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"Unsere Mütter, unsere Väter"

22. März 2013 um 1:40

Riesenhype um diesen Dreiteileiler...... Was aber, zum...., ist "neu", "erstmailig"? Nach der ersten Sendung war ich wütend. Bin Jg 1943. Alles, alles soooo lange bekannt. Außer der Gruppen-Story. Anschauung a la Hollywood. Bis zu meinem Alter von 20 war ich umgeben, ja:umgeben, von Menschen, die durch den Krieg traumatisiert waren. Angefangen bei der Generation der Eltern und Onkel/Tanten, weiter meine älteren Geschwister, deren Freunde, Pastoren, Lehrer, Spätstudierende, Bekannte, die junge Kriegsteilnehmer waren, Invaliden auf der Straße, Ausgebombte und Flüchtlinge. Filme und Bücher a masse, von Bernhard Wicki "Die Brücke", Wolfgang Borchert bis... 1968 kam das. als Nebenwirkung der Kritik an den Wiederaufbauern deutlich zum Tragen. Warum oder wodurch jetzt der Hype? Sabine Bodo "Die verlorene Generation" könnte jetzt heißen "vergessene Generation". Ich gehöre nicht dazu, weil ich keine konkreten Kriegserlebnisse habe, ich war zu klein für Erinnerungen, als meine Geschwister mit mir im Körbchen aus dem Flüchtlingszug stürmten, um dem Tieffliegerangriff zu entgehen. Gut für mich - sie sind traumatisiert. Bis zu meinem Erwachsenenalter war ich von solchen Leuten umgeben, ob sie redeten oder - meist - nicht. Auch wenn nicht: ich spürte und wußte, woran sie litten.
Kurz nach meiner Generation, vielleicht ab Jg 1948 oder so, bricht diese Erinnerung und Kenntnis ab, trotz 1968. Spätere Jahrgänge wandten sich von der Erinnerung offensichtlich sehr wirksam ab. Gut, freiwillig wollte ich, etwas früher, die ewigen Erinnerungen auch nicht gerne hören, habe mich abgegrenzt, "der Frieden ist auch nicht leicht zu gewinnen". Die Generation nach uns hat offenbar alles darüber ausgeblendet oder überhört. Wie kommt das? Bisher hielt ich das für unmöglich. Ist aber so, wie das Echo auf ZDF zeigt. Ignoranz oder dieselbe Abgrenzung wie meine etwas früher, die ich aber nicht vollenden konnte? - Meine Partnerin, JG 1947, war überrascht, als infolge des Echos auf ZDF mit tagelang die Erinnerung an die Leute von damals hochkam. Schreib das auf, sagt sie. Aber die Erinnerungen sind, bezogen auf die Individuen, nur Bruchstücke, nur das Gesamtbild als solches ist füllend. - Was meint Ihr dazu, wem geht es auch so oder anders?

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29. April 2013 um 11:39

Hallo Thomas,
woher kommt der "Hype" der Serie? Gute Frage.
Ich bin Jg.1959 und mir fällt dazu speziell der Erziehungsstil vornehmlich meiner Mutter (Jg.1931), von damals ein. Meine Brüder und ich wurden von "Kriegskindern" erzogen.....
Dieser war von Gehorsam, Drohungen, fast militärischem Drill zu Hause, von Sprüchen wie "Kinder haben den Mund zu halten, wenn "Erwachsene" sich unterhalten" und nicht zuletzt von Schlägen geprägt. Man hatte Angst, als Kind. Vor der eigenen Mutter! Es war meine Mutter, die so austickte. Mein Vater nicht, der hielt sich aus allem raus und war auch zu "weich", uns jemals zu drohen oder uns gar zu schlagen.
So gab es von unserer Mutter nicht mal eben "nur" einen "kurzen Trockenen" im Affekt, sondern richtige, geplante Prügelattacken mit Kochlöffeln, Holzpantoffeln usw., einer nach dem anderen bei uns. Erst meine Brüder, dann ich.
Unsere Mutter liess, so schien es, allen Hass und Frust, an uns aus. Mit einer enormen Brutalität und emot. Kälte! So nach dem Motte: den Gören geht es so gut heute, was haben wir früher gelitten.Uns wurde permanent Undank vorgeworfen! Meine Mutter hat meine Hände in den heissen Haferbrei getaucht, wenn ich den nicht runtergekriegt habe, ich ekle mich vor Milch und dann noch warmer. Die haben im Krieg gehungert und so fand meine Mutter, ich MUSS das essen!
......Später wurde ich im Rahmen einer Therapie gefragt : "......finden Sie das eigentlich normal, dass Ihre Mutter auf ihnen und ihren Brüdern einen Kochlöffel zerdischt hat?.....Sie erzählen das einfach so, als wär das normal....."
Stimmt, für mich und meine Brüder war das normal.
Mein einer Bruder verteidigte diese Verhalten später stets mit den Worten, "unsere Eltern wären eben in der Nazizeit aufgewachsen und seien vom Krieg verroht".....Punkt.
.
Ich denke der "Hype", wie Du schreibst kommt daher, dass es noch mehr Leute gibt, die jetzt im späten Erwachsenenalter mit Therapien anfangen......und denen jetzt erst bewusst geworden ist, woher ihre alten ,falschen "Glaubenssätze" stammen.....Gerade auch die Generation, aus der ich komme.......Es wird angefangen, Dinge, die als "normal" galten, zu hinterfragen. Ich weiss nicht, ob Du das jetzt mit Deinem Beitrag meintest.
Wär schön, wenn noch andere "Alte" hier aus dem Forum, mal berichten würden, wie sie das damals als Kind mit "Kriegseltern" empfunden haben.
Einen Gruß an alle
Christine

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29. April 2013 um 18:25
In Antwort auf freitag10

Hallo Thomas,
woher kommt der "Hype" der Serie? Gute Frage.
Ich bin Jg.1959 und mir fällt dazu speziell der Erziehungsstil vornehmlich meiner Mutter (Jg.1931), von damals ein. Meine Brüder und ich wurden von "Kriegskindern" erzogen.....
Dieser war von Gehorsam, Drohungen, fast militärischem Drill zu Hause, von Sprüchen wie "Kinder haben den Mund zu halten, wenn "Erwachsene" sich unterhalten" und nicht zuletzt von Schlägen geprägt. Man hatte Angst, als Kind. Vor der eigenen Mutter! Es war meine Mutter, die so austickte. Mein Vater nicht, der hielt sich aus allem raus und war auch zu "weich", uns jemals zu drohen oder uns gar zu schlagen.
So gab es von unserer Mutter nicht mal eben "nur" einen "kurzen Trockenen" im Affekt, sondern richtige, geplante Prügelattacken mit Kochlöffeln, Holzpantoffeln usw., einer nach dem anderen bei uns. Erst meine Brüder, dann ich.
Unsere Mutter liess, so schien es, allen Hass und Frust, an uns aus. Mit einer enormen Brutalität und emot. Kälte! So nach dem Motte: den Gören geht es so gut heute, was haben wir früher gelitten.Uns wurde permanent Undank vorgeworfen! Meine Mutter hat meine Hände in den heissen Haferbrei getaucht, wenn ich den nicht runtergekriegt habe, ich ekle mich vor Milch und dann noch warmer. Die haben im Krieg gehungert und so fand meine Mutter, ich MUSS das essen!
......Später wurde ich im Rahmen einer Therapie gefragt : "......finden Sie das eigentlich normal, dass Ihre Mutter auf ihnen und ihren Brüdern einen Kochlöffel zerdischt hat?.....Sie erzählen das einfach so, als wär das normal....."
Stimmt, für mich und meine Brüder war das normal.
Mein einer Bruder verteidigte diese Verhalten später stets mit den Worten, "unsere Eltern wären eben in der Nazizeit aufgewachsen und seien vom Krieg verroht".....Punkt.
.
Ich denke der "Hype", wie Du schreibst kommt daher, dass es noch mehr Leute gibt, die jetzt im späten Erwachsenenalter mit Therapien anfangen......und denen jetzt erst bewusst geworden ist, woher ihre alten ,falschen "Glaubenssätze" stammen.....Gerade auch die Generation, aus der ich komme.......Es wird angefangen, Dinge, die als "normal" galten, zu hinterfragen. Ich weiss nicht, ob Du das jetzt mit Deinem Beitrag meintest.
Wär schön, wenn noch andere "Alte" hier aus dem Forum, mal berichten würden, wie sie das damals als Kind mit "Kriegseltern" empfunden haben.
Einen Gruß an alle
Christine

Kriegskinder
Hallo Christine,
danke für Deine Antwort. Die einzige - kein heißes Thema. Jetzt ja auch in der Öffentlichkeit nicht mehr. OK - ich lese jetzt "Die verlorene Generation".
Gruß Thomas

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30. April 2013 um 0:50
In Antwort auf freitag10

Hallo Thomas,
woher kommt der "Hype" der Serie? Gute Frage.
Ich bin Jg.1959 und mir fällt dazu speziell der Erziehungsstil vornehmlich meiner Mutter (Jg.1931), von damals ein. Meine Brüder und ich wurden von "Kriegskindern" erzogen.....
Dieser war von Gehorsam, Drohungen, fast militärischem Drill zu Hause, von Sprüchen wie "Kinder haben den Mund zu halten, wenn "Erwachsene" sich unterhalten" und nicht zuletzt von Schlägen geprägt. Man hatte Angst, als Kind. Vor der eigenen Mutter! Es war meine Mutter, die so austickte. Mein Vater nicht, der hielt sich aus allem raus und war auch zu "weich", uns jemals zu drohen oder uns gar zu schlagen.
So gab es von unserer Mutter nicht mal eben "nur" einen "kurzen Trockenen" im Affekt, sondern richtige, geplante Prügelattacken mit Kochlöffeln, Holzpantoffeln usw., einer nach dem anderen bei uns. Erst meine Brüder, dann ich.
Unsere Mutter liess, so schien es, allen Hass und Frust, an uns aus. Mit einer enormen Brutalität und emot. Kälte! So nach dem Motte: den Gören geht es so gut heute, was haben wir früher gelitten.Uns wurde permanent Undank vorgeworfen! Meine Mutter hat meine Hände in den heissen Haferbrei getaucht, wenn ich den nicht runtergekriegt habe, ich ekle mich vor Milch und dann noch warmer. Die haben im Krieg gehungert und so fand meine Mutter, ich MUSS das essen!
......Später wurde ich im Rahmen einer Therapie gefragt : "......finden Sie das eigentlich normal, dass Ihre Mutter auf ihnen und ihren Brüdern einen Kochlöffel zerdischt hat?.....Sie erzählen das einfach so, als wär das normal....."
Stimmt, für mich und meine Brüder war das normal.
Mein einer Bruder verteidigte diese Verhalten später stets mit den Worten, "unsere Eltern wären eben in der Nazizeit aufgewachsen und seien vom Krieg verroht".....Punkt.
.
Ich denke der "Hype", wie Du schreibst kommt daher, dass es noch mehr Leute gibt, die jetzt im späten Erwachsenenalter mit Therapien anfangen......und denen jetzt erst bewusst geworden ist, woher ihre alten ,falschen "Glaubenssätze" stammen.....Gerade auch die Generation, aus der ich komme.......Es wird angefangen, Dinge, die als "normal" galten, zu hinterfragen. Ich weiss nicht, ob Du das jetzt mit Deinem Beitrag meintest.
Wär schön, wenn noch andere "Alte" hier aus dem Forum, mal berichten würden, wie sie das damals als Kind mit "Kriegseltern" empfunden haben.
Einen Gruß an alle
Christine

Unsere Eltern wären eben in der Nazizeit aufgewachsen und seien vom Krieg verroht".....Punkt.
Hallo Christine,
vorhin war ich in Eile - ich möchte Dir für die Schilderung Deiner Kindheitserlebnisse in der Familie ausdrücklich danken. Genau so schildert es ,eine Partnerin, Jg. 47, auch. Da hatte ich Glück mit meinen Eltern, da war das nicht so mit Schlägen usw.. Die Traumatisierung meiner älteren Geschwister lag mehr an den außerfamiliären Umständen: Alarme, Bunker, Flucht, keine Wohnung, Nachbarskinder mißtrauisch oder ablehnedn usw.. Das, was Du schilderst, erinnere ich mich jetzt durch Deinen Text, habe ich als Kind nur "am Rande" gelegentlich von anderen Familien gehört. Dazu gehört auch - was mir auch inzwischen einfiel - das es bei Eltern so zu ging, die das Alter meiner Geschwister (Jgg.1931-1938) hatten, und vor allem in Kinderheimen - ich hielt das damals, muss ich gestehen, für "normal".
Manometer! Thomas

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4. Mai 2013 um 15:56
In Antwort auf thomas0804

Kriegskinder
Hallo Christine,
danke für Deine Antwort. Die einzige - kein heißes Thema. Jetzt ja auch in der Öffentlichkeit nicht mehr. OK - ich lese jetzt "Die verlorene Generation".
Gruß Thomas

Hallo Thomas, Danke und schöne Grüße an Dich und Deine Frau
von Christine

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