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Schwierige Lebensentscheidung - Umzug auf anderen Kontinent

29. Januar 2017 um 12:46

Hallo - 

ich lade Euch dazu ein, mit mir über mein First-World-Problem zu reflektieren. Vielleicht komme ich dann endlich zur Ruhe und treffe eine gute Entscheidung, mit der ich dann auch leben kann.

Es ist schon schräg: Mein ganzes Leben lang, bis zu meinem 30 Lebensjahr wusste ich immer genau was ich will, habe alles durchgezogen und erreicht, oft durch harte Arbeit aber natürlich gehört auch Glück dazu. Auch zu schwierigen Zeiten habe ich mich nie richtig aus der Bahn werfen lassen. Dann, mit 30, habe ich aus den falschen Gründen geheiratet und war nur wenige Monate später von meinem Ex getrennt und dann nach 8 Jahren Beziehung auch geschieden. Wie ein Idiot habe ich mich lange Zeit gefühlt. Aber immer mit dem Wissen, die Entscheidung uns zu trennen war richtig.

Ich hatte ein großartiges Angebot meines Arbeitgebers in die USA zu wechseln (ich war davor schon auf Entsendung dort und fühlte mich super wohl) und dort meinen Traumjob zu machen und habe es angenommen. Ich hatte ohnehin auch schon lange den Drang, wegzugehen und fühlt mich in Europa nicht ganz so zu Hause. Ich bin in die USA und zuerst, um mich auf die neue Position vorzubereiten, an einem Ort gelandet, den ich zum Leben hasste. Ich wusste, man würde mich nach circa 9 Monaten relocaten an einen Ort, den ich liebe (NY). Allerdings war klar, dass ich viel unterwegs sein würde und wie soll man den Freundschaften, geschweige denn eine Beziehung aufbauen, wenn man ständig zwischen Zeitzonen pendelt. Dann bekam ich Panik. Ich bin nun 32 Jahre alt und ja, ich bin ambitioniert und liebe meine Arbeit, aber ich will auch Familie und mein Privatleben ist mir wichtig. Ich hatte das Gefühl, ich würde gerade diese Karriereentscheidung treffen, die man später mal bereut: Wenn man dann alleine übrig bleibt. Diese Person will ich nicht sein und man hat das selbst in der Hand. Also habe ich mich dazu entschlossen, nach Europa zurückzukehren. Clear cut, in Europa sofort im neuen Job (sogar neuer Industrie) gestartet, schon ziemlich geglänzt und dachte, es fiele mir hier leichter, wieder privat Fuß zu fassen. Ich bin nun seit 3.5 Monaten zurück.

Nun stelle ich hier fest, dass ich hier genauso bei 0 anfange. Ja klar hab ich hier Freunde und das hilft. Es war auch wichtig, hierherzukommen und mir wenigstens ein bisschen Zeit zu nehmen, die Trennung vom Ex zu verarbeiten. Das war wohl der größte Fehler - so kurz nach der Trennung wegzugehen. Aber im Grunde muss ich mir mein Leben hier genauso aufbauen wie dort. Ich vermisse meinen alten Job sehr, die Kollegen und die Firma - es war einfach toll. Ich liebe New York und ich vermisse die Stadt, die Leute. Aber die Lebensqualität ist nicht so gut wie hier, wo ich für weniger als EUR 20,-- mal in hochklassiges Theater gehe oder mal schnell zum Schwimmen in den Fluss springe.

Ich weiß, dass meine ehem. Firma die Türen für mich noch offen hat. Die schlossen im Herbst sogar Wetten ab, dass ich in weniger als 2 Jahren zurückkommen würde . Gerade gestern kam vom VP eine Nachricht: "It's great to hear from you and we definitely miss you. If you get bored with the XXX business, let me know." Und meine ehem. Mitarbeiter hatten mir in der Woche davor ein Paket geschickt...

Irgendwie bin ich einfach verwirrt und komm nicht weiter. Soll ich nochmal zurück und muss dann eben damit leben, dass es lange dauert, bis man diese guten Freundschaften aufbaut? Dann würde ich meinem ehem. Arbeitgeber auch klar sagen, dass sie mir am Anfang Zeit geben müssen, anzukommen. Oder soll ich hier in Europa bleiben, wo ich mich aber irgendwie nicht mehr (oder noch nicht?) zu Hause fühle? Und die biologische Uhr tickt dann eben auch noch so nebenbei...

Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?




 

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29. Januar 2017 um 14:00
In Antwort auf simonetta185

Hallo - 

ich lade Euch dazu ein, mit mir über mein First-World-Problem zu reflektieren. Vielleicht komme ich dann endlich zur Ruhe und treffe eine gute Entscheidung, mit der ich dann auch leben kann.

Es ist schon schräg: Mein ganzes Leben lang, bis zu meinem 30 Lebensjahr wusste ich immer genau was ich will, habe alles durchgezogen und erreicht, oft durch harte Arbeit aber natürlich gehört auch Glück dazu. Auch zu schwierigen Zeiten habe ich mich nie richtig aus der Bahn werfen lassen. Dann, mit 30, habe ich aus den falschen Gründen geheiratet und war nur wenige Monate später von meinem Ex getrennt und dann nach 8 Jahren Beziehung auch geschieden. Wie ein Idiot habe ich mich lange Zeit gefühlt. Aber immer mit dem Wissen, die Entscheidung uns zu trennen war richtig.

Ich hatte ein großartiges Angebot meines Arbeitgebers in die USA zu wechseln (ich war davor schon auf Entsendung dort und fühlte mich super wohl) und dort meinen Traumjob zu machen und habe es angenommen. Ich hatte ohnehin auch schon lange den Drang, wegzugehen und fühlt mich in Europa nicht ganz so zu Hause. Ich bin in die USA und zuerst, um mich auf die neue Position vorzubereiten, an einem Ort gelandet, den ich zum Leben hasste. Ich wusste, man würde mich nach circa 9 Monaten relocaten an einen Ort, den ich liebe (NY). Allerdings war klar, dass ich viel unterwegs sein würde und wie soll man den Freundschaften, geschweige denn eine Beziehung aufbauen, wenn man ständig zwischen Zeitzonen pendelt. Dann bekam ich Panik. Ich bin nun 32 Jahre alt und ja, ich bin ambitioniert und liebe meine Arbeit, aber ich will auch Familie und mein Privatleben ist mir wichtig. Ich hatte das Gefühl, ich würde gerade diese Karriereentscheidung treffen, die man später mal bereut: Wenn man dann alleine übrig bleibt. Diese Person will ich nicht sein und man hat das selbst in der Hand. Also habe ich mich dazu entschlossen, nach Europa zurückzukehren. Clear cut, in Europa sofort im neuen Job (sogar neuer Industrie) gestartet, schon ziemlich geglänzt und dachte, es fiele mir hier leichter, wieder privat Fuß zu fassen. Ich bin nun seit 3.5 Monaten zurück.

Nun stelle ich hier fest, dass ich hier genauso bei 0 anfange. Ja klar hab ich hier Freunde und das hilft. Es war auch wichtig, hierherzukommen und mir wenigstens ein bisschen Zeit zu nehmen, die Trennung vom Ex zu verarbeiten. Das war wohl der größte Fehler - so kurz nach der Trennung wegzugehen. Aber im Grunde muss ich mir mein Leben hier genauso aufbauen wie dort. Ich vermisse meinen alten Job sehr, die Kollegen und die Firma - es war einfach toll. Ich liebe New York und ich vermisse die Stadt, die Leute. Aber die Lebensqualität ist nicht so gut wie hier, wo ich für weniger als EUR 20,-- mal in hochklassiges Theater gehe oder mal schnell zum Schwimmen in den Fluss springe.

Ich weiß, dass meine ehem. Firma die Türen für mich noch offen hat. Die schlossen im Herbst sogar Wetten ab, dass ich in weniger als 2 Jahren zurückkommen würde . Gerade gestern kam vom VP eine Nachricht: "It's great to hear from you and we definitely miss you. If you get bored with the XXX business, let me know." Und meine ehem. Mitarbeiter hatten mir in der Woche davor ein Paket geschickt...

Irgendwie bin ich einfach verwirrt und komm nicht weiter. Soll ich nochmal zurück und muss dann eben damit leben, dass es lange dauert, bis man diese guten Freundschaften aufbaut? Dann würde ich meinem ehem. Arbeitgeber auch klar sagen, dass sie mir am Anfang Zeit geben müssen, anzukommen. Oder soll ich hier in Europa bleiben, wo ich mich aber irgendwie nicht mehr (oder noch nicht?) zu Hause fühle? Und die biologische Uhr tickt dann eben auch noch so nebenbei...

Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?




 

Ich würde nach N.Y. City gehen. 
Hör auf dein Herz. 

Und wenn du  d o r t niemanden kennenlernst, wo dann sonst😉?

Good luck. 

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30. Januar 2017 um 10:22

Danke Euch. Ich denke, ihr habt alle Recht.

Ladike, was Du nicht weißt (denn auch Du hast Recht und das geistert natürlich auch in meinem Kopf rum): Mein ex-Arbeitgeber ist ein großes europäisches Familienunternehmen und die haben sehr viel Verständnis für Privatleben. D.h. die treffen auch Sondervereinbarungen. Z.B. kann man dort ruhig mal ein halbes Jahr oder Jahr zu Hause beim Kind bleiben (was es sonst in den US ja nicht gibt); das gleiche machen sie z.B. auch wenn man eine Krankheitsfall in der Familie hat etc... Nichtsdestotrotz, klar ist es hier viel leichter ein Kind großzuziehen durch das starke Sozialsystem. Das beginnt schon bei den Kosten für die Geburt.

Was mich aber letztens in einem Gespräch mit einer Freundin ungemein getroffen hat (sie hat gar nicht über mich gesprochen aber sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen), war das "comfort zone" Argument. Hier ist alles gut, es ist die comfort zone. Aber eben auch "nur" das. 

Ich werde mir noch ein paar Tage der Reflexion gönnen und dann eine Entscheidung treffen. Werde einfach nochmal ganz genau evaluieren, was ich brauche (nicht nur jetzt, sondern langfristig) und was die bessere Variante ist. Hilft ja nix!

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