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Rechtsextremismus

24. Januar 2016 um 19:51

Hallo Leute, (das wird ein etwas langer Text, sorry ; ) aber danke jedem, der es liest : ) )

seit langem ist mir etwas aufgefallen und ich frage mich warum es so ist und ob es sich ändern wird. Ich bin in Deutschland geboren, aber meine Eltern kommen aus Afghanistan. Wegen eines Kriegs gab es vor vielen Jahren Flüchtlinge auf der ganzen Welt, die jetzt schon in der 3. Generation im Ausland leben. Es gibt viele Konflikte unter ihnen, zu denen ich mich hier äußern möchte, weil ich im Internet kaum etwas darüber finde.

Das Problem ist, dass die Mehrheit auf eine sehr negative Art rechtsorientiert ist. Sie sehen sich selbst und ihre Landsleute als die Guten, die Unschuldigen und als Opfer der Ausländer/Einwanderer. Alle anderen sind die Bösen, die ihnen nie das Wasser reichen könnten. Und alle Landsleute, die sich nicht nach ihren Regeln verhalten sind mindestens genauso schlecht oder keine richtigen Afghanen. Dabei tun sie selbst so viel Unrecht, sind aber nicht selbstreflektiert, sachlich, objektiv, selbstkritisch genug, um dies zu erkennen, einzusehen, zuzugeben. Viele ihrer Landsleute die anders sind leiden unter ihnen, weil sie sowohl im eigenen Land als auch im Ausland die Mehrheit darstellen und Afghanen die anders sind die Minderheit. Die Afghanen die nicht nach deren Regeln leben, werden sehr stark diskriminiert, diskreditiert, bedroht und verfolgt.

Es sind natürlich nicht alle so schlimm und ich kann sie auch irgendwie verstehen, wenn sie Angst haben, ihre gewohnte Umgebung und Mitmenschen durch die Veränderung zu verlieren. Ich will deswegen niemanden angreifen und es tut mir auch leid, wenn ich jetzt nicht immer die richtige Wortwahl treffe. Es geht lediglich darum aufzuklären und Brücken des Verständnis füreinander zu schaffen. Ich kann sie auch verstehen, dass es emotional und mental schwer und schwierig ist, sich auf Veränderungen oder Gegensätze einzustellen, die nicht dem eigenen Weltbild entsprechen. Ich kann sie auch verstehen, dass sie ja sonst Menschen wie du und ich sind und vllt. nur in diesem Punkt nicht das große Ganze sehen, sondern nur ihre eigene Sicht. Ich kann auch verstehen, dass es Zeit und Arbeit kostet zu akzeptieren, dass es auch Afghanen gibt die schon immer anders waren oder sich jetzt "anders machen". Aber um für Frieden zu sorgen muss es Toleranz, Verständnis, Akzeptanz, Achtung gegenüber Menschen geben, die anders sind. Sonst werden sich die Menschen immer bekriegen, wenn immer alle gleich sein sollen und sich nicht verändern dürfen, oder sie selbst sein dürfen.

Aber dieses Thema wird kaum angesprochen, weder von Deutschen noch von Afghanen. Das ist sehr schlecht, da sonst ein verzerrtes Bild der Afghanen in Umlauf gebracht wird. Denn es gibt nicht nur die Afghanen die arme unschuldige Opfer von Krieg sind, sondern auch diejenigen die unter dem Krieg leiden, den die eigenen Afghanen gegen sie führen. Aber das wiederum wird dann von rechtsorientierten Afghanen schöngeredet, verharmlost, gerechtfertigt usw. Oft wird damit argumentiert, dass man ja die Traditionen bewahren müsse, welche die Kultur und die Identität dieser Nation ausmachen.

Aber was viele nicht wissen oder nicht wissen wollen ist, dass Traditionen und Kulturen nie ewig waren, sondern immer in Bewegung waren und sich mit der Zeit den Menschen anpassten, die sie ja letztendlich "gemacht haben". Und Tradition und Kultur gibt es auch nicht erst seitdem der Islam mit seinen arabischen Einflüssen in Afghanistan herrscht, sondern seitdem Menschen auf jenem Teil der Erde leben. Und die Geschichte der Menschen die auf dem Teil der Erde leben, was sich heute Afghanistan nennt ist mindesten 3000 Jahre alt. Und die Traditionen waren nicht immer so wie heute. Vor 3000 Jahren herrschten ganz andere Traditionen und eine ganz andere Kultur und Religion. Wer von den heutigen rechtsorientierten nationalistischen Afghanen lebt denn nach jenen Traditionen, wenn es doch so wichtig ist Tradition und Kultur zu bewahren? Leben sie nicht auch nach den neueren Traditionen der heutigen Zeit? Und ganz aktuell haben sich die Menschen wieder entwickelt und andere Traditionen, Mentalitäten und eine andere Lebensweise/Kultur für sich entwickelt. Warum dürfen die nicht auch nach den Zeitgemäßen Begebenheiten ihr Leben leben?

Und es sind ja nicht alle Afghanen anders oder keine richtigen Afghanen weil sie Christen/Juden/Buddhisten/Kapitalisten/Kommunisten etc. sind. Es sind ganz normale Afghanen die von der Geschichte ihres Landes geprägt sind und diese zu einem Teil ihrer Identität gemacht haben. Es haben nicht immer Muslime in Afghanistan gelebt, sondern vorher auch Christen, Juden, Buddhisten, Atheisten, Kapitalisten, Kommunisten etc. Nur weil die aktuelle Regierung seit einigen Jahren islamisch ist und der Islam deswegen Pflicht für alle Bürger ist, müssen auf einmal alle ihre alte Identität ablegen und dürfen keine Christen, Juden, Buddhisten, etc. mehr sein?

Jeder muslimische Afghane weiß selbst wie schlimm es ist, wenn jemand außenstehendes zu einem kommt und einem vorschreiben will, wer man zu sein hat und wie man zu leben hat. Warum können dann nicht auch die muslimischen, rechtsorientierten Afghanen akzeptieren, dass auch sie nicht die einzigen Afghanen sind, und dass sie auch nicht die "richtigen" Afghanen repräsentieren, da es den "richtigen" Afghanen nicht gibt. Das Land ist seit tausenden von Jahren von vielen verschiedenen Ethnien und Völkern mit eigener, Sprache, Tradition und Kultur bewohnt, hatte immer wieder einen anderen Grenzverlauf durch die Geschichte und Kriege mit anderen Ländern.

Es gibt keine Menschen die vom Himmel auf diesen Teil der Erde gefallen sind und alle dieselben Gene haben. "Afghane" ist lediglich die Stattsabgehörigkeit, denn der Name des Staates hat nichts mit der Ethnie der Menschen zu tun. Bis heute hatte das Land viele verschiedene Namen die durch die Geschichte bestimmt waren. Die Menschen dort sind alle "Einwanderer" aus umliegenden Gebieten die dort sesshaft wurden und auch unter ihnen gab es immer wieder Machtkämpfe um die Herrschaft über das Gebiet. Dann gab es z.b. indische Eroberer, persische, griechische, mongolische, russische, pashtunische und heute amerikanische. Das Land war also nie von Anfang an vorgefertigt mit vorgefertigten "Afghanen", sondern es entwickelte sich alles im Laufe der Zeit und veränderte sich immer im Laufe der Zeit und das wird es auch in Zukunft noch.

Aber manche scheinen das nicht zu verstehen oder akzeptieren zu können und wollen das alles so bleibt wie "sie selbser" es gewohnt sind und lieben gelernt haben. Das kann ich einerseits verstehen, aber als erwachsener Mensch muss man über die Welt und die Menschen gelernt haben, dass sich die Dinge auch ändern und dass man mit manchen Dingen leben muss. Man kann ja trotzdem noch mit Gleichgesinnten so leben, wie vorher, aber man sollte trotzdem menschlich genug sein, um auch anderen ihren Platz zum leben zu lassen. So wie sie es sich selbst von anderen wünschen, dass man sie so leben lässt, wie sie es für richtig halten. Das ist meine Sicht der Dinge, die meiner Meinung nach objektiv genug ist, um als Tatsache angesehen werden zu können. Ich freue mich, auf eure Antworten und hoffe, dass durch Einsicht und Menschlichkeit etwas mehr Frieden unter den Afghanen eintreten wird.

Ganz lieben Gruß, neptun89 (und danke für die Geduld und Mühe beim Lesen ; ) ich hoffe ihr hattet trotzdem Spaß beim lesen : )

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14. April 2016 um 10:45

Ja
es ist immer schwierig seinen Schmerz, Hass unter Kontrolle zu halten und sein Denken nicht davon verklären zu lassen. Es kostet die Bereitschaft loszulassen, seinen eigenen Weg zu gehen, aber auch selbstkritisch und objektiv zu bleiben.

Aber abgesehen davon darf es meiner Meinung nach nicht länger hingenommen werden, dass Ausländer zu uns kommen und von uns verlangen, dass wir uns an sie anpassen, ohne dass sie etwas dafür gegenleisten. Das gehört sich nicht und würden sie in ihrem Land auch nicht von Ausländern wünschen.

Und das Argument "man müsse ihre Kultur tolerieren" ist meiner Meinung nach nicht tragbar, da das Thema Kultur nicht so einfach ist.

Kulturen sind nicht vom Himmel herabgesandt worden als Anleitung für die Menschen. Die Menschen selbst haben ihre Lebensweise vereint und zu einer gemeinsamen Gruppen-Lebensweise gemacht. Dies war immer mit Konflikten verbunden, da nicht immer alle derselben Meinung waren. Und auch haben sich die Kulturen mit der Zeit weiterentwickelt, wurden als nicht mehr tragbar gesehen und ganz liegen gelassen und haben dabei den Platz frei gemacht für eine andere "modernere, zeitgemäßere" Kultur.

Doch Konservative, die den Status Quo nicht aufgeben wollen, stehen oft gegen innovative Gruppen, die notwendige Veränderungen sehen und durchsetzen wollen.

Ich finde, man kann jedem Land seine Traditionen lassen, aber es sollte auch jeder die Freiheit haben "zu wählen, zu entscheiden", ob er die traditionelle oder zeitgemäße, moderne Lebensweise für sich nimmt.

Und es gibt in jeder Kultur linkspolitische Gruppen, die "anders" sind, leben, sein wollen als das was man ihnen vorschreibt. So auch unter den Ausländern. Es gibt viele nicht-muslimische, linkspolitische, das heißt nicht- nationalistische Menschen aus dem nahen Osten. Doch die hier lebenden Ausländer wollen weder in ihren Familien, ihrer Verwandtschaft, noch allgemein unter ihren Landsleuten "solche" Leute haben oder Leute mit "solch einer" Gesinnung.

Und das ist in den Köpfen der Deutschen (meist Gutmenschen) leider noch nicht gegenwärtig genug oder sie wollen es nicht wahrhaben, weil dies sonst ihr Bild vom guten, armen, benachteiligten, unschuldigen, harmlosen, Opfer-Ausländer verändern würde, was für viele sehr unbequem wäre und mit viel Einsicht, Selbstreflexion und Denken und dem loslassen alter Gefühle und Glaubenssätze verbunden wäre. Und die Arbeit wollen sich viele nicht machen.

Dies ist dann aber nicht mehr authentisch und solche "Gutmenschen" kann ich nicht ernst nehmen, da sie für mich nur ein Pendant zu den Nazis sind, die alles was mit Ausländern zu tun hat schlecht sehen. Die Gutmenschen sehen dafür alles zu unrecht gut. Es gibt auch viele Graustufen.

Es gibt in den Ländern im Nahen Osten und unter den hier lebenden Ausländern aus diesen Ländern so viele innenpolitische Probleme die sich auf die Gesellschaft auswirken, dass man als vernünftiger, ehrlicher Mensch nicht einfach sagen kann "In deren Kultur ist alles so schön und man muss ihnen ihre Kultur lassen".

Das ist unterlassene Hilfeleistung, das ist eine halbe Sache, wenn man nur die guten Dinge sieht. Wollen die Gutmenschen denn den Homosexuellen, linkspolitischen, nicht-muslimischen Ausländern nicht auch helfen? Das ist dann aber sehr scheinheilig.

Es gibt so viel Ungerechtigkeit in jenen Ländern, angefangen von der Politik über die Gesellschaft bis hin zur Familienkultur, die oft über eine große vernetzte Verwandschaft definiert ist.

Ich und viele andere könnten so viel schlechtes darüber erzählen, dass ich jedes mal verletzt und wütend bin, wenn ich sehe, dass deutsche Gutmenschen oder Ausländer sich als Opfer darstellen und andererseits so eingebildet von sich reden und so arrogant gegenüber den Deutschen sind. Und ich finde es wie gesagt nicht korrekt, wenn Gutmenschen und Ausländer die Ungerechtigkeit in deren "Kultur" nicht zum Thema machen, unter den Teppich kehren, verharmlosen oder gar leugnen.

Denn dann haben sie auch nicht das Recht darauf, die deutsche Kultur (ja es gibt sie tatsächlich und das ist auch gut so) zu kritisieren.

Ich finde es auch falsch, wenn Gutmenschen alles tun, um die Kultur der Ausländer zu bewahren, aber sich nicht darum scheren deutsche Traditionen, Werte und Ideale zu schützen, zu ehren und zu verteidigen für die Menschen in der Vergangenheit ihr Leben gelassen haben. Sprich Meinungsfreiheit, das Recht darauf sein Leben nach eigenem Geschmack zu leben, Gleichberechtigung, das Recht darauf frei von Religionen zu sein etc.

Ich finde, es sollten sich mehr Menschen für dieses Thema einsetzen, denn wofür sonst hat Europa in seiner Geschichte gekämpft? Wofür sonst haben Millionen von Menschen seit vor dem Mittelalter ihr Leben gelassen um für Freiheit zu kämpfen? Etwa dafür, dass jetzt nur nationalistische, muslimische Einwanderer davon profitieren können?










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