Forum / Gesellschaft & Leben

Sich selbst beruflich weniger stressen - Unsere Gesellschaft

Letzte Nachricht: 20. Juni um 15:50
27.05.21 um 21:35

Hello,

wollte mal meine Gedanken bzgl Stress und auch der gesellschaftliche Druck.

Ich selbst habe recht hohe Anforderungen an mich selbst in allen möglichen Punkten, in dem einen mehr, in dem anderen weniger. Kann gut sein und einen nach vorne bringen, kann aber auch ganz schön stressen. Besonders beruflich setze ich mich selbst sehr unter Druck, sowohl in meinem vorherigen Job als Filialleitung, als auch in meinem neuen als Recruiterin. Die stressigen Aspekte meines vorherigen Jobs sind nun weg und ich bin auf dem richtigen Weg. Allerdings befinde ich mich jetzt wieder in der Probezeit und natürlich unter Druck. Ich möchte alles gut machen, ungern Fehler, bin jetzt wieder bei 0 in dem Job und mein standing ist natürlich ein anderes.

Ich wünschte ich könnte manchmal diese entspannte Einstellung haben und trotzdem engagiert/ehrgeizig. Ich halte mir oft vor Augen, wenn ich zB aus meiner Komfortzone kommen muss - (Was für die Weiterentwicklung gut ist, allerdings auch wieder eine Stress-Situation) Das ich nicht so nervös und unter Druck sein muss, im Nachhinein betrachtet war es halb so schlimm, nicht zu viele Gedanken vorher machen, in 1 Woche lache ich drüber. In 1 Jahr bin ich dankbar dafür, aber trotzdem fühle ich mich so gestresst. Versuche sonst noch tief durchzuatmen, aber mehr fällt mir da nicht ein. Habt ihr Tipps?

Bin schon mit 17 in die Arbeitswelt eingestiegen und seitdem VZ am Arbeiten, früh ins Management gegangen und im Leben müssen wir so viel Arbeiten um uns später unsere Rente zu verdienen. Was ist da ein Wochenende oder 30 Tage Urlaub? In DE sollte in den Abteilungen lieber eine Person mehr eingestellt werden und dafür eine 4 Tage-Woche, so gäbe es weniger Burnouts etc, aber der Kostenfaktor wäre natürlich sehr hoch.. Wobei eine GFB mit 450€ im Monat doch ein Kompromiss wäre, um etwas zu entlasten.

Was denkt ihr über das Ganze?

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28.05.21 um 8:16

Du widersprichst Dir.

Und genau das deckt sich mit dem, wie ich das Thema nicht in allen, aber in den meisten Fällen erlebe.

Am Anfang schreibst Du, dass Du(!) Dich selbst(!) unter Druck setzt. Und dann kommst Du mit den Arbeitgebern? Warum, sollen die verhindern, dass Du Dich unter Druck setzt?!? Falscher Ansatz, wenn Du mich fragst.

Also ja, das gibt es schon. Unter den Kunden der Firma, bei der ich arbeite, ist ein großer deutscher Autohersteller. Schreibt man bei diesem Autohersteller jemandem eine EMail, der gerade im Urlaub ist, bekommt man einen Autoresponder, der aussagt, dass diese EMail direkt im Papierkorb gelandet ist, man solle es doch ab dem ... noch mal versuchen, der Kollege ist gerade im Urlaub.
Hintergrund ist der: es soll verhindert werden, dass die Mitarbeiter im Urlaub ihre EMails lesen KÖNNEN und arbeiten, statt Urlaub zu machen. - Und es soll verhindert werden, dass sie dann, wenn sie zurück kommen, den ersten halben Tag damit verbringen, sich durch die in 14 Tagen aufgelaufenen EMails wühlen, von denen 90% eh schon erledigt sind.

Damit ist dieser Hersteller nicht allein. Aber der Punkt ist: die haben eine ordentliche Stange Geld dafür investiert, ihre Angestellten davon ABHALTEN zu können, im Urlaub zu arbeiten!
Heißt auch: Nein, der Arbeitgeber WOLLTE gar nicht, dass die Leute im Urlaub ihre Mails bearbeiten - aber das "nur" zu sagen hatte wohl kaum Effekt, er musste es tatsächlich unmöglich machen, damit die Angestellten das auch alle auf die Reihe bekommen. Das es die Investition wert war, sagt: es waren wohl sicher nicht nur Einzelfälle und Ausnahmen, die das eben trotzdem getan haben.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, ich selbst habe in unserem recht kleinen Unternehmen auch mehrere Kollegen, die sich im Urlaub immer wieder an die Arbeit machen. Und nein, NOTWENDIG ist das nicht. Wir sind alle keine Vorstandschefs großer Unternehmen, bei denen das Gehalt so üppig ist, weil es eine 70h-Woche, ständige Erreichbarkeit und eine Kündigungsfrist im Minutenbereich nun einmal inkludiert.
Also meine Kollegen haben auch meine Telefonnummer und wenn so richtig die sprichwörtliche "K*** am dampfen" ist, rufen die auch an. Aber eben in Notfällen und nur in Notfällen und es ist keineswegs so, dass jeden Urlaub mindestens ein Notfall auftritt. Tut er nicht. Aber da ich nicht bei diesem Autohersteller arbeite, liegt es den Rest der Zeit eben in MEINER Verantwortung, in meinem Urlaub auch Urlaub zu machen und nicht noch mal eben etwas aufzuarbeiten, was in der normalen Arbeitszeit eben liegen geblieben ist. Oder schnell mal nachzusehen, wie es so läuft ohne mich. Oder schnell mal nachzusehen, ob die Kollegen in meiner Vertretung auch das offene Projekt ordentlich auf die Reihe bekommen. Oder ob ich auch nach Feierabend weiter über einem beruflichen Problem grüble - oder das bis zum nächsten Arbeitstag gut sein lasse.

Im Grunde würde ich auf Arbeit auch 60h/Woche voll bekommen. Mache ich aber nicht. Ja, in Ausnahmefällen werden es mal 50h in einer Woche - dafür haben die nächsten beiden Wochen dann aber auch 35h. Und auch das ist meine Verantwortung.
Ja, es gibt Wochen, da stehen gleich 3 wichtige Projekte an und nur eins ist zu schaffen. Da muss ICH mit den Kunden, den Kundenbetreuern und ggf. mit den Chefs reden, welches jetzt zu erst dran ist, ob ein Projekt ev. auch von jemand anders übernommen werden kann und das dritte eben warten muss. ICH plane meine Zeit, nicht die Chefs. Die priorisieren ggf. wenn es nicht für mich schon klar und eindeutig ist, wer zu erst dran ist.
Wenn ich nicht die Klappe aufmache und versuche alles irgendwie zu gleich hinzubiegen, dann habe ich eine 60h-Woche und mache mich kaputt dabei, ja. Und bekomme in einigen Monaten meine Kündigung, weil ich dabei zwangsläufig auch mehr Fehler machen werde. Aber das ist dann auch MEINE Schuld und nicht die von meinem Chef.
Ich sehe mich da keinesfalls als Ausnahme. Projekte, die ich mache, kommen von verschiedenen Kunden - also von verschiedenen Kundenbetreuern und intern von verschiedenen Kollegen. Die haben meinen Zeitplan natürlich nicht im Kopf. Mein Chef auch nicht. ICH bin derjenige, der weiß. dass die nächste Woche jetzt schon zu 70% verplant ist, zumal ja auch noch ein Feiertag ansteht und ich die anderen 30% frei lassen sollte, falls es irgendwo Probleme gibt oder etwas kommt, was ad hoc erledigt werden muss und also gleich sagen sollte: ds wird erst KW23 bei mir. Dann kann das sinnvoll kommuniziert und geplant werden. Meine Verantwortung - aber eben auch mein Problem, wenn ich es nicht mache. Und so ist das inzwischen in sehr, sehr vielen Jobs.

Und bitte: nicht nur beruflich, auch privat ist das wichtig. Privat erlebe ich auch zu viele Menschen, die ständig den Kopf voller "ich muss noch ..." haben. Nein, einen Sch*** MUSS man. Wenn die Wohnung mal nicht aufgeräumt und geputzt ist, geht das Universum nicht unter. Wenn man nicht den schönsten Vorgarten und nicht das blankgeputzteste Auto hat, auch nicht. Wenn man nicht für seine Freizeit (!) einen ausgebuchten Terminkalender hat, schon gar nicht. Wenn man einen selbst gekauften statt selbst gemachten Kuchen zum Fest mitbringt, auch nicht. Das ist alles selbst gemachter Druck und Stress.
Unser Körper und unsere Psyche reagieren auf JEDEN Stress. Egal ob beruflich oder privat. Egal, ob wir den als negativ empfinden oder vielleicht sogar als positiv, weil es nicht der Chef ist, der uns Druck macht, sondern wir ... sagen wir die eigene Hochzeit planen, auf die wir uns total freuen und die soooooo toll werden soll, dass wir noch nicht mal merken, was wir uns dafür monatelang so kaputt machen, dass wir im Grunde als physischer und psychischer Notfall aus dem Ganzen heraus gehen.

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30.05.21 um 10:35
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Du widersprichst Dir.

Und genau das deckt sich mit dem, wie ich das Thema nicht in allen, aber in den meisten Fällen erlebe.

Am Anfang schreibst Du, dass Du(!) Dich selbst(!) unter Druck setzt. Und dann kommst Du mit den Arbeitgebern? Warum, sollen die verhindern, dass Du Dich unter Druck setzt?!? Falscher Ansatz, wenn Du mich fragst.

Also ja, das gibt es schon. Unter den Kunden der Firma, bei der ich arbeite, ist ein großer deutscher Autohersteller. Schreibt man bei diesem Autohersteller jemandem eine EMail, der gerade im Urlaub ist, bekommt man einen Autoresponder, der aussagt, dass diese EMail direkt im Papierkorb gelandet ist, man solle es doch ab dem ... noch mal versuchen, der Kollege ist gerade im Urlaub.
Hintergrund ist der: es soll verhindert werden, dass die Mitarbeiter im Urlaub ihre EMails lesen KÖNNEN und arbeiten, statt Urlaub zu machen. - Und es soll verhindert werden, dass sie dann, wenn sie zurück kommen, den ersten halben Tag damit verbringen, sich durch die in 14 Tagen aufgelaufenen EMails wühlen, von denen 90% eh schon erledigt sind.

Damit ist dieser Hersteller nicht allein. Aber der Punkt ist: die haben eine ordentliche Stange Geld dafür investiert, ihre Angestellten davon ABHALTEN zu können, im Urlaub zu arbeiten!
Heißt auch: Nein, der Arbeitgeber WOLLTE gar nicht, dass die Leute im Urlaub ihre Mails bearbeiten - aber das "nur" zu sagen hatte wohl kaum Effekt, er musste es tatsächlich unmöglich machen, damit die Angestellten das auch alle auf die Reihe bekommen. Das es die Investition wert war, sagt: es waren wohl sicher nicht nur Einzelfälle und Ausnahmen, die das eben trotzdem getan haben.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, ich selbst habe in unserem recht kleinen Unternehmen auch mehrere Kollegen, die sich im Urlaub immer wieder an die Arbeit machen. Und nein, NOTWENDIG ist das nicht. Wir sind alle keine Vorstandschefs großer Unternehmen, bei denen das Gehalt so üppig ist, weil es eine 70h-Woche, ständige Erreichbarkeit und eine Kündigungsfrist im Minutenbereich nun einmal inkludiert.
Also meine Kollegen haben auch meine Telefonnummer und wenn so richtig die sprichwörtliche "K*** am dampfen" ist, rufen die auch an. Aber eben in Notfällen und nur in Notfällen und es ist keineswegs so, dass jeden Urlaub mindestens ein Notfall auftritt. Tut er nicht. Aber da ich nicht bei diesem Autohersteller arbeite, liegt es den Rest der Zeit eben in MEINER Verantwortung, in meinem Urlaub auch Urlaub zu machen und nicht noch mal eben etwas aufzuarbeiten, was in der normalen Arbeitszeit eben liegen geblieben ist. Oder schnell mal nachzusehen, wie es so läuft ohne mich. Oder schnell mal nachzusehen, ob die Kollegen in meiner Vertretung auch das offene Projekt ordentlich auf die Reihe bekommen. Oder ob ich auch nach Feierabend weiter über einem beruflichen Problem grüble - oder das bis zum nächsten Arbeitstag gut sein lasse.

Im Grunde würde ich auf Arbeit auch 60h/Woche voll bekommen. Mache ich aber nicht. Ja, in Ausnahmefällen werden es mal 50h in einer Woche - dafür haben die nächsten beiden Wochen dann aber auch 35h. Und auch das ist meine Verantwortung.
Ja, es gibt Wochen, da stehen gleich 3 wichtige Projekte an und nur eins ist zu schaffen. Da muss ICH mit den Kunden, den Kundenbetreuern und ggf. mit den Chefs reden, welches jetzt zu erst dran ist, ob ein Projekt ev. auch von jemand anders übernommen werden kann und das dritte eben warten muss. ICH plane meine Zeit, nicht die Chefs. Die priorisieren ggf. wenn es nicht für mich schon klar und eindeutig ist, wer zu erst dran ist.
Wenn ich nicht die Klappe aufmache und versuche alles irgendwie zu gleich hinzubiegen, dann habe ich eine 60h-Woche und mache mich kaputt dabei, ja. Und bekomme in einigen Monaten meine Kündigung, weil ich dabei zwangsläufig auch mehr Fehler machen werde. Aber das ist dann auch MEINE Schuld und nicht die von meinem Chef.
Ich sehe mich da keinesfalls als Ausnahme. Projekte, die ich mache, kommen von verschiedenen Kunden - also von verschiedenen Kundenbetreuern und intern von verschiedenen Kollegen. Die haben meinen Zeitplan natürlich nicht im Kopf. Mein Chef auch nicht. ICH bin derjenige, der weiß. dass die nächste Woche jetzt schon zu 70% verplant ist, zumal ja auch noch ein Feiertag ansteht und ich die anderen 30% frei lassen sollte, falls es irgendwo Probleme gibt oder etwas kommt, was ad hoc erledigt werden muss und also gleich sagen sollte: ds wird erst KW23 bei mir. Dann kann das sinnvoll kommuniziert und geplant werden. Meine Verantwortung - aber eben auch mein Problem, wenn ich es nicht mache. Und so ist das inzwischen in sehr, sehr vielen Jobs.

Und bitte: nicht nur beruflich, auch privat ist das wichtig. Privat erlebe ich auch zu viele Menschen, die ständig den Kopf voller "ich muss noch ..." haben. Nein, einen Sch*** MUSS man. Wenn die Wohnung mal nicht aufgeräumt und geputzt ist, geht das Universum nicht unter. Wenn man nicht den schönsten Vorgarten und nicht das blankgeputzteste Auto hat, auch nicht. Wenn man nicht für seine Freizeit (!) einen ausgebuchten Terminkalender hat, schon gar nicht. Wenn man einen selbst gekauften statt selbst gemachten Kuchen zum Fest mitbringt, auch nicht. Das ist alles selbst gemachter Druck und Stress.
Unser Körper und unsere Psyche reagieren auf JEDEN Stress. Egal ob beruflich oder privat. Egal, ob wir den als negativ empfinden oder vielleicht sogar als positiv, weil es nicht der Chef ist, der uns Druck macht, sondern wir ... sagen wir die eigene Hochzeit planen, auf die wir uns total freuen und die soooooo toll werden soll, dass wir noch nicht mal merken, was wir uns dafür monatelang so kaputt machen, dass wir im Grunde als physischer und psychischer Notfall aus dem Ganzen heraus gehen.

Hey, danke Dir für Deine ausführliche Antwort. Ich stimme Dir zu, dadurch das ich meine Gedanken einfach mal geteilt habe, war das wohl etwas zwiespältig. Auf der einen Seite liegt es daran, dass ICH mich selbst damit stresse, wie schon beschrieben. Und der andere Part war eher so gedacht, dass die Gesellschaft mit unserem Arbeitsmodell mich ebenfalls stresst, z.B der Gedanke das man sein ganzes Leben zum Großteil arbeiten muss, um dann irgendwann mal im Rentenalter angekommen zu sein, ohne genügend Geld zum Leben zu haben. Gut, dass mit der Rentenreform ist wieder eine andere, da gibts Möglichkeiten, aber einfach dieses arbeiten, arbeiten, arbeiten.

Die E-Mail Idee von dem Autohersteller finde ich gut. Aber warum schauen viele während des Urlaubs, oder sei es schon am WE aufs Firmenhandy etc? Ich finde, unter anderem weil man unter Druck steht. Man muss gut sein, will über alles Bescheid wissen, nichts verpassen, ja schnell wieder reinfinden nach dem Urlaub und und und. Aber ich stimme Dir zu das es auch an der Einstellung jeden einzelnen liegt. Ich sag ja, ich würde gerne auch von mir selbst aus entspannter an sowas reingehen und mich nicht stressen lassen, ist aber gar nicht mal so einfach. Auf mich z.B warten unzählige Mails und Infos nach dem Urlaub, sodass man am 1 Tag gleich wieder Urlaubsreif ist. Ich versuche auch wie Du, einen langen Arbeitstag mal auszugleichen etc, da es in der eigenen Verantwortung liegt. Aber durch viele Projekte und To Dos auf einmal, die man nicht schaffen kann, fühle ich mich persönlich unproduktiv und mag es nicht, dass ich nicht alles schaffe. Im Endeffekt wird man auch nach der Leistung beurteilt, das stresst mich dann wiederum. Es wird nicht verlangt, aber alles liegen lassen, fällt mir schwer. Tipps dafür?

Finde Deinen Ansatz wie gesagt gut, und dass es mehr in meiner Verantwortung liegt, ist mir jetzt bewusster geworden. Vielleicht hilft es mir, das ganze etwas besser zu steuern, danke Dir.

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30.05.21 um 14:25
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Hey, danke Dir für Deine ausführliche Antwort. Ich stimme Dir zu, dadurch das ich meine Gedanken einfach mal geteilt habe, war das wohl etwas zwiespältig. Auf der einen Seite liegt es daran, dass ICH mich selbst damit stresse, wie schon beschrieben. Und der andere Part war eher so gedacht, dass die Gesellschaft mit unserem Arbeitsmodell mich ebenfalls stresst, z.B der Gedanke das man sein ganzes Leben zum Großteil arbeiten muss, um dann irgendwann mal im Rentenalter angekommen zu sein, ohne genügend Geld zum Leben zu haben. Gut, dass mit der Rentenreform ist wieder eine andere, da gibts Möglichkeiten, aber einfach dieses arbeiten, arbeiten, arbeiten.

Die E-Mail Idee von dem Autohersteller finde ich gut. Aber warum schauen viele während des Urlaubs, oder sei es schon am WE aufs Firmenhandy etc? Ich finde, unter anderem weil man unter Druck steht. Man muss gut sein, will über alles Bescheid wissen, nichts verpassen, ja schnell wieder reinfinden nach dem Urlaub und und und. Aber ich stimme Dir zu das es auch an der Einstellung jeden einzelnen liegt. Ich sag ja, ich würde gerne auch von mir selbst aus entspannter an sowas reingehen und mich nicht stressen lassen, ist aber gar nicht mal so einfach. Auf mich z.B warten unzählige Mails und Infos nach dem Urlaub, sodass man am 1 Tag gleich wieder Urlaubsreif ist. Ich versuche auch wie Du, einen langen Arbeitstag mal auszugleichen etc, da es in der eigenen Verantwortung liegt. Aber durch viele Projekte und To Dos auf einmal, die man nicht schaffen kann, fühle ich mich persönlich unproduktiv und mag es nicht, dass ich nicht alles schaffe. Im Endeffekt wird man auch nach der Leistung beurteilt, das stresst mich dann wiederum. Es wird nicht verlangt, aber alles liegen lassen, fällt mir schwer. Tipps dafür?

Finde Deinen Ansatz wie gesagt gut, und dass es mehr in meiner Verantwortung liegt, ist mir jetzt bewusster geworden. Vielleicht hilft es mir, das ganze etwas besser zu steuern, danke Dir.

nun, zumindest bei dem Autohersteller ist 100% klar: nein, mussten sie NICHT. Im Gegenteil, sie sollten nicht - was auch nicht half, erst als sie nicht mehr KONNTEN war Ruhe.

In meiner Firma weiß ich es auch: nein, müssen wir NICHT. Die Kollegen, die es dennoch machen, haben dafür auch kein Lob bekommen, aber schon einige Male RÜGEN. Tun sie dennoch. - aber ganz sicher nicht, weil sie müssen. Sie GLAUBEN das vielleicht, aber sie stellen noch nicht mal nach einem Rüffel fest, dass genau dieser Glaube falsch ist.
Keine Ahnung warum, ich bekomme von ihnen keine enrsthaften Antworten auf die Frage und das Recht da "nachzubohren" habe ich bei einem Kollegen nicht. 

Ja, da ich ziemlich viele automatisierte Mails von Überwachungssytemen bekomme, habe ich um die 300 Mails tgl. - jetzt kannst Du hochrechnen, wie sich das in einer Woche Urlaub summiert. ich habe aber einen Autoresponder, der auf unser Ticketsystem weiter leitet. Dort sehe ich auf den ersten Blick, was von anderen Kollegen schon bearbeitet wurde und was noch offen ist.
Zudem unzählige Filter auf meinen Posteingang, die alle Mails automatisch in verschiedene Ordner sortieren und dann z.B: die überwachungsnachrichten nach "ok", "warung" und "Problem". 99% sind ok, rechtsklick, "als gelesen markieren" fertig. Die Mails, mit denen ich nur nachlese, was so los war, sind auch in eigenen Ordnern, eilt nicht, kann ich irgendwann mal machen. usw. usw. usw.
Damit sind die Mails, um die man sich sofort kümmern muss, an einer Hand abzählbar und sofort zu finden, die für "bald" auch sofort zu finden und < 10 - alles gut.

Mehr Projekte als ich auf einmal schaffen kann, habe ich auch oft. Ja und? "Hallo Chef, ich habe hier für diese Woche Projekt a, da sind ca. 18h Arbeit, Projekt B sind ca. 3h, Projekt c sind 7h, alle wollen sofort, bitte priorisiere, wer zu erst dran ist".
Meine Aufgabe ist tatsächlich NICHT, alle 3 Projekte am nächsten Tag fertig zu haben, meine Aufgabe an der Stelle ist es, in Abstimmung mit meinem Chef und den Kundenbetreuern zu klären, wer warten muss. Nein, ist nicht die Ausnahme.

Das ist eine Folge dessen, dass wir keine Sklaven sind. In dieser Zeit kann man sich die Arbeit in vielem selbst einteilen. Es gibt für die meisten kein Fließband, dass die Zeiten für die Arbeitsschritte und auch die Reihenfolge der Arbeitsschritte ganz genau vorgibt, ohne dass man selbst etwas entscheiden kann. Es gibt keinen Vorarbeiter, der uns eine Hacke in die Hand drückt und sagt, auf diesem Feld muss bis heute abend das Unkraut komplett weg sein, während wir überhaupt nichts selbst entscheiden können.
Es gibt die Möglichkeit, solche Dinge selbst zu entscheiden - was aber eben eine ABSTIMMUNG bedingt, um die man sich kümmern muss - und Menschen, die damit umgehen können, selbst zu entscheiden. Wenn die fehlt, ist nicht "die Gesellschaft" schuld und auch nicht der Arbeitgeber - sondern man selbst. Und das ist nach meiner Erfahrung die Mehrzahl der Fälle. Ja, echte Ar*** als Chefs, die wirklich den Druck machen, gibt es auch. Aber eben nur AUCH. In dem Falle: Bewerbungen schreiben. In allen anderen Fällen: sich selbst hinterfragen und die eigenen Einstellungen ändern.

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30.05.21 um 19:58
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Hey, danke Dir für Deine ausführliche Antwort. Ich stimme Dir zu, dadurch das ich meine Gedanken einfach mal geteilt habe, war das wohl etwas zwiespältig. Auf der einen Seite liegt es daran, dass ICH mich selbst damit stresse, wie schon beschrieben. Und der andere Part war eher so gedacht, dass die Gesellschaft mit unserem Arbeitsmodell mich ebenfalls stresst, z.B der Gedanke das man sein ganzes Leben zum Großteil arbeiten muss, um dann irgendwann mal im Rentenalter angekommen zu sein, ohne genügend Geld zum Leben zu haben. Gut, dass mit der Rentenreform ist wieder eine andere, da gibts Möglichkeiten, aber einfach dieses arbeiten, arbeiten, arbeiten.

Die E-Mail Idee von dem Autohersteller finde ich gut. Aber warum schauen viele während des Urlaubs, oder sei es schon am WE aufs Firmenhandy etc? Ich finde, unter anderem weil man unter Druck steht. Man muss gut sein, will über alles Bescheid wissen, nichts verpassen, ja schnell wieder reinfinden nach dem Urlaub und und und. Aber ich stimme Dir zu das es auch an der Einstellung jeden einzelnen liegt. Ich sag ja, ich würde gerne auch von mir selbst aus entspannter an sowas reingehen und mich nicht stressen lassen, ist aber gar nicht mal so einfach. Auf mich z.B warten unzählige Mails und Infos nach dem Urlaub, sodass man am 1 Tag gleich wieder Urlaubsreif ist. Ich versuche auch wie Du, einen langen Arbeitstag mal auszugleichen etc, da es in der eigenen Verantwortung liegt. Aber durch viele Projekte und To Dos auf einmal, die man nicht schaffen kann, fühle ich mich persönlich unproduktiv und mag es nicht, dass ich nicht alles schaffe. Im Endeffekt wird man auch nach der Leistung beurteilt, das stresst mich dann wiederum. Es wird nicht verlangt, aber alles liegen lassen, fällt mir schwer. Tipps dafür?

Finde Deinen Ansatz wie gesagt gut, und dass es mehr in meiner Verantwortung liegt, ist mir jetzt bewusster geworden. Vielleicht hilft es mir, das ganze etwas besser zu steuern, danke Dir.

die Tipps fehlten noch...

1. Wenn Du die nächste Schulung frei hast: Nimm eine zu Zeitmanagement. Nicht die billigste, wenn's geht. Vieles davon ist Organisation (das mit den Emails bswp), Priorisierung (bei der die Kunst darin besteht, dass sie nicht darin endet, dass das mit niedirger Priorität nicht einfach nie dran kommt) und eben Zeitmangement.

1b) alternativ Kommunikation. Nö, Projekte "einfach liegen lassen" geht natürlich nicht.Deswesgen: abstimmen. Mit den Kunden, mit den Kollegen und wenn es dann immer noch nicht klar ist, muss der Chef entscheiden.
Klar, es kommt fast nie vor, dass ein Auftrag rein kommt, man fragt: bis wann soll es denn fertig sein? und hört... ach irgendwann mal, so wie es eben passt..
Bei uns kommen die Projekte / Aufträge von den Verkäufern rein und für die ist natürlich IHR Projekt im ersten Moment das Zentrum des Universums. Am besten heute schon fertig, damit es gleich auf die Rechnung kann.
Nun, erste Frage ist bei mir immer: bis wann muss es denn SPÄTESTENS fertig sein? - wenn es eher fertig ist heult keiner, aber der Timeout ist der zentrale Punkt der Planung.
Zweiter Punkt: wenn man für eine Woche am Wochenanfang schon zu mehr als 50% "ausgebucht" ist: demjenigen, von dem man Auftrag / Projekt / ToDo bekommt: SOFORT Bescheid sagen. Auch die wollen planen und sind selten sauer, wenn es erst in der übernächsten Woche wird, aber natürlich schon, wenn sie etwas bewauftragen, mit Mittwoch rechnen und sicherheitshalber Donnerstag planen, dann nichts mehr hören, am Donnerstag nachfragen, am Freitag die Antwort erhalten, dass es diese Woche leider nicht geklappt hat und es dann irgendwann mal 1,5 Wochen später fertig ist. (sollte man nächste Woche sagen und es doch diese Woche schaffen - heult keiner. Sollte es tatsächlich so dringend sein, dass es nicht warten kann, wird man es an der Stelle hören und kann da immer noch umplanen) Aber das so frühzeitig wie möglich abzuklären ist für alle Beteiligten das wichtigste.

2. Deine Einstellung überarbeiten. Du lässt nicht alles liegen. Du planst ein großes Projekt für für diese Woche ein und zwei andere für nächste Woche.

3. richtig, die Leistung wird bewertet.
Sagen wir mal: ich habe 2 Mitarbeiter. 
Kollege A: reißt sich den Ar*** auf, macht ständig Überstunden, ist dabei die ganze Zeit völlig unter Stress, macht entsprechend auch Fehler. Liest noch nach Feierabend seine EMails, kann aber damit nicht richtig abschalten, sich nicht gut erholen und ausgleichen. Leistungskurve... nunja, wie sie halt unter Stress mit ungenügendem Ausgleich ist: für kurze Zeit super, aber dann eben... naja unkonzentriert und unter Stress halt. Mit Pech in 1/2 Jahr dann mehrere Wochen am Stück krank, weil in einen Burnout gelaufen. Oder erst in zwei Jahren, dann kommt die Kündigung vermutlich vorher.

Kollege B: ausgeglichen und organisiert, macht nur das sofort, was sofort sein muss oder gerade passt, stimmt Termine aber immer mit Auftraggeber,. Kollegen und wenn nötig Chef ab, geht dafür aber fast immer pünktlich nach Hause, nur in seltenen Notfällen nicht.

=> na, wer kriegt die Bonuspunkte? ^^ 
Ganz ehrlich: Kollege A kann kein Chef wollen, der bei Verstand ist. Nun gut, es gibt auch Chefs. wo man darüber disktutieren kann, ob sie es sind - die Regel sind die aber nicht.

Und nein, niemand muss DER BESTE sein. Die Weltelite besteht immer nur aus ganz wenigen Menschen. Ich bin mir sicher, ich bin in keinem Bereich die Beste. Ich bin nicht die Schönste, nicht die schnellst, nicht die klügste, nicht die geschickteste, nicht die musikalischste, ... usw... Frau der Welt - und ich bin trotzdem super in meinem Job. 

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31.05.21 um 11:03

Ich glaube auch einfach, dass wir uns oft einfach auch mal von den Stress
der anderen irgendwie anstecken lassen, findet ihr nicht?

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Kannst du deine Antwort nicht finden?

01.06.21 um 14:42

Das Problem ist aber auch, dass wir uns teilweise viel zu oft mit anderen vergleichen.

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10.06.21 um 15:18
In Antwort auf

die Tipps fehlten noch...

1. Wenn Du die nächste Schulung frei hast: Nimm eine zu Zeitmanagement. Nicht die billigste, wenn's geht. Vieles davon ist Organisation (das mit den Emails bswp), Priorisierung (bei der die Kunst darin besteht, dass sie nicht darin endet, dass das mit niedirger Priorität nicht einfach nie dran kommt) und eben Zeitmangement.

1b) alternativ Kommunikation. Nö, Projekte "einfach liegen lassen" geht natürlich nicht.Deswesgen: abstimmen. Mit den Kunden, mit den Kollegen und wenn es dann immer noch nicht klar ist, muss der Chef entscheiden.
Klar, es kommt fast nie vor, dass ein Auftrag rein kommt, man fragt: bis wann soll es denn fertig sein? und hört... ach irgendwann mal, so wie es eben passt..
Bei uns kommen die Projekte / Aufträge von den Verkäufern rein und für die ist natürlich IHR Projekt im ersten Moment das Zentrum des Universums. Am besten heute schon fertig, damit es gleich auf die Rechnung kann.
Nun, erste Frage ist bei mir immer: bis wann muss es denn SPÄTESTENS fertig sein? - wenn es eher fertig ist heult keiner, aber der Timeout ist der zentrale Punkt der Planung.
Zweiter Punkt: wenn man für eine Woche am Wochenanfang schon zu mehr als 50% "ausgebucht" ist: demjenigen, von dem man Auftrag / Projekt / ToDo bekommt: SOFORT Bescheid sagen. Auch die wollen planen und sind selten sauer, wenn es erst in der übernächsten Woche wird, aber natürlich schon, wenn sie etwas bewauftragen, mit Mittwoch rechnen und sicherheitshalber Donnerstag planen, dann nichts mehr hören, am Donnerstag nachfragen, am Freitag die Antwort erhalten, dass es diese Woche leider nicht geklappt hat und es dann irgendwann mal 1,5 Wochen später fertig ist. (sollte man nächste Woche sagen und es doch diese Woche schaffen - heult keiner. Sollte es tatsächlich so dringend sein, dass es nicht warten kann, wird man es an der Stelle hören und kann da immer noch umplanen) Aber das so frühzeitig wie möglich abzuklären ist für alle Beteiligten das wichtigste.

2. Deine Einstellung überarbeiten. Du lässt nicht alles liegen. Du planst ein großes Projekt für für diese Woche ein und zwei andere für nächste Woche.

3. richtig, die Leistung wird bewertet.
Sagen wir mal: ich habe 2 Mitarbeiter. 
Kollege A: reißt sich den Ar*** auf, macht ständig Überstunden, ist dabei die ganze Zeit völlig unter Stress, macht entsprechend auch Fehler. Liest noch nach Feierabend seine EMails, kann aber damit nicht richtig abschalten, sich nicht gut erholen und ausgleichen. Leistungskurve... nunja, wie sie halt unter Stress mit ungenügendem Ausgleich ist: für kurze Zeit super, aber dann eben... naja unkonzentriert und unter Stress halt. Mit Pech in 1/2 Jahr dann mehrere Wochen am Stück krank, weil in einen Burnout gelaufen. Oder erst in zwei Jahren, dann kommt die Kündigung vermutlich vorher.

Kollege B: ausgeglichen und organisiert, macht nur das sofort, was sofort sein muss oder gerade passt, stimmt Termine aber immer mit Auftraggeber,. Kollegen und wenn nötig Chef ab, geht dafür aber fast immer pünktlich nach Hause, nur in seltenen Notfällen nicht.

=> na, wer kriegt die Bonuspunkte? ^^ 
Ganz ehrlich: Kollege A kann kein Chef wollen, der bei Verstand ist. Nun gut, es gibt auch Chefs. wo man darüber disktutieren kann, ob sie es sind - die Regel sind die aber nicht.

Und nein, niemand muss DER BESTE sein. Die Weltelite besteht immer nur aus ganz wenigen Menschen. Ich bin mir sicher, ich bin in keinem Bereich die Beste. Ich bin nicht die Schönste, nicht die schnellst, nicht die klügste, nicht die geschickteste, nicht die musikalischste, ... usw... Frau der Welt - und ich bin trotzdem super in meinem Job. 

Ich denke, das klingt alles einfacher als es ist. Zunächst muss man sich das Arbeitsvolumen insgesamt mal anschauen. Ist es tatsächlich zuviel? Kommt jeden Tag so viel rein, dass selbst die beste Organisation und das coolsteZeitmanagement versagen?

Gehört der Arbeitgeber selbst zu den "Arbeitstieren", die ständig Überstunden machen, die mit ihrem Job verheiratet sind und das auch von ihrenAngestellten erwarten?

Macht die Arbeit, die man macht, auch Freude? Es klingt banal, aber ich halte das für fundamental! Wie und womit möchte man die nächsten 40 Jahre tagaus tagein verbringen? Bringt einen diese Frage zur Verzweiflung? Kann man an nichts anderes mehr denken, als dass es morgen wieder "losgeht"? Wacht man nachts auf und macht sich Gedanken und Sorgen?

Dann wird es Zeit! Für einen Achtsamkeitskurs, für einen Burnout-Kurs oder für einen ganz langen Urlaub und/ oder für einen Job-Wechsel. Wenn man selbst der größte, eigene Kritiker ist, dann tief Luft holen und diesen Kritiker entlassen. Auf den Körper hören und sich ein Stück Freiheit schenken ist vielleicht wichtiger als ein neuer Orga-Ordner. Nichts ist so wichtig wie du selbst! Keine Firma ist es wert, dass du dich kaputt machst. Gibt es einen Plan B? 

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11.06.21 um 12:16

Tja, das ist der Druck den sich die Gesellschaft selbst aufbaut und wofür?

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20.06.21 um 15:50

Das stimmt. Hat jemand im Raum gute Laune, lasse ich mich anstecken. Bin ich mit einer Person im Raum alleine die nur meckert, schlechte Stimmung verbreitet etc, wirkt sich das auch negativ auf mich aus und so ähnlich ist es mit Gelassenheit/Stress sicher auch.

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