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Türkische Kultur/Eltern/Erziehung vs. westliches Leben

11. Juni 2016 um 18:23

Hallo ihr Lieben!

Der folgende Text könnte eventuell sehr lang werden, nur mal so als Vorwarnung (es gibt sicherlich viele Diskussionen zu diesem Thema, doch ich möchte exakt meine Situation schildern)

Also erstmal ein paar Infos zu mir: Ich bin 19 Jahre alt, eine in Deutschland geborene Türkin und alles in allem zufrieden mit meinem Leben.
Doch seit geraumer Zeit -eigentlich seitdem der Prozess des Erwachsen- Werdens eingetreten ist- fällt mir immer mehr auf, dass es unglaublich schwierig ist, die türkische Kultur mit der westlichen zu vereinen oder unter einen Hut zu kriegen. Es ist so, als würden die Probleme an jeder Ecke lauern.

Zu meinen Eltern hatte ich schon immer ein sehr gutes Verhältnis, das sich jedoch im Laufe der letzten Jahre zu einem eher komplizierten Verhältnis gewandelt hat.
Ich weiß, dass meine Eltern mich über alles lieben und seit meiner Geburt wirklich alles gegeben haben, damit es mir (und seit 8 Jahren auch meinem kleinen Bruder) gut geht- ob finanziell oder seelisch usw. Mein Vater ist selbstständig mit seiner Firma und arbeitet dadurch eigentlich Tag und Nacht, die Trennung von Arbeits- und Privatleben ist nicht gegeben- und all das nur, damit es uns hier zuhause immer gut geht. Meine Mutter ist die fürsorglichste Mutter dieser Welt. Sie hat sich immer rührend um mich gekümmert, hat immer dafür gesorgt, dass ich alles hatte, hat immer sehr viel Wert auf Bildung gelegt (mir immer vorgelesen als kleines Kind, mich sprachlich gefördert etc) und mich zu einer vernünftigen, jungen Frau erzogen. Ihr habe ich auch zu verdanken, dass ich ein akzentfreies deutsch spreche, dass ich ein empathiefähiger Mensch bin und in unseren Kreisen als intelligentes und vernünftiges Mädchen bekannt bin (das soll alles keinesfalls eingebildet klingen!)- alles in allem liebe ich meine Eltern wirklich unglaublich sehr und bin ihnen dankbar für all das, was sie für mich getan haben.

Doch wir ecken immer mehr an. Es fängt bei Kleinigkeiten wie "Bis wann darf ich ausgehen?" an. Sowas ist bei meinen deutschen Freundinnen und bei meiner einzigen, richtig guten, türkischen Freundin eigentlich gar kein Thema mehr; es wird gesagt um die und die Uhrzeit bin ich weg und gut ist. Teilweise ist das bei mir auch so, aber meistens läuft es so ab, dass ich weg bin, dass es vorher noch Streit gab weil ich natürlich länger als nur 12 wegbleiben möchte oder spontan vor Ort mit meinen Freunden entscheide möchte, wohin es geht und dass ich, während ich aus dem Haus bin, angerufen werde und mir gesagt wird ich soll sofort nach Hause kommen etc. Diese kleine Einschränkung nimmt mir so viel an Spontaneität und eigentlich bin ich der spontanste Mensch auf der Welt. Ich würde einfach in meinem Alter (in drei Monaten werde ich 20) auch gerne sagen können, dass ich mal ohne Stress weggehen kann. Ich war bis jetzt auch immer die erste die von irgendwelchen Partys nach Hause musste. Grundsätzlich darf ich sowieso nur auf private Geburtstage und auf Abifeten, Discos/Clubs sind tabu, wobei es vor jeder Fete auch immer mega Stress gab. Letztendlich darf ich dann (meistens) weg, doch der Spaß ist mir dann schon oft vergangen. Die Abende habe ich immer geliebt, beim Tanzen schalte ich einfach komplett ab und an sich ist es meine große Leidenschaft zu tanzen. Doch seit Oktober (!) letzten Jahres durfte ich dann auch nicht mehr auf diese Feten, weil ich wegen eines Vorfalls auf unbegrenzte Zeit Hausarrest bekommen habe. Mit 19.
Das längste war bis jetzt 3 oder halb 4 und das auch nur einmal und danach hat es richtig gekracht..
Es macht mich teilweise schon richtig fertig, wegen jeder Kleinigkeit immer zu fragen und auch mal betteln zu müssen und nichts richtig stressfrei machen zu können.

Was noch dazu kommt ist, dass ich seit knapp 7 Monaten einen deutschen Freund habe. Mein Vater darf nichts davon wissen, meine Mutter weiß es und terrorisiert mich regelmäßig damit und fängt ständig Streit an. Ich kann absolut nachvollziehen, dass es eine große Belastung für sie ist. Sobald die ganzen Türken aus unserem Umkreis davon Wind bekommen, wird sie die Schuld von allen Seiten dafür bekommen, mich mit einem Deutschen "zusammen gelassen" zu haben. Ich hasse dieses Denken wirklich abgrundtief, aber es ist nahezu unmöglich, sich dagegen zu stellen- die Menschen werden sich da einfach nicht ändern. Aber ich bin glücklich mit ihm, er behandelt mich wie eine Prinzessin und steht immer hinter mir- wie kann das falsch sein? Ja, die Religion sagt da etwas anderes, aber sollte ich nicht selber entscheiden dürfen, wer für mich als Partner gut ist?
Zudem darf ich bezüglich meiner Zukunft kaum noch was richtig selber entscheiden. Mein Abi habe ich grade mit einem 2er Schnitt bestanden und mein Plan war ein Zahnmedizinstudium. Dem stimmen sie auch zu und sind zufrieden damit, es hieß sowieso immer, dass ich die Wahl hätte. Pusteblume. Denn die Schauspielerei, vor allem im Theater hat mir auch schon immer großen Spaß gemacht und nach immer äußerst positivem Feedback zu meinem Schauspiel und meiner 15-Punkte- Abiturprüfung in diesem Bereich könnte ich mir die Ausbildung an einer Schauspielschule auch sehr gut vorstellen. Die erste Reaktion meiner Eltern: "Das kannst du vergessen! Sowas lassen wir niemals zu! Wenn du dich gegen unseren Willen da bewirbst bist du nicht mehr unsere Tochter". Solche Sprüche sind mittlerweile der Horror für mich und mir brennen alle Sicherungen durch, weil ich Angst habe, nichts frei entscheiden zu dürfen in den nächsten Jahren.
Wir hatten die Abmachung, dass ich während des Studiums wegziehen dürfte, doch jetzt heißt es plötzlich auch noch "Nein, du wirst zuhause bleiben. Keine Diskussion!". Ich könnte heulen bei der Vorstellung daran, noch einige Jahre hier zu bleiben. Ich fühle mich teilweise richtig meiner Freiheit und meines Glücks beraubt, war letztens sogar an dem Punkt, an dem ich mich selbst verletzt habe um etwas zu spüren. Ich war voller Wut, Enttäuschung, Verzweiflung und Ohnmacht, was anderes habe ich nicht mehr gespürt. Alles wird immer damit gerechtfertigt, dass sich türkische Mädchen nicht so zu verhalten haben wie ich es tue und dass ich mich unterordnen müsste und alles kommentarlos hinnehmen soll. Schon beim scheiben grade werde ich wieder wütend..
Außerdem mischt sich meine Mutter in wirklich jede Kleinigkeit meines Lebens ein, sei es das T-Shirt das ich trage oder wie ich mir meinen Kartoffelbrei auf dem Teller platziere oder wie ich den Staubsauger halte. Es sind diese unnötigen Kleinigkeiten, die jeden einzelnen Tag zum Streit führen und langsam fehlt mir wirklich nur noch die Kraft. Ich könnte tagelang schlafen und kriege manchmal schon Angst und schlimme Beklemmungen, wenn ich nur ihre genervte oder wütende Stimme höre. Ständig geht es um dieses unnötige Zeug und aufräumen blablabla. Ich weine regelmäßig und bin öfter lieber draußen als zuhause, wenn mal wieder so eine schlimme Phase ist. Sie durchsucht auch oft mein ganzes Zimmer nach wasweißich und reißt alle Schubläden und Schränke auf mit dem Argument "Ich bin deine Mutter, ich darf das, deine Privatsphäre ist mir egal!".

Andauernd wird von mir erwartet, mich wie eine Mustertürkin zu verhalten. Ich bin aber nun mal hier und nicht in der Türkei großgeworden! Ständig, jeden Tag und jede Stunde steht mir dieser Konflikt im Weg. Ausziehen ist die einzige Lösung, das weiß ich nach unzähligen Streits und nach viel Geschreie. Doch selbst wenn ich mich für das Zahnmedizinstudium bewerben würde, würde ich nicht direkt angenommen werden und müsste in der Zeit zur Überbrückung eine Ausbildung zur Zahntechnikerin machen- wie soll ich weitere drei Jahr hier zuhause verbringen, ohne psychisch komplett kaputt zu gehen?!
Ständig höre ich, dass ich keine Türkin sei, dass nur Sch****** sich so verhalten würden wie ich, dass ich keine Ehre hätte usw. Wobei doch alles was ich will ganz normale Freiheit und vor allem Entscheidungsfreiheit ist. Unser Verhältnis wäre so viel entspannter, wenn ich nicht mehr zuhause wohnen würde..

Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir Tipps geben, wie ich das Ganze überstehen/lösen kann? Vielleicht mag manch einer denken, dass ich übertreibe und manchmal denke sogar ich das, weil es mir sonst ja sehr gut hier geht und ich meine Familie trotz allem unfassbar sehr liebe, aber wenn wieder diese unnötigen Situationen eintreten, halte ich es kaum noch eine Sekunde hier aus.

Über ernst gemeinte und hilfreiche Antworten würde ich mich freuen

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11. Juni 2016 um 19:12

Hallo
und herzlich willkommen!
Dein Text hat mich irgendwie gerührt-deswegen meine Antwort.
Du bist sehr reif und reflektiert und du erwartest nicht zuviel-mit 19 Jahren hast du das Recht auf freie Entscheidungen.

Zu deinen Eltern-türkische Eltern sind überfürsorglich-mein Mann ist auch Türke und er musste in diesem Alter auch immer genau sagen, wo er ist und es wurde hinterher telefoniert
Es ist nicht nur das Geschlecht das du weiblich bist-Söhnen kann es auch so gehen.
Deine Eltern leben zwischen den Welten westlich und traditionell-sie haben sich noch nicht angepasst oder sind ganz frei-sehe es ihnen etwas nach-es ist nicht leicht in einem fremden Land neu anzufangen und fremd zu sein.
Du bist aber die nächste Generation und du bist frei!

Du musst überlegen was dir wichtiger ist-eine gute Beziehung zu deinen Eltern-dann wirst du dich einschränken müssen.
( auch viele dt Eltern geben den Kindern vor-was studieren sollen usw)
Oder du machst dich frei und entscheidest für dich-du könntest auch in eine eigene Wohnung ziehen zsw
Ich würde das studieren-was du willst und wegzuehen, dann kannst du dich mal selber finden und schauen, wie du leben willst und wie deine Werte sind.
Ich könnte dir auch Frauenberatungsstellen empfehlen-gerade der Konflikt mit Kulturen/Religion usw-die können dich mental vielleicht begleiten und stärken.
Es wird nicht leicht-aber ich glaube du musst dich emanzipieren.
Deine Eltern wirst du nicht ändern können-aber vielleicht überdenken sie sich auch nochmal neu.

Alles Liebe!

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12. Juni 2016 um 14:33

In deiner situation kannst du nicht beides haben
aber du hast die wahl .

ich würde mich immer für die familie entscheiden , denn freunde kommen und gehen .

ps. ich bin deutsch

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12. Juni 2016 um 17:21

Wenn ich einer religion angehöre
gibt es regeln und gehorsamkeit , dafür bekommt man schutz und geborgenheit , wenn ich keiner angehöre dann gibt es nichts davon , außer mich selbst und eltern die einen bei zeiten abnabeln ... sie hat die wahl .

und kein mensch ist jemals frei .

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12. Juni 2016 um 19:15

Das kann sie doch
ihre eigenen erfahrung machen , sie muss nur eine wahl treffen .

das ist das schwierige .

ich hatte nie so eine starke familienbande , daß war nicht üblich in der DDR , ich hätte mir mehr davon gewünscht , sehr viel mehr .


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12. Juni 2016 um 20:00

Ich glaube
wir gehen da mal anders heran:

Erst einmal: Schauspielschule?
Hör auf Deine Eltern und lern was Vernünftiges!

So, Studium der Zahnmedizinm, gute Idee und selbst wenn Du in eine andere Stadt gehst, Deine Eltern müssen für Deine Ausbildung aufkommen, dh Du kannst es finanziell riskieren.
Problem wäre die Ausbildung vorweg, denn Deine Eltern sind nur verpflichtet die erste Ausbildung zu unterstützen.

Vielleicht solltest Du einmal darüber nachdenken, was geschieht, wenn Du wirklich den Wünschen Deiner Familie entsprichst: Du hast eine Ausbildung, vielleicht ein abgeschlossenes Studium und was dann?
Heiraten und Familie gründen? Hausfrau werden, wie es sich gehört? Und all die Arbeit für das Studium war umsonst?

Und noch ein Punkt:
Sprich mal mit Deinen Altvorderen über Ehre.
Deine Ehre kann Dir niemand nehmen, die kannst Du nur für Dich selbst verlieren. Alles andere ist bloß Dein Ruf und der ist weder relevant für Deinen Gott, noch macht Dich das, was andere Leute denken zu einem schlechten Menschen.
Außerdem ist es unehrenhaft Lügen über andere Menschen zu verbreiten, nur für den Fall, dass Dich mal wieder jemand als Sch... bezeichnet.

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14. Juni 2016 um 14:36


Hat sie sich überhaupt mal gemeldet?

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18. August 2016 um 9:34

Das kommt mir bekannt vor...
Liebe Sadi,

deine Geschichte kommt mir sehr bekannt vor. Ich bin auch eine in Deutschland geborene Türkin, 27 Jahre alt.

Genau zu der zeit, wo ich auch 20 Jahre alt war, hatte ich ähnliche Konflikte mit meinen Eltern. Ich muss jedoch sagen, dass es bei mir etwas entspannter war. Mein Zimmer wurde zB. nie durchsucht, oder auch als Sch... wurde ich niemals bezeichnet. Jedoch gab es immer wieder die selben Probleme bzgl. des Ausgehens, etc. Tagsüber war es nie ein Problem, da durfte ich so oft und lange wegbleiben wie ich nur wollte. Doch grad an den Wochenenden, wenn es darum ging mal länger als 2-3 Uhr Nachts wegzubleiben, gab es Auseinandersetzungen. Ich muss sagen, zu der Zeit hat es mich wahnsinnig genervt, da all meine Freunde die Freiheiten hatte nur ich nicht. Alle waren feiern, ich hingegen musste jedesmal gegen 12-1 Uhr eine neue Ausrede finden, weshalb ich nicht mit kann. Ich muss sagen, gerade in dem Alter legt man viel wert drauf, "dazuzugehören". Was ja auch nicht schlimm ist, doch du musst auch deine Eltern verstehen können. Die machen sich Sorgen um dich, weil Sie dich sehr lieben. Fragen wie " Was ist wenn ein betrunkener Mann meine Tochter auf dem Heimweg belästigt"; "Sind das Freunde, bei denen Sie sicher ist?" und und und. Ich glaube, man kann sich das nicht vorstellen, ohne selbst Kinder zu haben. Doch natürlich darf man einen jungen Menschen nicht zu sehr einengen, denn es ist eine Lebensphase wo man die Freiheit braucht, um sich selbst zu entdecken.
Bei meinen Eltern ging das ganze so bis ca. 20, danach hatte ich immer mehr Freiheiten und irgendwann, wo die wussten, OK Sie ist nun erwachsen und kann verantwortungsvoll Ihre Entscheidungen treffen, ab dem Zeitpunkt an durfte ich tun und machen was ich wollte.

Man muss sagen, dass in der "Türkischen Gesellschaft" leider viel geredet wird.... und das wird den jungen Mädels leider sehr oft zum Verhängnis.

Bedenken musst du auch, dass bei uns Türken das Thema Familie immer an erster Stelle ist. Viele von uns kommen aus sehr guten und liebevollen Familien. Der Zusammenhalt ist ein ganz wichtiger Punkt. Daher fällt es "unseren" Eltern glaube ich besonders schwer, loszulassen.

Mein Rat nun an dich, sei geduldig und reagiere nicht über. Stattdessen versuche das Vertrauen deiner Eltern zu gewinnen, immer mehr und mehr. Z.b. kannst du denen doch mal anbieten, dich auch zur Party hinzufahren und später auch abzuholen? Damit die es sehen? Oder lade deine Freunde doch mal zum essen ein? Damit die auch wissen, mit welchen Menschen du so unterwegs bist. Das sind alles wichtigte Aspekte. Und das aller wichtigste ist: REDEN REDEN REDEN. Glaube mir... sei aber nicht rebellisch! Versuche immer vernünftige und ruhige Gespräche zu führen. Und bzgl. deiner Mutter und Ihrer launischen Art, konfrontiere sie doch mal damit? Sag Ihr klipp und klar, dass du inzwischen eine junge Frau bist und die so mit dir nicht umgehen darf. Sowas reizt an den Nerven.

Liebe Sadi, nicht mehr lange und all das wird entspannter sein. Sei nur geduldig. Reden offen mit deinen Eltern, so wie du es hier so schön beschrieben hast. Vllt. werden Sie dich dann eher verstehen können?

Vieles kommt und geht, und all die Partys sind nicht immer so toll, wie man es zu Anfang denkt.. Schätze das, was du hast. Nämlich eine liebevolle Familie... das ist das wichtigste im Leben (für mich zumindest). Was bringen dir die Partys, Bekanntschaften, etc. wenn du am Ende des Tages keine Eltern hast, die hinter dir stehen? Kämpfe für deine Freiheit, jedoch mit Vernunft und mit Beistand deiner Familie.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!

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9. Dezember 2016 um 12:49
In Antwort auf dz0603

Das kommt mir bekannt vor...
Liebe Sadi,

deine Geschichte kommt mir sehr bekannt vor. Ich bin auch eine in Deutschland geborene Türkin, 27 Jahre alt.

Genau zu der zeit, wo ich auch 20 Jahre alt war, hatte ich ähnliche Konflikte mit meinen Eltern. Ich muss jedoch sagen, dass es bei mir etwas entspannter war. Mein Zimmer wurde zB. nie durchsucht, oder auch als Sch... wurde ich niemals bezeichnet. Jedoch gab es immer wieder die selben Probleme bzgl. des Ausgehens, etc. Tagsüber war es nie ein Problem, da durfte ich so oft und lange wegbleiben wie ich nur wollte. Doch grad an den Wochenenden, wenn es darum ging mal länger als 2-3 Uhr Nachts wegzubleiben, gab es Auseinandersetzungen. Ich muss sagen, zu der Zeit hat es mich wahnsinnig genervt, da all meine Freunde die Freiheiten hatte nur ich nicht. Alle waren feiern, ich hingegen musste jedesmal gegen 12-1 Uhr eine neue Ausrede finden, weshalb ich nicht mit kann. Ich muss sagen, gerade in dem Alter legt man viel wert drauf, "dazuzugehören". Was ja auch nicht schlimm ist, doch du musst auch deine Eltern verstehen können. Die machen sich Sorgen um dich, weil Sie dich sehr lieben. Fragen wie " Was ist wenn ein betrunkener Mann meine Tochter auf dem Heimweg belästigt"; "Sind das Freunde, bei denen Sie sicher ist?" und und und. Ich glaube, man kann sich das nicht vorstellen, ohne selbst Kinder zu haben. Doch natürlich darf man einen jungen Menschen nicht zu sehr einengen, denn es ist eine Lebensphase wo man die Freiheit braucht, um sich selbst zu entdecken.
Bei meinen Eltern ging das ganze so bis ca. 20, danach hatte ich immer mehr Freiheiten und irgendwann, wo die wussten, OK Sie ist nun erwachsen und kann verantwortungsvoll Ihre Entscheidungen treffen, ab dem Zeitpunkt an durfte ich tun und machen was ich wollte.

Man muss sagen, dass in der "Türkischen Gesellschaft" leider viel geredet wird.... und das wird den jungen Mädels leider sehr oft zum Verhängnis.

Bedenken musst du auch, dass bei uns Türken das Thema Familie immer an erster Stelle ist. Viele von uns kommen aus sehr guten und liebevollen Familien. Der Zusammenhalt ist ein ganz wichtiger Punkt. Daher fällt es "unseren" Eltern glaube ich besonders schwer, loszulassen.

Mein Rat nun an dich, sei geduldig und reagiere nicht über. Stattdessen versuche das Vertrauen deiner Eltern zu gewinnen, immer mehr und mehr. Z.b. kannst du denen doch mal anbieten, dich auch zur Party hinzufahren und später auch abzuholen? Damit die es sehen? Oder lade deine Freunde doch mal zum essen ein? Damit die auch wissen, mit welchen Menschen du so unterwegs bist. Das sind alles wichtigte Aspekte. Und das aller wichtigste ist: REDEN REDEN REDEN. Glaube mir... sei aber nicht rebellisch! Versuche immer vernünftige und ruhige Gespräche zu führen. Und bzgl. deiner Mutter und Ihrer launischen Art, konfrontiere sie doch mal damit? Sag Ihr klipp und klar, dass du inzwischen eine junge Frau bist und die so mit dir nicht umgehen darf. Sowas reizt an den Nerven.

Liebe Sadi, nicht mehr lange und all das wird entspannter sein. Sei nur geduldig. Reden offen mit deinen Eltern, so wie du es hier so schön beschrieben hast. Vllt. werden Sie dich dann eher verstehen können?

Vieles kommt und geht, und all die Partys sind nicht immer so toll, wie man es zu Anfang denkt.. Schätze das, was du hast. Nämlich eine liebevolle Familie... das ist das wichtigste im Leben (für mich zumindest). Was bringen dir die Partys, Bekanntschaften, etc. wenn du am Ende des Tages keine Eltern hast, die hinter dir stehen? Kämpfe für deine Freiheit, jedoch mit Vernunft und mit Beistand deiner Familie.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!

Vielen Dank für diese lieben und verständnisvollen Worte. 
Ich habe mich hier lange nicht mehr gemeldet, das ist übrigens auch das erste Forum bei dem ich aktiv bin und das Ganze geriet in Vergessenheit.
Mittlerweile bin ich ausgezogen und habe ein Studium angefangen, bei dem ich dachte es könnte eventuell doch zu mir passen, aber Pusteblume. Also noch ein Problem am Hals. Und das Ausziehen an sich hat rein gar nichts bewirkt. Immer noch die selben Themen, über die gestritten wird. Selbst wenn ich in meiner eigenen Wohnung bin, wird mir vorgeschrieben was ich zu tun und lassen hab a la "Bloß nicht nach 20 Uhr noch aus dem Haus!"... Einmal war ich um 21 Uhr kurz einkaufen bei dem Laden UM DIE ECKE und wurde am Telefon nicht nur von meiner Mutter, sondern auch von meiner Oma beschimpft. Wenn ich am Wochenende zuhause bin, vergeht die meiste Zeit mit unnötigen Auseinandersetzungen und Verständnislosigkeit auf beiden Seiten. 

Die Schauspielschule ist immer noch mein großer Traum. Keiner dieser gängigen Studiengänge überzeugt mich, fordert und fördert mich in meinem kreativen Denken, ich werde einfach nicht glücklich. Ich studiere momentan Germanistik und es macht mir auch Spaß etc, aber ich tue das Ganze nicht leidenschaftlich. Ich bin nun mal ein sehr sensibler und gleichzeitig perfektionistischer Mensch, der nach Glück, Freiheit und Leidenschaft strebt. Aber wie endet das alles wenn ich ein RUHIGES und vernünftiges Gespräch mit meinem Eltern suche? In Geschrei, in "du schaffst das nicht! Du schaffst nichts in deinem Leben!", bösen Drohungen und viel Tränen. Sowieso wüsste ich mit meinen 20 Jahren ja gar nichts und wäre nicht richtig informiert. Genau das höre ich aber seit 6 Jahren. Mit 15 war ich nicht reif genug für dies, mit 18 würden mir die Erfahrungen für jenes fehlen, mit 20 bin ich wohl noch genauso dumm und man lässt mir nicht einmal so richtig die Möglichkeit, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Es wird gesagt "DU musst dein Leben leben!" Und bei jedem Versuch meinerseits werden zig Bedingungen gestellt. Ich schäme mich ja teilweise schon dafür, dass ich nach Glück strebe und die Dinge verfolge, hinter denen in zu 100% stehe. Es wird mir das Gefühl gegeben, dass es egal sei ob ich auch mal im Leben Spaß habe oder nicht, letztendlich ginge es um vernünftige Arbeit und Geld. Ja, so sind meine Eltern aufgewachsen, für sie ging es damals auch nicht um Träumen und Wünsche und sie mussten hinnehmen was sie bekommen haben. Sie glauben ja nicht mal an meine Talente. Das ist so ziemlich das verletzendste. Ich würde mir einfach etwas mehr Verständnis und auch Respekt wünschen und nicht ständig hören "Wir sind deine Eltern, du hast dich uns unterzuordnen und wenn wir dir sagen sei leise, dann bist du auch leise".
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