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Ukraine-Krieg: 7 Dinge, mit denen du jetzt helfen kannst

Letzte Nachricht: 30. Juni um 19:35
goFemininTeam
goFemininTeam
01.03.22 um 14:06

Nach den erschütternden Bildern vom Krieg in der Ukraine, stellen sich sicher die meisten von uns die Frage, was wir tun können, um Betroffenen zu helfen. Und so hilflos man sich auch fühlt: Wir können und sollten sehr wohl etwas tun.

Wir haben 7 Dinge aufgelistet, mit denen wir helfen können: https://www.gofeminin.de/aktuelles/ukraine-krieg-so-konnt-ihr-helfen-s4037514.html
Angefangen von den Demonstrationen bis hin zu Geldspenden.

Habt ihr noch weitere Ideen, wie wir helfen können? Habt ihr selber schon bei den Demonstrationen mitgemacht, o.Ä. oder nicht?

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fuechslein-101
fuechslein-101
29.06.22 um 23:13

Kurz nach Kriegsbeginn kamen bei uns damals auf dem Bahnhof viele Flüchtlinge aus der Ukraine an. Sie wurden hier von der Bundespolizei erstregistriert, bevor sie nach Leipzig weiterfahren konnten. Auf dem Bahnhof wurden diese Geflüchteten vor allem von der Bahnhofsmission betreut aber auch vom DRK und der DB-Sicherheit. Über 2 Wochen durfte ich dort bei der Mission mithelfen und hatte erschütternde Erlebnisse in dieser Zeit.

Jeden Abend hatten wir ca 200 Geflüchtete, alles Ukrainer, vor allem aus der Gegend um Lwiw. Etwa 30 % Kinder im Vorschulalter, 20 % Schulkinder bis etwa 16 Jahre, der Rest Frauen.

Und gleich am ersten Abend ein Mann, vielleicht Mitte 60, wie aus einer anderen Zeit. Noch in Gummistiefeln, eine alte Stoffhose und Filzjoppe, auf dem Kopf eine verschlissene Tschapka, als wäre er mit seiner Frau direkt vom Acker geflüchtet. Sein Gesicht aschfahl, mit einem versteinerten Blick starrte er vor sich hin. Nur wenn seine Frau ihn ansprach, sah man, wie viel Liebe in ihm steckte. Eine kleine Familie wie aus einer anderen Welt, die vermutlich ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet hat und nun in einem fremden Land vor dem Nichts steht!

Ein paar Schritte abseits ein Mitarbeiter von der DB Sicherheit, mit Tränen in den Augen. Leise sagte er zu mir: "So kam ich vor 5 Jahren auch in Deutschland an. Ich bin aus Homs. Auch bei uns bombten die Russen!"

Meistens war es absolut still! Nicht das übliche Gemurmel, das Kinderlachen, welches man bei so vielen Kindern erwarten müsste! Nein. Es ist absolute Stille in dieser Bahnhofshalle hier in der Oberlausitz.

Ein paar zusätzliche Stühle in der Mitte dieser Bahnhofshalle, ein paar gespendete Plüschtiere warten darauf, von Kindern geknuddelt zu werden.

Die Halle füllte sich Tag für Tag sich mehr, auch der kleine Warteraum an der Seite. Tische, ein paar Stühle drumherum, in einer Ecke des Raumes ein provisorisch hergerichteter Wickeltisch, auf dem ein etwa einjähriger Junge tief und fest schlief. Behütet von seiner Mutter, in ihren Armen schlief ihr zweiter Sohn. Ihr Großer saß am Tisch und malte.

Er malte Bilder, die ein sechsjähriger Junge nicht malen sollte! Explodierende Bomben und Raketen! Und eine Eisenbahn. Am Rand des Bildes. Er bemerkte, dass ich ihn beobachtete. Und tippt mit seinem kleinen Finger neben das Blatt Papier. "є мир" (je myr) sagt er leise zu mir. "Dort ist Frieden."

Ich hocke mich zu ihm, antworte leise, um seine Brüder nicht zu wecken: "Так. Тут мир." (Ja, hier ist Frieden!).

Ich streichelte ihm sanft über den Kopf und verließ diesen Raum wieder. Er sollte meine Tränen nicht sehen.

Dies sind nur zwei Episoden meiner Zeit bei der Mission. Solche Szenen gab es fast täglich, zuviel, um alles aufzuschreiben. Und ja, diese Tage haben mein Leben verändert. Ich denke viel mehr über das Leben nach, denn ich hatte es vorm Gesicht, wie schnell sich dieses Leben gravierend ändern bzw. auch enden kann!

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D
dickunddoof
30.06.22 um 16:21
In Antwort auf fuechslein-101

Kurz nach Kriegsbeginn kamen bei uns damals auf dem Bahnhof viele Flüchtlinge aus der Ukraine an. Sie wurden hier von der Bundespolizei erstregistriert, bevor sie nach Leipzig weiterfahren konnten. Auf dem Bahnhof wurden diese Geflüchteten vor allem von der Bahnhofsmission betreut aber auch vom DRK und der DB-Sicherheit. Über 2 Wochen durfte ich dort bei der Mission mithelfen und hatte erschütternde Erlebnisse in dieser Zeit.

Jeden Abend hatten wir ca 200 Geflüchtete, alles Ukrainer, vor allem aus der Gegend um Lwiw. Etwa 30 % Kinder im Vorschulalter, 20 % Schulkinder bis etwa 16 Jahre, der Rest Frauen.

Und gleich am ersten Abend ein Mann, vielleicht Mitte 60, wie aus einer anderen Zeit. Noch in Gummistiefeln, eine alte Stoffhose und Filzjoppe, auf dem Kopf eine verschlissene Tschapka, als wäre er mit seiner Frau direkt vom Acker geflüchtet. Sein Gesicht aschfahl, mit einem versteinerten Blick starrte er vor sich hin. Nur wenn seine Frau ihn ansprach, sah man, wie viel Liebe in ihm steckte. Eine kleine Familie wie aus einer anderen Welt, die vermutlich ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet hat und nun in einem fremden Land vor dem Nichts steht!

Ein paar Schritte abseits ein Mitarbeiter von der DB Sicherheit, mit Tränen in den Augen. Leise sagte er zu mir: "So kam ich vor 5 Jahren auch in Deutschland an. Ich bin aus Homs. Auch bei uns bombten die Russen!"

Meistens war es absolut still! Nicht das übliche Gemurmel, das Kinderlachen, welches man bei so vielen Kindern erwarten müsste! Nein. Es ist absolute Stille in dieser Bahnhofshalle hier in der Oberlausitz.

Ein paar zusätzliche Stühle in der Mitte dieser Bahnhofshalle, ein paar gespendete Plüschtiere warten darauf, von Kindern geknuddelt zu werden.

Die Halle füllte sich Tag für Tag sich mehr, auch der kleine Warteraum an der Seite. Tische, ein paar Stühle drumherum, in einer Ecke des Raumes ein provisorisch hergerichteter Wickeltisch, auf dem ein etwa einjähriger Junge tief und fest schlief. Behütet von seiner Mutter, in ihren Armen schlief ihr zweiter Sohn. Ihr Großer saß am Tisch und malte.

Er malte Bilder, die ein sechsjähriger Junge nicht malen sollte! Explodierende Bomben und Raketen! Und eine Eisenbahn. Am Rand des Bildes. Er bemerkte, dass ich ihn beobachtete. Und tippt mit seinem kleinen Finger neben das Blatt Papier. "є мир" (je myr) sagt er leise zu mir. "Dort ist Frieden."

Ich hocke mich zu ihm, antworte leise, um seine Brüder nicht zu wecken: "Так. Тут мир." (Ja, hier ist Frieden!).

Ich streichelte ihm sanft über den Kopf und verließ diesen Raum wieder. Er sollte meine Tränen nicht sehen.

Dies sind nur zwei Episoden meiner Zeit bei der Mission. Solche Szenen gab es fast täglich, zuviel, um alles aufzuschreiben. Und ja, diese Tage haben mein Leben verändert. Ich denke viel mehr über das Leben nach, denn ich hatte es vorm Gesicht, wie schnell sich dieses Leben gravierend ändern bzw. auch enden kann!

Berührende Zeilen, die du schreibst.

Ich habe gleichwohl eine eher ambivalente Haltung.

Ich finde es bspw. wirklich problematisch, dass Ukranische Kriegsflüchtlinge mal eben so Hartz Iv Leistungen erhalten statt Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Sind Ukrainer "bessere" Flüchtlinge, dass sie einen Sonderstatus erhalten?
Einen Status, der sie sowohl gegenüber anderen Flüchtlingen aber auch gegenüber Deutschen Grundsicherungsempfängern bevorzugt.

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fuechslein-101
fuechslein-101
30.06.22 um 16:39
In Antwort auf dickunddoof

Berührende Zeilen, die du schreibst.

Ich habe gleichwohl eine eher ambivalente Haltung.

Ich finde es bspw. wirklich problematisch, dass Ukranische Kriegsflüchtlinge mal eben so Hartz Iv Leistungen erhalten statt Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Sind Ukrainer "bessere" Flüchtlinge, dass sie einen Sonderstatus erhalten?
Einen Status, der sie sowohl gegenüber anderen Flüchtlingen aber auch gegenüber Deutschen Grundsicherungsempfängern bevorzugt.

Ich habe auch ein Problem damit, dass Geflüchtete aus anderen Ländern deutlich benachteiligt werden. Dass Deutsche ALG II-Empfänger gegenüber den Ukrainern benachteiligt sind, sehe ich nicht. Zumal viele aus der Ukraine deutlich schneller eine Arbeitserlaubnis bekommen (auch so eine Bevorzugung ggü. anderen Geflüchteten) und auch sehr bemüht sind, einen Job zu finden!

Eine Freundin von mir, eine Musikerin, die ich schon viele Jahre kenne, hat keine 2 Tage gebraucht, um bei einer Mittelalterband eine Anstellung zu finden. 

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D
dickunddoof
30.06.22 um 18:47
In Antwort auf fuechslein-101

Ich habe auch ein Problem damit, dass Geflüchtete aus anderen Ländern deutlich benachteiligt werden. Dass Deutsche ALG II-Empfänger gegenüber den Ukrainern benachteiligt sind, sehe ich nicht. Zumal viele aus der Ukraine deutlich schneller eine Arbeitserlaubnis bekommen (auch so eine Bevorzugung ggü. anderen Geflüchteten) und auch sehr bemüht sind, einen Job zu finden!

Eine Freundin von mir, eine Musikerin, die ich schon viele Jahre kenne, hat keine 2 Tage gebraucht, um bei einer Mittelalterband eine Anstellung zu finden. 

Deutsche ALG II Empfänger haben teilweise Jahrelang in die Sozialsysteme eingezahlt und sind dann, im Fall der Arbeitslosigkeit, doch sehr schnell nicht mehr ALG-I berechtigt, sondern bekommen genauso wenig, wie die Menschen, die hier als Geflüchtete nie einen einzigen Cent eingezahlt haben - gerecht ist anders.

Zudem müssen deutsche Grundsicherungsempfänger regelmäßige Arbeitsbemühungen/Bewerbungen etc nachweisen, sonst können sie - grundsätzlich, die Sanktionen sind ja vorläufig ausgesetzt - sanktioniert werden.
Zudem wird erwartet, dass sie unabhängig von bestehenden Qualifikationen jede "zumutbare" Arbeit annehmen.
Auch das obliegt Ukrainern nicht. Hier gab es Wortmeldungen aus der Politik, die "forderten" und empfahlen, man solle Rücksicht nehmen auf mangelnde Sprachkenntnisse, und darauf achten Ukrainer nicht in schlecht bezahlte Jobs in der Gastro oder Pflege zu schicken.

Bei den "Klassen-Unterschieden", die man hier macht, braucht man sich über Unzufriedenheit - und mehr - in der Gesellschaft nicht wundern. 

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fuechslein-101
fuechslein-101
30.06.22 um 19:35
In Antwort auf dickunddoof

Deutsche ALG II Empfänger haben teilweise Jahrelang in die Sozialsysteme eingezahlt und sind dann, im Fall der Arbeitslosigkeit, doch sehr schnell nicht mehr ALG-I berechtigt, sondern bekommen genauso wenig, wie die Menschen, die hier als Geflüchtete nie einen einzigen Cent eingezahlt haben - gerecht ist anders.

Zudem müssen deutsche Grundsicherungsempfänger regelmäßige Arbeitsbemühungen/Bewerbungen etc nachweisen, sonst können sie - grundsätzlich, die Sanktionen sind ja vorläufig ausgesetzt - sanktioniert werden.
Zudem wird erwartet, dass sie unabhängig von bestehenden Qualifikationen jede "zumutbare" Arbeit annehmen.
Auch das obliegt Ukrainern nicht. Hier gab es Wortmeldungen aus der Politik, die "forderten" und empfahlen, man solle Rücksicht nehmen auf mangelnde Sprachkenntnisse, und darauf achten Ukrainer nicht in schlecht bezahlte Jobs in der Gastro oder Pflege zu schicken.

Bei den "Klassen-Unterschieden", die man hier macht, braucht man sich über Unzufriedenheit - und mehr - in der Gesellschaft nicht wundern. 

Ich kann dir auf Anhieb ein gutes Dutzend Deutsche nennen, die noch nie arbeiteten und trotzdem ihr ALG II kassieren. Viele von denen kinderreich, dürfen allein schon deswegen sich später über eine recht gute Rente freuen. Ohne sozialversicherungspflichtig gearbeitet zu haben.

Die Ukrainer in ALG II müssen genau wie alle anderen Auflagen erfüllen, sprich Bemühungen um Arbeit, hier aber auch die Teilnahme an Sprachkursen. 

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