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U-Bahn: jeder darf EINEN Sitzplatz nutzen, egal wofür. Oder??

24. September 2013 um 21:03

Hallo liebes Forum!

Die Stadt Berlin steht momentan pausenlos unter der kalten Dusche, das Wetter ist ungemütlich und grau, aber ich wollte mir die Laune dadurch nicht verderben lassen und bin gut gerüstet gen Mitte losgezogen, um mich mit warmen Wintersachen einzudecken. Einige Stunden später befand ich mich wieder auf dem Heimweg und bin in die U-Bahn gestiegen, beidhändig mit schweren Tüten, einer Handtasche und einem Regenschirm bepackt. Meine Schultern protestierten bereits unter der Last - denn ich bin zwar jung, habe aber einen leichten (kaum sichtbaren) Haltungsfehler. Zumindest schiebe ich darauf die Schulterschmerzen, die auftreten, wenn ich über längere Zeit Schweres trage. Andere Menschen wissen davon natürlich nichts. Ich sehe aus wie jede andere leistungsstarke Endzwanzigerin und müsste mir wohl ein Schild um den Hals hängen mit der Aufschrift "Aua!", um Situationen wie die folgende zu vermeiden.

Ich stand wie gesagt in der U-Bahn und hatte mich meiner Last erleichtert, indem ich die Tüten auf einen freien Platz gestellt hatte. Damit ihr mich nicht in einen Topf steckt mit jenen Typen, deren Baggage und Gesäß die ganze Sitzbank beansprucht, lasst mich dies noch einmal betonen: ich befand mich neben meinen Sachen im Stehen, benutzte also genau einen Platz, so wie alle anderen Fahrgäste auch. Auf den Boden legen wollte ich meine Tüten nicht, vor allem nicht bei diesem Schmuddelwetter. Der Fußboden in der Bahn ist generell nicht sauber und heute wirkte er besonders unappetitlich. Da der Dreck, der an einer Plastiktüte hängen bleibt, sich später beim Tragen gern auf die Kleidung überträgt, habe ich meine Sachen eben an einen sauberen Platz gestellt.
So weit lief alles prima. Ich rollte meine Schultern und verfiel in entspannte Tagträumereien vor der allgemein dahinraunenden Geräuschkulisse, als mich eine fordernde Stimme von nebenan aus meinen Gedanken riss. Ihr Begehren war die Fläche auf dem U-Bahn-Mobiliar, die ich bereits für mich eingenommen hatte. Die Dame hätte auch einen anderen Fahrgast bitten können, seinen Platz zu verlassen, aber das traute sie sich wohl nicht - denn sie war weder alt, noch wirkte sie gebrechlich. Sie hätte auf einen Sitzplatz verzichten können, so wie ich es tue, wenn ich nur leichtes Gepäck mit mir trage. Sie beharrte jedoch auf ihrem Wunsch und ich bin nicht der Typ Mensch, der auf Biegen und Brechen auf seine Bequemlichkeit besteht, so lange ich mich noch irgendwie aufrecht halten kann. Ich habe der Frau also den Platz überlassen - jedoch nicht ohne meinen Unmut auf ironische Art kundzutun. "Weil heute nicht Sonntag ist" bekam sie ihren Willen, aus keinem vernünftigeren Grund! Denn ich bin der Meinung, dass der zuerst mahlt, der zuerst kommt, und dass jedem Fahrgast gleichermaßen ein Sitzplatz zusteht, egal wofür er genutzt wird. (Natürlich nicht, um ihn als Fußabstreicher oder Leinwand für Graffiti"kunst" zu missbrauchen.)

Wie seht ihr das?
War ich moralisch verpflichtet, dieser körperlich scheinbar robusten Frau meinen Platz zu übergeben, obwohl ich ihn heute selbst nötig hatte?

Danke im Voraus für alle höflich formulierten Meinungen.

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2. Oktober 2013 um 15:58

Ich fühle mich in der U-Bahn am wohlsten, wenn ich stehe ...
Okay, das wäre natürlich eine Möglichkeit gewesen. Ich mag es nur nicht besonders, unter Massen von Zeugs begraben zu sein. Und ich stehe auch gern in der U-Bahn. Es mag sich absurd anhören wegen der "Unbequemlichkeit", die ich dadurch vielleicht auf mich nehme, entspricht aber der Wahrheit. Das Sitzen ist eine Körperhaltung, die ich in ruhigen Situationen einnehme. In der Gemütlichkeit meiner Wohnung sitze ich beispielsweise oder in einem Café, wo jeder Gast auf seinen eigenen Teller schaut. Eine U-Bahn aber ist in Bewegung und mit vielen Menschen gefüllt, die einander auf die Knie, den Hals oder direkt ins Gesicht blicken, weil es sich durch die Anordnung der Sitzbänke (anders als in einem ICE oder in einer Regionalbahn) nicht vermeiden lässt. Wenn ich stehe, befinde ich mich selbst in einer bewegungsbereiten Haltung und habe meistens die Möglichkeit, aus dem Fenster zu sehen, über die Köpfe der anderen Passagiere hinweg. Das Vorbeiziehen der schattigen Betonwände hinter der Reflexion meines Gesichts und dem Raunen des Zuges erfüllt mich dann mit Ruhe. So macht mir das Bahnfahren sogar Spaß. Im Sitzen fühle ich mich aber stets ein bisschen nervös, wenn ich mich an einem so extrem öffentlichen Ort aufhalte. Dies waren wohl meine unbewussten Beweggründe, den Platz zu räumen und mich stattdessen an eine der Türen zu stellen.

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16. Oktober 2013 um 10:38

Tatsächlich?
Na dann wünsche ich dir, dass du dich stets wohl fühlen wirst unter der Beglotzung deiner Mitfahrgäste und immer schön gesund bleibst, damit du so eine "Dreistigkeit" niemals nötig haben wirst ...

Herzliche Grüße
-- Claudia "Meergut"

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