Home / Forum / Gesellschaft & Leben / Tschuldigung, welches jahr schreiben wir?

Tschuldigung, welches jahr schreiben wir?

26. September 2009 um 3:44

liebe freunde und bekannte,
ich bin wieder da! juhuuu!
an unseren 4-wöchigen heimatbesuch im tadellosen deutschland haben sich noch 2 wochen kairo gehängt, weil das neue schuljahr hier wg schweinegrippe bis auf weiteres verschoben wurde. außerdem war ja noch ramadan und dann fest, alle lieben kamen zusammen zu feiern und wollten auch unbedingt wissen, was wir alles erlebt hatten, und so bin ich erst seit gestern nacht wieder daheim. und online.
kaum zu glauben, aber ich habe wirklich 6 wochen nahezu ganz ohne internet, ohne forum und e-mails, überlebt!

jetzt will ich euch aber endlich mitteilen, was für eindrücke wir, reisende aus dem orient, gesammelt haben. wie sich deutschland für expats anfühlt. wahrlich (das sagt man im orient tatsächlich ), die deutschen nehmen alles ganz ganz genau!
der hit war ja die raucherzone auf den bahnsteigen! ihr wisst schon, diese gelb umrandeten quadrate, an deren besuchern man die verachtenswerten süchtigen erkennt. KEIN nichtraucher überschreitet da freiwillig die warnmakierung! und wenn doch: "ha!! du bist auch einer von denen! ich habs genau gesehen! dein fuß hat die linie berührt!" also macht man vorsichthalber einen weeiiiten bogen um das berüchtigte rauchereck. tatsache! selbst wenns eng wird, zu viele taschen von zu wenigen händen getragen an zu vielen reisenden vorbei müssen - aber ja nicht die grenzen passieren!!!
ich als gast im 4qm-raucherland konnte es mir nicht verkneifen, auszuprobieren, was wohl geschähe, würde ich mit meiner kippe die grenzen missachten. ich machte 2 schritte auswärts und rechnete mit dem schlimmsten. passkontrolle, beschlagnahme gefährdender suchtmittel, neugierige passanten mit empörten zeigefingern, abschiebung - aber nichts dergleichen geschah. allein mein sohn schüttelte den kopf...

ha, und als wir mit dem bus in die zone 3 wollten...
wir, einigermaßen irritiert ob der linientafel und tarifzonen, stehen unschlüssig am fahrkartenschalter. "ach, hallo du, kannst du uns bitte weiterhelfen? wir müssen nach oberunterhinternach, geht da das tagesticket?" - "äh, SIE wenden sich da am besten an den busfahrer. der gibt IHNEN bestimmt gerne auskunft." (ich vergaß ständig, dass man sich in deutschland nicht automatisch duzt, auch nicht, wenn mein ansprechpartner offensichtlich viel jünger ist als ich...) der busfahrer gab wage auskunft, er war eh der falsche und dann auch noch dafür verantwortlich, dass wir fast den richtigen versäumten. der richtige aber wollte partout mein geld nicht haben. meine letzten fünfzig euro waren ihm nicht gut genug! ... ich hatte ja keine ahnung, dass busfahrer den fuffi nicht annehmen dürfen...

die deutschen sind echt ein nettes volk, wie sie sich an ihre regeln und linien und gebote halten, manchmal aber doch, in einem scheuen anfall menschlicher rebellion, ein auge zudrücken.
sie respektieren die vorgaben, die erdacht wurden, um die mitmenschen nicht zu belästigen, aber gleichermaßen beharren sie mitunter recht stur auf ihre eigenen rechte:
ein nachbar kam eines werktages in unsere sackgasse mit aufgedrehtem radio gefahren. hip-hop oder rap, was weiß ich. er parkte sein auto und die musik erstarb. da ließ eine andere nachbarin laut und deutlich durch die gartenhecke vernehmen: "DAS IST NICHT MEINE LIEBLINGSMUSIK! danke!"

lustig war es, als die dult (jahrmarkt) anfing. nach dem prächtigen feuerwerk wurde feierlich ozapft und ordentlich gesoffen. eine gruppe von sturzbesoffener mädels - alle in dirndln, weil das ist ja jetzt schick - torkelten durch die stadt. eine hatte einen korb eingehängt und kam auf uns zu. "wollt ihr mir vielleicht was abkaufen?", fragte sie meinen sohn. "was hast du denn?" - "schnaps und kondome", sprachs und meinem sohn viel die klappe runter. der orientale in ihm war auf solche angebote null vorbereitet. genauso wenig wie auf den anblick von kuschelnden schwulen...

die kluft zwischen abend- und morgenland zeigt sich uns immer besonders deutlich, wenn wir anschliessend in kairo landen und verweilen.
aber dazu ein andermal.




Mehr lesen

26. September 2009 um 8:17

Sehr schön geschrieben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich will meeeehhhhhrrrr!

Wie alt ist denn dein Sohn, wenn man fragen darf?Ich kanns kaum erwarten die Geschichte von Kairo zu hören.Bitte bitte nicht so lange warten.


lg
dante

Gefällt mir

26. September 2009 um 10:58


Herrlich!
Danke für diese schönen Schilderungen

Ich würde auch gerne mehr lesen


LG
Ele

Gefällt mir

27. September 2009 um 0:01
In Antwort auf dante692

Sehr schön geschrieben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich will meeeehhhhhrrrr!

Wie alt ist denn dein Sohn, wenn man fragen darf?Ich kanns kaum erwarten die Geschichte von Kairo zu hören.Bitte bitte nicht so lange warten.


lg
dante

Danke für euer feedback!
meine jungs sind 17 und 11. der große ist es an einer FH und möchte nächstes jahr ans studienkolleg in münchen und dann dort weiterstudieren. architektur. typisch ägypter halt... morgen könnt ihr seine pyramiden bewundern
der kleine kommt jetzt in die 5.klasse und will später im zweifelsfall dasselbe wie sein großer bruder machen.

ihr wollt wissen, wie es in kairo weiterging?

wegen akuter schweinegrippegefahr mussten wir einreisenden ein kärtchen ausfüllen, auf dem man außer nach den personalien auch nach dem wohlbefinden befragt wurde. husten ja-nein, schnupfen, fieber, speien - das alles wurde gemeinhin mit nein beantwortet und man übergab das formular an einen der herren in weißem kittel, der noch nicht mal einen blick drauf warf, sondern uns nur weiterwinkte. leicht enttäuscht ob des mangelnden interesses (welcome, you are back to egypt now) passierten wir den ärztestand, entdeckten um die ecke dann aber doch noch ein weiteres medizinisches hindernis. einer wärmekamera war augestellt und eine frau in weiß blickte aufmerksam auf einen bildschirm.
es war 3 uhr nachts, als wir ankamen, aber es hätte genausogut 8 oder 9 uhr abneds sein können. die strassen waren so voll und belebt wie immer, denn wir hatten ja ramadan und jeder wollte vor zapfenstreich (morgenröte = fastenbeginn war um 4) noch schnell irgendwohin.
in kairo ertrugen wir nahezu rund um die uhr musik, die NICHT MEINE LIEBLINGSMUSIK war, aber unter den unzähligen, verschiedensten geräuschen hörten wir auch liebgewonnene, vertraute klänge und laute.
da war z.b. der "msaharati", der ab 1uhr nachts durch das viertel schlendert und die leute zum letzten essen aufweckt. und den, der ihm trinkgeld gegeben hat, ruft er sogar bei namen: "ibrahim ahmed, steh auf und iss und verrichte das gebet! leute, dient dem Gütigen und esst! nadine mustafa, erhebe dich!" usw. dazu klopft er auf einer kleinen trommel denselben rhythmus, mit dem schon die urväter geweckt wurden.
der laktrizsaft und tamerhindi, welche beliebt zum fastenbrechen sind, kündigen sich mit schellen an, die straßauf straßab aneinanderklappern.
und dann endlich der gebetsaufruf! mit klarer stimme und harmonisierenden tönen vorgetragen ist er balsam für ohren und seele. aber nicht jeder ist mit guter stimme und treffsicherheit gesegnet - und traut sich trotzdem ins mikrophon zu rufen

es wurde viel gekocht und viel geschwatzt, aber hauptbeschäftigung im ramadan ist nicht etwa fasten und beten, sich versammeln und essen - wichtiger als all das sind für die ägypter die serien. von etwa 25, eigens für den ramadan produzierten, beschränkten sich unsere leute auf 3 bis 4, die denn auch zum tagesthema und, dem himmel sei dank, pro tag 3x wiederholt wurden.

ich bin auch selber durch kairo mit dem auto gefahren! for the first time in my life! hab kein auto verkratzt und auch keine seele angefahren. ..nur einmal habe ich den hohen bordstein mitgenommen, aber das war notwehr! er ist mir eh zu nahe gekommen... um zu verstehen, was das für eine leistung war, muss man wohl den verkehr in kairo erlebt haben, denn ich habe keinen vergleichbaren gefunden. am besten vergisst man komplett, was man über verkehrsregeln weiß und rechnet die ganze zeit über mit allem. regeln wie distanz halten bringen keinen schritt weiter, denn schon nutzt ein anderes gefährt die lücke; blinker sind nur zur verwirrung da; spuren nur, um sie zu ignorieren; ampeln sind zierrat und verkehrspolizisten dienen nur den taschentuchverkäufern an den kreuzungen... ich habe einmal versucht, mich dicht an meinen vordermann zu halten, um einigermaßen sicher und zügig durchs nadelör zu gelangen, aber plötzlich fand ich mich auf der brücke wieder, die in einem weiten bogen um kairos kern herumführt. derweil war ich schon so nah am ziel...

zum fest waren die strassen wie leer gefegt, die läden geschlossen und die hausmeister in ihre dörfer verreist. jetzt kamen die kinder auf ihre kosten! in ihren neuen hübschen gewändern heuerten sie esel und pferde, bunte fahrräder und auch motorräder an oder bestiegen mit 20 anderen einen pferdekarren. von da oben ging der spaß los, einer plärrte es vor und alle taten es ihm nach:
"guckt mal den da und sagts ihm:
da geht der hanswurst!"
oder
"wer den propheten liebt, rufe HEEEEEEE!"
"HEEEEEEEEEEEEEEEEEE!" aus allen mündern.

die u-bahn in kairo ist eine begehrte und erstaunlich intakte errungenschaft und seit einigen jahren um eine strecke erweitert worden. somit gibt es jetzt 2 linien, die täglich zig-millionen fahrgäste a 1,-LE (ca -,12) transportieren. die tickets werden von schalterbeamten im akkord ausgehändigt. 2 waggons sind nur für frauen reserviert, aber es "verirrt" sich immer wieder der eine oder andere junge mann im auftrag einer mutprobe und versucht, unbemerkt beweisfotos mit seinem handy zu schiessen. abgesehen von den menschenmassen, die sich durch die gänge schieben, sind die u-bahnhöfe recht leer. es gibt keine läden, keine musikanten und keine penner - sie sind nicht für den aufenthalt gedacht, denn sonst wären sie sicherlich nicht mehr intakt. und damit das alles auch so funktioniert, sind überall polizisten plaziert, paarweise und schwer bewaffnet. ein anblick, der so vertraut geworden ist, dass die bürger längst allen respekt vor der uniform verloren haben und sich gerne in heftigem geplänkel mit der obrigkeit austauschen.

in den gesegneten tagen um den ramadan wird bevorzugt geheiratet. allein die vorbereitungen sind ein fest, aber vor allem sind sie laut. in der nachbarschaft sollte eine wohnung für die brautleute eingerichtet werden. höhepunkt ist traditionell das "tangiid", das nähen der matrazen und kissen, die mit watte (also ägypt. baumwolle) gefüllt werden. alle frauen der familie und nachbarschaft kommen zusammen und singen frauenlieder und schauen dem "mnagid" beim arbeiten zu, auf dass er auch ja kein gramm klaue! außerdem wird sehr genau beäugt, mit was für stoffen genäht wird. zweifelsohne eine prestigefrage. die fertigen kissen und matrazen werden auf einem roten teppich und von mannshohen, dröhnenden boxen umringt mitten auf der strasse aufgetürmt, damit sie ein jeder bewundern möge - man sage dabei aber tunlichst die formeln gegen den bösen blick und allerlei segenswünsche auf!

dass strassen bei persönlichem bedarf gesperrt sind, ist nichts ungewöhnliches in ägypten. aber schlau finde ich immer noch die parkplatzlösung. problemlos werden die autos in 2 reihen am fahrbahnrand abgestellt. schande nur über den, der die handbremse anzieht! denn der parkplatzmensch schiebt geschickt und erfahren die autos so lange hin und her, bis entweder eine parklücke entsteht oder man mit seinem auto auch aus der inneren reihe wieder bequem ausparken kann.

ach ja, es hat schon seinen reiz... aber meine reisen nach deutschland möchte ich auch nicht missen.
am schönsten jedoch ist es daheim!












Gefällt mir

27. September 2009 um 14:12
In Antwort auf lemonice73

Danke für euer feedback!
meine jungs sind 17 und 11. der große ist es an einer FH und möchte nächstes jahr ans studienkolleg in münchen und dann dort weiterstudieren. architektur. typisch ägypter halt... morgen könnt ihr seine pyramiden bewundern
der kleine kommt jetzt in die 5.klasse und will später im zweifelsfall dasselbe wie sein großer bruder machen.

ihr wollt wissen, wie es in kairo weiterging?

wegen akuter schweinegrippegefahr mussten wir einreisenden ein kärtchen ausfüllen, auf dem man außer nach den personalien auch nach dem wohlbefinden befragt wurde. husten ja-nein, schnupfen, fieber, speien - das alles wurde gemeinhin mit nein beantwortet und man übergab das formular an einen der herren in weißem kittel, der noch nicht mal einen blick drauf warf, sondern uns nur weiterwinkte. leicht enttäuscht ob des mangelnden interesses (welcome, you are back to egypt now) passierten wir den ärztestand, entdeckten um die ecke dann aber doch noch ein weiteres medizinisches hindernis. einer wärmekamera war augestellt und eine frau in weiß blickte aufmerksam auf einen bildschirm.
es war 3 uhr nachts, als wir ankamen, aber es hätte genausogut 8 oder 9 uhr abneds sein können. die strassen waren so voll und belebt wie immer, denn wir hatten ja ramadan und jeder wollte vor zapfenstreich (morgenröte = fastenbeginn war um 4) noch schnell irgendwohin.
in kairo ertrugen wir nahezu rund um die uhr musik, die NICHT MEINE LIEBLINGSMUSIK war, aber unter den unzähligen, verschiedensten geräuschen hörten wir auch liebgewonnene, vertraute klänge und laute.
da war z.b. der "msaharati", der ab 1uhr nachts durch das viertel schlendert und die leute zum letzten essen aufweckt. und den, der ihm trinkgeld gegeben hat, ruft er sogar bei namen: "ibrahim ahmed, steh auf und iss und verrichte das gebet! leute, dient dem Gütigen und esst! nadine mustafa, erhebe dich!" usw. dazu klopft er auf einer kleinen trommel denselben rhythmus, mit dem schon die urväter geweckt wurden.
der laktrizsaft und tamerhindi, welche beliebt zum fastenbrechen sind, kündigen sich mit schellen an, die straßauf straßab aneinanderklappern.
und dann endlich der gebetsaufruf! mit klarer stimme und harmonisierenden tönen vorgetragen ist er balsam für ohren und seele. aber nicht jeder ist mit guter stimme und treffsicherheit gesegnet - und traut sich trotzdem ins mikrophon zu rufen

es wurde viel gekocht und viel geschwatzt, aber hauptbeschäftigung im ramadan ist nicht etwa fasten und beten, sich versammeln und essen - wichtiger als all das sind für die ägypter die serien. von etwa 25, eigens für den ramadan produzierten, beschränkten sich unsere leute auf 3 bis 4, die denn auch zum tagesthema und, dem himmel sei dank, pro tag 3x wiederholt wurden.

ich bin auch selber durch kairo mit dem auto gefahren! for the first time in my life! hab kein auto verkratzt und auch keine seele angefahren. ..nur einmal habe ich den hohen bordstein mitgenommen, aber das war notwehr! er ist mir eh zu nahe gekommen... um zu verstehen, was das für eine leistung war, muss man wohl den verkehr in kairo erlebt haben, denn ich habe keinen vergleichbaren gefunden. am besten vergisst man komplett, was man über verkehrsregeln weiß und rechnet die ganze zeit über mit allem. regeln wie distanz halten bringen keinen schritt weiter, denn schon nutzt ein anderes gefährt die lücke; blinker sind nur zur verwirrung da; spuren nur, um sie zu ignorieren; ampeln sind zierrat und verkehrspolizisten dienen nur den taschentuchverkäufern an den kreuzungen... ich habe einmal versucht, mich dicht an meinen vordermann zu halten, um einigermaßen sicher und zügig durchs nadelör zu gelangen, aber plötzlich fand ich mich auf der brücke wieder, die in einem weiten bogen um kairos kern herumführt. derweil war ich schon so nah am ziel...

zum fest waren die strassen wie leer gefegt, die läden geschlossen und die hausmeister in ihre dörfer verreist. jetzt kamen die kinder auf ihre kosten! in ihren neuen hübschen gewändern heuerten sie esel und pferde, bunte fahrräder und auch motorräder an oder bestiegen mit 20 anderen einen pferdekarren. von da oben ging der spaß los, einer plärrte es vor und alle taten es ihm nach:
"guckt mal den da und sagts ihm:
da geht der hanswurst!"
oder
"wer den propheten liebt, rufe HEEEEEEE!"
"HEEEEEEEEEEEEEEEEEE!" aus allen mündern.

die u-bahn in kairo ist eine begehrte und erstaunlich intakte errungenschaft und seit einigen jahren um eine strecke erweitert worden. somit gibt es jetzt 2 linien, die täglich zig-millionen fahrgäste a 1,-LE (ca -,12) transportieren. die tickets werden von schalterbeamten im akkord ausgehändigt. 2 waggons sind nur für frauen reserviert, aber es "verirrt" sich immer wieder der eine oder andere junge mann im auftrag einer mutprobe und versucht, unbemerkt beweisfotos mit seinem handy zu schiessen. abgesehen von den menschenmassen, die sich durch die gänge schieben, sind die u-bahnhöfe recht leer. es gibt keine läden, keine musikanten und keine penner - sie sind nicht für den aufenthalt gedacht, denn sonst wären sie sicherlich nicht mehr intakt. und damit das alles auch so funktioniert, sind überall polizisten plaziert, paarweise und schwer bewaffnet. ein anblick, der so vertraut geworden ist, dass die bürger längst allen respekt vor der uniform verloren haben und sich gerne in heftigem geplänkel mit der obrigkeit austauschen.

in den gesegneten tagen um den ramadan wird bevorzugt geheiratet. allein die vorbereitungen sind ein fest, aber vor allem sind sie laut. in der nachbarschaft sollte eine wohnung für die brautleute eingerichtet werden. höhepunkt ist traditionell das "tangiid", das nähen der matrazen und kissen, die mit watte (also ägypt. baumwolle) gefüllt werden. alle frauen der familie und nachbarschaft kommen zusammen und singen frauenlieder und schauen dem "mnagid" beim arbeiten zu, auf dass er auch ja kein gramm klaue! außerdem wird sehr genau beäugt, mit was für stoffen genäht wird. zweifelsohne eine prestigefrage. die fertigen kissen und matrazen werden auf einem roten teppich und von mannshohen, dröhnenden boxen umringt mitten auf der strasse aufgetürmt, damit sie ein jeder bewundern möge - man sage dabei aber tunlichst die formeln gegen den bösen blick und allerlei segenswünsche auf!

dass strassen bei persönlichem bedarf gesperrt sind, ist nichts ungewöhnliches in ägypten. aber schlau finde ich immer noch die parkplatzlösung. problemlos werden die autos in 2 reihen am fahrbahnrand abgestellt. schande nur über den, der die handbremse anzieht! denn der parkplatzmensch schiebt geschickt und erfahren die autos so lange hin und her, bis entweder eine parklücke entsteht oder man mit seinem auto auch aus der inneren reihe wieder bequem ausparken kann.

ach ja, es hat schon seinen reiz... aber meine reisen nach deutschland möchte ich auch nicht missen.
am schönsten jedoch ist es daheim!













Hat mir viel Freude bereitet, auch diesen Post zu lesen!

Hast du schonmal an einen Blog gedacht?
Du kannst die Schilderungen ja dennoch auch ins Forum posten. Nur im Forum wandern sie vielleicht irgendwann nach hinten....

Verlier bitte nicht die Freude an deiner humorvollen Erzählkunst!

Gefällt mir

27. September 2009 um 22:15
In Antwort auf eleonor


Hat mir viel Freude bereitet, auch diesen Post zu lesen!

Hast du schonmal an einen Blog gedacht?
Du kannst die Schilderungen ja dennoch auch ins Forum posten. Nur im Forum wandern sie vielleicht irgendwann nach hinten....

Verlier bitte nicht die Freude an deiner humorvollen Erzählkunst!

Dein vorschlag sei mir befehl
und ich hab ihn auch schon in die tat umgesetzt
...was für ein gefummel!
und auch noch chronolisch verkehrt rum...
kann man da irgendwas machen oder ist das unwiderruflich?

freut mich, dass es dir gefallen hat! dann würdest du wohl auch meine bücher lesen?



Gefällt mir

27. September 2009 um 22:27

Danke ihr beiden!
ich merke schon, dass ihr das eine oder andere meiner bilder wiedererkennt
der orient hat aber doch wirklich seinen reiz, oder?

ich und ein buch schreiben?
hab ich mir auch mal überlegt , aber die frage ist dann immer: was???

Gefällt mir

27. September 2009 um 23:16
In Antwort auf lemonice73

Danke für euer feedback!
meine jungs sind 17 und 11. der große ist es an einer FH und möchte nächstes jahr ans studienkolleg in münchen und dann dort weiterstudieren. architektur. typisch ägypter halt... morgen könnt ihr seine pyramiden bewundern
der kleine kommt jetzt in die 5.klasse und will später im zweifelsfall dasselbe wie sein großer bruder machen.

ihr wollt wissen, wie es in kairo weiterging?

wegen akuter schweinegrippegefahr mussten wir einreisenden ein kärtchen ausfüllen, auf dem man außer nach den personalien auch nach dem wohlbefinden befragt wurde. husten ja-nein, schnupfen, fieber, speien - das alles wurde gemeinhin mit nein beantwortet und man übergab das formular an einen der herren in weißem kittel, der noch nicht mal einen blick drauf warf, sondern uns nur weiterwinkte. leicht enttäuscht ob des mangelnden interesses (welcome, you are back to egypt now) passierten wir den ärztestand, entdeckten um die ecke dann aber doch noch ein weiteres medizinisches hindernis. einer wärmekamera war augestellt und eine frau in weiß blickte aufmerksam auf einen bildschirm.
es war 3 uhr nachts, als wir ankamen, aber es hätte genausogut 8 oder 9 uhr abneds sein können. die strassen waren so voll und belebt wie immer, denn wir hatten ja ramadan und jeder wollte vor zapfenstreich (morgenröte = fastenbeginn war um 4) noch schnell irgendwohin.
in kairo ertrugen wir nahezu rund um die uhr musik, die NICHT MEINE LIEBLINGSMUSIK war, aber unter den unzähligen, verschiedensten geräuschen hörten wir auch liebgewonnene, vertraute klänge und laute.
da war z.b. der "msaharati", der ab 1uhr nachts durch das viertel schlendert und die leute zum letzten essen aufweckt. und den, der ihm trinkgeld gegeben hat, ruft er sogar bei namen: "ibrahim ahmed, steh auf und iss und verrichte das gebet! leute, dient dem Gütigen und esst! nadine mustafa, erhebe dich!" usw. dazu klopft er auf einer kleinen trommel denselben rhythmus, mit dem schon die urväter geweckt wurden.
der laktrizsaft und tamerhindi, welche beliebt zum fastenbrechen sind, kündigen sich mit schellen an, die straßauf straßab aneinanderklappern.
und dann endlich der gebetsaufruf! mit klarer stimme und harmonisierenden tönen vorgetragen ist er balsam für ohren und seele. aber nicht jeder ist mit guter stimme und treffsicherheit gesegnet - und traut sich trotzdem ins mikrophon zu rufen

es wurde viel gekocht und viel geschwatzt, aber hauptbeschäftigung im ramadan ist nicht etwa fasten und beten, sich versammeln und essen - wichtiger als all das sind für die ägypter die serien. von etwa 25, eigens für den ramadan produzierten, beschränkten sich unsere leute auf 3 bis 4, die denn auch zum tagesthema und, dem himmel sei dank, pro tag 3x wiederholt wurden.

ich bin auch selber durch kairo mit dem auto gefahren! for the first time in my life! hab kein auto verkratzt und auch keine seele angefahren. ..nur einmal habe ich den hohen bordstein mitgenommen, aber das war notwehr! er ist mir eh zu nahe gekommen... um zu verstehen, was das für eine leistung war, muss man wohl den verkehr in kairo erlebt haben, denn ich habe keinen vergleichbaren gefunden. am besten vergisst man komplett, was man über verkehrsregeln weiß und rechnet die ganze zeit über mit allem. regeln wie distanz halten bringen keinen schritt weiter, denn schon nutzt ein anderes gefährt die lücke; blinker sind nur zur verwirrung da; spuren nur, um sie zu ignorieren; ampeln sind zierrat und verkehrspolizisten dienen nur den taschentuchverkäufern an den kreuzungen... ich habe einmal versucht, mich dicht an meinen vordermann zu halten, um einigermaßen sicher und zügig durchs nadelör zu gelangen, aber plötzlich fand ich mich auf der brücke wieder, die in einem weiten bogen um kairos kern herumführt. derweil war ich schon so nah am ziel...

zum fest waren die strassen wie leer gefegt, die läden geschlossen und die hausmeister in ihre dörfer verreist. jetzt kamen die kinder auf ihre kosten! in ihren neuen hübschen gewändern heuerten sie esel und pferde, bunte fahrräder und auch motorräder an oder bestiegen mit 20 anderen einen pferdekarren. von da oben ging der spaß los, einer plärrte es vor und alle taten es ihm nach:
"guckt mal den da und sagts ihm:
da geht der hanswurst!"
oder
"wer den propheten liebt, rufe HEEEEEEE!"
"HEEEEEEEEEEEEEEEEEE!" aus allen mündern.

die u-bahn in kairo ist eine begehrte und erstaunlich intakte errungenschaft und seit einigen jahren um eine strecke erweitert worden. somit gibt es jetzt 2 linien, die täglich zig-millionen fahrgäste a 1,-LE (ca -,12) transportieren. die tickets werden von schalterbeamten im akkord ausgehändigt. 2 waggons sind nur für frauen reserviert, aber es "verirrt" sich immer wieder der eine oder andere junge mann im auftrag einer mutprobe und versucht, unbemerkt beweisfotos mit seinem handy zu schiessen. abgesehen von den menschenmassen, die sich durch die gänge schieben, sind die u-bahnhöfe recht leer. es gibt keine läden, keine musikanten und keine penner - sie sind nicht für den aufenthalt gedacht, denn sonst wären sie sicherlich nicht mehr intakt. und damit das alles auch so funktioniert, sind überall polizisten plaziert, paarweise und schwer bewaffnet. ein anblick, der so vertraut geworden ist, dass die bürger längst allen respekt vor der uniform verloren haben und sich gerne in heftigem geplänkel mit der obrigkeit austauschen.

in den gesegneten tagen um den ramadan wird bevorzugt geheiratet. allein die vorbereitungen sind ein fest, aber vor allem sind sie laut. in der nachbarschaft sollte eine wohnung für die brautleute eingerichtet werden. höhepunkt ist traditionell das "tangiid", das nähen der matrazen und kissen, die mit watte (also ägypt. baumwolle) gefüllt werden. alle frauen der familie und nachbarschaft kommen zusammen und singen frauenlieder und schauen dem "mnagid" beim arbeiten zu, auf dass er auch ja kein gramm klaue! außerdem wird sehr genau beäugt, mit was für stoffen genäht wird. zweifelsohne eine prestigefrage. die fertigen kissen und matrazen werden auf einem roten teppich und von mannshohen, dröhnenden boxen umringt mitten auf der strasse aufgetürmt, damit sie ein jeder bewundern möge - man sage dabei aber tunlichst die formeln gegen den bösen blick und allerlei segenswünsche auf!

dass strassen bei persönlichem bedarf gesperrt sind, ist nichts ungewöhnliches in ägypten. aber schlau finde ich immer noch die parkplatzlösung. problemlos werden die autos in 2 reihen am fahrbahnrand abgestellt. schande nur über den, der die handbremse anzieht! denn der parkplatzmensch schiebt geschickt und erfahren die autos so lange hin und her, bis entweder eine parklücke entsteht oder man mit seinem auto auch aus der inneren reihe wieder bequem ausparken kann.

ach ja, es hat schon seinen reiz... aber meine reisen nach deutschland möchte ich auch nicht missen.
am schönsten jedoch ist es daheim!












Schön geschrieben
maschaAllah. Ein lebendiger Einblick in eine andere Welt.

Gefällt mir

27. September 2009 um 23:25
In Antwort auf lemonice73

Dein vorschlag sei mir befehl
und ich hab ihn auch schon in die tat umgesetzt
...was für ein gefummel!
und auch noch chronolisch verkehrt rum...
kann man da irgendwas machen oder ist das unwiderruflich?

freut mich, dass es dir gefallen hat! dann würdest du wohl auch meine bücher lesen?



Hmmm....
Das mit der Reihenfolge weiß ich auch nicht..... Aber irgend wer wird sich hier schon noch finden, der auf gofem blogt.

Ob ich deine Bücher lesen würde? Wenn es für ganze Bücher reicht, auf alle Fälle!

Gefällt mir

28. September 2009 um 1:43

Gerne!
bin eh grad schreibwütig nach so langer enthaltsamkeit

ich kann dir die hochzeit meiner nichte anbieten.

aber es ist wirklich sehr ausführlich und lange geworden.
soll ichs echt hier reinstellen?

Gefällt mir

28. September 2009 um 12:04
In Antwort auf lemonice73

Danke ihr beiden!
ich merke schon, dass ihr das eine oder andere meiner bilder wiedererkennt
der orient hat aber doch wirklich seinen reiz, oder?

ich und ein buch schreiben?
hab ich mir auch mal überlegt , aber die frage ist dann immer: was???

Eine hochzeit, mit allem drum und herum
nach bewährter tradition kamen die beiden nicht etwa hand in hand ins elternhaus reingestürtzt und verkündeten fröhlich ihre heiratsabsichten, sondern bevor überhaupt irgendeine beziehung stattfand, traf der brautwerber mit seinen eltern pünktlich nach vereinbarung bei den eltern der zu umwerbenden ein und das thema wurde offiziell eröffnet.
wenn eine hochzeit von den eltern arrangiert wird, heisst das aber nicht, dass sich die brautleute nicht kennenlernen können.
arrangiert heisst im arabischen sprachgebrauch eher, dass die eltern ein zusammentreffen der heiratsanwärter ermöglichen, um von vornerein ihren segen dazuzugeben.

in mariams fall war es so, dass ahmed sie in der firma gesehen hatte, in der ihr vater arbeitet und sie ihr praktikum machte. er erkundigte sich nach ihr und ihrem ruf und fragte sie eines tages unvermittelt, ob sie was dagegen habe, wenn er ihren vater besuchen käme.
das anliegen ist dann eigentlich schon deutlich genug und muss nicht weiter erörtert werden.
wer er ist und wo er herkommt und was er hat, wird sich dann im gespräch mit dem vater zeigen. so bekommen braut und familie einen eindruck und können dann entweder nach angemessener zeit zustimmen oder absagen. ist man von einander überzeugt, rezitiert man gemeinsam die Fatiha , das islamische vaterunser, und besiegelt somit die lauteren absichten.
die zusage aber ist noch eine weile unverbindlich. bis man der sache näher kommt und schon mal von einer offiziellen verlobungsfeier zu reden beginnt. auf die wurde hier allerdings aus verschiedenen gründen verzichtet.
der goldene brautschmuck, die shabka (was etwa anknüpfung, anbindung bedeutet) ist hingegen unverzichtbar und es wird oft stur um den genauen wert des schmucks gefeilscht. so manche verlobungen sind schon geplatzt, weil man sich um ein paar hundert pfund mehr oder weniger nicht einig wurde, ist es doch von enormer wichtigkeit, denn der goldschmuck einer frau ist ihr kapital, ihre letzte absicherung!
wenn alles geklärt ist, gehen die familien zusammen zum shabka shoppen. die wird während der offiziellen feier stolz den gästen gezeigt und umhergereicht, auf dass der bräutigam dann endlich seine frau damit schmücken kann.

brautleute waren also mariam, die tochter der schwester meines mannes (zu deutsch: meine nichte) und ahmed, der jüngste sohn einer oberägyptischen aristokratenfamilie. (er hat natürlich von anfang an bestanden.)

die freude war besonders groß, da doch die braut das erste enkelkind meiner schwiegermama ist, die heiratet! demzufolge hielt sich oma schon seit einer woche vor dem großen ereignis bei ihrer tochter, der brautmutter, auf, um ihre enkelin zu betreuen und letzte vorbereitungen zu diktieren. die brauttante, meine lieblingsschwägerin, kam wenig später dazu und übernahm die ausführung des diktats.

schon monate vor der hochzeit begann der brautvater die aussteuer anzuschaffen. nichts durfte fehlen! würde doch der neue haushalt dann akribisch genau von den neuen schwägerinnen unter die lupe genommen. und wehe irgendwas gab es nicht! man würde behaupten, der vater hätte seine tochter zu billig hergegeben.
und so kam dann im laufe der monate eine aussteuer im wert von rund 45 000,-LE zusammen: von verschiedenen 12-teiligen porzellan- und bestecksets über handtücher und bettwäsche in sämtlichen größen und farben bis hin zur kompletten damenausstattung, die sommer- und winterkollektion für daheim (da gibt es nachthemden und dessous, von denen ihr nicht mal zu träumen wagt!) und zum ausgehen beinhaltet.
teppiche und vorhänge, töpfe und putzzubehör, matrazen, kissen und gasflaschen, waschmaschine, boiler, klimaanlagen, stereo- und dvd-system und 50inches-lcd-tv ..... eigentlich alles, was ein seit jahren funktionierender haushalt je gesehen hat, wurde nach und nach in die jungfräuliche brautwohnung verfrachtet!
lediglich die schlafzimmereinrichtung hat der bräutigam dazugesteuert.
es ist aber auch immer der bräutigam (bzw. seine familie), der die wohnung stellt. mit ein grund, warum die jungen männer oft schon ganz schön alt sind, bis sie sich endlich leisten können, um eine braut zu werben. in einer gesellschaft, in der sex vor der ehe tabu ist, helfen sich die jungen leute mit halblegalen eheverträgen aus der not ein thema für sich...

Gefällt mir

28. September 2009 um 12:06
In Antwort auf lemonice73

Eine hochzeit, mit allem drum und herum
nach bewährter tradition kamen die beiden nicht etwa hand in hand ins elternhaus reingestürtzt und verkündeten fröhlich ihre heiratsabsichten, sondern bevor überhaupt irgendeine beziehung stattfand, traf der brautwerber mit seinen eltern pünktlich nach vereinbarung bei den eltern der zu umwerbenden ein und das thema wurde offiziell eröffnet.
wenn eine hochzeit von den eltern arrangiert wird, heisst das aber nicht, dass sich die brautleute nicht kennenlernen können.
arrangiert heisst im arabischen sprachgebrauch eher, dass die eltern ein zusammentreffen der heiratsanwärter ermöglichen, um von vornerein ihren segen dazuzugeben.

in mariams fall war es so, dass ahmed sie in der firma gesehen hatte, in der ihr vater arbeitet und sie ihr praktikum machte. er erkundigte sich nach ihr und ihrem ruf und fragte sie eines tages unvermittelt, ob sie was dagegen habe, wenn er ihren vater besuchen käme.
das anliegen ist dann eigentlich schon deutlich genug und muss nicht weiter erörtert werden.
wer er ist und wo er herkommt und was er hat, wird sich dann im gespräch mit dem vater zeigen. so bekommen braut und familie einen eindruck und können dann entweder nach angemessener zeit zustimmen oder absagen. ist man von einander überzeugt, rezitiert man gemeinsam die Fatiha , das islamische vaterunser, und besiegelt somit die lauteren absichten.
die zusage aber ist noch eine weile unverbindlich. bis man der sache näher kommt und schon mal von einer offiziellen verlobungsfeier zu reden beginnt. auf die wurde hier allerdings aus verschiedenen gründen verzichtet.
der goldene brautschmuck, die shabka (was etwa anknüpfung, anbindung bedeutet) ist hingegen unverzichtbar und es wird oft stur um den genauen wert des schmucks gefeilscht. so manche verlobungen sind schon geplatzt, weil man sich um ein paar hundert pfund mehr oder weniger nicht einig wurde, ist es doch von enormer wichtigkeit, denn der goldschmuck einer frau ist ihr kapital, ihre letzte absicherung!
wenn alles geklärt ist, gehen die familien zusammen zum shabka shoppen. die wird während der offiziellen feier stolz den gästen gezeigt und umhergereicht, auf dass der bräutigam dann endlich seine frau damit schmücken kann.

brautleute waren also mariam, die tochter der schwester meines mannes (zu deutsch: meine nichte) und ahmed, der jüngste sohn einer oberägyptischen aristokratenfamilie. (er hat natürlich von anfang an bestanden.)

die freude war besonders groß, da doch die braut das erste enkelkind meiner schwiegermama ist, die heiratet! demzufolge hielt sich oma schon seit einer woche vor dem großen ereignis bei ihrer tochter, der brautmutter, auf, um ihre enkelin zu betreuen und letzte vorbereitungen zu diktieren. die brauttante, meine lieblingsschwägerin, kam wenig später dazu und übernahm die ausführung des diktats.

schon monate vor der hochzeit begann der brautvater die aussteuer anzuschaffen. nichts durfte fehlen! würde doch der neue haushalt dann akribisch genau von den neuen schwägerinnen unter die lupe genommen. und wehe irgendwas gab es nicht! man würde behaupten, der vater hätte seine tochter zu billig hergegeben.
und so kam dann im laufe der monate eine aussteuer im wert von rund 45 000,-LE zusammen: von verschiedenen 12-teiligen porzellan- und bestecksets über handtücher und bettwäsche in sämtlichen größen und farben bis hin zur kompletten damenausstattung, die sommer- und winterkollektion für daheim (da gibt es nachthemden und dessous, von denen ihr nicht mal zu träumen wagt!) und zum ausgehen beinhaltet.
teppiche und vorhänge, töpfe und putzzubehör, matrazen, kissen und gasflaschen, waschmaschine, boiler, klimaanlagen, stereo- und dvd-system und 50inches-lcd-tv ..... eigentlich alles, was ein seit jahren funktionierender haushalt je gesehen hat, wurde nach und nach in die jungfräuliche brautwohnung verfrachtet!
lediglich die schlafzimmereinrichtung hat der bräutigam dazugesteuert.
es ist aber auch immer der bräutigam (bzw. seine familie), der die wohnung stellt. mit ein grund, warum die jungen männer oft schon ganz schön alt sind, bis sie sich endlich leisten können, um eine braut zu werben. in einer gesellschaft, in der sex vor der ehe tabu ist, helfen sich die jungen leute mit halblegalen eheverträgen aus der not ein thema für sich...

Hier gehts weiter
kurz vor schluss ging natürlich alles recht hektisch zu, und nervöse tanten beschwerten sich, dass mal wieder alles auf den letzten drücker geschah.
während endlich (fast) alles an seinem platz geräumt wurde, konnte sich die braut der körperpflege widmen. dabei stand ihr eine weitere tante zur verfügung, die ihr die unliebsamen haare entfernte, sie mehrfach eincremte und sie vermutlich auch mit geheimnisvollen informationen nährte. dann, am abend vor der hochzeit, konnte die traditionelle, nur den frauen zugängliche "henna" gefeiert werden, die kopten und moslime gleichermaßen begehen.
nur dass moslime sich freilich kein kreuz, sondern ornamente und blumen in die handflächen, an gelenke, arme und fesseln malen.
leider leider liess ihr ahmed verlauten, dass er den geruch von henna nicht ausstehen könne, und so wurde auf das eigentliche ritual verzichtet. nichtsdestotrotz sammelte die braut im "kurzen schwarzen" ihre freundinnen und weibl. verwandten um sich und es wurde ausgelassen getanzt, gesungen, gekichert und gelacht. die "henna" ist sozusagen das orientalische äquivalent zu unserem junggesellenabend.

anders als heutzutage üblich, wo die braut den ganzen hellichten tag ihrer hochzeit beim friseur verbringt, um eingekleidet und geschminkt zu werden, liess mariam ihren stylisten ins haus kommen, damit die ganze nachbarschaft ihren feierlichen, hellbeleuchteten und mit hupkonzerten untermalten auszug aus dem elternhaus mitbekommen sollte.
wir trafen also alle bei der brautfamilie ein und warteten auf den großen moment, indem sie als prächtige braut, perfekt gestylt und voller glücklicher erwartungen aus ihrem zimmer kommen würde.
es wurde richtig spannend! keiner durfte das zimmer betreten, der festgelegte zeitpunkt verstrich, der bräutigam war längst eingetroffen und maruah liess sich noch immer sehen. es dauerte und dauerte. mehrere anläufe ("10! 9! 8! 7! 6! 5! ....") , die braut aus ihrem versteck zu locken, schlugen fehl. und dann kam sie endlich zum vorschein!
aber statt eine freudig strahlende braut zeigte sie uns einen trotzigen, beleidigten teenie: ihr make-up war nicht nach ihren vorstellungen und zerstörte ihr den traum von der perfekten hochzeit.

die versammelte mannschaft quälte sich in wenige autos, alle schön laut hupend und im schneckentempo, damit es ja die ganze stadt wissen sollte, und begab sich zum festsaal. das brautpaar kam die treppe hinab, begleitet von trommlern, tröten, dudelsäcken, tänzern und kameraleuten. diese parade, die "seffa" dauerte in etwa eine halbe bis dreiviertel stunde und gehört auf die eine oder andere weise ebenso traditionell zur hochzeit dazu. immer wieder bot die künstlertruppe eine besondere einlage, während der fotografiert, gratuliert und bewundert werden konnte, dann machten die brautleute wieder ein paar schritte, um sogleich wieder stehen zu bleiben und den tänzern zuzusehen. irgendwann im laufe der "seffa" brach die brautmutter in strömende tränen aus - anscheinend auch das traditionell. die ereignisse stürzten wohl über sie zusammen und sie konnte sich nicht mehr beherrschen. jetzt war es soweit: ihre einizge tochter heiratete an diesem abend, um das elternhaus zu verlassen und mit ihrem mann mitzugehen!

endlich im saal angelangt, verteilte man sich schnell, um nicht zu sagen gierig nach den besten plätzen um die tische, und das programm konnte losgehen.
wie viele gäste tatsächlich da waren, weiss ich nicht. ich kann es nicht so gut einschätzen. aber es ist durchaus üblich, mehrere hunderte an so einem ereignis teilhaben zu lassen. schliesslich ist eine hochzeit ja dazu da, so viele menschen wie möglich vom beginn einer legitimen partnerschaft in kenntnis zu setzen.

der DJ unterhielt uns mit musik, tanz und karaoke-einlagen, alles wurde zeitgleich auf einer leinwand überlebensgroß übertragen und man machte sich allmählich untereinander bekannt.
ich hab ja erwähnt, dass ahmed aus einer angesehenen familie aus oberägypten kommt. seine nächsten verwandten leben allerdings schon seit 2 generationen in kairo und sind sozusagen schon urbanisiert. entferntere angehörige hingegen sind immer noch "turbanisiert" und erschienen in prunkvollen langen gewändern. es war ein recht buntes, aber insgesamt äusserst erhabenes publikum anwesend.

dann kam der eigentliche moment des abends: die "ketbet ketäb", die eheschliessung durch den mazoun, den geistlichen standesbeamten. die braut hatte ihren vater bereits bevollmächtigt, der jetzt unter einem weißen taschentuch die hand des bräutigams hielt, während der text durchs mikrofon verlesen wurde.
wir wurden zeugen der im ehevertrag festgelegten punkte und sprachen dem vorleser unsere fürbitten nach, die dem brautpaar eine segensreiche, glückliche, harmonische ehe wünschten.
im anschluss daran war wieder gelegenheit, an die auf dem podest sitzenden brautleute zu treten, ihnen zu gratulieren und sich mit ihnen fotografieren zu lassen.
und so konnte nun auch das buffet eröffnet werden.
(diesen teil der feier möchte ich eigentlich lieber nicht ausführlich beschreiben, weil es eher peinlich ist. ...alle, die im hotel schon mal ägypt. feriengäste am buffet erlebt haben, wissen von was ich rede, bzw. nicht reden will...)
später, nachdem der hunger und die neugierde gesättigt waren, wurde weiter getanzt, bis abgeräumt wurde und die lichter erlischen.
jetzt brachte man das frischvermählte brautpaar in ihr neues, komplettes, eigenes heim, wo schon ein überfüllter kühlschrank und aphrodisierende speisen und getränke warteten. wir geleiteten sie- natürlich wieder laut trällernd und hupend, obwohl die nacht jetzt schon weit fortgeschritten war - bis zum hauseingang und setzten sie dort ihrem schicksal aus.

Gefällt mir

28. September 2009 um 12:07
In Antwort auf lemonice73

Hier gehts weiter
kurz vor schluss ging natürlich alles recht hektisch zu, und nervöse tanten beschwerten sich, dass mal wieder alles auf den letzten drücker geschah.
während endlich (fast) alles an seinem platz geräumt wurde, konnte sich die braut der körperpflege widmen. dabei stand ihr eine weitere tante zur verfügung, die ihr die unliebsamen haare entfernte, sie mehrfach eincremte und sie vermutlich auch mit geheimnisvollen informationen nährte. dann, am abend vor der hochzeit, konnte die traditionelle, nur den frauen zugängliche "henna" gefeiert werden, die kopten und moslime gleichermaßen begehen.
nur dass moslime sich freilich kein kreuz, sondern ornamente und blumen in die handflächen, an gelenke, arme und fesseln malen.
leider leider liess ihr ahmed verlauten, dass er den geruch von henna nicht ausstehen könne, und so wurde auf das eigentliche ritual verzichtet. nichtsdestotrotz sammelte die braut im "kurzen schwarzen" ihre freundinnen und weibl. verwandten um sich und es wurde ausgelassen getanzt, gesungen, gekichert und gelacht. die "henna" ist sozusagen das orientalische äquivalent zu unserem junggesellenabend.

anders als heutzutage üblich, wo die braut den ganzen hellichten tag ihrer hochzeit beim friseur verbringt, um eingekleidet und geschminkt zu werden, liess mariam ihren stylisten ins haus kommen, damit die ganze nachbarschaft ihren feierlichen, hellbeleuchteten und mit hupkonzerten untermalten auszug aus dem elternhaus mitbekommen sollte.
wir trafen also alle bei der brautfamilie ein und warteten auf den großen moment, indem sie als prächtige braut, perfekt gestylt und voller glücklicher erwartungen aus ihrem zimmer kommen würde.
es wurde richtig spannend! keiner durfte das zimmer betreten, der festgelegte zeitpunkt verstrich, der bräutigam war längst eingetroffen und maruah liess sich noch immer sehen. es dauerte und dauerte. mehrere anläufe ("10! 9! 8! 7! 6! 5! ....") , die braut aus ihrem versteck zu locken, schlugen fehl. und dann kam sie endlich zum vorschein!
aber statt eine freudig strahlende braut zeigte sie uns einen trotzigen, beleidigten teenie: ihr make-up war nicht nach ihren vorstellungen und zerstörte ihr den traum von der perfekten hochzeit.

die versammelte mannschaft quälte sich in wenige autos, alle schön laut hupend und im schneckentempo, damit es ja die ganze stadt wissen sollte, und begab sich zum festsaal. das brautpaar kam die treppe hinab, begleitet von trommlern, tröten, dudelsäcken, tänzern und kameraleuten. diese parade, die "seffa" dauerte in etwa eine halbe bis dreiviertel stunde und gehört auf die eine oder andere weise ebenso traditionell zur hochzeit dazu. immer wieder bot die künstlertruppe eine besondere einlage, während der fotografiert, gratuliert und bewundert werden konnte, dann machten die brautleute wieder ein paar schritte, um sogleich wieder stehen zu bleiben und den tänzern zuzusehen. irgendwann im laufe der "seffa" brach die brautmutter in strömende tränen aus - anscheinend auch das traditionell. die ereignisse stürzten wohl über sie zusammen und sie konnte sich nicht mehr beherrschen. jetzt war es soweit: ihre einizge tochter heiratete an diesem abend, um das elternhaus zu verlassen und mit ihrem mann mitzugehen!

endlich im saal angelangt, verteilte man sich schnell, um nicht zu sagen gierig nach den besten plätzen um die tische, und das programm konnte losgehen.
wie viele gäste tatsächlich da waren, weiss ich nicht. ich kann es nicht so gut einschätzen. aber es ist durchaus üblich, mehrere hunderte an so einem ereignis teilhaben zu lassen. schliesslich ist eine hochzeit ja dazu da, so viele menschen wie möglich vom beginn einer legitimen partnerschaft in kenntnis zu setzen.

der DJ unterhielt uns mit musik, tanz und karaoke-einlagen, alles wurde zeitgleich auf einer leinwand überlebensgroß übertragen und man machte sich allmählich untereinander bekannt.
ich hab ja erwähnt, dass ahmed aus einer angesehenen familie aus oberägypten kommt. seine nächsten verwandten leben allerdings schon seit 2 generationen in kairo und sind sozusagen schon urbanisiert. entferntere angehörige hingegen sind immer noch "turbanisiert" und erschienen in prunkvollen langen gewändern. es war ein recht buntes, aber insgesamt äusserst erhabenes publikum anwesend.

dann kam der eigentliche moment des abends: die "ketbet ketäb", die eheschliessung durch den mazoun, den geistlichen standesbeamten. die braut hatte ihren vater bereits bevollmächtigt, der jetzt unter einem weißen taschentuch die hand des bräutigams hielt, während der text durchs mikrofon verlesen wurde.
wir wurden zeugen der im ehevertrag festgelegten punkte und sprachen dem vorleser unsere fürbitten nach, die dem brautpaar eine segensreiche, glückliche, harmonische ehe wünschten.
im anschluss daran war wieder gelegenheit, an die auf dem podest sitzenden brautleute zu treten, ihnen zu gratulieren und sich mit ihnen fotografieren zu lassen.
und so konnte nun auch das buffet eröffnet werden.
(diesen teil der feier möchte ich eigentlich lieber nicht ausführlich beschreiben, weil es eher peinlich ist. ...alle, die im hotel schon mal ägypt. feriengäste am buffet erlebt haben, wissen von was ich rede, bzw. nicht reden will...)
später, nachdem der hunger und die neugierde gesättigt waren, wurde weiter getanzt, bis abgeräumt wurde und die lichter erlischen.
jetzt brachte man das frischvermählte brautpaar in ihr neues, komplettes, eigenes heim, wo schon ein überfüllter kühlschrank und aphrodisierende speisen und getränke warteten. wir geleiteten sie- natürlich wieder laut trällernd und hupend, obwohl die nacht jetzt schon weit fortgeschritten war - bis zum hauseingang und setzten sie dort ihrem schicksal aus.

Schwiegerleute...
wer nun meint, das ganze sei zu unwahrscheinlich harmonisch und einvernehmlich abgelaufen, der liegt nicht mal daneben.
denn wie meist überall unter schwiegerfamilien stehen sich auch hier die beiden parteien nicht völlig vorbehaltlos gegenüber.
es muss unbedingt rücksicht auf die gefühle der jeweiligen "gegenpartei" genommen werden ohne dabei jedoch auf eigene interessen zu verzichten. allzu schnell interpretiert man so irgendwelche bös gemeinten absichten hinein, wo eigentlich gar kein anlass dazu bestand.
so auch, als es um das privileg ging, den brautleuten einen ausgiebigen besuch abzustatten:
dass die brautmutter gleich am ersten tag nach ihrer tochter sieht, ist überhaupt kein thema. aber als wir (tanten, onkels, cousins und oma) erst am 3.tag dran waren, sagte uns der brautvater, wir sollten nicht länger als eine halbe stunde bleiben. ein hinweis, den man mit normalen taktgefühl ohne weiteres annehmen kann.
als es dann aber hiess, die familie des bräutigams hätte sich für den nächsten tag angemeldet und ahmed habe deshalb die brautmutter gebeten, ihrer tochter in der küche beiseite zu stehen, war schluss mit lustig und mit dem größten verständnis. der besuch der familie des bräutigams würde offensichtlich den ganzen tag beanspruchen!
da warf man dem brautvater vor, unangemessen bescheiden zu sein und uns zu billig zu verkaufen. warum sollten wir uns mit einer halbstündigen besucherlaubnis zufrieden geben? ein kleineres familiendrama schwoll gerade an.

bei einem anderen thema ging "unsere partei" als sieger hervor, als die brauteltern verlangten, dass die gesamte wohnungseinrichtung auf den namen der braut geschrieben werden müsse.
diese "aima" ist dafür gemacht, dass die frau im falle einer scheidung, oder falls der mann sterben sollte und seine angehörigen ansprüche auf die hinterlassenschaft anzumelden gedachten, abgesichert und ausgestattet ist. nicht selten gingen beziehungen noch vor der eheschliessung, selbst kurz vor schluss, an diesem punkt zu bruch. und so schien auch diese angelegenheit heikel zu werden, da sich der bräutigam damals zunächst weigerte. aber der vater bestand hartnäckig auf die rechte seiner tochter, die - so erklärte er- in kairo nun mal üblich seien. schliesslich willigte ahmed doch ein, allerdings mit der bedingung, diese abmachung "unter uns" bleiben zu lassen, denn die frauen der familie in oberägypten seien allesamt nicht auf diese weise abgesichert und würden nur unnötig lunte riechen.

ein weiterer streitpunkt war das kinderzimmer. während ahmeds familie darauf bestand, dass die wohnung solange nicht komplett sei bis das kinderzimmer auch noch eingerichtet würde, wollte der brautvater davon gar nichts wissen. er selber hatte damals 4 jahre mit der familie im genick auf nachwuchs gewartet und wollte hier nicht wieder überstürzt handeln, sondern erst mal abwarten, bis mariams bauch unübersehbar rund und voll wäre. dann würde er sogar selber das kinderzimmer nach modernsten und teuersten maßstäben einrichten.

doch im großen und ganzen sind beide familien mit der wahl ihrer kinder, an der sie ja nicht ganz unbeteiligt gewesen waren, äusserst zufrieden und sich darüber einig, dass man hier wirklich auf anständige, respektvolle leute gestossen ist. und sie mögen glücklich und friedlich zusammenleben und wenn sie nicht gestorben sind .....

Gefällt mir

28. September 2009 um 12:55
In Antwort auf lemonice73

Schwiegerleute...
wer nun meint, das ganze sei zu unwahrscheinlich harmonisch und einvernehmlich abgelaufen, der liegt nicht mal daneben.
denn wie meist überall unter schwiegerfamilien stehen sich auch hier die beiden parteien nicht völlig vorbehaltlos gegenüber.
es muss unbedingt rücksicht auf die gefühle der jeweiligen "gegenpartei" genommen werden ohne dabei jedoch auf eigene interessen zu verzichten. allzu schnell interpretiert man so irgendwelche bös gemeinten absichten hinein, wo eigentlich gar kein anlass dazu bestand.
so auch, als es um das privileg ging, den brautleuten einen ausgiebigen besuch abzustatten:
dass die brautmutter gleich am ersten tag nach ihrer tochter sieht, ist überhaupt kein thema. aber als wir (tanten, onkels, cousins und oma) erst am 3.tag dran waren, sagte uns der brautvater, wir sollten nicht länger als eine halbe stunde bleiben. ein hinweis, den man mit normalen taktgefühl ohne weiteres annehmen kann.
als es dann aber hiess, die familie des bräutigams hätte sich für den nächsten tag angemeldet und ahmed habe deshalb die brautmutter gebeten, ihrer tochter in der küche beiseite zu stehen, war schluss mit lustig und mit dem größten verständnis. der besuch der familie des bräutigams würde offensichtlich den ganzen tag beanspruchen!
da warf man dem brautvater vor, unangemessen bescheiden zu sein und uns zu billig zu verkaufen. warum sollten wir uns mit einer halbstündigen besucherlaubnis zufrieden geben? ein kleineres familiendrama schwoll gerade an.

bei einem anderen thema ging "unsere partei" als sieger hervor, als die brauteltern verlangten, dass die gesamte wohnungseinrichtung auf den namen der braut geschrieben werden müsse.
diese "aima" ist dafür gemacht, dass die frau im falle einer scheidung, oder falls der mann sterben sollte und seine angehörigen ansprüche auf die hinterlassenschaft anzumelden gedachten, abgesichert und ausgestattet ist. nicht selten gingen beziehungen noch vor der eheschliessung, selbst kurz vor schluss, an diesem punkt zu bruch. und so schien auch diese angelegenheit heikel zu werden, da sich der bräutigam damals zunächst weigerte. aber der vater bestand hartnäckig auf die rechte seiner tochter, die - so erklärte er- in kairo nun mal üblich seien. schliesslich willigte ahmed doch ein, allerdings mit der bedingung, diese abmachung "unter uns" bleiben zu lassen, denn die frauen der familie in oberägypten seien allesamt nicht auf diese weise abgesichert und würden nur unnötig lunte riechen.

ein weiterer streitpunkt war das kinderzimmer. während ahmeds familie darauf bestand, dass die wohnung solange nicht komplett sei bis das kinderzimmer auch noch eingerichtet würde, wollte der brautvater davon gar nichts wissen. er selber hatte damals 4 jahre mit der familie im genick auf nachwuchs gewartet und wollte hier nicht wieder überstürzt handeln, sondern erst mal abwarten, bis mariams bauch unübersehbar rund und voll wäre. dann würde er sogar selber das kinderzimmer nach modernsten und teuersten maßstäben einrichten.

doch im großen und ganzen sind beide familien mit der wahl ihrer kinder, an der sie ja nicht ganz unbeteiligt gewesen waren, äusserst zufrieden und sich darüber einig, dass man hier wirklich auf anständige, respektvolle leute gestossen ist. und sie mögen glücklich und friedlich zusammenleben und wenn sie nicht gestorben sind .....


Klasse!
Bei all der Exotik sind diese menschlichen Züge, Ansprüche geltend machen zu wollen, wenn man schon sein eigenes Kind in die Ehe entlässt, ungemein global
Da kann man wirklich auf beiden Seiten mitleiden und insgeheim auch drüber schmunzeln

Gefällt mir

Frühere Diskussionen
@katze2409 herzlichen glückwunsch nachträglich
Von: sibypetzi
neu
26. September 2009 um 21:00

Beliebte Diskussionen

Wir machen deinen Tag bunter!
instagram

Das könnte dir auch gefallen