, den Versuch, Jesus als den zweiten Mose zu stilisieren, der einen neuen Bund stiftet. Aber Jesus hat keinen eigentlichen Volksbund gestiftet, es kam lediglich zur Bildung einer Kirche mit scharfer Trennung von aller Politik. Der zweite Mose soll aus der Mitte der Brüder Israels erweckt werden, und der Bruder Israels ist Ismael. Als der zweite Mose wird er alle bisherige Prophetie zum Abschluss bringen. In diesem Sinne heißt es in der Sure 33, 40:


Mohammed ist Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten.



Das heißt also: Die ganze Kette der Gesandten kommt zu einem Schlusspunkt, so wie ich eine Urkunde dadurch endgültig mache, dass ich ein Siegel darunter setze: Mohammed ist also der letzte Gesandte. Aber darin zeigt sich zugleich die unauflösliche Zusammengehörigkeit von Jesus und Mohammed. Das bringt Sure 61, 6 mit folgenden Worten zum Ausdruck:


Und da Jesus, der Sohn der Maria, sprach: O ihr Kinder Israel, ich bin Gottes Gesandter an euch, bestätigend die Tora, die vor mir war, und einen Gesandten verkündigend, der nach mir kommen soll, dessen Name Ahmed ist.


Dieser Name Ahmed hat die gleichen Stammkonsonanten HMD wie Mohammed. Es ist im Grunde genommen ein und dasselbe Wort, das der Gepriesene, der Gelobte bedeutet. Und das kommt nun zusammen mit einem Satz, den Jesus im Johannesevangelium in seinen Abschiedsreden gesagt hat (Joh. 16, 7):

Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, dass ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Paraklet nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden..., (V. 13) der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. *5

Mit diesem Jesuswort geht gut zusammen, dass Mohammed Wert darauf legt, dass er den Auditionen, der Stimme der Koranoffenbarungen, nichts hinzugefügt hat.

Es gibt in der Vorstellung der Judenchristen mit denen das Johannes-Evangelium zusammenhängt, nicht nur einen Messias, sondern zwei. Später ist der kirchliche Redaktor hinzugekommen und hat jedes Mal, wenn der Paraklet, also die Bezeichnung des zweiten Gesandten genannt wird, das Wort der Heilige Geist dahinter geklebt und so praktisch die jüdische und judenchristliche Tradition von den zwei Messiassen in die kirchliche Lehre von nur einem Messias und nur einem Geist Gottes, der dann auch nur in der Kirche wartet, umgebogen. Damit waren alle anderen draußen.

Es ist aber eine Eigentümlichkeit des Judenchristentums, dass man nicht nur einen Messias, sondern tatsächlich zwei erwartete. Und zwar geht diese Vorstellung von den beiden Gesandten zurück auf den so genannten Essenerorden, die Leute von Qumran. In den Schrift- Rollen von Qumran gibt es die Vorstellung, dass am Ende der Zeiten Gott die beiden Messiasse schicken werde. Der erste ist der Volksmessias aus dem Hause David, der später auch der Ben Josef, also der Sohn Josefs, genannt wird. Er wird auch als Kriegsmessias vorgestellt, der den Heiligen Krieg gegen die Römer durchfuhren und dadurch das Reich Gottes auf Erden aufrichten wird. Der Gründer der Dynastie David war ja der König, der Israel vollendete, indem er den Heiligen Krieg der Landnahme mit der Eroberung Jerusalems zum Abschluss brachte. Eine weitere Vorstellung war, dass dieser Messias fallen werde. Es gab natürlich viele Übergänge in diesen Ansichten, so dass man sie nicht zu stark vereinheitlichen darf. Dieser Auffassung scheinen Deutungen zu widersprechen, die Jesus auf Grund der Bergpredigt als einen radikalen Pazifisten vorstellen. Andererseits existieren Jesusworte, nach denen er nicht gekommen ist, Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert (Matthäus-Evangelium 10,34) und aus dem Gespräch Jesu mit seinen Jüngern beim letzten Mahl geht hervor, dass diese während des Einzugs in Jerusalem Waffen unter den Kleidern getragen haben und auch jetzt noch bereit sind, ihn damit zu verteidigen (Lukas-Evangelium 22,3). Diese Annahme einer gescheiterten Jesus-Revolution ist nicht ganz abwegig und stellt die Bergpredigt in das Licht einer Magna Charta für das Reich Gottes und für ein Übergangsverhalten bis zur endgültigen Aufrichtung desselben.

Neben diesem Messias aus dem Hause David wurde noch ein zweiter Messias, der hohepriesterliche Messias, erwartet, das ist der Grosse der aus dem Hause Aaron stammen und die eigentliche Erfüllung bringen wird. Dieser zweite Messias wurde bei den Judenchristen nach dem Auftreten des Messias Jesus noch erwartet. Die Judenchristen sahen ihn zunächst in dem Bruder Jesu, Jakobus. Von diesem Bruder Jesu wird in dem gnostischen Thomas-Evangelium eine eigenartige Aussage gemacht:



Es sprachen die Jünger zu Jesus: Wir wissen, dass du von uns gehen wirst. Wer ist's, der groß sein wird über uns? Jesus sprach zu ihnen: Am Ort, wohin ihr gekommen seid, werdet ihr gehen zu Jakobus dem Gerechten, dessentwillen der Himmel und die Erde geworden sind. (Spruch 12)



Jakobus ist also das Fundament der judenchristlichen Gemeinde und zugleich das Fundament des Universums. Er ist sowohl der Leiter der Urgemeinde von Jerusalem und der Sachwalter der judenchristlichen Gnosis. Von ihm geht die Weisheit aus, die die Rechtleitung für die Glaubenden enthält In der Väterliteratur ist Jakobus als der wahre Hohepriester in hohepriesterlicher Kleidung vorgestellt worden. Jakobus ist danach der zweite Gesandte oder Messias, der das Werk Jesu in jeder Hinsicht vollendet.

Nun ist dieser Jakobus von seinen Gegnern, von dem falschen Hohenpriester - die Essener nannten die Priester im Tempel zu Jerusalem die falschen Priester - getötet worden. Man hat ihn von einer Tempelzinne gestürzt und dann mit einem Knüppel erschlagen. Nach anderer Überlieferung soll er gesteinigt worden sein. Er ist ein Märtyrer. Und von daher war die Erwartung eines zweiten Messias oder Gesandten zunächst nicht verwirklicht worden. Man musste auf einen anderen warten.

Und diese Erwartung wird über das Judenchristentum zu den arabischen Christen weitergegangen sein. Das zeigt sich daran, dass ein aus dieser Tradition stammender Christ, Waraqa, ein Vetter von Mohammeds Frau Chadidscha, sofort, als die erste Offenbarung an Mohammed kam, erklärte: Der Engel Gabriel ist wahrhaftig zu ihm gekommen, wie er zu Moses kam, und er ist wahrlich der Prophet dieses Volkes! *6 Das heißt also, die Verheißung eines zweiten vollendenden Gesandten ist vom Judenchristentum in die arabische Erwartung übergegangen und ist dem Propheten Mohammed in der Sure 61 neu geoffenbart worden mit der Maßgabe, dass in ihm dieser zweite Messias gekommen ist. In diesem Sinne sind Jesus und Mohammed Brüder, und so hat sich Mohammed auch verstanden. Ja, er hat sich mit Jesus identisch gefehlt. Er hat sagen können: Ich bin Jesus.

Man kann also sagen, dass das Christentum jesuanischer Prägung und der Islam arabischer Prägung ganz nah beieinander stehen. Das Urchristentum, so gesehen, steht näher beim Islam als unser heidenchristlich geprägtes Christentum. Dazu kommt noch die Vorstellung vom wahren Propheten in der judenchristlichen Gemeinde. Sie ist verwandt mit der bereits erwähnten Vorstellung vom dem Propheten und dein damit verbundenen Vorstellungskomplex vom Gottesknecht. Nach dem Judenchristentum waren all die großen Gestalten der biblischen Heilsgeschichte von Adam über Moses bis zu Jesus ein Ausdruck des wahren Propheten, der in Jesus als zweiter Moses auftritt und die Tora von den falschen Perikopen (Bibelabschnitten) reinigt. Die Idee einer Verfälschung der heiligen Bücher bestand also schon in urchristlicher Zeit. Von diesem wahren Propheten heißt es dann weiter in einer urchristlichen Überlieferung:

Er ermahnt, allein zu einem Gott zu beten, hasst Opfer, Blutvergießen, beendet Kriege, predigt Frieden, macht barmherzig. *7

In welchem Sinne kann die Auffassung von Mohammed als Parakleten für einen Christen von Belang sein? Eine Brücke bildet Leasings Lehre von den drei Reichen, auf die wir schon hinwiesen. Lessing war der Meinung, dass auf das Reich des Vaters das Reich des Sohnes folge. Kennzeichnend für die Kirche sei die Spaltung in Kirche und Staat, Religion und Welt. Nun wollen wir aber weltlich so leben, dass wir darin den Willen Gottes erfüllen, Jesus verkündigte das Reich Gottes, aber es kam die Kirche hat Alfred Loisy gesagt. Das Reich Gottes ist aber die Aufhebung der Spaltung in Kirche und Staat, in den Einen Menschheitsbund, der aus göttlichem Willen lebt. Die umma, die von Mohammed gegründete islamische Gemeinde, bestehend aus der gleichberechtigten und autonomen Mitgliedschaft aller Leute der Schrift nach der Urverfassung von Medina, ist weder eine Staats- noch eine Kirchengründung. Sie ist din wa daula, Einheit von geistlichem und weltlichem Reich, und nimmt darin die Reichgottespredigt Jesu wieder auf Sie meint letztlich einen universalen Islam, der allen geoffenbarten Religionen zugrunde liegt. Dieser universale Islam ist das Bleibende, in dessen Namen Jesus als der eschatologische Mensch vor die Menschheit tritt.

Ich komme nun zum letzten Punkt, zum mystischen oder esoterischen Element der Lehre Jesu. Die Geheimlehre Jesu - denn um eine solche handelt es sich - ging in das Judenchristentum hinüber und lag, wie das Thomas-Evangelium zeigt, in den Händen des Jakobus. Das ursprüngliche Christentum kannte keine Dogmen. Es kannte aber Bilder und Gleichnisse für die, die draußen sind. Dem inneren Kreis aber enthüllte er den Sinn der Gleichnisse (Markus-Evangelium 4,33f). Aber genau diese Enthüllungen fehlen im Neuen Testament. Diese findet man vielmehr im Thomas-Evangelium. Dort heißt es, dass das Samenkorn, das man in den Acker streut, das Selbst, der göttliche Funke und Lichtkern in jedem Menschen ist, den es zu entwickeln gilt. Diese Geheimlehre teilte Jesus nur dafür bestimmten Jüngern mit. Es gab da einen engeren Dreierkreis. Außerdem einen Jünger, den Jesus liebte. Wir nennen ihn Johannes. Ob er wirklich Johannes hieß, ist eine andere Frage. Dieser Jünger hat Jesu Geheimlehre dann in das Johannes-Evangelium hineingeschrieben, das, wenn man die späteren kirchlichen Übermalungen wegdenkt, das älteste Evangelium im Neuen Testament ist. Durch die kirchliche Redaktion wurde es das Jüngste. Ein Nachklang dieser ursprünglichen Lehre ist, wenn man richtig zu lesen weiß, in den drei übrigen Evangelien des Neuen Testaments enthalten.

Und nun ist es interessant, dass auch in der islamischen Überlieferung die Geheimlehre eine Rolle spielt. Eine solche erscheint zunächst im Koran, beispielsweise in der Sure 4, die den Namen das Licht trägt, insbesondere in dem berühmten Lichtvers (V.35). Wer sich mit dem Koran beschäftigt, der wird in immer tiefere Schichten hineingeführt. Jedenfalls geht mir das so. Es hat eigentlich damit gar kein Ende, was da an Licht aus dem Koran hervorbricht. Er enthält zumindest potentiell eine esoterische Lehre, die sich allerdings nur dem aufschließt, der hingegeben ist an die Ausdrucksweise, den Sprachklang, die Verse, die ein Wunder darstellen in der Erscheinungswelt, weil sie dem Menschen die Brust öffnen zur Tiefe hin.

Und so wird gesagt, dass Mohammed seinen Vetter, Pflegesohn und Schwiegersohn Ali, den mystischen vierten Kalifen und ersten Imam der Schia, in die Geheimlehre eingeweiht habe, so dass es von daher, zumindest seit Ali, im Islam eine esoterische Tradition gibt, die auf den Propheten selbst zurückgeht. Aber vielleicht ist in den islamischen Mystikern eine uralte Tradition am Werke, die schwer auf ihre wirklichen Ursprünge hin zu erkennen ist.

Zu den Bezeichnungen, welche die Sufis sich selbst geben, gehört, dass sie sich Urchristen nennen. Das könnte einen sehr guten Sinn haben nach dert4 was ich Ihnen von der Geheimlehre Jesu vorgetragen habe. Ich kann sogar noch weiter gehen: Das Wollkleid, das erinnert doch ganz lebhaft an den Propheten Elias. Der lief doch auch in so einem härenen Gewande herum. Und dieser Elias hatte einen Prophetenkreis. Da wurde man eingeweiht in die geheimnisvollen Dinge, so dass auch seine Schüler geheimnisvoll wirken konnten. In Johannes dem Täufer erscheint ein solcher Sufi im härenen Gewand wieder. im Kreise Johannes des Täufers ist Jesus eingeweiht worden. Denn die Taufe ist ein Signal, ein Signum, ein Zeichen für eine Einweihung. Aus dem Kreise Johannes des Täufers ist wahrscheinlich das hervorgegangen, was sogar über den kirchlichen Bereich hinauswirkte, die große Bewegung der Gnosis. So haben es einige Kirchenväter verstanden.

Aber man muss noch einen Schritt weitergehen. In dem Propheten Mohammed tritt eine Gestalt auf, die, äußerlich betrachtet, dasteht wie einer unter anderen Propheten. Aber in diesem Moment hat sich nach mystischer Auffassung gleichsam dargestellt ein Licht, das Gott als Ausdruck des Selbst erschaffen hat, das so genannte Mohammed-Licht, oder Nur muhammadiya. Dieses Mohammed-Licht, das alle Propheten erleuchtet hat, ist der wahre Mensch, der Ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Dinge. Immer dort, wo Licht ist und Erkenntnis, da ist dies der göttliche Urbeginn der Grossen Welt (Makrokosmos) in der kleinen Welt (Mikrokosmos, der Mensch). Die Nur muhammadiya enthüllt den wahren Propheten in dem Propheten Mohammed. Daraufhin ist jeder einzelne von uns angelegt. Er ist in diesem Sinne der ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Menschen, der archetypische Mensch.

Vor lauter historischem Jesus haben wir längst vergessen, dass im Neuen Testament Jesus als der archetypische Mensch, der Menschensohn, vorgestellt wird, der in der himmlischen Welt von Gott als Erstling aller Seiner Werke geschaffen worden ist. Das ist also eine parallele Vorstellungsform zu dem, was im mystischen Islam über die Nur muhammadiya gesagt worden ist. Der archetypische Mensch ist mit den Eigenschaften Gottes, freilich auch in diesem Zustand Geschöpf, ausgestattet. Gestaltet euch mit den Eigenschaften Gottes aus! ist der Ruf, den der Prophet Mohammed an die Menschen ergehen lässt. Der Mensch ist das Abbild Gottes auf der geschöpflichen Ebene. In der letzten Tiefe ist Gott unerkennbar. Aber dadurch, dass ER Seine Eigenschaften erschafft - Er erschafft diese zunächst in dem urbildlichen Menschen -, gibt Er uns Anteil an Seiner Gnade.

Ein Erlebnis war für mich, als wir auf dem Kirchentag zu Nürnberg (1979) uns in einem Kreis, wo auch über den Islam gesprochen wurde und wo auch Moslems dabei waren, als freie Christen vorstellten und ich sagte: ich gehöre dem Bund für freies Christentum an, da kamen spontan die Moslems und sagten: Auch wir sind freie Christen! Das besagt doch wohl, wenn man sich öffnet für die Urbotschaft des Christentums, dann gibt es eigentlich nur noch die eine geheimnisvolle Lehre. Wie sich herausstellte, waren diejenigen, die das sagten, Sufis.




Anmerkungen


*1 Rudi Paret, Mohammed und der Koran, Stuttgart 1957, S. 58


*2 Adolf Schlatter, Die Geschichte der ersten Christenheit, Darinstadt 1971, S. 368


*3 Siehe dazu meinen Aufsatz, Esau - Ismael - Jakob - eine Miszelle zum Trialog, in:

Religionen im Gespräch,5. Band (RIG 5), hrsg. v. Reinhard Kirste, Paul Schwarzenau, Udo Tworuschka, Die dialogische Kraft des Mystischen, Balve 1998, S. 64-66


*4 Siehe dazu Muhammad Salim Abdullah, Islam für das Gespräch mit Christen, Gütersloh 1992, S. 145


*5 Die Vermutung, Paraklet stehe für ein ursprüngliches Periklytos hat viel für sich.

Periklytos bedeutet wie Ahmed und Mohammed der Gelobte, der Gepriesene.


*6 So nach Ihn Ishaq, Das Leben des Propheten, übers. v. Gernot Rotter, Tübingen und Basel 1976, S. 45


*7 Pseudo-Clementinen, s. Hennecke-Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung, 2. Bd, 3. Auflage, Tübingen 1964, S. 72








Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:51
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentar zum Islam :Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Islam und Christentum - zwei Geschwisterreligionen

Der christlich-islamische Dialog hat in der letzten Jahren ohne Zweifel große Fortschritte gemacht. Man hat sich längst daran gewöhnt, von den drei Abrahamsreligionen zu sprechen. Darin liegt die Vorstellung einer geschwisterlichen Verwandtschaft eingeschlossen. Als ein besonders sichtbarer Ausdruck dieser Zusammengehörigkeit finden da und dort bereits gelegentliche ökumenische Gottesdienste statt. Die drei abrahamitischen Religionen stellen sich dann als drei Konfessionen der Einen Religion Gottes dar.

So erfreulich diese und manche andere Erscheinungen im Dialogfeld von Christentum und Islam auch sind. Viel zu gering ist noch das gegenseitige wirkliche Wissen von der Geschwisterreligion, halten sich unterschwellige Ängste vom Überrolltwerden vom Islam, die durch Aufbau von Feindbildern durch die Medien noch genährt werden.

Ohne mich weiter bei diesen unerfreulichen Tatsachen aufzuhalten, gehe ich gleich auf eine Hauptschwierigkeit im Verhältnis von Christentum und Islam ein. Auf dieses Problem darf man nach erfolgreichem Dialog endlich eine positive Klärung erwarten, ja man muss sie aus Gründen, die in den Wurzeln des Christentums und in der Lehre von den Gesandten des Korans liegen, mit Notwendigkeit fordern. Ich fordere sie ausdrücklich als Christ. Es handelt sich um die Anerkennung des Propheten Mohammed als eines wahren und legitimen Gesandten Gottes innerhalb der Reihe der gottgesandten Propheten, der auch für die christlichen Kirchen und Gemeinschaften eine wegweisende Botschaft von Gott überbracht hat. Auf diese Aufgabe des Propheten Mohammed und seine enge, ja brüderliche Beziehung zu Jesus von Nazareth werde ich im Laufe meines Vortrags noch näher eingehen.

Die evangelische Kirche hat es hier besonders schwer, da sie im Kampf gegen den Nationalsozialismus in der sog. Barmer Theologischen Erklärung Jesus als das eine Wort bekannte, neben dem es andere Worte Gottes von analoger Autorität rächt gebe. Damit sind die andern Religionen eigentlich als religiöse Gesprächspartner nicht mehr vorhanden, Aber die Barmer Thesen, wie man sie auch nennt, gemessen nicht überall in der evangelischen Kirche die gleiche unumstrittene Autorität. Ich meinte, dieses Hindernis wenigstens nennen zu sollen.

Ein weiteres schweres Hindernis für den Dialog liegt schließlich im Problem der Mission. Mission und Dialog schließen sich gegenseitig aus. Die bekannte Aufforderung zur Mission an die Christen steht am Schluss des Matthäus-Evangeliums, wo es heißt: Mir [Jesus] ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker. Dieser vermutlich unechte Taufbefehl enthält dann noch den für das Neue Testament singulären trinitarischen Zusatz: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Es ist aber in diesem Text in einem differenzierten Sinne von den Völkern, den éthne, die Rede. Ethne bedeutet Heiden, das sind die Anhänger der Götterreligionen oder Völkerreligionen. Das Volk Gottes aber heißt Iaós, nicht éhnos. Die Jünger sind also nicht zu denen gesandt, die schon bei Gott sind. Das gilt insbesondere für das Judentum und für den Islam. In einem weiteren Sinne für alle Weltreligionen.

Der Koran bringt das auf eine eindeutige Weise zum Ausdruck, indem er in Sure 3 zum Dialog aufruft:


Kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns!


In Sure 29,45 erläutert der Koran:




Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift [Juden und Christen], es sei denn in bester Weise. Und sprechet: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt ward und herabgesandt ward zu euch, und unser Gott und euer Gott ist ein einiger Gott und ihm sind wir ergeben.



Am zusammenhangvollsten wird dies aber in Sure 5, 52-53 zur Sprache gebracht. Man hat diese Sure auch das Testament des Korans genannt (M. Salim Abdullah), da sie die letzte Koranoffenbarung enthält, die an den Propheten Mohammed erging, wie wir aus V. 5 entnehmen können (Heute habe ich euch eure Religion vollendet):


Einem jeden von euch haben wir eine klare Satzung gegeben und einen deutlichen Weg vorgeschrieben. Und hätte Gott es gewollt, er hätte euch alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch er wünscht euch auf die Probe zu stellen durch das, was er euch gegeben. Wetteifert daher miteinander in guten Werken.



Diese Koranoffenbarung hat die größte Bedeutung für die deutsche Dichtung und Philosophie gewonnen, und zwar als Ringparabel, wie sie in Lessings dramatischem Gedicht Nathan der Weise uns aus dem Munde des weisen Nathan vorgestellt wird. Die literarische Einkleidung konnte Lessing der dritten Novelle des ersten Tages von Boccaccios Dekameron entnehmen. Bei Lessing tritt aber eine noch größere Nähe zum Koran hervor:


Es eifre jeder seiner unbestochnen,

Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Es strebe von euch jeder um die Wette,

Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag

Zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,

Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,

Mit innigster Ergebenheit in Gott

Zu Hilf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte

Bei euern Kindes-Kindeskindem äußern:

So lad ich über tausend tausend Jahre

Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird

Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen

Als ich; und sprechen.

Diese Stelle hat das koranische Toleranzverständnis in den Mittelpunkt der deutschen Dichtung und Philosophie gestellt, sehr zum Missfallen des kirchlich-dogmatischen Christentums. Da die Deutschen ein Volk sind, das seine eigenen Wurzeln nicht kennt die Muslime, die dieses Toleranzverständnis in ihrem Koran als für sie verbindlich vorfinden, in dieser Hinsicht deutscher als die Deutschen. Die deutsche Kultur der Neuzeit hat ihre Wurzeln nicht so sehr im christlichen Abendland, sondern in der Geistigkeit bedeutender Juden (Spinoza, Moses Mendelssohn) und in der Spiritualität des Korans. Neben Lessing, seien hier nur Herder, der sogar ein evangelischer Theologe und Geistlicher war, Rückert und vor allem Goethe mit seinem West-östlichen Divan genannt. Im Islam sind wir geboren, im Islam leben und sterben wir alle., war in seinen Briefen seit 1815 ein immer wiederkehrender Satz. Er hatte Korane für Forschungszwecke anschaffen lassen und stand im Briefwechsel mit berühmten Koranforschem. Den dialogischen Zusammenhang zwischen Orient und Okzident hielt er für nunmehr unauflöslich. Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen. Immanuel Kant hat über eine seiner religionsphilosophischen Schriften die Basmala (Im Namen Gottes des Barmherzigen, des Erbarmers) in arabischer Schrift gesetzt, die Trinitätsformel hätte er dazu nicht benutzen können, da sie seinen philosophischen Intentionen nicht entsprach. Lessing, um auf ihn zurückzukommen, hat darüber hinaus in Seiner Erziehung des Menschengeschlechts auf ein nunmehr anbrechendes Reich des Geistes hingedeutet, das auf die Gesetzesreligionen Reich des Vaters und der versöhnenden kirchlichen Vermittlungsreligionen (Reich des Sohnes) folgen wird. Damit ist ein Hinweis auf den Propheten Mohammed gegeben, durch den der Geist sprach und der mit der Verheißung des Johannes-Evangeliums von einem zweiten Gesandten, dem Parakleten, in Verbindung steht. Ich werde darauf noch näher eingehen. Die gesamte deutsche Geschichtsphilosophie (Fichte, Hegel usw.) hängt mit diesen drei Reichen Lessings zusammen, die in ein nachchristliches Zeitalter hinaustreten. Diese Bemühungen sind von der Kirche durchweg zurückgewiesen worden. Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Wissenschaftslehre von Johann Gottlieb Fichte, obgleich sie sich als Weg zum wahren Christentum versteht, eher mit einer hinduistischen Upatüshad in Zusammenhang gebracht werden kann als mit dem auf kirchlicher Autorität Aussenden Dogmatismus. Es ist ein Christentum des Geistes.

Wir sollten die Chance wahrnehmen, die sich aus der neuen Begegnung eines durch den Dialog geöffneten, reinen, zugleich rechtlich als gleichwertig gesicherten Islam mit dem zu seinen wahren Wurzeln offenen geistigen und freien Christentums in Deutschland ergeben kann. Schon einmal war in Deutschland eine solche Vision in der größten deutschen Dichtung des Hochmittelalters, in Wolfram von Eschenbachs Parzival, aufgeleuchtet. Parzival als Vertreter eines geistigen Christentums und sein ihm noch unbekannter Bruder Feirefiz als Repräsentant des Islam erkennen sich nach vergeblichem Kampf gegeneinander als zusammengehörig, die zusammen erst eine Ganzheit bilden. Deutschland könnte die Stätte dieser Begegnung werden, aus der wechselseitig größte Kulturleistungen hervorgehen.

Ich möchte nun zunächst auf die große Bedeutung hinweisen, die der Koran für das Verständnis der Bibel besitzt. Im Koran fließen Überlieferungsströme wieder ein, die durch die Kanonisierung des Alten und Neuen Testaments eingeschränkt oder ausgeschlossen worden sind. Die Evangelien beispielsweise sind erst am Ende des ersten bis zum Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus entstanden. Die darin benutzten Überlieferungen wurden für neue Zwecke umgebogen. Die jesuanische und urchristliche Überlieferung ist nicht ungebrochen in das Neue Testament übergegangen. Der Islam spricht in diesem Zusammenhang von Fälschungen der Überlieferung, die durch den Koran richtig gestellt werden. Die moderne wissenschaftliche Erforschung der Evangelien bestätigt das, indem sie die Sinnverschiebungen herausarbeitet, die sich an den Überlieferungselementen ergeben hat (Form- und Redaktionsgeschichte). Die moderne theologische Wissenschaft ist geradezu leidenschaftlich bemüht, das Bild des historischen Jesus, des Menschen Jesus, wieder aus den einzelnen Überlieferungsschichten herauszuarbeiten, der seinem Volk als Prophet erschien.

Die jüdischen und christlichen Legenden, die im Koran neu geoffenbart erscheinen, trug der Prophet lange mit sich herum. Er hatte sie mündlich von jüdischen oder judenchristlichen Gewährsleuten erfahren. Sie waren in dieser Form auch den Moslems bekannt. Das alles gehört zu den asbab an-nuzul, den Ursachen der Offenbarung, bis dann die Neuoffenbarung und Richtigstellung durch den nuzul, den Niederstieg des klärenden Offenbarungswortes, erfolgte. In diesem Sinne urteilt der bedeutende Koranforscher Rudi Paret: Die Reproduktion des von anderen übernommenen Materials ist . . in seinem Bewusstsein zu einem echten Offenbarungserlebnis geworden. Aber für Mohammed lag eben der eigentliche Schwerpunkt im letzten Stadium des Aneignungsprozesses. Der Sache nach mochte sein Wissen von einem fremden Menschen stammen, - in der abschließenden Formulierung in deutlicher arabischer Sprache wurde es ihm neu geschenkt, und zwar von oben, nämlich von Gott.*1

Hier ist die Bedeutung der Judenchristen als Vermittler hervorzuheben. Es gab, wenn Sie das Neue Testament aufmerksam lesen, eine große Spaltung in der Urchristenheit, nämlich in eine Gruppe, die sich um den Bruder Jesu, Jakobus den Gerechten, scharte, die Judenchristen, und in eine andere Gruppe, die sich hauptsächlich um den Apostel Pauls scharte, die Heidenchristen. Die hatten zum Teil die gleichen Quellen der Jesusüberlieferung, legten sie aber unterschiedlich aus und - das gilt insbesondere für die heidenchristliche Gruppe - versahen sie mit Zusätzen und Umdeutungen, wie man das schon deutlich im ältesten synoptischen Evangelium, dem Markus-Evangelium, erkennen kann.

Diese beiden Gruppen bekämpften sich zum Teil bis aufs Blut. Das können Sie aus den Paulusbriefen noch herauslesen. Für die judenchristlichen Gemeinden waren viele Auffassungen, die in den heidenchristlichen Gemeinden in den Mittelpunkt der christlichen Religion traten: das stellvertretende Sühnopfer Christi, die Erbsündenlehre, die Vergöttlichung Jesu, die Abschaffung des mosaischen Gesetzes usw., unannehmbare Dinge und mit der Lehre Jesu völlig unvereinbar. Für das Judenchristentum war der Apostel Paulus der Feind, der feindliche Mann, der Unkraut in den Weizen hineingesät hat, der Pseudoapostel, der ja von sich gesagt hatte, dass ihn der historische Jesus nicht interessiere (2. Korinther 5,16). Ich will damit kein endgültiges Urteil über Paulus aussprechen, aber ich möchte Ihnen doch wenigstens andeuten, dass es da eine große Spaltung gab. So drifteten diese zwei Christentümer auseinander: siegreich die heidenchristliche Richtung, die nach Griechenland, nach Rom, also nach dem Westen hin sich ausbreitete, und nach Osten die judenchristliche Hälfte, die sich über Arabien, Syrien, Mesopotamien, Indien und nach Äthiopien hin ausbreitete. Ihren Sieg hat der bedeutende Neutestamentler Adolf Schlatter so beschrieben: Mohammed übernahm den von den jüdischen Christen bewahrten Besitz, ihr Gottesbewusstsein, ihre den Gerichtstag verkündigende Eschatologie, ihre Sitte und ihre Legende und richtete als der von Gott Gesandte ein neues Apostolat auf. *2

Mohammed hat weder die hebräische Bibel noch das Neue Testament gekannt, geschweige daraus abgeschrieben. Der Koran ist eine davon völlig unabhängige Neuschöpfung aus mündlichen Quellen. Schon der Name für Jesus im Koran, Isa, weist auf die Judenchristen hin. Nach einem Besuch bei dem Dortmunder Imam Ismail Zengin schenkte mir dieser ein Bild, das den Stammbaum des Propheten Mohammed darstellt. Dabei führte er aus: Wir, die Moslems, stammen von Ismael ab, die Juden von Jakob/Israel und ihr Christen von Esau. Diese Bemerkung verwundene mich, da sie mir sonst unbekannt war. Dann aber fiel mir auf, dass in dem Namen Isa das hebräische Wort für Esau, Esaw, stecken könnte. Die Judenchristen und ihr Begründer Jesus war für die Juden, die die Judenchristen aus der Synagogengemeinschaft ausgestoßen hatten, der feindliche Bruder Esau, der am Freiheitskampf gegen die Römer nicht teilgenommen hatte und über den Fall Jerusalems in Schadenfreude ausbrach. Später hat sich diese Gehässigkeit, die mit dem Namen Isa/Esau verbunden war, wohl verloren. Aber der Name blieb, im Arabischen wäre ja auf jeden Fall ein Jeschu möglich gewesen. *3

Man kann die Botschaft des Korans einen aktualisierten Monotheismus nennen. Gott umfasst alles. Selbst die Auferstehung ist bereits in die Schöpfung hineinverlegt.


O ihr Menschen, wenn ihr betreffs der Auferstehung im Zweifel seid, so haben wir euch erschaffen aus Staub, alsdann aus einem Samentropfen, alsdann aus geronnenem Blut, alsdann aus Fleisch, geformtem und umgeformten auf dass wir euch (unsere Macht) erwiesen. (Sure 22, 5-7)



Die kosmische Anbetung ist für jeden, der sehen will, erkennbar, da morgens und abends in den langen Schatten alle Welt vor Gott niederfällt.


Siehst du denn nicht, dass alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, sich vor Gott niederwirft, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Berge, die Bäume und die Tiere und viele Menschen? (Sure 22, 18)



Nur der Mensch ist ein Undankbarer. In der Not erinnert er sich Gottes, geht die Not vorüber vergisst er Gott.


Siehst du denn nicht, dass die Schiffe auf dem Meere durch Gottes Gnade eilen, um euch etwas von seinen Zeichen zu zeigen? Hierin sind wahrlich Zeichen für jeden Standhaften und Dankbaren. Und wenn sie eine Woge gleich Schatten bedeckt, dann rufen sie zu Gott in lauterem Glauben. Hat er sie jedoch zum Strand errettet, dann schwanken einige hin und her. Unsere Zeichen aber bestreiten nur alle Treulosen und Undankbaren. (Sure 31, 30)



Der Koran mit seiner Sprachwerdung Gottes sucht diesen Rückfall zu verhindern. Wer den Koran liest, erlebt sich ganz vom Sprechen Gottes umgriffen. Die ständige Rezitation des Korans ist der aktualisierte Monotheismus.

Aber der Islam beginnt nicht mit der Sendung des Propheten Mohammed. Wir müssen zwischen dem historischen Islam, der mit der Koranoffenbarung durch den Propheten Mohammed begann, und einem universalen Islam, der mit Adam als dem ersten Propheten in die Welt kam. Es gibt eine ganze Reihe oder Kette von Gesandten Gottes von Adam bis zum letzten Propheten, Mohammed. Zu diesen Gesandten gehören beispielsweise Rama, Buddha, Zarathusthra (Zoroaster), Noah, Abraham, Mose, Johannes der Täufer, Jesus u.a. Mit dem Auftreten dieser Gesandten ist die Entstehung einer Religion verbunden und der Empfang einer Offenbarung in Gestalt eines Buches. Es liegt also ein Islam-Kern allen Religionen zugrunde, was immer auch später sich um diesen legte. Der Islam ist die Ur-Religion in allen Religionen. Völker, zu denen kein Gesandter karr4 leben noch in der Unwissenheit (Dschahiliya), wie der Islam das Heiden- oder Völkertum nennt. Eine besondere Beziehung besteht im Koran zwischen den Gesandten Gottes Jesus und Mohammed. Der Koran enthält eine eigene Christologie, die manche Entsprechung zu den judenchristlichen Überlieferungen im Lukas-Evangelium und in der lukanischen Apostelgeschichte besitzt. Es ist eine Knecht-Gottes-Christologie im Unterschied zur Sohn- Gottes-Christologie in den Evangelien. Wie wird Jesus im Koran genannt? Er heißt dort der Gottesknecht, der Messias, Gottes Prophet und Apostel (Gesandter), Gottes Geist, Gottes Wort (Logos), er ist geboren von der Jungfrau Maria, in diesem Sinne ist er der zweite Adam, wie dieser unmittelbar von Gott geschaffen. Ob es im Koran zu einer wirklichen Ablehnung der Trinitätslehre kommt, ist umstritten. Abgelehnt wird die auch von der Reichskirche als häretisch abgelehnte Trinität: Gott, Maria, Jesus. Die Anschauungen des Korans ließen sich leicht mit der Auffassung des Arius in Einklang bringen, der den Logos (Wort bei Gott) auf der Ebene des Geschöpfes sieht. Auch hat die kirchliche Trinitätslehre nicht unmittelbar etwas mit dem historischen Jesus zu tun. Auf dies Problem geht die so genannte Zwei-Naturen-Lehre ein. Die ursprüngliche Intention der Trinitätslehre ist die Einheit Gottes als innergöttliche Entfaltung und Lebendigkeit dieser Einheit. Über diese Zusammenhänge hat die Diskussion zwischen Islam und Christentum noch gar nicht recht begonnen. *4

Ein schwerwiegender Unterschied zwischen offizieller christlicher Überlieferung und Koran scheint darin zu bestehen, daß nach koranischer Überlieferung Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Vielmehr heißt es in der Sure 4, 157:


Und wegen ihrer Rede: Wir haben ja den Messias, Jesus, Sohn der Maria, den Gesandten Gottes, ermordet, doch konnten sie ihn nicht töten, noch am Kreuz sterben lassen, sondern es erschien ihnen bloß so, und diejenigen, die das Gegenteil in dieser Sache behaupten, sind ja selber im Zweifel darüber, sie haben Sicherheit, sondern folgen einer Vermutung, da sie ihn nicht für sicher getötet hatten. (Übersetzung: Sadr-ud-din)



Dieses es erschien ihnen bloß so ist eine den Sinn zu vermitteln suchende Übersetzung des koranischen Ausdrucks wa lakin schubbiha lahum, und das heißt wörtlich vielmehr wurde er ihnen (den Juden) ähnlich gemacht (d.h. einem, der tatsächlich am Kreuz gestorben ist). Das übersetzen jetzt einige, leider auch Paret, im Sinne von Legenden, die in gnostischen Kreisen und später auch im Islam aufgekommen sind, als wäre für Jesus ein anderer unterschoben worden, der statt seiner gekreuzigt und am Kreuz gestorben ist. Wo man dieser Vorstellung einer Substitution oder Unterschiebung eines anderen für Jesus nachgibt, übersetzt man dann in folgendem Sinn: Vielmehr erschien ihnen (ein anderer) ähnlich (so dass sie ihn mit Jesus verwechselten und töteten). Aber der koranische Text zwingt gar nicht dazu, denn nicht er wurde ähnlich gemacht, Judas oder sonst einer, sondern Jesus wurde ähnlich gemacht für den Anblick der Juden, als wäre er tatsächlich am Kreuz gestorben. Denn davon war in der Rede der Juden ja vorher die Rede.

Es wird heute sehr lebhaft - auch im Zusammenhang mit dem Turiner Grabtuch - erörtert, dass Jesus noch lebend vom Kreuz abgenommen, dann in die Grabkammer zur weiteren Behandlung niedergelegt wurde und danach unter Umständen bis nach Kaschmir weiter gewandert sei. Ich kann für diese Vorstellungen hier nur auf die diesbezügliche Literatur (Holger Kersten, Elmar R. Gruber, Siegfried Oberineier u.A.) hinweisen. Sie haben sehr viel für sich, wenn man das Johannes-Evangelium - wohlgemerkt das ursprüngliche! - richtig liest. Dort heißt es nicht, dass Jesus am Kreuz gestorben sei, sondern dass er erhöht worden ist von der Erde (Job. 12,32, vgl. auch 3,24, 8,28). Das stimmt zusammen mit Sure 4, 158:


Nein, Gott hat ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig und weise.



Damit wird noch einmal ausdrücklich im Anschluss an den vorausgegangenen Vers 157 zurückgewiesen, dass Jesus am Kreuz gestorben sei und stattdessen betont, dass Gott ihn zu sich erhöht (rafa'a) hat. Gott hat seinen Gesandten nicht verlassen, sondern, so ergänzt Sure 23, 50, ihn und seine Mutter, nachdem er sie vorher in ein Land gerettet hatte, das einige auf Kaschmir deuten, zu sich in den Himmel erhoben:


Wir (=Gott) machten den Sohn der Maria und seine Mutter zu einem Zeichen und gaben ihnen Zuflucht auf einer Höhe, einem Ort der Sicherheit mit Wasser von fließenden Quellen.



Daraus folgt, dass der Koran sogar einen versteckten Hinweis auf die leibhafte Himmelfahrt der Maria gibt.

In der Sure 19 Meryem und in der Sure 3 die Sippe Imran wird die Geburtsgeschichte Jesu erzählt, die judenchristliche Überlieferung ähnlich der lukanischen enthält.

In der außerkoranischen Mahdi-Vorstellung werden Endzeit und Wiederkunft Jesu vorausgesagt. Die Welt treibt der Endzeit zu. Die Verhältnisse auf Erden verschlechtern sich. Der Mahdi (=ein von Gott Geleiteter) bringt das goldene Zeitalter. Nach diesem Zwischenreich eilt die Welt endgültig ihrem Ende entgegen. Der Antichrist (Daddschal) erscheint. Danach erscheint der zu Gott entrückte Jesus und verkündigt den universalen Islam. Die zweite Lebenshälfte Jesu wird also in die Endzeit gerückt. Dann erfolgt der erste Posaunenstoß Israfils. Alles wird tot niedergestreckt. Mit dem zweiten Posaunenstoß setzt dann das Jüngste Gericht ein.

Es gibt aber auch Hinweise auf Mohammed in der Bibel. 5. Mose 18,15 heißt es:



Einen Propheten wie mich wird der Herr dein Gott dir erwecken aus der Mitte deiner Brüder; auf den sollt ihr hören!



Auf diesen Propheten, der als der kommende zweite Mose erwartet wird, bezieht sich Jesaja 42,6. Dort heißt er der Gottesknecht, der den Volksbund stiftet. In diesem Sinne heißt er auch: der Prophet. In diesem Sinne gibt es in den Evangelien, besonders im Matthäus-Evangelium, den Versuch, Jesus als den zweiten Mose zu stilisieren, der einen neuen Bund stiftet. Aber Jesus hat keinen eigentlichen Volksbund gestiftet, es kam lediglich zur Bildung einer Kirche mit scharfer Trennung von aller Politik. Der zweite Mose soll aus der Mitte der Brüder Israels erweckt werden, und der Bruder Israels ist Ismael. Als der zweite Mose wird er alle bisherige Prophetie zum Abschluss bringen. In diesem Sinne heißt es in der Sure 33, 40:


Mohammed ist Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten.



Das heißt also: Die ganze Kette der Gesandten kommt zu einem Schlusspunkt, so wie ich eine Urkunde dadurch endgültig mache, dass ich ein Siegel darunter setze: Mohammed ist also der letzte Gesandte. Aber darin zeigt sich zugleich die unauflösliche Zusammengehörigkeit von Jesus und Mohammed. Das bringt Sure 61, 6 mit folgenden Worten zum Ausdruck:


Und da Jesus, der Sohn der Maria, sprach: O ihr Kinder Israel, ich bin Gottes Gesandter an euch, bestätigend die Tora, die vor mir war, und einen Gesandten verkündigend, der nach mir kommen soll, dessen Name Ahmed ist.


Dieser Name Ahmed hat die gleichen Stammkonsonanten HMD wie Mohammed. Es ist im Grunde genommen ein und dasselbe Wort, das der Gepriesene, der Gelobte bedeutet. Und das kommt nun zusammen mit einem Satz, den Jesus im Johannesevangelium in seinen Abschiedsreden gesagt hat (Joh. 16, 7):

Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, dass ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Paraklet nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden..., (V. 13) der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. *5

Mit diesem Jesuswort geht gut zusammen, dass Mohammed Wert darauf legt, dass er den Auditionen, der Stimme der Koranoffenbarungen, nichts hinzugefügt hat.

Es gibt in der Vorstellung der Judenchristen mit denen das Johannes-Evangelium zusammenhängt, nicht nur einen Messias, sondern zwei. Später ist der kirchliche Redaktor hinzugekommen und hat jedes Mal, wenn der Paraklet, also die Bezeichnung des zweiten Gesandten genannt wird, das Wort der Heilige Geist dahinter geklebt und so praktisch die jüdische und judenchristliche Tradition von den zwei Messiassen in die kirchliche Lehre von nur einem Messias und nur einem Geist Gottes, der dann auch nur in der Kirche wartet, umgebogen. Damit waren alle anderen draußen.

Es ist aber eine Eigentümlichkeit des Judenchristentums, dass man nicht nur einen Messias, sondern tatsächlich zwei erwartete. Und zwar geht diese Vorstellung von den beiden Gesandten zurück auf den so genannten Essenerorden, die Leute von Qumran. In den Schrift- Rollen von Qumran gibt es die Vorstellung, dass am Ende der Zeiten Gott die beiden Messiasse schicken werde. Der erste ist der Volksmessias aus dem Hause David, der später auch der Ben Josef, also der Sohn Josefs, genannt wird. Er wird auch als Kriegsmessias vorgestellt, der den Heiligen Krieg gegen die Römer durchfuhren und dadurch das Reich Gottes auf Erden aufrichten wird. Der Gründer der Dynastie David war ja der König, der Israel vollendete, indem er den Heiligen Krieg der Landnahme mit der Eroberung Jerusalems zum Abschluss brachte. Eine weitere Vorstellung war, dass dieser Messias fallen werde. Es gab natürlich viele Übergänge in diesen Ansichten, so dass man sie nicht zu stark vereinheitlichen darf. Dieser Auffassung scheinen Deutungen zu widersprechen, die Jesus auf Grund der Bergpredigt als einen radikalen Pazifisten vorstellen. Andererseits existieren Jesusworte, nach denen er nicht gekommen ist, Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert (Matthäus-Evangelium 10,34) und aus dem Gespräch Jesu mit seinen Jüngern beim letzten Mahl geht hervor, dass diese während des Einzugs in Jerusalem Waffen unter den Kleidern getragen haben und auch jetzt noch bereit sind, ihn damit zu verteidigen (Lukas-Evangelium 22,3). Diese Annahme einer gescheiterten Jesus-Revolution ist nicht ganz abwegig und stellt die Bergpredigt in das Licht einer Magna Charta für das Reich Gottes und für ein Übergangsverhalten bis zur endgültigen Aufrichtung desselben.

Neben diesem Messias aus dem Hause David wurde noch ein zweiter Messias, der hohepriesterliche Messias, erwartet, das ist der Grosse der aus dem Hause Aaron stammen und die eigentliche Erfüllung bringen wird. Dieser zweite Messias wurde bei den Judenchristen nach dem Auftreten des Messias Jesus noch erwartet. Die Judenchristen sahen ihn zunächst in dem Bruder Jesu, Jakobus. Von diesem Bruder Jesu wird in dem gnostischen Thomas-Evangelium eine eigenartige Aussage gemacht:



Es sprachen die Jünger zu Jesus: Wir wissen, dass du von uns gehen wirst. Wer ist's, der groß sein wird über uns? Jesus sprach zu ihnen: Am Ort, wohin ihr gekommen seid, werdet ihr gehen zu Jakobus dem Gerechten, dessentwillen der Himmel und die Erde geworden sind. (Spruch 12)



Jakobus ist also das Fundament der judenchristlichen Gemeinde und zugleich das Fundament des Universums. Er ist sowohl der Leiter der Urgemeinde von Jerusalem und der Sachwalter der judenchristlichen Gnosis. Von ihm geht die Weisheit aus, die die Rechtleitung für die Glaubenden enthält In der Väterliteratur ist Jakobus als der wahre Hohepriester in hohepriesterlicher Kleidung vorgestellt worden. Jakobus ist danach der zweite Gesandte oder Messias, der das Werk Jesu in jeder Hinsicht vollendet.

Nun ist dieser Jakobus von seinen Gegnern, von dem falschen Hohenpriester - die Essener nannten die Priester im Tempel zu Jerusalem die falschen Priester - getötet worden. Man hat ihn von einer Tempelzinne gestürzt und dann mit einem Knüppel erschlagen. Nach anderer Überlieferung soll er gesteinigt worden sein. Er ist ein Märtyrer. Und von daher war die Erwartung eines zweiten Messias oder Gesandten zunächst nicht verwirklicht worden. Man musste auf einen anderen warten.

Und diese Erwartung wird über das Judenchristentum zu den arabischen Christen weitergegangen sein. Das zeigt sich daran, dass ein aus dieser Tradition stammender Christ, Waraqa, ein Vetter von Mohammeds Frau Chadidscha, sofort, als die erste Offenbarung an Mohammed kam, erklärte: Der Engel Gabriel ist wahrhaftig zu ihm gekommen, wie er zu Moses kam, und er ist wahrlich der Prophet dieses Volkes! *6 Das heißt also, die Verheißung eines zweiten vollendenden Gesandten ist vom Judenchristentum in die arabische Erwartung übergegangen und ist dem Propheten Mohammed in der Sure 61 neu geoffenbart worden mit der Maßgabe, dass in ihm dieser zweite Messias gekommen ist. In diesem Sinne sind Jesus und Mohammed Brüder, und so hat sich Mohammed auch verstanden. Ja, er hat sich mit Jesus identisch gefehlt. Er hat sagen können: Ich bin Jesus.

Man kann also sagen, dass das Christentum jesuanischer Prägung und der Islam arabischer Prägung ganz nah beieinander stehen. Das Urchristentum, so gesehen, steht näher beim Islam als unser heidenchristlich geprägtes Christentum. Dazu kommt noch die Vorstellung vom wahren Propheten in der judenchristlichen Gemeinde. Sie ist verwandt mit der bereits erwähnten Vorstellung vom dem Propheten und dein damit verbundenen Vorstellungskomplex vom Gottesknecht. Nach dem Judenchristentum waren all die großen Gestalten der biblischen Heilsgeschichte von Adam über Moses bis zu Jesus ein Ausdruck des wahren Propheten, der in Jesus als zweiter Moses auftritt und die Tora von den falschen Perikopen (Bibelabschnitten) reinigt. Die Idee einer Verfälschung der heiligen Bücher bestand also schon in urchristlicher Zeit. Von diesem wahren Propheten heißt es dann weiter in einer urchristlichen Überlieferung:

Er ermahnt, allein zu einem Gott zu beten, hasst Opfer, Blutvergießen, beendet Kriege, predigt Frieden, macht barmherzig. *7

In welchem Sinne kann die Auffassung von Mohammed als Parakleten für einen Christen von Belang sein? Eine Brücke bildet Leasings Lehre von den drei Reichen, auf die wir schon hinwiesen. Lessing war der Meinung, dass auf das Reich des Vaters das Reich des Sohnes folge. Kennzeichnend für die Kirche sei die Spaltung in Kirche und Staat, Religion und Welt. Nun wollen wir aber weltlich so leben, dass wir darin den Willen Gottes erfüllen, Jesus verkündigte das Reich Gottes, aber es kam die Kirche hat Alfred Loisy gesagt. Das Reich Gottes ist aber die Aufhebung der Spaltung in Kirche und Staat, in den Einen Menschheitsbund, der aus göttlichem Willen lebt. Die umma, die von Mohammed gegründete islamische Gemeinde, bestehend aus der gleichberechtigten und autonomen Mitgliedschaft aller Leute der Schrift nach der Urverfassung von Medina, ist weder eine Staats- noch eine Kirchengründung. Sie ist din wa daula, Einheit von geistlichem und weltlichem Reich, und nimmt darin die Reichgottespredigt Jesu wieder auf Sie meint letztlich einen universalen Islam, der allen geoffenbarten Religionen zugrunde liegt. Dieser universale Islam ist das Bleibende, in dessen Namen Jesus als der eschatologische Mensch vor die Menschheit tritt.

Ich komme nun zum letzten Punkt, zum mystischen oder esoterischen Element der Lehre Jesu. Die Geheimlehre Jesu - denn um eine solche handelt es sich - ging in das Judenchristentum hinüber und lag, wie das Thomas-Evangelium zeigt, in den Händen des Jakobus. Das ursprüngliche Christentum kannte keine Dogmen. Es kannte aber Bilder und Gleichnisse für die, die draußen sind. Dem inneren Kreis aber enthüllte er den Sinn der Gleichnisse (Markus-Evangelium 4,33f). Aber genau diese Enthüllungen fehlen im Neuen Testament. Diese findet man vielmehr im Thomas-Evangelium. Dort heißt es, dass das Samenkorn, das man in den Acker streut, das Selbst, der göttliche Funke und Lichtkern in jedem Menschen ist, den es zu entwickeln gilt. Diese Geheimlehre teilte Jesus nur dafür bestimmten Jüngern mit. Es gab da einen engeren Dreierkreis. Außerdem einen Jünger, den Jesus liebte. Wir nennen ihn Johannes. Ob er wirklich Johannes hieß, ist eine andere Frage. Dieser Jünger hat Jesu Geheimlehre dann in das Johannes-Evangelium hineingeschrieben, das, wenn man die späteren kirchlichen Übermalungen wegdenkt, das älteste Evangelium im Neuen Testament ist. Durch die kirchliche Redaktion wurde es das Jüngste. Ein Nachklang dieser ursprünglichen Lehre ist, wenn man richtig zu lesen weiß, in den drei übrigen Evangelien des Neuen Testaments enthalten.

Und nun ist es interessant, dass auch in der islamischen Überlieferung die Geheimlehre eine Rolle spielt. Eine solche erscheint zunächst im Koran, beispielsweise in der Sure 4, die den Namen das Licht trägt, insbesondere in dem berühmten Lichtvers (V.35). Wer sich mit dem Koran beschäftigt, der wird in immer tiefere Schichten hineingeführt. Jedenfalls geht mir das so. Es hat eigentlich damit gar kein Ende, was da an Licht aus dem Koran hervorbricht. Er enthält zumindest potentiell eine esoterische Lehre, die sich allerdings nur dem aufschließt, der hingegeben ist an die Ausdrucksweise, den Sprachklang, die Verse, die ein Wunder darstellen in der Erscheinungswelt, weil sie dem Menschen die Brust öffnen zur Tiefe hin.

Und so wird gesagt, dass Mohammed seinen Vetter, Pflegesohn und Schwiegersohn Ali, den mystischen vierten Kalifen und ersten Imam der Schia, in die Geheimlehre eingeweiht habe, so dass es von daher, zumindest seit Ali, im Islam eine esoterische Tradition gibt, die auf den Propheten selbst zurückgeht. Aber vielleicht ist in den islamischen Mystikern eine uralte Tradition am Werke, die schwer auf ihre wirklichen Ursprünge hin zu erkennen ist.

Zu den Bezeichnungen, welche die Sufis sich selbst geben, gehört, dass sie sich Urchristen nennen. Das könnte einen sehr guten Sinn haben nach dert4 was ich Ihnen von der Geheimlehre Jesu vorgetragen habe. Ich kann sogar noch weiter gehen: Das Wollkleid, das erinnert doch ganz lebhaft an den Propheten Elias. Der lief doch auch in so einem härenen Gewande herum. Und dieser Elias hatte einen Prophetenkreis. Da wurde man eingeweiht in die geheimnisvollen Dinge, so dass auch seine Schüler geheimnisvoll wirken konnten. In Johannes dem Täufer erscheint ein solcher Sufi im härenen Gewand wieder. im Kreise Johannes des Täufers ist Jesus eingeweiht worden. Denn die Taufe ist ein Signal, ein Signum, ein Zeichen für eine Einweihung. Aus dem Kreise Johannes des Täufers ist wahrscheinlich das hervorgegangen, was sogar über den kirchlichen Bereich hinauswirkte, die große Bewegung der Gnosis. So haben es einige Kirchenväter verstanden.

Aber man muss noch einen Schritt weitergehen. In dem Propheten Mohammed tritt eine Gestalt auf, die, äußerlich betrachtet, dasteht wie einer unter anderen Propheten. Aber in diesem Moment hat sich nach mystischer Auffassung gleichsam dargestellt ein Licht, das Gott als Ausdruck des Selbst erschaffen hat, das so genannte Mohammed-Licht, oder Nur muhammadiya. Dieses Mohammed-Licht, das alle Propheten erleuchtet hat, ist der wahre Mensch, der Ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Dinge. Immer dort, wo Licht ist und Erkenntnis, da ist dies der göttliche Urbeginn der Grossen Welt (Makrokosmos) in der kleinen Welt (Mikrokosmos, der Mensch). Die Nur muhammadiya enthüllt den wahren Propheten in dem Propheten Mohammed. Daraufhin ist jeder einzelne von uns angelegt. Er ist in diesem Sinne der ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Menschen, der archetypische Mensch.

Vor lauter historischem Jesus haben wir längst vergessen, dass im Neuen Testament Jesus als der archetypische Mensch, der Menschensohn, vorgestellt wird, der in der himmlischen Welt von Gott als Erstling aller Seiner Werke geschaffen worden ist. Das ist also eine parallele Vorstellungsform zu dem, was im mystischen Islam über die Nur muhammadiya gesagt worden ist. Der archetypische Mensch ist mit den Eigenschaften Gottes, freilich auch in diesem Zustand Geschöpf, ausgestattet. Gestaltet euch mit den Eigenschaften Gottes aus! ist der Ruf, den der Prophet Mohammed an die Menschen ergehen lässt. Der Mensch ist das Abbild Gottes auf der geschöpflichen Ebene. In der letzten Tiefe ist Gott unerkennbar. Aber dadurch, dass ER Seine Eigenschaften erschafft - Er erschafft diese zunächst in dem urbildlichen Menschen -, gibt Er uns Anteil an Seiner Gnade.

Ein Erlebnis war für mich, als wir auf dem Kirchentag zu Nürnberg (1979) uns in einem Kreis, wo auch über den Islam gesprochen wurde und wo auch Moslems dabei waren, als freie Christen vorstellten und ich sagte: ich gehöre dem Bund für freies Christentum an, da kamen spontan die Moslems und sagten: Auch wir sind freie Christen! Das besagt doch wohl, wenn man sich öffnet für die Urbotschaft des Christentums, dann gibt es eigentlich nur noch die eine geheimnisvolle Lehre. Wie sich herausstellte, waren diejenigen, die das sagten, Sufis.




Anmerkungen


*1 Rudi Paret, Mohammed und der Koran, Stuttgart 1957, S. 58


*2 Adolf Schlatter, Die Geschichte der ersten Christenheit, Darinstadt 1971, S. 368


*3 Siehe dazu meinen Aufsatz, Esau - Ismael - Jakob - eine Miszelle zum Trialog, in:

Religionen im Gespräch,5. Band (RIG 5), hrsg. v. Reinhard Kirste, Paul Schwarzenau, Udo Tworuschka, Die dialogische Kraft des Mystischen, Balve 1998, S. 64-66


*4 Siehe dazu Muhammad Salim Abdullah, Islam für das Gespräch mit Christen, Gütersloh 1992, S. 145


*5 Die Vermutung, Paraklet stehe für ein ursprüngliches Periklytos hat viel für sich.

Periklytos bedeutet wie Ahmed und Mohammed der Gelobte, der Gepriesene.


*6 So nach Ihn Ishaq, Das Leben des Propheten, übers. v. Gernot Rotter, Tübingen und Basel 1976, S. 45


*7 Pseudo-Clementinen, s. Hennecke-Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung, 2. Bd, 3. Auflage, Tübingen 1964, S. 72








Kommentar zum Islam: Bernard Shaw
Der Grund dafür, dass die Religion des Islam in ihrer Hochschätzung, den obersten Platz einnimmt, ist der: sie garantiert ein nur ihr eigenes, geordnetes Leben. Mir ist klar geworden, dass diese Religion, welche einsam und allein ein einzigartiger und beispielloser Glaube ist, die Menschen dazu anleitet, einander und ihre so verschiedenen Lebens- und Verhaltensweisen zu tolerieren. D.h. sie bringt den Menschen dazu, auf den rechten Weg zurückzukehren, seine Gesinnung zu wandeln und sich dergestalt zu reinigen und so auf dem geistigen Wege voranzuschreiten.


Zudem ist die Religion des Islam ein Glaube, der die verschiedensten Menschen und Völker zu sich hinzuziehen vermag. Ich habe es gesehen und mich davon überzeugt, dass es für den Menschen nötig ist, zu sagen:

Mohammed ist der Retter der Menschheit. Er darf diesen Titel eines Retters beanspruchen.


Ich bin davon überzeugt, wenn heute ein Neuer Mohammed käme, d.h. ein Mann von seinen Charakterzügen und seiner Lebensweise Präsident einer neuen Welt werden würde, sie regierte: er würde die Probleme unserer heutigen Welt meistern; er wäre die Ursache für einen allgemeinen Frieden und ein glückseliges Leben in einer von Unruhen und Krisen geschüttelten Welt. Ja, wie dringend notwendig unsere heutige Welt den Frieden braucht und ein glückliches Leben, das vermag ein jeder selbst zu ermessen.


Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:52
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentar zum Islam :Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Islam und Christentum - zwei Geschwisterreligionen

Der christlich-islamische Dialog hat in der letzten Jahren ohne Zweifel große Fortschritte gemacht. Man hat sich längst daran gewöhnt, von den drei Abrahamsreligionen zu sprechen. Darin liegt die Vorstellung einer geschwisterlichen Verwandtschaft eingeschlossen. Als ein besonders sichtbarer Ausdruck dieser Zusammengehörigkeit finden da und dort bereits gelegentliche ökumenische Gottesdienste statt. Die drei abrahamitischen Religionen stellen sich dann als drei Konfessionen der Einen Religion Gottes dar.

So erfreulich diese und manche andere Erscheinungen im Dialogfeld von Christentum und Islam auch sind. Viel zu gering ist noch das gegenseitige wirkliche Wissen von der Geschwisterreligion, halten sich unterschwellige Ängste vom Überrolltwerden vom Islam, die durch Aufbau von Feindbildern durch die Medien noch genährt werden.

Ohne mich weiter bei diesen unerfreulichen Tatsachen aufzuhalten, gehe ich gleich auf eine Hauptschwierigkeit im Verhältnis von Christentum und Islam ein. Auf dieses Problem darf man nach erfolgreichem Dialog endlich eine positive Klärung erwarten, ja man muss sie aus Gründen, die in den Wurzeln des Christentums und in der Lehre von den Gesandten des Korans liegen, mit Notwendigkeit fordern. Ich fordere sie ausdrücklich als Christ. Es handelt sich um die Anerkennung des Propheten Mohammed als eines wahren und legitimen Gesandten Gottes innerhalb der Reihe der gottgesandten Propheten, der auch für die christlichen Kirchen und Gemeinschaften eine wegweisende Botschaft von Gott überbracht hat. Auf diese Aufgabe des Propheten Mohammed und seine enge, ja brüderliche Beziehung zu Jesus von Nazareth werde ich im Laufe meines Vortrags noch näher eingehen.

Die evangelische Kirche hat es hier besonders schwer, da sie im Kampf gegen den Nationalsozialismus in der sog. Barmer Theologischen Erklärung Jesus als das eine Wort bekannte, neben dem es andere Worte Gottes von analoger Autorität rächt gebe. Damit sind die andern Religionen eigentlich als religiöse Gesprächspartner nicht mehr vorhanden, Aber die Barmer Thesen, wie man sie auch nennt, gemessen nicht überall in der evangelischen Kirche die gleiche unumstrittene Autorität. Ich meinte, dieses Hindernis wenigstens nennen zu sollen.

Ein weiteres schweres Hindernis für den Dialog liegt schließlich im Problem der Mission. Mission und Dialog schließen sich gegenseitig aus. Die bekannte Aufforderung zur Mission an die Christen steht am Schluss des Matthäus-Evangeliums, wo es heißt: Mir [Jesus] ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker. Dieser vermutlich unechte Taufbefehl enthält dann noch den für das Neue Testament singulären trinitarischen Zusatz: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Es ist aber in diesem Text in einem differenzierten Sinne von den Völkern, den éthne, die Rede. Ethne bedeutet Heiden, das sind die Anhänger der Götterreligionen oder Völkerreligionen. Das Volk Gottes aber heißt Iaós, nicht éhnos. Die Jünger sind also nicht zu denen gesandt, die schon bei Gott sind. Das gilt insbesondere für das Judentum und für den Islam. In einem weiteren Sinne für alle Weltreligionen.

Der Koran bringt das auf eine eindeutige Weise zum Ausdruck, indem er in Sure 3 zum Dialog aufruft:


Kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns!


In Sure 29,45 erläutert der Koran:




Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift [Juden und Christen], es sei denn in bester Weise. Und sprechet: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt ward und herabgesandt ward zu euch, und unser Gott und euer Gott ist ein einiger Gott und ihm sind wir ergeben.



Am zusammenhangvollsten wird dies aber in Sure 5, 52-53 zur Sprache gebracht. Man hat diese Sure auch das Testament des Korans genannt (M. Salim Abdullah), da sie die letzte Koranoffenbarung enthält, die an den Propheten Mohammed erging, wie wir aus V. 5 entnehmen können (Heute habe ich euch eure Religion vollendet):


Einem jeden von euch haben wir eine klare Satzung gegeben und einen deutlichen Weg vorgeschrieben. Und hätte Gott es gewollt, er hätte euch alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch er wünscht euch auf die Probe zu stellen durch das, was er euch gegeben. Wetteifert daher miteinander in guten Werken.



Diese Koranoffenbarung hat die größte Bedeutung für die deutsche Dichtung und Philosophie gewonnen, und zwar als Ringparabel, wie sie in Lessings dramatischem Gedicht Nathan der Weise uns aus dem Munde des weisen Nathan vorgestellt wird. Die literarische Einkleidung konnte Lessing der dritten Novelle des ersten Tages von Boccaccios Dekameron entnehmen. Bei Lessing tritt aber eine noch größere Nähe zum Koran hervor:


Es eifre jeder seiner unbestochnen,

Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Es strebe von euch jeder um die Wette,

Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag

Zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,

Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,

Mit innigster Ergebenheit in Gott

Zu Hilf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte

Bei euern Kindes-Kindeskindem äußern:

So lad ich über tausend tausend Jahre

Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird

Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen

Als ich; und sprechen.

Diese Stelle hat das koranische Toleranzverständnis in den Mittelpunkt der deutschen Dichtung und Philosophie gestellt, sehr zum Missfallen des kirchlich-dogmatischen Christentums. Da die Deutschen ein Volk sind, das seine eigenen Wurzeln nicht kennt die Muslime, die dieses Toleranzverständnis in ihrem Koran als für sie verbindlich vorfinden, in dieser Hinsicht deutscher als die Deutschen. Die deutsche Kultur der Neuzeit hat ihre Wurzeln nicht so sehr im christlichen Abendland, sondern in der Geistigkeit bedeutender Juden (Spinoza, Moses Mendelssohn) und in der Spiritualität des Korans. Neben Lessing, seien hier nur Herder, der sogar ein evangelischer Theologe und Geistlicher war, Rückert und vor allem Goethe mit seinem West-östlichen Divan genannt. Im Islam sind wir geboren, im Islam leben und sterben wir alle., war in seinen Briefen seit 1815 ein immer wiederkehrender Satz. Er hatte Korane für Forschungszwecke anschaffen lassen und stand im Briefwechsel mit berühmten Koranforschem. Den dialogischen Zusammenhang zwischen Orient und Okzident hielt er für nunmehr unauflöslich. Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen. Immanuel Kant hat über eine seiner religionsphilosophischen Schriften die Basmala (Im Namen Gottes des Barmherzigen, des Erbarmers) in arabischer Schrift gesetzt, die Trinitätsformel hätte er dazu nicht benutzen können, da sie seinen philosophischen Intentionen nicht entsprach. Lessing, um auf ihn zurückzukommen, hat darüber hinaus in Seiner Erziehung des Menschengeschlechts auf ein nunmehr anbrechendes Reich des Geistes hingedeutet, das auf die Gesetzesreligionen Reich des Vaters und der versöhnenden kirchlichen Vermittlungsreligionen (Reich des Sohnes) folgen wird. Damit ist ein Hinweis auf den Propheten Mohammed gegeben, durch den der Geist sprach und der mit der Verheißung des Johannes-Evangeliums von einem zweiten Gesandten, dem Parakleten, in Verbindung steht. Ich werde darauf noch näher eingehen. Die gesamte deutsche Geschichtsphilosophie (Fichte, Hegel usw.) hängt mit diesen drei Reichen Lessings zusammen, die in ein nachchristliches Zeitalter hinaustreten. Diese Bemühungen sind von der Kirche durchweg zurückgewiesen worden. Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Wissenschaftslehre von Johann Gottlieb Fichte, obgleich sie sich als Weg zum wahren Christentum versteht, eher mit einer hinduistischen Upatüshad in Zusammenhang gebracht werden kann als mit dem auf kirchlicher Autorität Aussenden Dogmatismus. Es ist ein Christentum des Geistes.

Wir sollten die Chance wahrnehmen, die sich aus der neuen Begegnung eines durch den Dialog geöffneten, reinen, zugleich rechtlich als gleichwertig gesicherten Islam mit dem zu seinen wahren Wurzeln offenen geistigen und freien Christentums in Deutschland ergeben kann. Schon einmal war in Deutschland eine solche Vision in der größten deutschen Dichtung des Hochmittelalters, in Wolfram von Eschenbachs Parzival, aufgeleuchtet. Parzival als Vertreter eines geistigen Christentums und sein ihm noch unbekannter Bruder Feirefiz als Repräsentant des Islam erkennen sich nach vergeblichem Kampf gegeneinander als zusammengehörig, die zusammen erst eine Ganzheit bilden. Deutschland könnte die Stätte dieser Begegnung werden, aus der wechselseitig größte Kulturleistungen hervorgehen.

Ich möchte nun zunächst auf die große Bedeutung hinweisen, die der Koran für das Verständnis der Bibel besitzt. Im Koran fließen Überlieferungsströme wieder ein, die durch die Kanonisierung des Alten und Neuen Testaments eingeschränkt oder ausgeschlossen worden sind. Die Evangelien beispielsweise sind erst am Ende des ersten bis zum Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus entstanden. Die darin benutzten Überlieferungen wurden für neue Zwecke umgebogen. Die jesuanische und urchristliche Überlieferung ist nicht ungebrochen in das Neue Testament übergegangen. Der Islam spricht in diesem Zusammenhang von Fälschungen der Überlieferung, die durch den Koran richtig gestellt werden. Die moderne wissenschaftliche Erforschung der Evangelien bestätigt das, indem sie die Sinnverschiebungen herausarbeitet, die sich an den Überlieferungselementen ergeben hat (Form- und Redaktionsgeschichte). Die moderne theologische Wissenschaft ist geradezu leidenschaftlich bemüht, das Bild des historischen Jesus, des Menschen Jesus, wieder aus den einzelnen Überlieferungsschichten herauszuarbeiten, der seinem Volk als Prophet erschien.

Die jüdischen und christlichen Legenden, die im Koran neu geoffenbart erscheinen, trug der Prophet lange mit sich herum. Er hatte sie mündlich von jüdischen oder judenchristlichen Gewährsleuten erfahren. Sie waren in dieser Form auch den Moslems bekannt. Das alles gehört zu den asbab an-nuzul, den Ursachen der Offenbarung, bis dann die Neuoffenbarung und Richtigstellung durch den nuzul, den Niederstieg des klärenden Offenbarungswortes, erfolgte. In diesem Sinne urteilt der bedeutende Koranforscher Rudi Paret: Die Reproduktion des von anderen übernommenen Materials ist . . in seinem Bewusstsein zu einem echten Offenbarungserlebnis geworden. Aber für Mohammed lag eben der eigentliche Schwerpunkt im letzten Stadium des Aneignungsprozesses. Der Sache nach mochte sein Wissen von einem fremden Menschen stammen, - in der abschließenden Formulierung in deutlicher arabischer Sprache wurde es ihm neu geschenkt, und zwar von oben, nämlich von Gott.*1

Hier ist die Bedeutung der Judenchristen als Vermittler hervorzuheben. Es gab, wenn Sie das Neue Testament aufmerksam lesen, eine große Spaltung in der Urchristenheit, nämlich in eine Gruppe, die sich um den Bruder Jesu, Jakobus den Gerechten, scharte, die Judenchristen, und in eine andere Gruppe, die sich hauptsächlich um den Apostel Pauls scharte, die Heidenchristen. Die hatten zum Teil die gleichen Quellen der Jesusüberlieferung, legten sie aber unterschiedlich aus und - das gilt insbesondere für die heidenchristliche Gruppe - versahen sie mit Zusätzen und Umdeutungen, wie man das schon deutlich im ältesten synoptischen Evangelium, dem Markus-Evangelium, erkennen kann.

Diese beiden Gruppen bekämpften sich zum Teil bis aufs Blut. Das können Sie aus den Paulusbriefen noch herauslesen. Für die judenchristlichen Gemeinden waren viele Auffassungen, die in den heidenchristlichen Gemeinden in den Mittelpunkt der christlichen Religion traten: das stellvertretende Sühnopfer Christi, die Erbsündenlehre, die Vergöttlichung Jesu, die Abschaffung des mosaischen Gesetzes usw., unannehmbare Dinge und mit der Lehre Jesu völlig unvereinbar. Für das Judenchristentum war der Apostel Paulus der Feind, der feindliche Mann, der Unkraut in den Weizen hineingesät hat, der Pseudoapostel, der ja von sich gesagt hatte, dass ihn der historische Jesus nicht interessiere (2. Korinther 5,16). Ich will damit kein endgültiges Urteil über Paulus aussprechen, aber ich möchte Ihnen doch wenigstens andeuten, dass es da eine große Spaltung gab. So drifteten diese zwei Christentümer auseinander: siegreich die heidenchristliche Richtung, die nach Griechenland, nach Rom, also nach dem Westen hin sich ausbreitete, und nach Osten die judenchristliche Hälfte, die sich über Arabien, Syrien, Mesopotamien, Indien und nach Äthiopien hin ausbreitete. Ihren Sieg hat der bedeutende Neutestamentler Adolf Schlatter so beschrieben: Mohammed übernahm den von den jüdischen Christen bewahrten Besitz, ihr Gottesbewusstsein, ihre den Gerichtstag verkündigende Eschatologie, ihre Sitte und ihre Legende und richtete als der von Gott Gesandte ein neues Apostolat auf. *2

Mohammed hat weder die hebräische Bibel noch das Neue Testament gekannt, geschweige daraus abgeschrieben. Der Koran ist eine davon völlig unabhängige Neuschöpfung aus mündlichen Quellen. Schon der Name für Jesus im Koran, Isa, weist auf die Judenchristen hin. Nach einem Besuch bei dem Dortmunder Imam Ismail Zengin schenkte mir dieser ein Bild, das den Stammbaum des Propheten Mohammed darstellt. Dabei führte er aus: Wir, die Moslems, stammen von Ismael ab, die Juden von Jakob/Israel und ihr Christen von Esau. Diese Bemerkung verwundene mich, da sie mir sonst unbekannt war. Dann aber fiel mir auf, dass in dem Namen Isa das hebräische Wort für Esau, Esaw, stecken könnte. Die Judenchristen und ihr Begründer Jesus war für die Juden, die die Judenchristen aus der Synagogengemeinschaft ausgestoßen hatten, der feindliche Bruder Esau, der am Freiheitskampf gegen die Römer nicht teilgenommen hatte und über den Fall Jerusalems in Schadenfreude ausbrach. Später hat sich diese Gehässigkeit, die mit dem Namen Isa/Esau verbunden war, wohl verloren. Aber der Name blieb, im Arabischen wäre ja auf jeden Fall ein Jeschu möglich gewesen. *3

Man kann die Botschaft des Korans einen aktualisierten Monotheismus nennen. Gott umfasst alles. Selbst die Auferstehung ist bereits in die Schöpfung hineinverlegt.


O ihr Menschen, wenn ihr betreffs der Auferstehung im Zweifel seid, so haben wir euch erschaffen aus Staub, alsdann aus einem Samentropfen, alsdann aus geronnenem Blut, alsdann aus Fleisch, geformtem und umgeformten auf dass wir euch (unsere Macht) erwiesen. (Sure 22, 5-7)



Die kosmische Anbetung ist für jeden, der sehen will, erkennbar, da morgens und abends in den langen Schatten alle Welt vor Gott niederfällt.


Siehst du denn nicht, dass alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, sich vor Gott niederwirft, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Berge, die Bäume und die Tiere und viele Menschen? (Sure 22, 18)



Nur der Mensch ist ein Undankbarer. In der Not erinnert er sich Gottes, geht die Not vorüber vergisst er Gott.


Siehst du denn nicht, dass die Schiffe auf dem Meere durch Gottes Gnade eilen, um euch etwas von seinen Zeichen zu zeigen? Hierin sind wahrlich Zeichen für jeden Standhaften und Dankbaren. Und wenn sie eine Woge gleich Schatten bedeckt, dann rufen sie zu Gott in lauterem Glauben. Hat er sie jedoch zum Strand errettet, dann schwanken einige hin und her. Unsere Zeichen aber bestreiten nur alle Treulosen und Undankbaren. (Sure 31, 30)



Der Koran mit seiner Sprachwerdung Gottes sucht diesen Rückfall zu verhindern. Wer den Koran liest, erlebt sich ganz vom Sprechen Gottes umgriffen. Die ständige Rezitation des Korans ist der aktualisierte Monotheismus.

Aber der Islam beginnt nicht mit der Sendung des Propheten Mohammed. Wir müssen zwischen dem historischen Islam, der mit der Koranoffenbarung durch den Propheten Mohammed begann, und einem universalen Islam, der mit Adam als dem ersten Propheten in die Welt kam. Es gibt eine ganze Reihe oder Kette von Gesandten Gottes von Adam bis zum letzten Propheten, Mohammed. Zu diesen Gesandten gehören beispielsweise Rama, Buddha, Zarathusthra (Zoroaster), Noah, Abraham, Mose, Johannes der Täufer, Jesus u.a. Mit dem Auftreten dieser Gesandten ist die Entstehung einer Religion verbunden und der Empfang einer Offenbarung in Gestalt eines Buches. Es liegt also ein Islam-Kern allen Religionen zugrunde, was immer auch später sich um diesen legte. Der Islam ist die Ur-Religion in allen Religionen. Völker, zu denen kein Gesandter karr4 leben noch in der Unwissenheit (Dschahiliya), wie der Islam das Heiden- oder Völkertum nennt. Eine besondere Beziehung besteht im Koran zwischen den Gesandten Gottes Jesus und Mohammed. Der Koran enthält eine eigene Christologie, die manche Entsprechung zu den judenchristlichen Überlieferungen im Lukas-Evangelium und in der lukanischen Apostelgeschichte besitzt. Es ist eine Knecht-Gottes-Christologie im Unterschied zur Sohn- Gottes-Christologie in den Evangelien. Wie wird Jesus im Koran genannt? Er heißt dort der Gottesknecht, der Messias, Gottes Prophet und Apostel (Gesandter), Gottes Geist, Gottes Wort (Logos), er ist geboren von der Jungfrau Maria, in diesem Sinne ist er der zweite Adam, wie dieser unmittelbar von Gott geschaffen. Ob es im Koran zu einer wirklichen Ablehnung der Trinitätslehre kommt, ist umstritten. Abgelehnt wird die auch von der Reichskirche als häretisch abgelehnte Trinität: Gott, Maria, Jesus. Die Anschauungen des Korans ließen sich leicht mit der Auffassung des Arius in Einklang bringen, der den Logos (Wort bei Gott) auf der Ebene des Geschöpfes sieht. Auch hat die kirchliche Trinitätslehre nicht unmittelbar etwas mit dem historischen Jesus zu tun. Auf dies Problem geht die so genannte Zwei-Naturen-Lehre ein. Die ursprüngliche Intention der Trinitätslehre ist die Einheit Gottes als innergöttliche Entfaltung und Lebendigkeit dieser Einheit. Über diese Zusammenhänge hat die Diskussion zwischen Islam und Christentum noch gar nicht recht begonnen. *4

Ein schwerwiegender Unterschied zwischen offizieller christlicher Überlieferung und Koran scheint darin zu bestehen, daß nach koranischer Überlieferung Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Vielmehr heißt es in der Sure 4, 157:


Und wegen ihrer Rede: Wir haben ja den Messias, Jesus, Sohn der Maria, den Gesandten Gottes, ermordet, doch konnten sie ihn nicht töten, noch am Kreuz sterben lassen, sondern es erschien ihnen bloß so, und diejenigen, die das Gegenteil in dieser Sache behaupten, sind ja selber im Zweifel darüber, sie haben Sicherheit, sondern folgen einer Vermutung, da sie ihn nicht für sicher getötet hatten. (Übersetzung: Sadr-ud-din)



Dieses es erschien ihnen bloß so ist eine den Sinn zu vermitteln suchende Übersetzung des koranischen Ausdrucks wa lakin schubbiha lahum, und das heißt wörtlich vielmehr wurde er ihnen (den Juden) ähnlich gemacht (d.h. einem, der tatsächlich am Kreuz gestorben ist). Das übersetzen jetzt einige, leider auch Paret, im Sinne von Legenden, die in gnostischen Kreisen und später auch im Islam aufgekommen sind, als wäre für Jesus ein anderer unterschoben worden, der statt seiner gekreuzigt und am Kreuz gestorben ist. Wo man dieser Vorstellung einer Substitution oder Unterschiebung eines anderen für Jesus nachgibt, übersetzt man dann in folgendem Sinn: Vielmehr erschien ihnen (ein anderer) ähnlich (so dass sie ihn mit Jesus verwechselten und töteten). Aber der koranische Text zwingt gar nicht dazu, denn nicht er wurde ähnlich gemacht, Judas oder sonst einer, sondern Jesus wurde ähnlich gemacht für den Anblick der Juden, als wäre er tatsächlich am Kreuz gestorben. Denn davon war in der Rede der Juden ja vorher die Rede.

Es wird heute sehr lebhaft - auch im Zusammenhang mit dem Turiner Grabtuch - erörtert, dass Jesus noch lebend vom Kreuz abgenommen, dann in die Grabkammer zur weiteren Behandlung niedergelegt wurde und danach unter Umständen bis nach Kaschmir weiter gewandert sei. Ich kann für diese Vorstellungen hier nur auf die diesbezügliche Literatur (Holger Kersten, Elmar R. Gruber, Siegfried Oberineier u.A.) hinweisen. Sie haben sehr viel für sich, wenn man das Johannes-Evangelium - wohlgemerkt das ursprüngliche! - richtig liest. Dort heißt es nicht, dass Jesus am Kreuz gestorben sei, sondern dass er erhöht worden ist von der Erde (Job. 12,32, vgl. auch 3,24, 8,28). Das stimmt zusammen mit Sure 4, 158:


Nein, Gott hat ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig und weise.



Damit wird noch einmal ausdrücklich im Anschluss an den vorausgegangenen Vers 157 zurückgewiesen, dass Jesus am Kreuz gestorben sei und stattdessen betont, dass Gott ihn zu sich erhöht (rafa'a) hat. Gott hat seinen Gesandten nicht verlassen, sondern, so ergänzt Sure 23, 50, ihn und seine Mutter, nachdem er sie vorher in ein Land gerettet hatte, das einige auf Kaschmir deuten, zu sich in den Himmel erhoben:


Wir (=Gott) machten den Sohn der Maria und seine Mutter zu einem Zeichen und gaben ihnen Zuflucht auf einer Höhe, einem Ort der Sicherheit mit Wasser von fließenden Quellen.



Daraus folgt, dass der Koran sogar einen versteckten Hinweis auf die leibhafte Himmelfahrt der Maria gibt.

In der Sure 19 Meryem und in der Sure 3 die Sippe Imran wird die Geburtsgeschichte Jesu erzählt, die judenchristliche Überlieferung ähnlich der lukanischen enthält.

In der außerkoranischen Mahdi-Vorstellung werden Endzeit und Wiederkunft Jesu vorausgesagt. Die Welt treibt der Endzeit zu. Die Verhältnisse auf Erden verschlechtern sich. Der Mahdi (=ein von Gott Geleiteter) bringt das goldene Zeitalter. Nach diesem Zwischenreich eilt die Welt endgültig ihrem Ende entgegen. Der Antichrist (Daddschal) erscheint. Danach erscheint der zu Gott entrückte Jesus und verkündigt den universalen Islam. Die zweite Lebenshälfte Jesu wird also in die Endzeit gerückt. Dann erfolgt der erste Posaunenstoß Israfils. Alles wird tot niedergestreckt. Mit dem zweiten Posaunenstoß setzt dann das Jüngste Gericht ein.

Es gibt aber auch Hinweise auf Mohammed in der Bibel. 5. Mose 18,15 heißt es:



Einen Propheten wie mich wird der Herr dein Gott dir erwecken aus der Mitte deiner Brüder; auf den sollt ihr hören!



Auf diesen Propheten, der als der kommende zweite Mose erwartet wird, bezieht sich Jesaja 42,6. Dort heißt er der Gottesknecht, der den Volksbund stiftet. In diesem Sinne heißt er auch: der Prophet. In diesem Sinne gibt es in den Evangelien, besonders im Matthäus-Evangelium, den Versuch, Jesus als den zweiten Mose zu stilisieren, der einen neuen Bund stiftet. Aber Jesus hat keinen eigentlichen Volksbund gestiftet, es kam lediglich zur Bildung einer Kirche mit scharfer Trennung von aller Politik. Der zweite Mose soll aus der Mitte der Brüder Israels erweckt werden, und der Bruder Israels ist Ismael. Als der zweite Mose wird er alle bisherige Prophetie zum Abschluss bringen. In diesem Sinne heißt es in der Sure 33, 40:


Mohammed ist Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten.



Das heißt also: Die ganze Kette der Gesandten kommt zu einem Schlusspunkt, so wie ich eine Urkunde dadurch endgültig mache, dass ich ein Siegel darunter setze: Mohammed ist also der letzte Gesandte. Aber darin zeigt sich zugleich die unauflösliche Zusammengehörigkeit von Jesus und Mohammed. Das bringt Sure 61, 6 mit folgenden Worten zum Ausdruck:


Und da Jesus, der Sohn der Maria, sprach: O ihr Kinder Israel, ich bin Gottes Gesandter an euch, bestätigend die Tora, die vor mir war, und einen Gesandten verkündigend, der nach mir kommen soll, dessen Name Ahmed ist.


Dieser Name Ahmed hat die gleichen Stammkonsonanten HMD wie Mohammed. Es ist im Grunde genommen ein und dasselbe Wort, das der Gepriesene, der Gelobte bedeutet. Und das kommt nun zusammen mit einem Satz, den Jesus im Johannesevangelium in seinen Abschiedsreden gesagt hat (Joh. 16, 7):

Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, dass ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Paraklet nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden..., (V. 13) der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. *5

Mit diesem Jesuswort geht gut zusammen, dass Mohammed Wert darauf legt, dass er den Auditionen, der Stimme der Koranoffenbarungen, nichts hinzugefügt hat.

Es gibt in der Vorstellung der Judenchristen mit denen das Johannes-Evangelium zusammenhängt, nicht nur einen Messias, sondern zwei. Später ist der kirchliche Redaktor hinzugekommen und hat jedes Mal, wenn der Paraklet, also die Bezeichnung des zweiten Gesandten genannt wird, das Wort der Heilige Geist dahinter geklebt und so praktisch die jüdische und judenchristliche Tradition von den zwei Messiassen in die kirchliche Lehre von nur einem Messias und nur einem Geist Gottes, der dann auch nur in der Kirche wartet, umgebogen. Damit waren alle anderen draußen.

Es ist aber eine Eigentümlichkeit des Judenchristentums, dass man nicht nur einen Messias, sondern tatsächlich zwei erwartete. Und zwar geht diese Vorstellung von den beiden Gesandten zurück auf den so genannten Essenerorden, die Leute von Qumran. In den Schrift- Rollen von Qumran gibt es die Vorstellung, dass am Ende der Zeiten Gott die beiden Messiasse schicken werde. Der erste ist der Volksmessias aus dem Hause David, der später auch der Ben Josef, also der Sohn Josefs, genannt wird. Er wird auch als Kriegsmessias vorgestellt, der den Heiligen Krieg gegen die Römer durchfuhren und dadurch das Reich Gottes auf Erden aufrichten wird. Der Gründer der Dynastie David war ja der König, der Israel vollendete, indem er den Heiligen Krieg der Landnahme mit der Eroberung Jerusalems zum Abschluss brachte. Eine weitere Vorstellung war, dass dieser Messias fallen werde. Es gab natürlich viele Übergänge in diesen Ansichten, so dass man sie nicht zu stark vereinheitlichen darf. Dieser Auffassung scheinen Deutungen zu widersprechen, die Jesus auf Grund der Bergpredigt als einen radikalen Pazifisten vorstellen. Andererseits existieren Jesusworte, nach denen er nicht gekommen ist, Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert (Matthäus-Evangelium 10,34) und aus dem Gespräch Jesu mit seinen Jüngern beim letzten Mahl geht hervor, dass diese während des Einzugs in Jerusalem Waffen unter den Kleidern getragen haben und auch jetzt noch bereit sind, ihn damit zu verteidigen (Lukas-Evangelium 22,3). Diese Annahme einer gescheiterten Jesus-Revolution ist nicht ganz abwegig und stellt die Bergpredigt in das Licht einer Magna Charta für das Reich Gottes und für ein Übergangsverhalten bis zur endgültigen Aufrichtung desselben.

Neben diesem Messias aus dem Hause David wurde noch ein zweiter Messias, der hohepriesterliche Messias, erwartet, das ist der Grosse der aus dem Hause Aaron stammen und die eigentliche Erfüllung bringen wird. Dieser zweite Messias wurde bei den Judenchristen nach dem Auftreten des Messias Jesus noch erwartet. Die Judenchristen sahen ihn zunächst in dem Bruder Jesu, Jakobus. Von diesem Bruder Jesu wird in dem gnostischen Thomas-Evangelium eine eigenartige Aussage gemacht:



Es sprachen die Jünger zu Jesus: Wir wissen, dass du von uns gehen wirst. Wer ist's, der groß sein wird über uns? Jesus sprach zu ihnen: Am Ort, wohin ihr gekommen seid, werdet ihr gehen zu Jakobus dem Gerechten, dessentwillen der Himmel und die Erde geworden sind. (Spruch 12)



Jakobus ist also das Fundament der judenchristlichen Gemeinde und zugleich das Fundament des Universums. Er ist sowohl der Leiter der Urgemeinde von Jerusalem und der Sachwalter der judenchristlichen Gnosis. Von ihm geht die Weisheit aus, die die Rechtleitung für die Glaubenden enthält In der Väterliteratur ist Jakobus als der wahre Hohepriester in hohepriesterlicher Kleidung vorgestellt worden. Jakobus ist danach der zweite Gesandte oder Messias, der das Werk Jesu in jeder Hinsicht vollendet.

Nun ist dieser Jakobus von seinen Gegnern, von dem falschen Hohenpriester - die Essener nannten die Priester im Tempel zu Jerusalem die falschen Priester - getötet worden. Man hat ihn von einer Tempelzinne gestürzt und dann mit einem Knüppel erschlagen. Nach anderer Überlieferung soll er gesteinigt worden sein. Er ist ein Märtyrer. Und von daher war die Erwartung eines zweiten Messias oder Gesandten zunächst nicht verwirklicht worden. Man musste auf einen anderen warten.

Und diese Erwartung wird über das Judenchristentum zu den arabischen Christen weitergegangen sein. Das zeigt sich daran, dass ein aus dieser Tradition stammender Christ, Waraqa, ein Vetter von Mohammeds Frau Chadidscha, sofort, als die erste Offenbarung an Mohammed kam, erklärte: Der Engel Gabriel ist wahrhaftig zu ihm gekommen, wie er zu Moses kam, und er ist wahrlich der Prophet dieses Volkes! *6 Das heißt also, die Verheißung eines zweiten vollendenden Gesandten ist vom Judenchristentum in die arabische Erwartung übergegangen und ist dem Propheten Mohammed in der Sure 61 neu geoffenbart worden mit der Maßgabe, dass in ihm dieser zweite Messias gekommen ist. In diesem Sinne sind Jesus und Mohammed Brüder, und so hat sich Mohammed auch verstanden. Ja, er hat sich mit Jesus identisch gefehlt. Er hat sagen können: Ich bin Jesus.

Man kann also sagen, dass das Christentum jesuanischer Prägung und der Islam arabischer Prägung ganz nah beieinander stehen. Das Urchristentum, so gesehen, steht näher beim Islam als unser heidenchristlich geprägtes Christentum. Dazu kommt noch die Vorstellung vom wahren Propheten in der judenchristlichen Gemeinde. Sie ist verwandt mit der bereits erwähnten Vorstellung vom dem Propheten und dein damit verbundenen Vorstellungskomplex vom Gottesknecht. Nach dem Judenchristentum waren all die großen Gestalten der biblischen Heilsgeschichte von Adam über Moses bis zu Jesus ein Ausdruck des wahren Propheten, der in Jesus als zweiter Moses auftritt und die Tora von den falschen Perikopen (Bibelabschnitten) reinigt. Die Idee einer Verfälschung der heiligen Bücher bestand also schon in urchristlicher Zeit. Von diesem wahren Propheten heißt es dann weiter in einer urchristlichen Überlieferung:

Er ermahnt, allein zu einem Gott zu beten, hasst Opfer, Blutvergießen, beendet Kriege, predigt Frieden, macht barmherzig. *7

In welchem Sinne kann die Auffassung von Mohammed als Parakleten für einen Christen von Belang sein? Eine Brücke bildet Leasings Lehre von den drei Reichen, auf die wir schon hinwiesen. Lessing war der Meinung, dass auf das Reich des Vaters das Reich des Sohnes folge. Kennzeichnend für die Kirche sei die Spaltung in Kirche und Staat, Religion und Welt. Nun wollen wir aber weltlich so leben, dass wir darin den Willen Gottes erfüllen, Jesus verkündigte das Reich Gottes, aber es kam die Kirche hat Alfred Loisy gesagt. Das Reich Gottes ist aber die Aufhebung der Spaltung in Kirche und Staat, in den Einen Menschheitsbund, der aus göttlichem Willen lebt. Die umma, die von Mohammed gegründete islamische Gemeinde, bestehend aus der gleichberechtigten und autonomen Mitgliedschaft aller Leute der Schrift nach der Urverfassung von Medina, ist weder eine Staats- noch eine Kirchengründung. Sie ist din wa daula, Einheit von geistlichem und weltlichem Reich, und nimmt darin die Reichgottespredigt Jesu wieder auf Sie meint letztlich einen universalen Islam, der allen geoffenbarten Religionen zugrunde liegt. Dieser universale Islam ist das Bleibende, in dessen Namen Jesus als der eschatologische Mensch vor die Menschheit tritt.

Ich komme nun zum letzten Punkt, zum mystischen oder esoterischen Element der Lehre Jesu. Die Geheimlehre Jesu - denn um eine solche handelt es sich - ging in das Judenchristentum hinüber und lag, wie das Thomas-Evangelium zeigt, in den Händen des Jakobus. Das ursprüngliche Christentum kannte keine Dogmen. Es kannte aber Bilder und Gleichnisse für die, die draußen sind. Dem inneren Kreis aber enthüllte er den Sinn der Gleichnisse (Markus-Evangelium 4,33f). Aber genau diese Enthüllungen fehlen im Neuen Testament. Diese findet man vielmehr im Thomas-Evangelium. Dort heißt es, dass das Samenkorn, das man in den Acker streut, das Selbst, der göttliche Funke und Lichtkern in jedem Menschen ist, den es zu entwickeln gilt. Diese Geheimlehre teilte Jesus nur dafür bestimmten Jüngern mit. Es gab da einen engeren Dreierkreis. Außerdem einen Jünger, den Jesus liebte. Wir nennen ihn Johannes. Ob er wirklich Johannes hieß, ist eine andere Frage. Dieser Jünger hat Jesu Geheimlehre dann in das Johannes-Evangelium hineingeschrieben, das, wenn man die späteren kirchlichen Übermalungen wegdenkt, das älteste Evangelium im Neuen Testament ist. Durch die kirchliche Redaktion wurde es das Jüngste. Ein Nachklang dieser ursprünglichen Lehre ist, wenn man richtig zu lesen weiß, in den drei übrigen Evangelien des Neuen Testaments enthalten.

Und nun ist es interessant, dass auch in der islamischen Überlieferung die Geheimlehre eine Rolle spielt. Eine solche erscheint zunächst im Koran, beispielsweise in der Sure 4, die den Namen das Licht trägt, insbesondere in dem berühmten Lichtvers (V.35). Wer sich mit dem Koran beschäftigt, der wird in immer tiefere Schichten hineingeführt. Jedenfalls geht mir das so. Es hat eigentlich damit gar kein Ende, was da an Licht aus dem Koran hervorbricht. Er enthält zumindest potentiell eine esoterische Lehre, die sich allerdings nur dem aufschließt, der hingegeben ist an die Ausdrucksweise, den Sprachklang, die Verse, die ein Wunder darstellen in der Erscheinungswelt, weil sie dem Menschen die Brust öffnen zur Tiefe hin.

Und so wird gesagt, dass Mohammed seinen Vetter, Pflegesohn und Schwiegersohn Ali, den mystischen vierten Kalifen und ersten Imam der Schia, in die Geheimlehre eingeweiht habe, so dass es von daher, zumindest seit Ali, im Islam eine esoterische Tradition gibt, die auf den Propheten selbst zurückgeht. Aber vielleicht ist in den islamischen Mystikern eine uralte Tradition am Werke, die schwer auf ihre wirklichen Ursprünge hin zu erkennen ist.

Zu den Bezeichnungen, welche die Sufis sich selbst geben, gehört, dass sie sich Urchristen nennen. Das könnte einen sehr guten Sinn haben nach dert4 was ich Ihnen von der Geheimlehre Jesu vorgetragen habe. Ich kann sogar noch weiter gehen: Das Wollkleid, das erinnert doch ganz lebhaft an den Propheten Elias. Der lief doch auch in so einem härenen Gewande herum. Und dieser Elias hatte einen Prophetenkreis. Da wurde man eingeweiht in die geheimnisvollen Dinge, so dass auch seine Schüler geheimnisvoll wirken konnten. In Johannes dem Täufer erscheint ein solcher Sufi im härenen Gewand wieder. im Kreise Johannes des Täufers ist Jesus eingeweiht worden. Denn die Taufe ist ein Signal, ein Signum, ein Zeichen für eine Einweihung. Aus dem Kreise Johannes des Täufers ist wahrscheinlich das hervorgegangen, was sogar über den kirchlichen Bereich hinauswirkte, die große Bewegung der Gnosis. So haben es einige Kirchenväter verstanden.

Aber man muss noch einen Schritt weitergehen. In dem Propheten Mohammed tritt eine Gestalt auf, die, äußerlich betrachtet, dasteht wie einer unter anderen Propheten. Aber in diesem Moment hat sich nach mystischer Auffassung gleichsam dargestellt ein Licht, das Gott als Ausdruck des Selbst erschaffen hat, das so genannte Mohammed-Licht, oder Nur muhammadiya. Dieses Mohammed-Licht, das alle Propheten erleuchtet hat, ist der wahre Mensch, der Ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Dinge. Immer dort, wo Licht ist und Erkenntnis, da ist dies der göttliche Urbeginn der Grossen Welt (Makrokosmos) in der kleinen Welt (Mikrokosmos, der Mensch). Die Nur muhammadiya enthüllt den wahren Propheten in dem Propheten Mohammed. Daraufhin ist jeder einzelne von uns angelegt. Er ist in diesem Sinne der ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Menschen, der archetypische Mensch.

Vor lauter historischem Jesus haben wir längst vergessen, dass im Neuen Testament Jesus als der archetypische Mensch, der Menschensohn, vorgestellt wird, der in der himmlischen Welt von Gott als Erstling aller Seiner Werke geschaffen worden ist. Das ist also eine parallele Vorstellungsform zu dem, was im mystischen Islam über die Nur muhammadiya gesagt worden ist. Der archetypische Mensch ist mit den Eigenschaften Gottes, freilich auch in diesem Zustand Geschöpf, ausgestattet. Gestaltet euch mit den Eigenschaften Gottes aus! ist der Ruf, den der Prophet Mohammed an die Menschen ergehen lässt. Der Mensch ist das Abbild Gottes auf der geschöpflichen Ebene. In der letzten Tiefe ist Gott unerkennbar. Aber dadurch, dass ER Seine Eigenschaften erschafft - Er erschafft diese zunächst in dem urbildlichen Menschen -, gibt Er uns Anteil an Seiner Gnade.

Ein Erlebnis war für mich, als wir auf dem Kirchentag zu Nürnberg (1979) uns in einem Kreis, wo auch über den Islam gesprochen wurde und wo auch Moslems dabei waren, als freie Christen vorstellten und ich sagte: ich gehöre dem Bund für freies Christentum an, da kamen spontan die Moslems und sagten: Auch wir sind freie Christen! Das besagt doch wohl, wenn man sich öffnet für die Urbotschaft des Christentums, dann gibt es eigentlich nur noch die eine geheimnisvolle Lehre. Wie sich herausstellte, waren diejenigen, die das sagten, Sufis.




Anmerkungen


*1 Rudi Paret, Mohammed und der Koran, Stuttgart 1957, S. 58


*2 Adolf Schlatter, Die Geschichte der ersten Christenheit, Darinstadt 1971, S. 368


*3 Siehe dazu meinen Aufsatz, Esau - Ismael - Jakob - eine Miszelle zum Trialog, in:

Religionen im Gespräch,5. Band (RIG 5), hrsg. v. Reinhard Kirste, Paul Schwarzenau, Udo Tworuschka, Die dialogische Kraft des Mystischen, Balve 1998, S. 64-66


*4 Siehe dazu Muhammad Salim Abdullah, Islam für das Gespräch mit Christen, Gütersloh 1992, S. 145


*5 Die Vermutung, Paraklet stehe für ein ursprüngliches Periklytos hat viel für sich.

Periklytos bedeutet wie Ahmed und Mohammed der Gelobte, der Gepriesene.


*6 So nach Ihn Ishaq, Das Leben des Propheten, übers. v. Gernot Rotter, Tübingen und Basel 1976, S. 45


*7 Pseudo-Clementinen, s. Hennecke-Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung, 2. Bd, 3. Auflage, Tübingen 1964, S. 72








Spar Dir das....
die wenigsten werden es lesen und es wird niemanden überzeugen weil die Tatsachen ganz anders aussehen .

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 11:59

Frauen kleiden sich anders
es gibt genügend Damen dort, die sich anders anziehen, kurze Röcke und Hosen, T-Shirts, eher ganz "normal".
Hotpants, Miniröcke, die mal knapp den Hintern bedecken,Oberteile, die mehr zeigen als bedecken, wirst Du dort nicht sehen aber das ist eben der Unterschied zu der freizügigen Gesellschaft hier mit all ihren aus der freizügikeit resultierenden Problematiken.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 12:06
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentar zum Islam :Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Islam und Christentum - zwei Geschwisterreligionen

Der christlich-islamische Dialog hat in der letzten Jahren ohne Zweifel große Fortschritte gemacht. Man hat sich längst daran gewöhnt, von den drei Abrahamsreligionen zu sprechen. Darin liegt die Vorstellung einer geschwisterlichen Verwandtschaft eingeschlossen. Als ein besonders sichtbarer Ausdruck dieser Zusammengehörigkeit finden da und dort bereits gelegentliche ökumenische Gottesdienste statt. Die drei abrahamitischen Religionen stellen sich dann als drei Konfessionen der Einen Religion Gottes dar.

So erfreulich diese und manche andere Erscheinungen im Dialogfeld von Christentum und Islam auch sind. Viel zu gering ist noch das gegenseitige wirkliche Wissen von der Geschwisterreligion, halten sich unterschwellige Ängste vom Überrolltwerden vom Islam, die durch Aufbau von Feindbildern durch die Medien noch genährt werden.

Ohne mich weiter bei diesen unerfreulichen Tatsachen aufzuhalten, gehe ich gleich auf eine Hauptschwierigkeit im Verhältnis von Christentum und Islam ein. Auf dieses Problem darf man nach erfolgreichem Dialog endlich eine positive Klärung erwarten, ja man muss sie aus Gründen, die in den Wurzeln des Christentums und in der Lehre von den Gesandten des Korans liegen, mit Notwendigkeit fordern. Ich fordere sie ausdrücklich als Christ. Es handelt sich um die Anerkennung des Propheten Mohammed als eines wahren und legitimen Gesandten Gottes innerhalb der Reihe der gottgesandten Propheten, der auch für die christlichen Kirchen und Gemeinschaften eine wegweisende Botschaft von Gott überbracht hat. Auf diese Aufgabe des Propheten Mohammed und seine enge, ja brüderliche Beziehung zu Jesus von Nazareth werde ich im Laufe meines Vortrags noch näher eingehen.

Die evangelische Kirche hat es hier besonders schwer, da sie im Kampf gegen den Nationalsozialismus in der sog. Barmer Theologischen Erklärung Jesus als das eine Wort bekannte, neben dem es andere Worte Gottes von analoger Autorität rächt gebe. Damit sind die andern Religionen eigentlich als religiöse Gesprächspartner nicht mehr vorhanden, Aber die Barmer Thesen, wie man sie auch nennt, gemessen nicht überall in der evangelischen Kirche die gleiche unumstrittene Autorität. Ich meinte, dieses Hindernis wenigstens nennen zu sollen.

Ein weiteres schweres Hindernis für den Dialog liegt schließlich im Problem der Mission. Mission und Dialog schließen sich gegenseitig aus. Die bekannte Aufforderung zur Mission an die Christen steht am Schluss des Matthäus-Evangeliums, wo es heißt: Mir [Jesus] ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker. Dieser vermutlich unechte Taufbefehl enthält dann noch den für das Neue Testament singulären trinitarischen Zusatz: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Es ist aber in diesem Text in einem differenzierten Sinne von den Völkern, den éthne, die Rede. Ethne bedeutet Heiden, das sind die Anhänger der Götterreligionen oder Völkerreligionen. Das Volk Gottes aber heißt Iaós, nicht éhnos. Die Jünger sind also nicht zu denen gesandt, die schon bei Gott sind. Das gilt insbesondere für das Judentum und für den Islam. In einem weiteren Sinne für alle Weltreligionen.

Der Koran bringt das auf eine eindeutige Weise zum Ausdruck, indem er in Sure 3 zum Dialog aufruft:


Kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns!


In Sure 29,45 erläutert der Koran:




Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift [Juden und Christen], es sei denn in bester Weise. Und sprechet: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt ward und herabgesandt ward zu euch, und unser Gott und euer Gott ist ein einiger Gott und ihm sind wir ergeben.



Am zusammenhangvollsten wird dies aber in Sure 5, 52-53 zur Sprache gebracht. Man hat diese Sure auch das Testament des Korans genannt (M. Salim Abdullah), da sie die letzte Koranoffenbarung enthält, die an den Propheten Mohammed erging, wie wir aus V. 5 entnehmen können (Heute habe ich euch eure Religion vollendet):


Einem jeden von euch haben wir eine klare Satzung gegeben und einen deutlichen Weg vorgeschrieben. Und hätte Gott es gewollt, er hätte euch alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch er wünscht euch auf die Probe zu stellen durch das, was er euch gegeben. Wetteifert daher miteinander in guten Werken.



Diese Koranoffenbarung hat die größte Bedeutung für die deutsche Dichtung und Philosophie gewonnen, und zwar als Ringparabel, wie sie in Lessings dramatischem Gedicht Nathan der Weise uns aus dem Munde des weisen Nathan vorgestellt wird. Die literarische Einkleidung konnte Lessing der dritten Novelle des ersten Tages von Boccaccios Dekameron entnehmen. Bei Lessing tritt aber eine noch größere Nähe zum Koran hervor:


Es eifre jeder seiner unbestochnen,

Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Es strebe von euch jeder um die Wette,

Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag

Zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,

Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,

Mit innigster Ergebenheit in Gott

Zu Hilf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte

Bei euern Kindes-Kindeskindem äußern:

So lad ich über tausend tausend Jahre

Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird

Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen

Als ich; und sprechen.

Diese Stelle hat das koranische Toleranzverständnis in den Mittelpunkt der deutschen Dichtung und Philosophie gestellt, sehr zum Missfallen des kirchlich-dogmatischen Christentums. Da die Deutschen ein Volk sind, das seine eigenen Wurzeln nicht kennt die Muslime, die dieses Toleranzverständnis in ihrem Koran als für sie verbindlich vorfinden, in dieser Hinsicht deutscher als die Deutschen. Die deutsche Kultur der Neuzeit hat ihre Wurzeln nicht so sehr im christlichen Abendland, sondern in der Geistigkeit bedeutender Juden (Spinoza, Moses Mendelssohn) und in der Spiritualität des Korans. Neben Lessing, seien hier nur Herder, der sogar ein evangelischer Theologe und Geistlicher war, Rückert und vor allem Goethe mit seinem West-östlichen Divan genannt. Im Islam sind wir geboren, im Islam leben und sterben wir alle., war in seinen Briefen seit 1815 ein immer wiederkehrender Satz. Er hatte Korane für Forschungszwecke anschaffen lassen und stand im Briefwechsel mit berühmten Koranforschem. Den dialogischen Zusammenhang zwischen Orient und Okzident hielt er für nunmehr unauflöslich. Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen. Immanuel Kant hat über eine seiner religionsphilosophischen Schriften die Basmala (Im Namen Gottes des Barmherzigen, des Erbarmers) in arabischer Schrift gesetzt, die Trinitätsformel hätte er dazu nicht benutzen können, da sie seinen philosophischen Intentionen nicht entsprach. Lessing, um auf ihn zurückzukommen, hat darüber hinaus in Seiner Erziehung des Menschengeschlechts auf ein nunmehr anbrechendes Reich des Geistes hingedeutet, das auf die Gesetzesreligionen Reich des Vaters und der versöhnenden kirchlichen Vermittlungsreligionen (Reich des Sohnes) folgen wird. Damit ist ein Hinweis auf den Propheten Mohammed gegeben, durch den der Geist sprach und der mit der Verheißung des Johannes-Evangeliums von einem zweiten Gesandten, dem Parakleten, in Verbindung steht. Ich werde darauf noch näher eingehen. Die gesamte deutsche Geschichtsphilosophie (Fichte, Hegel usw.) hängt mit diesen drei Reichen Lessings zusammen, die in ein nachchristliches Zeitalter hinaustreten. Diese Bemühungen sind von der Kirche durchweg zurückgewiesen worden. Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Wissenschaftslehre von Johann Gottlieb Fichte, obgleich sie sich als Weg zum wahren Christentum versteht, eher mit einer hinduistischen Upatüshad in Zusammenhang gebracht werden kann als mit dem auf kirchlicher Autorität Aussenden Dogmatismus. Es ist ein Christentum des Geistes.

Wir sollten die Chance wahrnehmen, die sich aus der neuen Begegnung eines durch den Dialog geöffneten, reinen, zugleich rechtlich als gleichwertig gesicherten Islam mit dem zu seinen wahren Wurzeln offenen geistigen und freien Christentums in Deutschland ergeben kann. Schon einmal war in Deutschland eine solche Vision in der größten deutschen Dichtung des Hochmittelalters, in Wolfram von Eschenbachs Parzival, aufgeleuchtet. Parzival als Vertreter eines geistigen Christentums und sein ihm noch unbekannter Bruder Feirefiz als Repräsentant des Islam erkennen sich nach vergeblichem Kampf gegeneinander als zusammengehörig, die zusammen erst eine Ganzheit bilden. Deutschland könnte die Stätte dieser Begegnung werden, aus der wechselseitig größte Kulturleistungen hervorgehen.

Ich möchte nun zunächst auf die große Bedeutung hinweisen, die der Koran für das Verständnis der Bibel besitzt. Im Koran fließen Überlieferungsströme wieder ein, die durch die Kanonisierung des Alten und Neuen Testaments eingeschränkt oder ausgeschlossen worden sind. Die Evangelien beispielsweise sind erst am Ende des ersten bis zum Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus entstanden. Die darin benutzten Überlieferungen wurden für neue Zwecke umgebogen. Die jesuanische und urchristliche Überlieferung ist nicht ungebrochen in das Neue Testament übergegangen. Der Islam spricht in diesem Zusammenhang von Fälschungen der Überlieferung, die durch den Koran richtig gestellt werden. Die moderne wissenschaftliche Erforschung der Evangelien bestätigt das, indem sie die Sinnverschiebungen herausarbeitet, die sich an den Überlieferungselementen ergeben hat (Form- und Redaktionsgeschichte). Die moderne theologische Wissenschaft ist geradezu leidenschaftlich bemüht, das Bild des historischen Jesus, des Menschen Jesus, wieder aus den einzelnen Überlieferungsschichten herauszuarbeiten, der seinem Volk als Prophet erschien.

Die jüdischen und christlichen Legenden, die im Koran neu geoffenbart erscheinen, trug der Prophet lange mit sich herum. Er hatte sie mündlich von jüdischen oder judenchristlichen Gewährsleuten erfahren. Sie waren in dieser Form auch den Moslems bekannt. Das alles gehört zu den asbab an-nuzul, den Ursachen der Offenbarung, bis dann die Neuoffenbarung und Richtigstellung durch den nuzul, den Niederstieg des klärenden Offenbarungswortes, erfolgte. In diesem Sinne urteilt der bedeutende Koranforscher Rudi Paret: Die Reproduktion des von anderen übernommenen Materials ist . . in seinem Bewusstsein zu einem echten Offenbarungserlebnis geworden. Aber für Mohammed lag eben der eigentliche Schwerpunkt im letzten Stadium des Aneignungsprozesses. Der Sache nach mochte sein Wissen von einem fremden Menschen stammen, - in der abschließenden Formulierung in deutlicher arabischer Sprache wurde es ihm neu geschenkt, und zwar von oben, nämlich von Gott.*1

Hier ist die Bedeutung der Judenchristen als Vermittler hervorzuheben. Es gab, wenn Sie das Neue Testament aufmerksam lesen, eine große Spaltung in der Urchristenheit, nämlich in eine Gruppe, die sich um den Bruder Jesu, Jakobus den Gerechten, scharte, die Judenchristen, und in eine andere Gruppe, die sich hauptsächlich um den Apostel Pauls scharte, die Heidenchristen. Die hatten zum Teil die gleichen Quellen der Jesusüberlieferung, legten sie aber unterschiedlich aus und - das gilt insbesondere für die heidenchristliche Gruppe - versahen sie mit Zusätzen und Umdeutungen, wie man das schon deutlich im ältesten synoptischen Evangelium, dem Markus-Evangelium, erkennen kann.

Diese beiden Gruppen bekämpften sich zum Teil bis aufs Blut. Das können Sie aus den Paulusbriefen noch herauslesen. Für die judenchristlichen Gemeinden waren viele Auffassungen, die in den heidenchristlichen Gemeinden in den Mittelpunkt der christlichen Religion traten: das stellvertretende Sühnopfer Christi, die Erbsündenlehre, die Vergöttlichung Jesu, die Abschaffung des mosaischen Gesetzes usw., unannehmbare Dinge und mit der Lehre Jesu völlig unvereinbar. Für das Judenchristentum war der Apostel Paulus der Feind, der feindliche Mann, der Unkraut in den Weizen hineingesät hat, der Pseudoapostel, der ja von sich gesagt hatte, dass ihn der historische Jesus nicht interessiere (2. Korinther 5,16). Ich will damit kein endgültiges Urteil über Paulus aussprechen, aber ich möchte Ihnen doch wenigstens andeuten, dass es da eine große Spaltung gab. So drifteten diese zwei Christentümer auseinander: siegreich die heidenchristliche Richtung, die nach Griechenland, nach Rom, also nach dem Westen hin sich ausbreitete, und nach Osten die judenchristliche Hälfte, die sich über Arabien, Syrien, Mesopotamien, Indien und nach Äthiopien hin ausbreitete. Ihren Sieg hat der bedeutende Neutestamentler Adolf Schlatter so beschrieben: Mohammed übernahm den von den jüdischen Christen bewahrten Besitz, ihr Gottesbewusstsein, ihre den Gerichtstag verkündigende Eschatologie, ihre Sitte und ihre Legende und richtete als der von Gott Gesandte ein neues Apostolat auf. *2

Mohammed hat weder die hebräische Bibel noch das Neue Testament gekannt, geschweige daraus abgeschrieben. Der Koran ist eine davon völlig unabhängige Neuschöpfung aus mündlichen Quellen. Schon der Name für Jesus im Koran, Isa, weist auf die Judenchristen hin. Nach einem Besuch bei dem Dortmunder Imam Ismail Zengin schenkte mir dieser ein Bild, das den Stammbaum des Propheten Mohammed darstellt. Dabei führte er aus: Wir, die Moslems, stammen von Ismael ab, die Juden von Jakob/Israel und ihr Christen von Esau. Diese Bemerkung verwundene mich, da sie mir sonst unbekannt war. Dann aber fiel mir auf, dass in dem Namen Isa das hebräische Wort für Esau, Esaw, stecken könnte. Die Judenchristen und ihr Begründer Jesus war für die Juden, die die Judenchristen aus der Synagogengemeinschaft ausgestoßen hatten, der feindliche Bruder Esau, der am Freiheitskampf gegen die Römer nicht teilgenommen hatte und über den Fall Jerusalems in Schadenfreude ausbrach. Später hat sich diese Gehässigkeit, die mit dem Namen Isa/Esau verbunden war, wohl verloren. Aber der Name blieb, im Arabischen wäre ja auf jeden Fall ein Jeschu möglich gewesen. *3

Man kann die Botschaft des Korans einen aktualisierten Monotheismus nennen. Gott umfasst alles. Selbst die Auferstehung ist bereits in die Schöpfung hineinverlegt.


O ihr Menschen, wenn ihr betreffs der Auferstehung im Zweifel seid, so haben wir euch erschaffen aus Staub, alsdann aus einem Samentropfen, alsdann aus geronnenem Blut, alsdann aus Fleisch, geformtem und umgeformten auf dass wir euch (unsere Macht) erwiesen. (Sure 22, 5-7)



Die kosmische Anbetung ist für jeden, der sehen will, erkennbar, da morgens und abends in den langen Schatten alle Welt vor Gott niederfällt.


Siehst du denn nicht, dass alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, sich vor Gott niederwirft, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Berge, die Bäume und die Tiere und viele Menschen? (Sure 22, 18)



Nur der Mensch ist ein Undankbarer. In der Not erinnert er sich Gottes, geht die Not vorüber vergisst er Gott.


Siehst du denn nicht, dass die Schiffe auf dem Meere durch Gottes Gnade eilen, um euch etwas von seinen Zeichen zu zeigen? Hierin sind wahrlich Zeichen für jeden Standhaften und Dankbaren. Und wenn sie eine Woge gleich Schatten bedeckt, dann rufen sie zu Gott in lauterem Glauben. Hat er sie jedoch zum Strand errettet, dann schwanken einige hin und her. Unsere Zeichen aber bestreiten nur alle Treulosen und Undankbaren. (Sure 31, 30)



Der Koran mit seiner Sprachwerdung Gottes sucht diesen Rückfall zu verhindern. Wer den Koran liest, erlebt sich ganz vom Sprechen Gottes umgriffen. Die ständige Rezitation des Korans ist der aktualisierte Monotheismus.

Aber der Islam beginnt nicht mit der Sendung des Propheten Mohammed. Wir müssen zwischen dem historischen Islam, der mit der Koranoffenbarung durch den Propheten Mohammed begann, und einem universalen Islam, der mit Adam als dem ersten Propheten in die Welt kam. Es gibt eine ganze Reihe oder Kette von Gesandten Gottes von Adam bis zum letzten Propheten, Mohammed. Zu diesen Gesandten gehören beispielsweise Rama, Buddha, Zarathusthra (Zoroaster), Noah, Abraham, Mose, Johannes der Täufer, Jesus u.a. Mit dem Auftreten dieser Gesandten ist die Entstehung einer Religion verbunden und der Empfang einer Offenbarung in Gestalt eines Buches. Es liegt also ein Islam-Kern allen Religionen zugrunde, was immer auch später sich um diesen legte. Der Islam ist die Ur-Religion in allen Religionen. Völker, zu denen kein Gesandter karr4 leben noch in der Unwissenheit (Dschahiliya), wie der Islam das Heiden- oder Völkertum nennt. Eine besondere Beziehung besteht im Koran zwischen den Gesandten Gottes Jesus und Mohammed. Der Koran enthält eine eigene Christologie, die manche Entsprechung zu den judenchristlichen Überlieferungen im Lukas-Evangelium und in der lukanischen Apostelgeschichte besitzt. Es ist eine Knecht-Gottes-Christologie im Unterschied zur Sohn- Gottes-Christologie in den Evangelien. Wie wird Jesus im Koran genannt? Er heißt dort der Gottesknecht, der Messias, Gottes Prophet und Apostel (Gesandter), Gottes Geist, Gottes Wort (Logos), er ist geboren von der Jungfrau Maria, in diesem Sinne ist er der zweite Adam, wie dieser unmittelbar von Gott geschaffen. Ob es im Koran zu einer wirklichen Ablehnung der Trinitätslehre kommt, ist umstritten. Abgelehnt wird die auch von der Reichskirche als häretisch abgelehnte Trinität: Gott, Maria, Jesus. Die Anschauungen des Korans ließen sich leicht mit der Auffassung des Arius in Einklang bringen, der den Logos (Wort bei Gott) auf der Ebene des Geschöpfes sieht. Auch hat die kirchliche Trinitätslehre nicht unmittelbar etwas mit dem historischen Jesus zu tun. Auf dies Problem geht die so genannte Zwei-Naturen-Lehre ein. Die ursprüngliche Intention der Trinitätslehre ist die Einheit Gottes als innergöttliche Entfaltung und Lebendigkeit dieser Einheit. Über diese Zusammenhänge hat die Diskussion zwischen Islam und Christentum noch gar nicht recht begonnen. *4

Ein schwerwiegender Unterschied zwischen offizieller christlicher Überlieferung und Koran scheint darin zu bestehen, daß nach koranischer Überlieferung Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Vielmehr heißt es in der Sure 4, 157:


Und wegen ihrer Rede: Wir haben ja den Messias, Jesus, Sohn der Maria, den Gesandten Gottes, ermordet, doch konnten sie ihn nicht töten, noch am Kreuz sterben lassen, sondern es erschien ihnen bloß so, und diejenigen, die das Gegenteil in dieser Sache behaupten, sind ja selber im Zweifel darüber, sie haben Sicherheit, sondern folgen einer Vermutung, da sie ihn nicht für sicher getötet hatten. (Übersetzung: Sadr-ud-din)



Dieses es erschien ihnen bloß so ist eine den Sinn zu vermitteln suchende Übersetzung des koranischen Ausdrucks wa lakin schubbiha lahum, und das heißt wörtlich vielmehr wurde er ihnen (den Juden) ähnlich gemacht (d.h. einem, der tatsächlich am Kreuz gestorben ist). Das übersetzen jetzt einige, leider auch Paret, im Sinne von Legenden, die in gnostischen Kreisen und später auch im Islam aufgekommen sind, als wäre für Jesus ein anderer unterschoben worden, der statt seiner gekreuzigt und am Kreuz gestorben ist. Wo man dieser Vorstellung einer Substitution oder Unterschiebung eines anderen für Jesus nachgibt, übersetzt man dann in folgendem Sinn: Vielmehr erschien ihnen (ein anderer) ähnlich (so dass sie ihn mit Jesus verwechselten und töteten). Aber der koranische Text zwingt gar nicht dazu, denn nicht er wurde ähnlich gemacht, Judas oder sonst einer, sondern Jesus wurde ähnlich gemacht für den Anblick der Juden, als wäre er tatsächlich am Kreuz gestorben. Denn davon war in der Rede der Juden ja vorher die Rede.

Es wird heute sehr lebhaft - auch im Zusammenhang mit dem Turiner Grabtuch - erörtert, dass Jesus noch lebend vom Kreuz abgenommen, dann in die Grabkammer zur weiteren Behandlung niedergelegt wurde und danach unter Umständen bis nach Kaschmir weiter gewandert sei. Ich kann für diese Vorstellungen hier nur auf die diesbezügliche Literatur (Holger Kersten, Elmar R. Gruber, Siegfried Oberineier u.A.) hinweisen. Sie haben sehr viel für sich, wenn man das Johannes-Evangelium - wohlgemerkt das ursprüngliche! - richtig liest. Dort heißt es nicht, dass Jesus am Kreuz gestorben sei, sondern dass er erhöht worden ist von der Erde (Job. 12,32, vgl. auch 3,24, 8,28). Das stimmt zusammen mit Sure 4, 158:


Nein, Gott hat ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig und weise.



Damit wird noch einmal ausdrücklich im Anschluss an den vorausgegangenen Vers 157 zurückgewiesen, dass Jesus am Kreuz gestorben sei und stattdessen betont, dass Gott ihn zu sich erhöht (rafa'a) hat. Gott hat seinen Gesandten nicht verlassen, sondern, so ergänzt Sure 23, 50, ihn und seine Mutter, nachdem er sie vorher in ein Land gerettet hatte, das einige auf Kaschmir deuten, zu sich in den Himmel erhoben:


Wir (=Gott) machten den Sohn der Maria und seine Mutter zu einem Zeichen und gaben ihnen Zuflucht auf einer Höhe, einem Ort der Sicherheit mit Wasser von fließenden Quellen.



Daraus folgt, dass der Koran sogar einen versteckten Hinweis auf die leibhafte Himmelfahrt der Maria gibt.

In der Sure 19 Meryem und in der Sure 3 die Sippe Imran wird die Geburtsgeschichte Jesu erzählt, die judenchristliche Überlieferung ähnlich der lukanischen enthält.

In der außerkoranischen Mahdi-Vorstellung werden Endzeit und Wiederkunft Jesu vorausgesagt. Die Welt treibt der Endzeit zu. Die Verhältnisse auf Erden verschlechtern sich. Der Mahdi (=ein von Gott Geleiteter) bringt das goldene Zeitalter. Nach diesem Zwischenreich eilt die Welt endgültig ihrem Ende entgegen. Der Antichrist (Daddschal) erscheint. Danach erscheint der zu Gott entrückte Jesus und verkündigt den universalen Islam. Die zweite Lebenshälfte Jesu wird also in die Endzeit gerückt. Dann erfolgt der erste Posaunenstoß Israfils. Alles wird tot niedergestreckt. Mit dem zweiten Posaunenstoß setzt dann das Jüngste Gericht ein.

Es gibt aber auch Hinweise auf Mohammed in der Bibel. 5. Mose 18,15 heißt es:



Einen Propheten wie mich wird der Herr dein Gott dir erwecken aus der Mitte deiner Brüder; auf den sollt ihr hören!



Auf diesen Propheten, der als der kommende zweite Mose erwartet wird, bezieht sich Jesaja 42,6. Dort heißt er der Gottesknecht, der den Volksbund stiftet. In diesem Sinne heißt er auch: der Prophet. In diesem Sinne gibt es in den Evangelien, besonders im Matthäus-Evangelium, den Versuch, Jesus als den zweiten Mose zu stilisieren, der einen neuen Bund stiftet. Aber Jesus hat keinen eigentlichen Volksbund gestiftet, es kam lediglich zur Bildung einer Kirche mit scharfer Trennung von aller Politik. Der zweite Mose soll aus der Mitte der Brüder Israels erweckt werden, und der Bruder Israels ist Ismael. Als der zweite Mose wird er alle bisherige Prophetie zum Abschluss bringen. In diesem Sinne heißt es in der Sure 33, 40:


Mohammed ist Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten.



Das heißt also: Die ganze Kette der Gesandten kommt zu einem Schlusspunkt, so wie ich eine Urkunde dadurch endgültig mache, dass ich ein Siegel darunter setze: Mohammed ist also der letzte Gesandte. Aber darin zeigt sich zugleich die unauflösliche Zusammengehörigkeit von Jesus und Mohammed. Das bringt Sure 61, 6 mit folgenden Worten zum Ausdruck:


Und da Jesus, der Sohn der Maria, sprach: O ihr Kinder Israel, ich bin Gottes Gesandter an euch, bestätigend die Tora, die vor mir war, und einen Gesandten verkündigend, der nach mir kommen soll, dessen Name Ahmed ist.


Dieser Name Ahmed hat die gleichen Stammkonsonanten HMD wie Mohammed. Es ist im Grunde genommen ein und dasselbe Wort, das der Gepriesene, der Gelobte bedeutet. Und das kommt nun zusammen mit einem Satz, den Jesus im Johannesevangelium in seinen Abschiedsreden gesagt hat (Joh. 16, 7):

Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, dass ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Paraklet nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden..., (V. 13) der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. *5

Mit diesem Jesuswort geht gut zusammen, dass Mohammed Wert darauf legt, dass er den Auditionen, der Stimme der Koranoffenbarungen, nichts hinzugefügt hat.

Es gibt in der Vorstellung der Judenchristen mit denen das Johannes-Evangelium zusammenhängt, nicht nur einen Messias, sondern zwei. Später ist der kirchliche Redaktor hinzugekommen und hat jedes Mal, wenn der Paraklet, also die Bezeichnung des zweiten Gesandten genannt wird, das Wort der Heilige Geist dahinter geklebt und so praktisch die jüdische und judenchristliche Tradition von den zwei Messiassen in die kirchliche Lehre von nur einem Messias und nur einem Geist Gottes, der dann auch nur in der Kirche wartet, umgebogen. Damit waren alle anderen draußen.

Es ist aber eine Eigentümlichkeit des Judenchristentums, dass man nicht nur einen Messias, sondern tatsächlich zwei erwartete. Und zwar geht diese Vorstellung von den beiden Gesandten zurück auf den so genannten Essenerorden, die Leute von Qumran. In den Schrift- Rollen von Qumran gibt es die Vorstellung, dass am Ende der Zeiten Gott die beiden Messiasse schicken werde. Der erste ist der Volksmessias aus dem Hause David, der später auch der Ben Josef, also der Sohn Josefs, genannt wird. Er wird auch als Kriegsmessias vorgestellt, der den Heiligen Krieg gegen die Römer durchfuhren und dadurch das Reich Gottes auf Erden aufrichten wird. Der Gründer der Dynastie David war ja der König, der Israel vollendete, indem er den Heiligen Krieg der Landnahme mit der Eroberung Jerusalems zum Abschluss brachte. Eine weitere Vorstellung war, dass dieser Messias fallen werde. Es gab natürlich viele Übergänge in diesen Ansichten, so dass man sie nicht zu stark vereinheitlichen darf. Dieser Auffassung scheinen Deutungen zu widersprechen, die Jesus auf Grund der Bergpredigt als einen radikalen Pazifisten vorstellen. Andererseits existieren Jesusworte, nach denen er nicht gekommen ist, Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert (Matthäus-Evangelium 10,34) und aus dem Gespräch Jesu mit seinen Jüngern beim letzten Mahl geht hervor, dass diese während des Einzugs in Jerusalem Waffen unter den Kleidern getragen haben und auch jetzt noch bereit sind, ihn damit zu verteidigen (Lukas-Evangelium 22,3). Diese Annahme einer gescheiterten Jesus-Revolution ist nicht ganz abwegig und stellt die Bergpredigt in das Licht einer Magna Charta für das Reich Gottes und für ein Übergangsverhalten bis zur endgültigen Aufrichtung desselben.

Neben diesem Messias aus dem Hause David wurde noch ein zweiter Messias, der hohepriesterliche Messias, erwartet, das ist der Grosse der aus dem Hause Aaron stammen und die eigentliche Erfüllung bringen wird. Dieser zweite Messias wurde bei den Judenchristen nach dem Auftreten des Messias Jesus noch erwartet. Die Judenchristen sahen ihn zunächst in dem Bruder Jesu, Jakobus. Von diesem Bruder Jesu wird in dem gnostischen Thomas-Evangelium eine eigenartige Aussage gemacht:



Es sprachen die Jünger zu Jesus: Wir wissen, dass du von uns gehen wirst. Wer ist's, der groß sein wird über uns? Jesus sprach zu ihnen: Am Ort, wohin ihr gekommen seid, werdet ihr gehen zu Jakobus dem Gerechten, dessentwillen der Himmel und die Erde geworden sind. (Spruch 12)



Jakobus ist also das Fundament der judenchristlichen Gemeinde und zugleich das Fundament des Universums. Er ist sowohl der Leiter der Urgemeinde von Jerusalem und der Sachwalter der judenchristlichen Gnosis. Von ihm geht die Weisheit aus, die die Rechtleitung für die Glaubenden enthält In der Väterliteratur ist Jakobus als der wahre Hohepriester in hohepriesterlicher Kleidung vorgestellt worden. Jakobus ist danach der zweite Gesandte oder Messias, der das Werk Jesu in jeder Hinsicht vollendet.

Nun ist dieser Jakobus von seinen Gegnern, von dem falschen Hohenpriester - die Essener nannten die Priester im Tempel zu Jerusalem die falschen Priester - getötet worden. Man hat ihn von einer Tempelzinne gestürzt und dann mit einem Knüppel erschlagen. Nach anderer Überlieferung soll er gesteinigt worden sein. Er ist ein Märtyrer. Und von daher war die Erwartung eines zweiten Messias oder Gesandten zunächst nicht verwirklicht worden. Man musste auf einen anderen warten.

Und diese Erwartung wird über das Judenchristentum zu den arabischen Christen weitergegangen sein. Das zeigt sich daran, dass ein aus dieser Tradition stammender Christ, Waraqa, ein Vetter von Mohammeds Frau Chadidscha, sofort, als die erste Offenbarung an Mohammed kam, erklärte: Der Engel Gabriel ist wahrhaftig zu ihm gekommen, wie er zu Moses kam, und er ist wahrlich der Prophet dieses Volkes! *6 Das heißt also, die Verheißung eines zweiten vollendenden Gesandten ist vom Judenchristentum in die arabische Erwartung übergegangen und ist dem Propheten Mohammed in der Sure 61 neu geoffenbart worden mit der Maßgabe, dass in ihm dieser zweite Messias gekommen ist. In diesem Sinne sind Jesus und Mohammed Brüder, und so hat sich Mohammed auch verstanden. Ja, er hat sich mit Jesus identisch gefehlt. Er hat sagen können: Ich bin Jesus.

Man kann also sagen, dass das Christentum jesuanischer Prägung und der Islam arabischer Prägung ganz nah beieinander stehen. Das Urchristentum, so gesehen, steht näher beim Islam als unser heidenchristlich geprägtes Christentum. Dazu kommt noch die Vorstellung vom wahren Propheten in der judenchristlichen Gemeinde. Sie ist verwandt mit der bereits erwähnten Vorstellung vom dem Propheten und dein damit verbundenen Vorstellungskomplex vom Gottesknecht. Nach dem Judenchristentum waren all die großen Gestalten der biblischen Heilsgeschichte von Adam über Moses bis zu Jesus ein Ausdruck des wahren Propheten, der in Jesus als zweiter Moses auftritt und die Tora von den falschen Perikopen (Bibelabschnitten) reinigt. Die Idee einer Verfälschung der heiligen Bücher bestand also schon in urchristlicher Zeit. Von diesem wahren Propheten heißt es dann weiter in einer urchristlichen Überlieferung:

Er ermahnt, allein zu einem Gott zu beten, hasst Opfer, Blutvergießen, beendet Kriege, predigt Frieden, macht barmherzig. *7

In welchem Sinne kann die Auffassung von Mohammed als Parakleten für einen Christen von Belang sein? Eine Brücke bildet Leasings Lehre von den drei Reichen, auf die wir schon hinwiesen. Lessing war der Meinung, dass auf das Reich des Vaters das Reich des Sohnes folge. Kennzeichnend für die Kirche sei die Spaltung in Kirche und Staat, Religion und Welt. Nun wollen wir aber weltlich so leben, dass wir darin den Willen Gottes erfüllen, Jesus verkündigte das Reich Gottes, aber es kam die Kirche hat Alfred Loisy gesagt. Das Reich Gottes ist aber die Aufhebung der Spaltung in Kirche und Staat, in den Einen Menschheitsbund, der aus göttlichem Willen lebt. Die umma, die von Mohammed gegründete islamische Gemeinde, bestehend aus der gleichberechtigten und autonomen Mitgliedschaft aller Leute der Schrift nach der Urverfassung von Medina, ist weder eine Staats- noch eine Kirchengründung. Sie ist din wa daula, Einheit von geistlichem und weltlichem Reich, und nimmt darin die Reichgottespredigt Jesu wieder auf Sie meint letztlich einen universalen Islam, der allen geoffenbarten Religionen zugrunde liegt. Dieser universale Islam ist das Bleibende, in dessen Namen Jesus als der eschatologische Mensch vor die Menschheit tritt.

Ich komme nun zum letzten Punkt, zum mystischen oder esoterischen Element der Lehre Jesu. Die Geheimlehre Jesu - denn um eine solche handelt es sich - ging in das Judenchristentum hinüber und lag, wie das Thomas-Evangelium zeigt, in den Händen des Jakobus. Das ursprüngliche Christentum kannte keine Dogmen. Es kannte aber Bilder und Gleichnisse für die, die draußen sind. Dem inneren Kreis aber enthüllte er den Sinn der Gleichnisse (Markus-Evangelium 4,33f). Aber genau diese Enthüllungen fehlen im Neuen Testament. Diese findet man vielmehr im Thomas-Evangelium. Dort heißt es, dass das Samenkorn, das man in den Acker streut, das Selbst, der göttliche Funke und Lichtkern in jedem Menschen ist, den es zu entwickeln gilt. Diese Geheimlehre teilte Jesus nur dafür bestimmten Jüngern mit. Es gab da einen engeren Dreierkreis. Außerdem einen Jünger, den Jesus liebte. Wir nennen ihn Johannes. Ob er wirklich Johannes hieß, ist eine andere Frage. Dieser Jünger hat Jesu Geheimlehre dann in das Johannes-Evangelium hineingeschrieben, das, wenn man die späteren kirchlichen Übermalungen wegdenkt, das älteste Evangelium im Neuen Testament ist. Durch die kirchliche Redaktion wurde es das Jüngste. Ein Nachklang dieser ursprünglichen Lehre ist, wenn man richtig zu lesen weiß, in den drei übrigen Evangelien des Neuen Testaments enthalten.

Und nun ist es interessant, dass auch in der islamischen Überlieferung die Geheimlehre eine Rolle spielt. Eine solche erscheint zunächst im Koran, beispielsweise in der Sure 4, die den Namen das Licht trägt, insbesondere in dem berühmten Lichtvers (V.35). Wer sich mit dem Koran beschäftigt, der wird in immer tiefere Schichten hineingeführt. Jedenfalls geht mir das so. Es hat eigentlich damit gar kein Ende, was da an Licht aus dem Koran hervorbricht. Er enthält zumindest potentiell eine esoterische Lehre, die sich allerdings nur dem aufschließt, der hingegeben ist an die Ausdrucksweise, den Sprachklang, die Verse, die ein Wunder darstellen in der Erscheinungswelt, weil sie dem Menschen die Brust öffnen zur Tiefe hin.

Und so wird gesagt, dass Mohammed seinen Vetter, Pflegesohn und Schwiegersohn Ali, den mystischen vierten Kalifen und ersten Imam der Schia, in die Geheimlehre eingeweiht habe, so dass es von daher, zumindest seit Ali, im Islam eine esoterische Tradition gibt, die auf den Propheten selbst zurückgeht. Aber vielleicht ist in den islamischen Mystikern eine uralte Tradition am Werke, die schwer auf ihre wirklichen Ursprünge hin zu erkennen ist.

Zu den Bezeichnungen, welche die Sufis sich selbst geben, gehört, dass sie sich Urchristen nennen. Das könnte einen sehr guten Sinn haben nach dert4 was ich Ihnen von der Geheimlehre Jesu vorgetragen habe. Ich kann sogar noch weiter gehen: Das Wollkleid, das erinnert doch ganz lebhaft an den Propheten Elias. Der lief doch auch in so einem härenen Gewande herum. Und dieser Elias hatte einen Prophetenkreis. Da wurde man eingeweiht in die geheimnisvollen Dinge, so dass auch seine Schüler geheimnisvoll wirken konnten. In Johannes dem Täufer erscheint ein solcher Sufi im härenen Gewand wieder. im Kreise Johannes des Täufers ist Jesus eingeweiht worden. Denn die Taufe ist ein Signal, ein Signum, ein Zeichen für eine Einweihung. Aus dem Kreise Johannes des Täufers ist wahrscheinlich das hervorgegangen, was sogar über den kirchlichen Bereich hinauswirkte, die große Bewegung der Gnosis. So haben es einige Kirchenväter verstanden.

Aber man muss noch einen Schritt weitergehen. In dem Propheten Mohammed tritt eine Gestalt auf, die, äußerlich betrachtet, dasteht wie einer unter anderen Propheten. Aber in diesem Moment hat sich nach mystischer Auffassung gleichsam dargestellt ein Licht, das Gott als Ausdruck des Selbst erschaffen hat, das so genannte Mohammed-Licht, oder Nur muhammadiya. Dieses Mohammed-Licht, das alle Propheten erleuchtet hat, ist der wahre Mensch, der Ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Dinge. Immer dort, wo Licht ist und Erkenntnis, da ist dies der göttliche Urbeginn der Grossen Welt (Makrokosmos) in der kleinen Welt (Mikrokosmos, der Mensch). Die Nur muhammadiya enthüllt den wahren Propheten in dem Propheten Mohammed. Daraufhin ist jeder einzelne von uns angelegt. Er ist in diesem Sinne der ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Menschen, der archetypische Mensch.

Vor lauter historischem Jesus haben wir längst vergessen, dass im Neuen Testament Jesus als der archetypische Mensch, der Menschensohn, vorgestellt wird, der in der himmlischen Welt von Gott als Erstling aller Seiner Werke geschaffen worden ist. Das ist also eine parallele Vorstellungsform zu dem, was im mystischen Islam über die Nur muhammadiya gesagt worden ist. Der archetypische Mensch ist mit den Eigenschaften Gottes, freilich auch in diesem Zustand Geschöpf, ausgestattet. Gestaltet euch mit den Eigenschaften Gottes aus! ist der Ruf, den der Prophet Mohammed an die Menschen ergehen lässt. Der Mensch ist das Abbild Gottes auf der geschöpflichen Ebene. In der letzten Tiefe ist Gott unerkennbar. Aber dadurch, dass ER Seine Eigenschaften erschafft - Er erschafft diese zunächst in dem urbildlichen Menschen -, gibt Er uns Anteil an Seiner Gnade.

Ein Erlebnis war für mich, als wir auf dem Kirchentag zu Nürnberg (1979) uns in einem Kreis, wo auch über den Islam gesprochen wurde und wo auch Moslems dabei waren, als freie Christen vorstellten und ich sagte: ich gehöre dem Bund für freies Christentum an, da kamen spontan die Moslems und sagten: Auch wir sind freie Christen! Das besagt doch wohl, wenn man sich öffnet für die Urbotschaft des Christentums, dann gibt es eigentlich nur noch die eine geheimnisvolle Lehre. Wie sich herausstellte, waren diejenigen, die das sagten, Sufis.




Anmerkungen


*1 Rudi Paret, Mohammed und der Koran, Stuttgart 1957, S. 58


*2 Adolf Schlatter, Die Geschichte der ersten Christenheit, Darinstadt 1971, S. 368


*3 Siehe dazu meinen Aufsatz, Esau - Ismael - Jakob - eine Miszelle zum Trialog, in:

Religionen im Gespräch,5. Band (RIG 5), hrsg. v. Reinhard Kirste, Paul Schwarzenau, Udo Tworuschka, Die dialogische Kraft des Mystischen, Balve 1998, S. 64-66


*4 Siehe dazu Muhammad Salim Abdullah, Islam für das Gespräch mit Christen, Gütersloh 1992, S. 145


*5 Die Vermutung, Paraklet stehe für ein ursprüngliches Periklytos hat viel für sich.

Periklytos bedeutet wie Ahmed und Mohammed der Gelobte, der Gepriesene.


*6 So nach Ihn Ishaq, Das Leben des Propheten, übers. v. Gernot Rotter, Tübingen und Basel 1976, S. 45


*7 Pseudo-Clementinen, s. Hennecke-Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung, 2. Bd, 3. Auflage, Tübingen 1964, S. 72








Jaja...
...manche menschen lassen denken!

tigerle

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 12:13
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentar zum Islam: Bernard Shaw
Der Grund dafür, dass die Religion des Islam in ihrer Hochschätzung, den obersten Platz einnimmt, ist der: sie garantiert ein nur ihr eigenes, geordnetes Leben. Mir ist klar geworden, dass diese Religion, welche einsam und allein ein einzigartiger und beispielloser Glaube ist, die Menschen dazu anleitet, einander und ihre so verschiedenen Lebens- und Verhaltensweisen zu tolerieren. D.h. sie bringt den Menschen dazu, auf den rechten Weg zurückzukehren, seine Gesinnung zu wandeln und sich dergestalt zu reinigen und so auf dem geistigen Wege voranzuschreiten.


Zudem ist die Religion des Islam ein Glaube, der die verschiedensten Menschen und Völker zu sich hinzuziehen vermag. Ich habe es gesehen und mich davon überzeugt, dass es für den Menschen nötig ist, zu sagen:

Mohammed ist der Retter der Menschheit. Er darf diesen Titel eines Retters beanspruchen.


Ich bin davon überzeugt, wenn heute ein Neuer Mohammed käme, d.h. ein Mann von seinen Charakterzügen und seiner Lebensweise Präsident einer neuen Welt werden würde, sie regierte: er würde die Probleme unserer heutigen Welt meistern; er wäre die Ursache für einen allgemeinen Frieden und ein glückseliges Leben in einer von Unruhen und Krisen geschüttelten Welt. Ja, wie dringend notwendig unsere heutige Welt den Frieden braucht und ein glückliches Leben, das vermag ein jeder selbst zu ermessen.


"... in einer von Unruhen und Krisen geschüttelten Welt"
Unruhen und Krisen, an denen fanatische Anhänger des Islam nicht ganz unschuldig sind.

Das kannst Du Dir echt sparen hier.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 12:20

Copy and paste
beherrschst Du ja...ich auch: hier der link: http://www.fguelen.de/

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Juli 2005 um 16:38
In Antwort auf iolyn_12733717

Kommentar zum Islam :Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Islam und Christentum - zwei Geschwisterreligionen

Der christlich-islamische Dialog hat in der letzten Jahren ohne Zweifel große Fortschritte gemacht. Man hat sich längst daran gewöhnt, von den drei Abrahamsreligionen zu sprechen. Darin liegt die Vorstellung einer geschwisterlichen Verwandtschaft eingeschlossen. Als ein besonders sichtbarer Ausdruck dieser Zusammengehörigkeit finden da und dort bereits gelegentliche ökumenische Gottesdienste statt. Die drei abrahamitischen Religionen stellen sich dann als drei Konfessionen der Einen Religion Gottes dar.

So erfreulich diese und manche andere Erscheinungen im Dialogfeld von Christentum und Islam auch sind. Viel zu gering ist noch das gegenseitige wirkliche Wissen von der Geschwisterreligion, halten sich unterschwellige Ängste vom Überrolltwerden vom Islam, die durch Aufbau von Feindbildern durch die Medien noch genährt werden.

Ohne mich weiter bei diesen unerfreulichen Tatsachen aufzuhalten, gehe ich gleich auf eine Hauptschwierigkeit im Verhältnis von Christentum und Islam ein. Auf dieses Problem darf man nach erfolgreichem Dialog endlich eine positive Klärung erwarten, ja man muss sie aus Gründen, die in den Wurzeln des Christentums und in der Lehre von den Gesandten des Korans liegen, mit Notwendigkeit fordern. Ich fordere sie ausdrücklich als Christ. Es handelt sich um die Anerkennung des Propheten Mohammed als eines wahren und legitimen Gesandten Gottes innerhalb der Reihe der gottgesandten Propheten, der auch für die christlichen Kirchen und Gemeinschaften eine wegweisende Botschaft von Gott überbracht hat. Auf diese Aufgabe des Propheten Mohammed und seine enge, ja brüderliche Beziehung zu Jesus von Nazareth werde ich im Laufe meines Vortrags noch näher eingehen.

Die evangelische Kirche hat es hier besonders schwer, da sie im Kampf gegen den Nationalsozialismus in der sog. Barmer Theologischen Erklärung Jesus als das eine Wort bekannte, neben dem es andere Worte Gottes von analoger Autorität rächt gebe. Damit sind die andern Religionen eigentlich als religiöse Gesprächspartner nicht mehr vorhanden, Aber die Barmer Thesen, wie man sie auch nennt, gemessen nicht überall in der evangelischen Kirche die gleiche unumstrittene Autorität. Ich meinte, dieses Hindernis wenigstens nennen zu sollen.

Ein weiteres schweres Hindernis für den Dialog liegt schließlich im Problem der Mission. Mission und Dialog schließen sich gegenseitig aus. Die bekannte Aufforderung zur Mission an die Christen steht am Schluss des Matthäus-Evangeliums, wo es heißt: Mir [Jesus] ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker. Dieser vermutlich unechte Taufbefehl enthält dann noch den für das Neue Testament singulären trinitarischen Zusatz: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Es ist aber in diesem Text in einem differenzierten Sinne von den Völkern, den éthne, die Rede. Ethne bedeutet Heiden, das sind die Anhänger der Götterreligionen oder Völkerreligionen. Das Volk Gottes aber heißt Iaós, nicht éhnos. Die Jünger sind also nicht zu denen gesandt, die schon bei Gott sind. Das gilt insbesondere für das Judentum und für den Islam. In einem weiteren Sinne für alle Weltreligionen.

Der Koran bringt das auf eine eindeutige Weise zum Ausdruck, indem er in Sure 3 zum Dialog aufruft:


Kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns!


In Sure 29,45 erläutert der Koran:




Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift [Juden und Christen], es sei denn in bester Weise. Und sprechet: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt ward und herabgesandt ward zu euch, und unser Gott und euer Gott ist ein einiger Gott und ihm sind wir ergeben.



Am zusammenhangvollsten wird dies aber in Sure 5, 52-53 zur Sprache gebracht. Man hat diese Sure auch das Testament des Korans genannt (M. Salim Abdullah), da sie die letzte Koranoffenbarung enthält, die an den Propheten Mohammed erging, wie wir aus V. 5 entnehmen können (Heute habe ich euch eure Religion vollendet):


Einem jeden von euch haben wir eine klare Satzung gegeben und einen deutlichen Weg vorgeschrieben. Und hätte Gott es gewollt, er hätte euch alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch er wünscht euch auf die Probe zu stellen durch das, was er euch gegeben. Wetteifert daher miteinander in guten Werken.



Diese Koranoffenbarung hat die größte Bedeutung für die deutsche Dichtung und Philosophie gewonnen, und zwar als Ringparabel, wie sie in Lessings dramatischem Gedicht Nathan der Weise uns aus dem Munde des weisen Nathan vorgestellt wird. Die literarische Einkleidung konnte Lessing der dritten Novelle des ersten Tages von Boccaccios Dekameron entnehmen. Bei Lessing tritt aber eine noch größere Nähe zum Koran hervor:


Es eifre jeder seiner unbestochnen,

Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Es strebe von euch jeder um die Wette,

Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag

Zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,

Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,

Mit innigster Ergebenheit in Gott

Zu Hilf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte

Bei euern Kindes-Kindeskindem äußern:

So lad ich über tausend tausend Jahre

Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird

Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen

Als ich; und sprechen.

Diese Stelle hat das koranische Toleranzverständnis in den Mittelpunkt der deutschen Dichtung und Philosophie gestellt, sehr zum Missfallen des kirchlich-dogmatischen Christentums. Da die Deutschen ein Volk sind, das seine eigenen Wurzeln nicht kennt die Muslime, die dieses Toleranzverständnis in ihrem Koran als für sie verbindlich vorfinden, in dieser Hinsicht deutscher als die Deutschen. Die deutsche Kultur der Neuzeit hat ihre Wurzeln nicht so sehr im christlichen Abendland, sondern in der Geistigkeit bedeutender Juden (Spinoza, Moses Mendelssohn) und in der Spiritualität des Korans. Neben Lessing, seien hier nur Herder, der sogar ein evangelischer Theologe und Geistlicher war, Rückert und vor allem Goethe mit seinem West-östlichen Divan genannt. Im Islam sind wir geboren, im Islam leben und sterben wir alle., war in seinen Briefen seit 1815 ein immer wiederkehrender Satz. Er hatte Korane für Forschungszwecke anschaffen lassen und stand im Briefwechsel mit berühmten Koranforschem. Den dialogischen Zusammenhang zwischen Orient und Okzident hielt er für nunmehr unauflöslich. Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen. Immanuel Kant hat über eine seiner religionsphilosophischen Schriften die Basmala (Im Namen Gottes des Barmherzigen, des Erbarmers) in arabischer Schrift gesetzt, die Trinitätsformel hätte er dazu nicht benutzen können, da sie seinen philosophischen Intentionen nicht entsprach. Lessing, um auf ihn zurückzukommen, hat darüber hinaus in Seiner Erziehung des Menschengeschlechts auf ein nunmehr anbrechendes Reich des Geistes hingedeutet, das auf die Gesetzesreligionen Reich des Vaters und der versöhnenden kirchlichen Vermittlungsreligionen (Reich des Sohnes) folgen wird. Damit ist ein Hinweis auf den Propheten Mohammed gegeben, durch den der Geist sprach und der mit der Verheißung des Johannes-Evangeliums von einem zweiten Gesandten, dem Parakleten, in Verbindung steht. Ich werde darauf noch näher eingehen. Die gesamte deutsche Geschichtsphilosophie (Fichte, Hegel usw.) hängt mit diesen drei Reichen Lessings zusammen, die in ein nachchristliches Zeitalter hinaustreten. Diese Bemühungen sind von der Kirche durchweg zurückgewiesen worden. Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Wissenschaftslehre von Johann Gottlieb Fichte, obgleich sie sich als Weg zum wahren Christentum versteht, eher mit einer hinduistischen Upatüshad in Zusammenhang gebracht werden kann als mit dem auf kirchlicher Autorität Aussenden Dogmatismus. Es ist ein Christentum des Geistes.

Wir sollten die Chance wahrnehmen, die sich aus der neuen Begegnung eines durch den Dialog geöffneten, reinen, zugleich rechtlich als gleichwertig gesicherten Islam mit dem zu seinen wahren Wurzeln offenen geistigen und freien Christentums in Deutschland ergeben kann. Schon einmal war in Deutschland eine solche Vision in der größten deutschen Dichtung des Hochmittelalters, in Wolfram von Eschenbachs Parzival, aufgeleuchtet. Parzival als Vertreter eines geistigen Christentums und sein ihm noch unbekannter Bruder Feirefiz als Repräsentant des Islam erkennen sich nach vergeblichem Kampf gegeneinander als zusammengehörig, die zusammen erst eine Ganzheit bilden. Deutschland könnte die Stätte dieser Begegnung werden, aus der wechselseitig größte Kulturleistungen hervorgehen.

Ich möchte nun zunächst auf die große Bedeutung hinweisen, die der Koran für das Verständnis der Bibel besitzt. Im Koran fließen Überlieferungsströme wieder ein, die durch die Kanonisierung des Alten und Neuen Testaments eingeschränkt oder ausgeschlossen worden sind. Die Evangelien beispielsweise sind erst am Ende des ersten bis zum Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus entstanden. Die darin benutzten Überlieferungen wurden für neue Zwecke umgebogen. Die jesuanische und urchristliche Überlieferung ist nicht ungebrochen in das Neue Testament übergegangen. Der Islam spricht in diesem Zusammenhang von Fälschungen der Überlieferung, die durch den Koran richtig gestellt werden. Die moderne wissenschaftliche Erforschung der Evangelien bestätigt das, indem sie die Sinnverschiebungen herausarbeitet, die sich an den Überlieferungselementen ergeben hat (Form- und Redaktionsgeschichte). Die moderne theologische Wissenschaft ist geradezu leidenschaftlich bemüht, das Bild des historischen Jesus, des Menschen Jesus, wieder aus den einzelnen Überlieferungsschichten herauszuarbeiten, der seinem Volk als Prophet erschien.

Die jüdischen und christlichen Legenden, die im Koran neu geoffenbart erscheinen, trug der Prophet lange mit sich herum. Er hatte sie mündlich von jüdischen oder judenchristlichen Gewährsleuten erfahren. Sie waren in dieser Form auch den Moslems bekannt. Das alles gehört zu den asbab an-nuzul, den Ursachen der Offenbarung, bis dann die Neuoffenbarung und Richtigstellung durch den nuzul, den Niederstieg des klärenden Offenbarungswortes, erfolgte. In diesem Sinne urteilt der bedeutende Koranforscher Rudi Paret: Die Reproduktion des von anderen übernommenen Materials ist . . in seinem Bewusstsein zu einem echten Offenbarungserlebnis geworden. Aber für Mohammed lag eben der eigentliche Schwerpunkt im letzten Stadium des Aneignungsprozesses. Der Sache nach mochte sein Wissen von einem fremden Menschen stammen, - in der abschließenden Formulierung in deutlicher arabischer Sprache wurde es ihm neu geschenkt, und zwar von oben, nämlich von Gott.*1

Hier ist die Bedeutung der Judenchristen als Vermittler hervorzuheben. Es gab, wenn Sie das Neue Testament aufmerksam lesen, eine große Spaltung in der Urchristenheit, nämlich in eine Gruppe, die sich um den Bruder Jesu, Jakobus den Gerechten, scharte, die Judenchristen, und in eine andere Gruppe, die sich hauptsächlich um den Apostel Pauls scharte, die Heidenchristen. Die hatten zum Teil die gleichen Quellen der Jesusüberlieferung, legten sie aber unterschiedlich aus und - das gilt insbesondere für die heidenchristliche Gruppe - versahen sie mit Zusätzen und Umdeutungen, wie man das schon deutlich im ältesten synoptischen Evangelium, dem Markus-Evangelium, erkennen kann.

Diese beiden Gruppen bekämpften sich zum Teil bis aufs Blut. Das können Sie aus den Paulusbriefen noch herauslesen. Für die judenchristlichen Gemeinden waren viele Auffassungen, die in den heidenchristlichen Gemeinden in den Mittelpunkt der christlichen Religion traten: das stellvertretende Sühnopfer Christi, die Erbsündenlehre, die Vergöttlichung Jesu, die Abschaffung des mosaischen Gesetzes usw., unannehmbare Dinge und mit der Lehre Jesu völlig unvereinbar. Für das Judenchristentum war der Apostel Paulus der Feind, der feindliche Mann, der Unkraut in den Weizen hineingesät hat, der Pseudoapostel, der ja von sich gesagt hatte, dass ihn der historische Jesus nicht interessiere (2. Korinther 5,16). Ich will damit kein endgültiges Urteil über Paulus aussprechen, aber ich möchte Ihnen doch wenigstens andeuten, dass es da eine große Spaltung gab. So drifteten diese zwei Christentümer auseinander: siegreich die heidenchristliche Richtung, die nach Griechenland, nach Rom, also nach dem Westen hin sich ausbreitete, und nach Osten die judenchristliche Hälfte, die sich über Arabien, Syrien, Mesopotamien, Indien und nach Äthiopien hin ausbreitete. Ihren Sieg hat der bedeutende Neutestamentler Adolf Schlatter so beschrieben: Mohammed übernahm den von den jüdischen Christen bewahrten Besitz, ihr Gottesbewusstsein, ihre den Gerichtstag verkündigende Eschatologie, ihre Sitte und ihre Legende und richtete als der von Gott Gesandte ein neues Apostolat auf. *2

Mohammed hat weder die hebräische Bibel noch das Neue Testament gekannt, geschweige daraus abgeschrieben. Der Koran ist eine davon völlig unabhängige Neuschöpfung aus mündlichen Quellen. Schon der Name für Jesus im Koran, Isa, weist auf die Judenchristen hin. Nach einem Besuch bei dem Dortmunder Imam Ismail Zengin schenkte mir dieser ein Bild, das den Stammbaum des Propheten Mohammed darstellt. Dabei führte er aus: Wir, die Moslems, stammen von Ismael ab, die Juden von Jakob/Israel und ihr Christen von Esau. Diese Bemerkung verwundene mich, da sie mir sonst unbekannt war. Dann aber fiel mir auf, dass in dem Namen Isa das hebräische Wort für Esau, Esaw, stecken könnte. Die Judenchristen und ihr Begründer Jesus war für die Juden, die die Judenchristen aus der Synagogengemeinschaft ausgestoßen hatten, der feindliche Bruder Esau, der am Freiheitskampf gegen die Römer nicht teilgenommen hatte und über den Fall Jerusalems in Schadenfreude ausbrach. Später hat sich diese Gehässigkeit, die mit dem Namen Isa/Esau verbunden war, wohl verloren. Aber der Name blieb, im Arabischen wäre ja auf jeden Fall ein Jeschu möglich gewesen. *3

Man kann die Botschaft des Korans einen aktualisierten Monotheismus nennen. Gott umfasst alles. Selbst die Auferstehung ist bereits in die Schöpfung hineinverlegt.


O ihr Menschen, wenn ihr betreffs der Auferstehung im Zweifel seid, so haben wir euch erschaffen aus Staub, alsdann aus einem Samentropfen, alsdann aus geronnenem Blut, alsdann aus Fleisch, geformtem und umgeformten auf dass wir euch (unsere Macht) erwiesen. (Sure 22, 5-7)



Die kosmische Anbetung ist für jeden, der sehen will, erkennbar, da morgens und abends in den langen Schatten alle Welt vor Gott niederfällt.


Siehst du denn nicht, dass alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, sich vor Gott niederwirft, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Berge, die Bäume und die Tiere und viele Menschen? (Sure 22, 18)



Nur der Mensch ist ein Undankbarer. In der Not erinnert er sich Gottes, geht die Not vorüber vergisst er Gott.


Siehst du denn nicht, dass die Schiffe auf dem Meere durch Gottes Gnade eilen, um euch etwas von seinen Zeichen zu zeigen? Hierin sind wahrlich Zeichen für jeden Standhaften und Dankbaren. Und wenn sie eine Woge gleich Schatten bedeckt, dann rufen sie zu Gott in lauterem Glauben. Hat er sie jedoch zum Strand errettet, dann schwanken einige hin und her. Unsere Zeichen aber bestreiten nur alle Treulosen und Undankbaren. (Sure 31, 30)



Der Koran mit seiner Sprachwerdung Gottes sucht diesen Rückfall zu verhindern. Wer den Koran liest, erlebt sich ganz vom Sprechen Gottes umgriffen. Die ständige Rezitation des Korans ist der aktualisierte Monotheismus.

Aber der Islam beginnt nicht mit der Sendung des Propheten Mohammed. Wir müssen zwischen dem historischen Islam, der mit der Koranoffenbarung durch den Propheten Mohammed begann, und einem universalen Islam, der mit Adam als dem ersten Propheten in die Welt kam. Es gibt eine ganze Reihe oder Kette von Gesandten Gottes von Adam bis zum letzten Propheten, Mohammed. Zu diesen Gesandten gehören beispielsweise Rama, Buddha, Zarathusthra (Zoroaster), Noah, Abraham, Mose, Johannes der Täufer, Jesus u.a. Mit dem Auftreten dieser Gesandten ist die Entstehung einer Religion verbunden und der Empfang einer Offenbarung in Gestalt eines Buches. Es liegt also ein Islam-Kern allen Religionen zugrunde, was immer auch später sich um diesen legte. Der Islam ist die Ur-Religion in allen Religionen. Völker, zu denen kein Gesandter karr4 leben noch in der Unwissenheit (Dschahiliya), wie der Islam das Heiden- oder Völkertum nennt. Eine besondere Beziehung besteht im Koran zwischen den Gesandten Gottes Jesus und Mohammed. Der Koran enthält eine eigene Christologie, die manche Entsprechung zu den judenchristlichen Überlieferungen im Lukas-Evangelium und in der lukanischen Apostelgeschichte besitzt. Es ist eine Knecht-Gottes-Christologie im Unterschied zur Sohn- Gottes-Christologie in den Evangelien. Wie wird Jesus im Koran genannt? Er heißt dort der Gottesknecht, der Messias, Gottes Prophet und Apostel (Gesandter), Gottes Geist, Gottes Wort (Logos), er ist geboren von der Jungfrau Maria, in diesem Sinne ist er der zweite Adam, wie dieser unmittelbar von Gott geschaffen. Ob es im Koran zu einer wirklichen Ablehnung der Trinitätslehre kommt, ist umstritten. Abgelehnt wird die auch von der Reichskirche als häretisch abgelehnte Trinität: Gott, Maria, Jesus. Die Anschauungen des Korans ließen sich leicht mit der Auffassung des Arius in Einklang bringen, der den Logos (Wort bei Gott) auf der Ebene des Geschöpfes sieht. Auch hat die kirchliche Trinitätslehre nicht unmittelbar etwas mit dem historischen Jesus zu tun. Auf dies Problem geht die so genannte Zwei-Naturen-Lehre ein. Die ursprüngliche Intention der Trinitätslehre ist die Einheit Gottes als innergöttliche Entfaltung und Lebendigkeit dieser Einheit. Über diese Zusammenhänge hat die Diskussion zwischen Islam und Christentum noch gar nicht recht begonnen. *4

Ein schwerwiegender Unterschied zwischen offizieller christlicher Überlieferung und Koran scheint darin zu bestehen, daß nach koranischer Überlieferung Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Vielmehr heißt es in der Sure 4, 157:


Und wegen ihrer Rede: Wir haben ja den Messias, Jesus, Sohn der Maria, den Gesandten Gottes, ermordet, doch konnten sie ihn nicht töten, noch am Kreuz sterben lassen, sondern es erschien ihnen bloß so, und diejenigen, die das Gegenteil in dieser Sache behaupten, sind ja selber im Zweifel darüber, sie haben Sicherheit, sondern folgen einer Vermutung, da sie ihn nicht für sicher getötet hatten. (Übersetzung: Sadr-ud-din)



Dieses es erschien ihnen bloß so ist eine den Sinn zu vermitteln suchende Übersetzung des koranischen Ausdrucks wa lakin schubbiha lahum, und das heißt wörtlich vielmehr wurde er ihnen (den Juden) ähnlich gemacht (d.h. einem, der tatsächlich am Kreuz gestorben ist). Das übersetzen jetzt einige, leider auch Paret, im Sinne von Legenden, die in gnostischen Kreisen und später auch im Islam aufgekommen sind, als wäre für Jesus ein anderer unterschoben worden, der statt seiner gekreuzigt und am Kreuz gestorben ist. Wo man dieser Vorstellung einer Substitution oder Unterschiebung eines anderen für Jesus nachgibt, übersetzt man dann in folgendem Sinn: Vielmehr erschien ihnen (ein anderer) ähnlich (so dass sie ihn mit Jesus verwechselten und töteten). Aber der koranische Text zwingt gar nicht dazu, denn nicht er wurde ähnlich gemacht, Judas oder sonst einer, sondern Jesus wurde ähnlich gemacht für den Anblick der Juden, als wäre er tatsächlich am Kreuz gestorben. Denn davon war in der Rede der Juden ja vorher die Rede.

Es wird heute sehr lebhaft - auch im Zusammenhang mit dem Turiner Grabtuch - erörtert, dass Jesus noch lebend vom Kreuz abgenommen, dann in die Grabkammer zur weiteren Behandlung niedergelegt wurde und danach unter Umständen bis nach Kaschmir weiter gewandert sei. Ich kann für diese Vorstellungen hier nur auf die diesbezügliche Literatur (Holger Kersten, Elmar R. Gruber, Siegfried Oberineier u.A.) hinweisen. Sie haben sehr viel für sich, wenn man das Johannes-Evangelium - wohlgemerkt das ursprüngliche! - richtig liest. Dort heißt es nicht, dass Jesus am Kreuz gestorben sei, sondern dass er erhöht worden ist von der Erde (Job. 12,32, vgl. auch 3,24, 8,28). Das stimmt zusammen mit Sure 4, 158:


Nein, Gott hat ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig und weise.



Damit wird noch einmal ausdrücklich im Anschluss an den vorausgegangenen Vers 157 zurückgewiesen, dass Jesus am Kreuz gestorben sei und stattdessen betont, dass Gott ihn zu sich erhöht (rafa'a) hat. Gott hat seinen Gesandten nicht verlassen, sondern, so ergänzt Sure 23, 50, ihn und seine Mutter, nachdem er sie vorher in ein Land gerettet hatte, das einige auf Kaschmir deuten, zu sich in den Himmel erhoben:


Wir (=Gott) machten den Sohn der Maria und seine Mutter zu einem Zeichen und gaben ihnen Zuflucht auf einer Höhe, einem Ort der Sicherheit mit Wasser von fließenden Quellen.



Daraus folgt, dass der Koran sogar einen versteckten Hinweis auf die leibhafte Himmelfahrt der Maria gibt.

In der Sure 19 Meryem und in der Sure 3 die Sippe Imran wird die Geburtsgeschichte Jesu erzählt, die judenchristliche Überlieferung ähnlich der lukanischen enthält.

In der außerkoranischen Mahdi-Vorstellung werden Endzeit und Wiederkunft Jesu vorausgesagt. Die Welt treibt der Endzeit zu. Die Verhältnisse auf Erden verschlechtern sich. Der Mahdi (=ein von Gott Geleiteter) bringt das goldene Zeitalter. Nach diesem Zwischenreich eilt die Welt endgültig ihrem Ende entgegen. Der Antichrist (Daddschal) erscheint. Danach erscheint der zu Gott entrückte Jesus und verkündigt den universalen Islam. Die zweite Lebenshälfte Jesu wird also in die Endzeit gerückt. Dann erfolgt der erste Posaunenstoß Israfils. Alles wird tot niedergestreckt. Mit dem zweiten Posaunenstoß setzt dann das Jüngste Gericht ein.

Es gibt aber auch Hinweise auf Mohammed in der Bibel. 5. Mose 18,15 heißt es:



Einen Propheten wie mich wird der Herr dein Gott dir erwecken aus der Mitte deiner Brüder; auf den sollt ihr hören!



Auf diesen Propheten, der als der kommende zweite Mose erwartet wird, bezieht sich Jesaja 42,6. Dort heißt er der Gottesknecht, der den Volksbund stiftet. In diesem Sinne heißt er auch: der Prophet. In diesem Sinne gibt es in den Evangelien, besonders im Matthäus-Evangelium, den Versuch, Jesus als den zweiten Mose zu stilisieren, der einen neuen Bund stiftet. Aber Jesus hat keinen eigentlichen Volksbund gestiftet, es kam lediglich zur Bildung einer Kirche mit scharfer Trennung von aller Politik. Der zweite Mose soll aus der Mitte der Brüder Israels erweckt werden, und der Bruder Israels ist Ismael. Als der zweite Mose wird er alle bisherige Prophetie zum Abschluss bringen. In diesem Sinne heißt es in der Sure 33, 40:


Mohammed ist Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten.



Das heißt also: Die ganze Kette der Gesandten kommt zu einem Schlusspunkt, so wie ich eine Urkunde dadurch endgültig mache, dass ich ein Siegel darunter setze: Mohammed ist also der letzte Gesandte. Aber darin zeigt sich zugleich die unauflösliche Zusammengehörigkeit von Jesus und Mohammed. Das bringt Sure 61, 6 mit folgenden Worten zum Ausdruck:


Und da Jesus, der Sohn der Maria, sprach: O ihr Kinder Israel, ich bin Gottes Gesandter an euch, bestätigend die Tora, die vor mir war, und einen Gesandten verkündigend, der nach mir kommen soll, dessen Name Ahmed ist.


Dieser Name Ahmed hat die gleichen Stammkonsonanten HMD wie Mohammed. Es ist im Grunde genommen ein und dasselbe Wort, das der Gepriesene, der Gelobte bedeutet. Und das kommt nun zusammen mit einem Satz, den Jesus im Johannesevangelium in seinen Abschiedsreden gesagt hat (Joh. 16, 7):

Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, dass ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Paraklet nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden..., (V. 13) der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. *5

Mit diesem Jesuswort geht gut zusammen, dass Mohammed Wert darauf legt, dass er den Auditionen, der Stimme der Koranoffenbarungen, nichts hinzugefügt hat.

Es gibt in der Vorstellung der Judenchristen mit denen das Johannes-Evangelium zusammenhängt, nicht nur einen Messias, sondern zwei. Später ist der kirchliche Redaktor hinzugekommen und hat jedes Mal, wenn der Paraklet, also die Bezeichnung des zweiten Gesandten genannt wird, das Wort der Heilige Geist dahinter geklebt und so praktisch die jüdische und judenchristliche Tradition von den zwei Messiassen in die kirchliche Lehre von nur einem Messias und nur einem Geist Gottes, der dann auch nur in der Kirche wartet, umgebogen. Damit waren alle anderen draußen.

Es ist aber eine Eigentümlichkeit des Judenchristentums, dass man nicht nur einen Messias, sondern tatsächlich zwei erwartete. Und zwar geht diese Vorstellung von den beiden Gesandten zurück auf den so genannten Essenerorden, die Leute von Qumran. In den Schrift- Rollen von Qumran gibt es die Vorstellung, dass am Ende der Zeiten Gott die beiden Messiasse schicken werde. Der erste ist der Volksmessias aus dem Hause David, der später auch der Ben Josef, also der Sohn Josefs, genannt wird. Er wird auch als Kriegsmessias vorgestellt, der den Heiligen Krieg gegen die Römer durchfuhren und dadurch das Reich Gottes auf Erden aufrichten wird. Der Gründer der Dynastie David war ja der König, der Israel vollendete, indem er den Heiligen Krieg der Landnahme mit der Eroberung Jerusalems zum Abschluss brachte. Eine weitere Vorstellung war, dass dieser Messias fallen werde. Es gab natürlich viele Übergänge in diesen Ansichten, so dass man sie nicht zu stark vereinheitlichen darf. Dieser Auffassung scheinen Deutungen zu widersprechen, die Jesus auf Grund der Bergpredigt als einen radikalen Pazifisten vorstellen. Andererseits existieren Jesusworte, nach denen er nicht gekommen ist, Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert (Matthäus-Evangelium 10,34) und aus dem Gespräch Jesu mit seinen Jüngern beim letzten Mahl geht hervor, dass diese während des Einzugs in Jerusalem Waffen unter den Kleidern getragen haben und auch jetzt noch bereit sind, ihn damit zu verteidigen (Lukas-Evangelium 22,3). Diese Annahme einer gescheiterten Jesus-Revolution ist nicht ganz abwegig und stellt die Bergpredigt in das Licht einer Magna Charta für das Reich Gottes und für ein Übergangsverhalten bis zur endgültigen Aufrichtung desselben.

Neben diesem Messias aus dem Hause David wurde noch ein zweiter Messias, der hohepriesterliche Messias, erwartet, das ist der Grosse der aus dem Hause Aaron stammen und die eigentliche Erfüllung bringen wird. Dieser zweite Messias wurde bei den Judenchristen nach dem Auftreten des Messias Jesus noch erwartet. Die Judenchristen sahen ihn zunächst in dem Bruder Jesu, Jakobus. Von diesem Bruder Jesu wird in dem gnostischen Thomas-Evangelium eine eigenartige Aussage gemacht:



Es sprachen die Jünger zu Jesus: Wir wissen, dass du von uns gehen wirst. Wer ist's, der groß sein wird über uns? Jesus sprach zu ihnen: Am Ort, wohin ihr gekommen seid, werdet ihr gehen zu Jakobus dem Gerechten, dessentwillen der Himmel und die Erde geworden sind. (Spruch 12)



Jakobus ist also das Fundament der judenchristlichen Gemeinde und zugleich das Fundament des Universums. Er ist sowohl der Leiter der Urgemeinde von Jerusalem und der Sachwalter der judenchristlichen Gnosis. Von ihm geht die Weisheit aus, die die Rechtleitung für die Glaubenden enthält In der Väterliteratur ist Jakobus als der wahre Hohepriester in hohepriesterlicher Kleidung vorgestellt worden. Jakobus ist danach der zweite Gesandte oder Messias, der das Werk Jesu in jeder Hinsicht vollendet.

Nun ist dieser Jakobus von seinen Gegnern, von dem falschen Hohenpriester - die Essener nannten die Priester im Tempel zu Jerusalem die falschen Priester - getötet worden. Man hat ihn von einer Tempelzinne gestürzt und dann mit einem Knüppel erschlagen. Nach anderer Überlieferung soll er gesteinigt worden sein. Er ist ein Märtyrer. Und von daher war die Erwartung eines zweiten Messias oder Gesandten zunächst nicht verwirklicht worden. Man musste auf einen anderen warten.

Und diese Erwartung wird über das Judenchristentum zu den arabischen Christen weitergegangen sein. Das zeigt sich daran, dass ein aus dieser Tradition stammender Christ, Waraqa, ein Vetter von Mohammeds Frau Chadidscha, sofort, als die erste Offenbarung an Mohammed kam, erklärte: Der Engel Gabriel ist wahrhaftig zu ihm gekommen, wie er zu Moses kam, und er ist wahrlich der Prophet dieses Volkes! *6 Das heißt also, die Verheißung eines zweiten vollendenden Gesandten ist vom Judenchristentum in die arabische Erwartung übergegangen und ist dem Propheten Mohammed in der Sure 61 neu geoffenbart worden mit der Maßgabe, dass in ihm dieser zweite Messias gekommen ist. In diesem Sinne sind Jesus und Mohammed Brüder, und so hat sich Mohammed auch verstanden. Ja, er hat sich mit Jesus identisch gefehlt. Er hat sagen können: Ich bin Jesus.

Man kann also sagen, dass das Christentum jesuanischer Prägung und der Islam arabischer Prägung ganz nah beieinander stehen. Das Urchristentum, so gesehen, steht näher beim Islam als unser heidenchristlich geprägtes Christentum. Dazu kommt noch die Vorstellung vom wahren Propheten in der judenchristlichen Gemeinde. Sie ist verwandt mit der bereits erwähnten Vorstellung vom dem Propheten und dein damit verbundenen Vorstellungskomplex vom Gottesknecht. Nach dem Judenchristentum waren all die großen Gestalten der biblischen Heilsgeschichte von Adam über Moses bis zu Jesus ein Ausdruck des wahren Propheten, der in Jesus als zweiter Moses auftritt und die Tora von den falschen Perikopen (Bibelabschnitten) reinigt. Die Idee einer Verfälschung der heiligen Bücher bestand also schon in urchristlicher Zeit. Von diesem wahren Propheten heißt es dann weiter in einer urchristlichen Überlieferung:

Er ermahnt, allein zu einem Gott zu beten, hasst Opfer, Blutvergießen, beendet Kriege, predigt Frieden, macht barmherzig. *7

In welchem Sinne kann die Auffassung von Mohammed als Parakleten für einen Christen von Belang sein? Eine Brücke bildet Leasings Lehre von den drei Reichen, auf die wir schon hinwiesen. Lessing war der Meinung, dass auf das Reich des Vaters das Reich des Sohnes folge. Kennzeichnend für die Kirche sei die Spaltung in Kirche und Staat, Religion und Welt. Nun wollen wir aber weltlich so leben, dass wir darin den Willen Gottes erfüllen, Jesus verkündigte das Reich Gottes, aber es kam die Kirche hat Alfred Loisy gesagt. Das Reich Gottes ist aber die Aufhebung der Spaltung in Kirche und Staat, in den Einen Menschheitsbund, der aus göttlichem Willen lebt. Die umma, die von Mohammed gegründete islamische Gemeinde, bestehend aus der gleichberechtigten und autonomen Mitgliedschaft aller Leute der Schrift nach der Urverfassung von Medina, ist weder eine Staats- noch eine Kirchengründung. Sie ist din wa daula, Einheit von geistlichem und weltlichem Reich, und nimmt darin die Reichgottespredigt Jesu wieder auf Sie meint letztlich einen universalen Islam, der allen geoffenbarten Religionen zugrunde liegt. Dieser universale Islam ist das Bleibende, in dessen Namen Jesus als der eschatologische Mensch vor die Menschheit tritt.

Ich komme nun zum letzten Punkt, zum mystischen oder esoterischen Element der Lehre Jesu. Die Geheimlehre Jesu - denn um eine solche handelt es sich - ging in das Judenchristentum hinüber und lag, wie das Thomas-Evangelium zeigt, in den Händen des Jakobus. Das ursprüngliche Christentum kannte keine Dogmen. Es kannte aber Bilder und Gleichnisse für die, die draußen sind. Dem inneren Kreis aber enthüllte er den Sinn der Gleichnisse (Markus-Evangelium 4,33f). Aber genau diese Enthüllungen fehlen im Neuen Testament. Diese findet man vielmehr im Thomas-Evangelium. Dort heißt es, dass das Samenkorn, das man in den Acker streut, das Selbst, der göttliche Funke und Lichtkern in jedem Menschen ist, den es zu entwickeln gilt. Diese Geheimlehre teilte Jesus nur dafür bestimmten Jüngern mit. Es gab da einen engeren Dreierkreis. Außerdem einen Jünger, den Jesus liebte. Wir nennen ihn Johannes. Ob er wirklich Johannes hieß, ist eine andere Frage. Dieser Jünger hat Jesu Geheimlehre dann in das Johannes-Evangelium hineingeschrieben, das, wenn man die späteren kirchlichen Übermalungen wegdenkt, das älteste Evangelium im Neuen Testament ist. Durch die kirchliche Redaktion wurde es das Jüngste. Ein Nachklang dieser ursprünglichen Lehre ist, wenn man richtig zu lesen weiß, in den drei übrigen Evangelien des Neuen Testaments enthalten.

Und nun ist es interessant, dass auch in der islamischen Überlieferung die Geheimlehre eine Rolle spielt. Eine solche erscheint zunächst im Koran, beispielsweise in der Sure 4, die den Namen das Licht trägt, insbesondere in dem berühmten Lichtvers (V.35). Wer sich mit dem Koran beschäftigt, der wird in immer tiefere Schichten hineingeführt. Jedenfalls geht mir das so. Es hat eigentlich damit gar kein Ende, was da an Licht aus dem Koran hervorbricht. Er enthält zumindest potentiell eine esoterische Lehre, die sich allerdings nur dem aufschließt, der hingegeben ist an die Ausdrucksweise, den Sprachklang, die Verse, die ein Wunder darstellen in der Erscheinungswelt, weil sie dem Menschen die Brust öffnen zur Tiefe hin.

Und so wird gesagt, dass Mohammed seinen Vetter, Pflegesohn und Schwiegersohn Ali, den mystischen vierten Kalifen und ersten Imam der Schia, in die Geheimlehre eingeweiht habe, so dass es von daher, zumindest seit Ali, im Islam eine esoterische Tradition gibt, die auf den Propheten selbst zurückgeht. Aber vielleicht ist in den islamischen Mystikern eine uralte Tradition am Werke, die schwer auf ihre wirklichen Ursprünge hin zu erkennen ist.

Zu den Bezeichnungen, welche die Sufis sich selbst geben, gehört, dass sie sich Urchristen nennen. Das könnte einen sehr guten Sinn haben nach dert4 was ich Ihnen von der Geheimlehre Jesu vorgetragen habe. Ich kann sogar noch weiter gehen: Das Wollkleid, das erinnert doch ganz lebhaft an den Propheten Elias. Der lief doch auch in so einem härenen Gewande herum. Und dieser Elias hatte einen Prophetenkreis. Da wurde man eingeweiht in die geheimnisvollen Dinge, so dass auch seine Schüler geheimnisvoll wirken konnten. In Johannes dem Täufer erscheint ein solcher Sufi im härenen Gewand wieder. im Kreise Johannes des Täufers ist Jesus eingeweiht worden. Denn die Taufe ist ein Signal, ein Signum, ein Zeichen für eine Einweihung. Aus dem Kreise Johannes des Täufers ist wahrscheinlich das hervorgegangen, was sogar über den kirchlichen Bereich hinauswirkte, die große Bewegung der Gnosis. So haben es einige Kirchenväter verstanden.

Aber man muss noch einen Schritt weitergehen. In dem Propheten Mohammed tritt eine Gestalt auf, die, äußerlich betrachtet, dasteht wie einer unter anderen Propheten. Aber in diesem Moment hat sich nach mystischer Auffassung gleichsam dargestellt ein Licht, das Gott als Ausdruck des Selbst erschaffen hat, das so genannte Mohammed-Licht, oder Nur muhammadiya. Dieses Mohammed-Licht, das alle Propheten erleuchtet hat, ist der wahre Mensch, der Ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Dinge. Immer dort, wo Licht ist und Erkenntnis, da ist dies der göttliche Urbeginn der Grossen Welt (Makrokosmos) in der kleinen Welt (Mikrokosmos, der Mensch). Die Nur muhammadiya enthüllt den wahren Propheten in dem Propheten Mohammed. Daraufhin ist jeder einzelne von uns angelegt. Er ist in diesem Sinne der ersterschaffene Gottes, der Archetyp aller geschaffenen Menschen, der archetypische Mensch.

Vor lauter historischem Jesus haben wir längst vergessen, dass im Neuen Testament Jesus als der archetypische Mensch, der Menschensohn, vorgestellt wird, der in der himmlischen Welt von Gott als Erstling aller Seiner Werke geschaffen worden ist. Das ist also eine parallele Vorstellungsform zu dem, was im mystischen Islam über die Nur muhammadiya gesagt worden ist. Der archetypische Mensch ist mit den Eigenschaften Gottes, freilich auch in diesem Zustand Geschöpf, ausgestattet. Gestaltet euch mit den Eigenschaften Gottes aus! ist der Ruf, den der Prophet Mohammed an die Menschen ergehen lässt. Der Mensch ist das Abbild Gottes auf der geschöpflichen Ebene. In der letzten Tiefe ist Gott unerkennbar. Aber dadurch, dass ER Seine Eigenschaften erschafft - Er erschafft diese zunächst in dem urbildlichen Menschen -, gibt Er uns Anteil an Seiner Gnade.

Ein Erlebnis war für mich, als wir auf dem Kirchentag zu Nürnberg (1979) uns in einem Kreis, wo auch über den Islam gesprochen wurde und wo auch Moslems dabei waren, als freie Christen vorstellten und ich sagte: ich gehöre dem Bund für freies Christentum an, da kamen spontan die Moslems und sagten: Auch wir sind freie Christen! Das besagt doch wohl, wenn man sich öffnet für die Urbotschaft des Christentums, dann gibt es eigentlich nur noch die eine geheimnisvolle Lehre. Wie sich herausstellte, waren diejenigen, die das sagten, Sufis.




Anmerkungen


*1 Rudi Paret, Mohammed und der Koran, Stuttgart 1957, S. 58


*2 Adolf Schlatter, Die Geschichte der ersten Christenheit, Darinstadt 1971, S. 368


*3 Siehe dazu meinen Aufsatz, Esau - Ismael - Jakob - eine Miszelle zum Trialog, in:

Religionen im Gespräch,5. Band (RIG 5), hrsg. v. Reinhard Kirste, Paul Schwarzenau, Udo Tworuschka, Die dialogische Kraft des Mystischen, Balve 1998, S. 64-66


*4 Siehe dazu Muhammad Salim Abdullah, Islam für das Gespräch mit Christen, Gütersloh 1992, S. 145


*5 Die Vermutung, Paraklet stehe für ein ursprüngliches Periklytos hat viel für sich.

Periklytos bedeutet wie Ahmed und Mohammed der Gelobte, der Gepriesene.


*6 So nach Ihn Ishaq, Das Leben des Propheten, übers. v. Gernot Rotter, Tübingen und Basel 1976, S. 45


*7 Pseudo-Clementinen, s. Hennecke-Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung, 2. Bd, 3. Auflage, Tübingen 1964, S. 72








Ja bist du Moped...
...das ist ja schriftlicher Terror pur... tja, so sind's halt die Fundamentalisten...

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

13. Juli 2005 um 14:49
In Antwort auf elba_11867912

Naja, nicht so ganz freiwillig.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Frauen freiwillig verschleiern, denn wenn man in Saudi Arabien oder zum Beispiel im Iran ohne Schleier rumläuft, wird man mitunter verhaftet. Unter Freiwilligkeit verstehen ich, freie Meinungsäusserung, so dass sich eine mit Tschador und eine andere ohne mit Rock und normaler Bluse kleiden kann und das ist sicher nicht der Fall dort.

In ländern wie ägypten bestimmt freiwillig
jedenfalls wird hier keine verhaftet, wenn sie sich nicht verschleiert und sich leicht bekleidet.
trotzdem sieht man immer mehr bekopftuchte und ganz zuverschleierte frauen auf ägyptens strassen.
meine schägerin (ägypterin) hat sich vor 2 jahren auch zum totalschleier entschieden.
aus freien stücken (sie ist witwe) und aus freude daran.
das ist zwar für mich persönlich nicht ganz nachvollziehbar, da es das alltägliche leben eben auch ein gutes stück komplizierter macht, aber das recht darauf hat sie und das kann ihr keiner streitig machen.

wie weiter oben erwähnt: die erziehung, die haltung zum eigenen körper und zur blöße, die gottergebenheit- all das ist hier um so viele grad anders, dass man sich als ahnungsloser europäer davon kaum ein bild machen kann.
und was ich noch bestätigen kann: eine frau zum totalschleier zu zwingen gilt nach islam. verständnis als sünde. das ist dann umso glaubwürdiger, als ägypten doch als recht liberal eingestuft werden kann, wo es also anders als bspw. im iran keine kleidervorschrift gibt.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

14. Juli 2005 um 7:18

Die Frage kannst du auch zu dem Europäischen Kleidungsstil stellen
...habe heute 2 hübsche Frauen gesehen...bei der einen hingen die Brüste fast raus und bei der anderen war der Rock so kurz, dass man fast den Hintern hätte sehen können.

Machen das Frauen wirklich freiwillig...stellen sie sich-obwohl sie das nicht nötig hätten -wirklich aus freien Stücken so zur Schau...kann ich mir nicht vorstellen

Glaubt ihr das?

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

17. September 2005 um 13:33

Ein wenig mehr Offenheit ist gefragt
Wir müssen uns bei Diskussionen doch mal fragen worüber wir uns wirklich unterhalten.

Lassen wir uns mal die Frage untersuchen, ob sich alle Frauen freiwillig bedecken/verschleiern:
Die Antwort darauf ist eindeutig: NEIN!

Gibt es Frauen, die sich freiwillig verschleiern?
JA!

Das war ein wenig kurz, oder?

Jetzt mal ehrlich, wir müssen unsere Betrachtungsweise ein wenig unter die Lupe nehmen. Schauen wir uns doch mal Spanien an: Sind alle Basken "potentielle Freiheitskämpfer(oder Terroristen)"? Sind alle Protestanten oder Katholiken Mörder (siehe Nordirland)? Ist das Christentum Frauenfeindlich (siehe Hexenverfolgungen)? Oder ist es mehr der Fehler einiger/vieler Menschen, die meinen im Namen von etwas bestimmten etwas zu tun?

MÜSSEN WIR DA NICHT DIFFERENZIEREN?

Es gibt im Islam Dinge, die sind ähnlich wie die Verkehrsregeln. Wenn sie mal einer nicht befolgt, kann es zu einem großen/kleinen "Unfall" mit (schweren) Folgen kommen, muss nicht, sondern kann. Die Regeln sind dafür da um diese zu vermeiden. Sie sind da um für (mehr) Ordnung zu sorgen.

Andersrum gibt es Dinge, die einen persönlich angehen, die manchmal niemanden was angehen und manchmal auch andere Interessen kreuzen.

Wenn die Kinder einen Fehler machen, so müssen die Eltern diese darauf aufmerksam machen und daran arbeiten diese Fehler zu beseitigen. Wenn der Ehemann Fehler macht, so können seine Kinder ihn darauf aufmerksam machen, aber auch seine Ehefrau. Macht die Ehefrau Fehler, so können wiederum ihre Kinder sie darauf aufmerksam machen, aber auch ihr Ehemann. Was würden wir von Menschen halten, die das nicht machen? Die Kinder schlagen sich mit anderen Kindern, nehmen Drogen etc. Was würde wir über die Eltern denken, wenn sie nicht versuchen irgendetwas zu unternehmen?

Seien wir dabei bitte sehr ehrlich.

Wenn jemand im Bus sein Kind schlägt und nicht aufhört, würde es uns nicht wehtun und wer würde da nicht versuchen einzugreifen? Oder würden wir wegschauen, zuschauen oder gar applaudieren?

Im Islam hat der Mann und die Frau Rechte und Pflichten gegenüber dem Ehepartner. Zwang ist nicht vorgesehen, sondern gute Dinge mit schönen Mitteln nahezubringen.

Das ist nur ein Punkt. Wir sehen manchmal/öfter, dass es nicht so ist. Aber genauso sehen wir Menschen um uns, die nicht Moslems sind und ihre Kinder schlagen (egal ob Vater oder Mutter), ihre Frauen schlagen. Es gibt auch genauso Frauen, die ihren Mann unterdrücken.

Sind das nicht Fehler von Individuen? Was oft fehlt ist die richtige Erziehung, egal ob es nun die Eltern (Väter UND Mütter) oder die Schule vermaselt haben.


Ist es denn richtig sich ohne Grenzen über etwas auszulassen, alles mögliche darüber zu sagen, ohne sich wirklich mal darüber informiert zu haben? Nicht über die Quellen von Hunz und Kunz, sondern mal direkt über diejenigen, die dafür stehen, sollte man sich informieren.
Wenn man sich über richtige Kindererziehung informieren möchte, geht man da denn zu Eltern, die ihre Kinder nicht beachten und sie bei jeder Möglichkeit schlagen? Sollten wir uns dann nur an negativen Beispielen aufhalten und dadurch die Allgemeinheit verurteilen? Hat uns die Geschichte denn nicht schon oft genug gezeigt was es mit sich bringen kann, wenn man nur mit Vorurteilen handelt? Hat die Geschichte uns nicht gezeigt, was es Folgen mit sich bringt, wenn man sich über etwas nicht informiert?

Wenn wir wirklich jemanden verstehen wollen, müssen wir da nicht alle Masken abnehmen und versuchen objektiv an eine Sache ranzugehen?
Man kann sich durch Bücher und ähnlichem informieren. Ist es aber nicht sinnvoller auch irgendwann denn Schritt zu wagen persönliche Erfahrungen zu erleben?

Vorurteile und mangelhafte Bildung bringt viele tragische Folgen mit sich. Und es liegt an jedem einzelnen etwas zu tun und ob der Wille dafür da ist.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

17. September 2005 um 14:02

Gehört hier nicht rein, aber zum Thema Gebet, aber auch zum Theme Terror hier einige Sachen:
Ich will mich sehr kurz halten. Es sind andere Themen, wurden aber auch hier angesprochen.

Gebet ist im Islam Pflicht für Mann UND Frau (genauso wie Bedeckung). Auf mögliche Gründe möchte ich nicht weiter eingehen, Unterdrückung ist auf jeden Fall kein Grund. Das aber Menschen allgemein irgendwen aus welchem Grund auch immer unterdrücken ist wohl jedem bekannt.

Zum Thema Terror will ich nur folgende Dinge sagen:

Es gibt so was wie individuelle Rechte. Allah sagt im Qoran, dass er (leider kann man es nicht anders schreiben, es ist damit kein Geschlecht zu verstehen (Allah gleicht nichts was wir sehen können)), wenn er will, jede Sünde verzeihen (seine Eigenschaft: der Barmherzige), außer verletzte Rechte andere Menschen. Was nicht heißt, dass man deswegen jeden Dreck machen darf.
Diese Rechte schließen aber nicht nur Menschen ein, sondern auch Tiere:
Ein Mensch, der ein Tier bewußt verhungern läßt kann deswegen in die Hölle kommen, auch wenn er sonst nur gute Taten begangen hat. Andersrum kann ein Mensch, der vielen Pflichten nicht nachgegangen ist, und viele "vergebbare" Sünden begangen hat dafür ins Paradies kommen, wenn er einem durstigen Tier etwas zu trinken gibt.

Im Qoran steht geschrieben, dass das Töten eines einzigen Menschen genauso schlimm ist als ob Mann alle Menschen getötet hätte. Und wenn man nicht vergisst, dass man diesem Menschen das Recht zu leben genommen hat, wird man auch wissen, dass man durch Allah keine Verzeihung erwarten kann, da dies dem getöten überlassen ist. Wer so was weiss und daran wirklich glaubt, der wird nie ein Tier grob beiseite schuppsen und nie einem Menschen auch nur einen Haar krümmen. Ein Moslem muss selbst gegenüber Pflanzen vorsichtig sein. Ein unnötiges abreißen eines Aste (verschwenderisches Umgehen allgemein) ist im Islam nicht erlaubt und wird verpöhnt.

Aber auch hier ist mangelhafte Information und manchmal auch falsche Informtion der Grund für Fehlverhalten.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. Februar 2014 um 16:24

Hallo
es gibt Frauen, die sich gerne verschleiern, weil sie es erotisch finden. Ob sich die Frau wirklich freiwillig verschleiert, das weiß nur sie allen. Du könntest durch ein selbst Experiment, für dich die Antwort finden. du verschleierst dich und schaust auf die Reaktionen der anderen. Wenn jemand behauptet du wirst dazu gezwungen, dann kennst nur du dazu die (wirkliche) Antwort.
tschüs

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

19. Februar 2014 um 11:32

Vollverschleierung gehört abgeschafft!
ich finde das mit der Vollverschleierung schon merkwürdig. Ich möchte das Gesicht von meinem Gegenüber sehen können und finde, dass man sich dem auch anpassen sollte, wenn man hier lebt. Meiner Ansicht nach handelt es sich um eine extreme Randgruppe, die vorsichtig gesprochen den Islam fundamentalistisch auslegt. Was anderes ist ein normaler Schleier. Kann mir auch kaum vorstellen, dass das eine Frau freiwillig macht. Ansonsten kann jeder tragen, was er möchte.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

2. März 2014 um 20:39


ich tanze Bauchtanz und habe dabei auch oft ein Kostüm mit Schleier an und finde es toll. sehr mystisch. fragen wir uns doch einfach mal andersherum ob Frauen wirklich Minirock für sich tragen oder um ihren Männern zu gefallen. ich glaube nicht das menschen sich lange zu etwas zwingen lassen .. daher denke ich das die Frauen freiwillig dschador tragen.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

2. März 2014 um 20:41
In Antwort auf olya_12181871

Vollverschleierung gehört abgeschafft!
ich finde das mit der Vollverschleierung schon merkwürdig. Ich möchte das Gesicht von meinem Gegenüber sehen können und finde, dass man sich dem auch anpassen sollte, wenn man hier lebt. Meiner Ansicht nach handelt es sich um eine extreme Randgruppe, die vorsichtig gesprochen den Islam fundamentalistisch auslegt. Was anderes ist ein normaler Schleier. Kann mir auch kaum vorstellen, dass das eine Frau freiwillig macht. Ansonsten kann jeder tragen, was er möchte.


in dem einem Punkt geb ich dir recht. lieber wäre mir dann doch das Kopftuch da man dort das Gesicht erkennt und das natürlich grade wenn man mit jemanden spricht angenehmer ist.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

2. März 2014 um 20:44


ich finds halt nur schade das viele der Frauen tatsächlich sehr fundamentalistisch sind und mich daher als Christin nicht mögen obwohl ich nichts gemacht hab

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Denkt auch nur einer mal jemand an die Krimtartaren?
Von: muslim4u
neu
1. März 2014 um 17:13
Diskussionen dieses Nutzers
Lust auf mehr Farbe in deinem Leben?
wallpaper

Das könnte dir auch gefallen