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Privatpatient vs Kassenpatient

13. Februar 2003 um 19:33

Hallo Ihr Lieben!
Mein Dad ist, wie in einem anderen Beitrag geschrieben, im Krankenhaus. Er ist Privatpatient.
Als ich den ersten Tag bei ihm war, hat mich fast der Schlag getroffen. Er hat eine eigene Speisekarte. Also wenn ihm das "normale" Essen nicht zusagt, kann er aus noch mehr Speisen wählen. Da gibt es dann Lachs, Schweinemedallions, usw. Der hat extra Essenkarten, auf denen ers eine Wünsche für Frühstück, Mittag- und Abendessen konkret ankreuzen kann.
Er hat Anrecht auf einen Kühlschrank, einen DVD-Player, Bademäntel, usw.

Das ist doch nicht mehr normal!

Aber das schlimmste ist doch einfach, dass ein Privatpatient bessere Medikamente und eine bessere Behandlung bekommt.

Für meinen Dad und auch für mich (bin über ihn versichert) ist das gut. Aber in Ordnung ist es doch nicht.

Wie weit soll das noch gehen? Soll es so wie in Amerika werden?

*eine an unserem System immer mehr zweifelnde* Nette

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13. Februar 2003 um 22:28

Gegenbeispiel
Hi Nette,

erstmal: wo ist dieses Krankenhaus? Name und vollständige Adresse, bitte!
Nicht, dass ich jetzt unbedingt da hin will...aber sowas in der Adressenkartei ist immer gut.
Spass beiseite!
Vor 4 Jahren hatte ich eine komplette Unterschenkelfraktur - Spiral-Schienbeinbruch mit Splitterungen und Wadenbeinbruch. Zwei Wochen Krankenhaus - 10 Wochen durfte ich den Fuß gar nicht aufsetzen und belasten - dann mit 10 kg anfangen und steigern. Kurz: ich musste 19 (in Worten: neunzehn) Wochen an Krücken gehen.
Meine Jungs waren damals 5, 6 und 9 Jahre alt und wir wohnten seit einem Jahr in einem Backhaus einer alten Mühle, anderthalb Kilometer vom nächsten Dorf entfernt. Weg zur Schule und Kindergarten 4,5 km mit dem Auto - keine andere Möglichkeit. Glücklicherweise hatte ich ein Auto mit Automatikgetriebe und mein LINKES Bein gebrochen Gas geben und bremsen ging also. Keine Grosseltern o.ä. in der Nähe.
AOK-Patienten hätten in diesem Fall für längere Zeit eine Haushaltshilfe/Familienpflegerin bezahlt bekommen. Meine Privatversicherung sah dafür jedoch keine Leistungen vor

So kann´s auch gehen.

LG, Gonagall

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14. Februar 2003 um 8:05

Das krankenhaus möchte ich auch kennenlernen!
Hallo Nette,

bin auch Privatpatientin und mir graust heute schon vor dem Tag,an dem ich das nicht mehr sein werde. Hatte ja gehofft, nach Studienende relativ schnell die Voraussetzungen dafür zu erreichen, aber da man jetzt um einiges mehr verdienen wird müssen, um von der gesetzlichen befreit zu werden...

Ich muss sagen, von solchen Verältnissen habe ich noch nicht gehört. Ich meine, dass mit der Essensauswahl kenne ich eigentlich aus jedem Krankenhaus, egal ob man privat ist oder nicht, aber Kühlschrank? DVD? Bademäntel? Klingt mehr nach ner Kurklinik.

Ich finds ehrlich gesagt weniger schlimm, dass die kassen unterschiedlich bezahlen. Erstens zahlt man dafür mer, und zweitens ist vieles ja auch nur besser, weil es durch Zusatzversicherungen gedeckt ist, die man in eigener Verantwortung abgeschlossen hat. Viel schlimmer finde ich, dass es einem nicht freisteht, wo man sich versichern will. Da wird man als reativ junger, gesunder Mensch in eine GKV gezwungen, um letzten Endes die Alten und Gebrechlichen mitzufinanzieren. Ich weiß, dass ist sozial, und bitte auch nicht so verstehen, als fände ich es nicht gut, dass in D jeder gesundheitlich abgesichert ist... ABER: In den GKV läuft seit Jahrzehnten soviel falsch... Kein Wunder, dass die pleite sind. Und ich habe eigentlich keine Lust, wenn ich denn mal anfange zu arbeiten, dass ich Beiträge an ein System zahlen, von dem ich nie sicher wissen kann, wie lang es sich noch trägt.

Dabei fällt mir übrigens ein weiterer Nachteil von Privatkassen ein: Mein Vater zahlt seit über 20 jahren für mich Kranenkassenbeiträge. In der Gesetzlichen wäre ich einfach so ohne zusätzliche Kosten mitversichert.

Also, insgesamt: Das System muss gewaltig verändert werden und die ganzen Lobbyisten (insbesondere Pharmaindustrie und Ärzteverbände) mssen anfangen umzudenken.

Liebe Grüße,
Nindscha

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14. Februar 2003 um 16:34

Beinhaltet...
... so eine Zusatzversicherung denn nicht nur das Recht auf ein Zwei-Bett-Zimmer und Chefarztbehandlung?
Die besseren Medikamente bekommt man deswegen immer noch nicht.
Oder?

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16. Februar 2003 um 23:35

Ich seh das zweigeteilt
Das mit den Privatpatienten ist so ne Sache...
Ich hab in einem Krankenhaus meine Ausbildung gemacht (als Bürokauffrau) und war dort u.a. in der Aufnahme.
Da kam mal ne Frau rein, während ich gerade einen Patienten aufnahm und fragte, wo sie sich denn hier anmelden könne. Ich sagte ihr, bei mir, aber sie müsse erst draußen eine Nummer ziehen (es war vormittags, und da ist die Bude nun mal brechend voll). Sie machte große Augen und sagte ganz selbstverständlich: "Ich bin privat versichert."...und ich: "Ja, aber trotzdem müssen sie eine Nummer ziehen und noch einen Moment draußen warten." Sie: "Aber ich bin privat versichert!" ich: "Ja, aber draußen sind Leute, die vor Ihnen da waren." Mir lag es noch auf der Zunge, zu sagen, die Privatversicherung gilt erst, wenn es um einen Arzt oder ein Zimmer geht...aber ich habs dann gelassen, sie ist dann raus und war nach etwa ner viertel Stunde bei mir drin, immer noch sichtlich verwirrt ob meines unglaublichen Verhaltens.

Was die Versicherung betrifft: Ich war selbst über meinen Vater privat versichert, bis ich die Ausbildung angefangen hab. Dann bin ich in die gesetzliche gewechselt und hab mich dennoch privat zusatzversichern lassen. Ich glaub, das war das Beste, was ich machen konnte. Die Betiräge sind nicht so unverschämt wie bei einer reinen Privatversicherung und steigen nicht so stark an. Außerdem kann ich sie jederzeit kündigen. Mein Papa kann das nicht, der kommt da nicht mehr raus. Und als jemand, de chronische Rückenschmerzen hat, zahlt er noch mal extra drauf.

Was die Versorgung im Krankenhaus betrifft: Üblicherweise sind die Chefarzt-Behandlung und ein Ein- oder Zweibett-Zimmer (je nach Tarif) abgedeckt. Die Pflege sowie die Medikamente sind die gleichen. Wären sie es nicht, wäre es eine ungerechtfertigte Zwei-Klasssen-Gesellschaft. Was die ganzen Goddys angeht: Es gibt tatsächlich Krankenhäuser, die noch die Super-Duper-Luxus-Ausstattung haben, gibt's bei meinem ehemaligen Arbeitgeber auch. Die sind dann noch mal teurer und man hat Fax-Anschluß und son Kram auf dem Zimmer. Ist aber noch mal teurer, und ob das die Kasse zahlt oder aber ob der Differenzbetrag zum normalen Ein- oder Zweibettzimmer vom Patienten selbst getragen werden muß, weiß ich nich....

Avyan

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17. Februar 2003 um 9:59

Eigentlich
ist dieses Zweiklassensystem ein Unding. Ich verdiene gerade soviel, dass ich nochnicht in eine private versicherung darf.
Meine bessere Hälfte ist gerade über der Bemessungsgrenze. Eine Zeitlang war er noch in der gestzlichen freiwillig. Bei den ständig ansteigenden Beiträgen hatte er dann aber die Schnauze voll.
Er zahlt jetzt bedeutend weniger für mehr Leistung, muss sich allerdings was zurücklegen, damit er sich die private auch noch leisten kann.
Wenn ich bevor ich 35 werde noch über die Bemssungsgrenze komme, werde ich wohl auch in die private wechseln.
Eigentlich ist es nicht richtig, dass sich gerade die Besserverdienenden diesem Solidaritätsprinzip entziehen können, aber wenn ich mehr für schlechtere Leistungen zahlen soll, hört der Spass irgendwann auf.

LG

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