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Forum / Gesellschaft & Leben

Neid loswerden

Letzte Nachricht: 22. August um 8:04
A
atrophina
21.07.23 um 13:18

Vielleicht klingt es nun etwas gemein, ich schäme mich auch für meinen Neid.
Ich bin seit knapp 13Jahren pflegende Angehörige. 

Ich würde gerne wieder arbeiten, nur ein paar Stunden, einen Minijob zumindest. Freundschaften haben sich auch verlaufen, dabei waren meine Freunde wirklich hartnäckig. Aber wenn man ständig nur hört - ich habe niemanden zum aufpassen, klar, irgendwann fragt man nicht mehr. 

Ich habe schon alle Social Media gelöscht, damit ich nicht sehe, wie andere im Urlaub sind. Ich würde auch gerne mal ans Meer. 

Das alles klingt nun natürlich hart, wie kann man nur so egoistisch sein. Urlaub und arbeit ist nicht alles, das weiß ich natürlich. Trotzdem ertappe ich mich manchmal, dass ich auch gerne mal mehr möchte. Danach schäme ich mich. 

Ich will nicht das mein geliebter Mensch stirbt, aber entweder das oder ich schiebe sie in ein Heim ab.
Diese beiden Lösung gibt es. Ich will nichts davon.
Ich empfinde es immer als eine verpasste Chance. Für alle Beteiligten. 

Wie schaffe ich es umzudenken, mich für andere zu freuen und nicht denken, das hätte ich auch gerne .. 

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laura13
laura13
21.07.23 um 16:13

Hi!

Ich find mal gar nicht, dass das hart klingt und richtigen Neid lese ich da jetzt auch nicht raus. Es ist völlig verständlich, dass du auch mal in den Urlaub, oder arbeiten möchtest und dass dir die Pflege eventuell zu viel wird. Kein Mensch kann nur arbeiten, oder für andere da sein. Und du scheinst das ja schon jahrelang zu machen. Das hätten andere vielleicht nicht mal ein Jahr geschafft.

Ich würde eher versuchen dir Freiräume zu schaffen, dass auch du mal raus kannst. Ich weiß jetzt natürlich nicht wie schwerwiegend deine Angehörige zu pflegen ist, aber vielleicht überlegst du dir mal eine Pflegekraft für einige Stunden -muss ja nicht jeden Tag sein- zu organisieren. 

Und das mit dem "Das hätte ich auch gerne" find ich überhaupt nicht verwerflich. Jeder Mensch hat irgendwas, was er auch gerne hätte. So lange es nicht ausartet, oder man vor Missgunst zerfressen wird, seh ich da jetzt kein Problem. Eher finde ich, dass du auch mal Auszeiten benötigst und Raum für dich schaffen solltest. Du kannst nicht rund um die Uhr für eine andere Person da sein und dich völlig aufgeben. Ich versteh natürlich, dass du deine Angehörige nicht in ein Heim geben möchtest, aber eine unterstützende Pflegekraft wäre vielleicht eine Option. 

LG

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A
atrophina
21.07.23 um 18:23
In Antwort auf laura13

Hi!

Ich find mal gar nicht, dass das hart klingt und richtigen Neid lese ich da jetzt auch nicht raus. Es ist völlig verständlich, dass du auch mal in den Urlaub, oder arbeiten möchtest und dass dir die Pflege eventuell zu viel wird. Kein Mensch kann nur arbeiten, oder für andere da sein. Und du scheinst das ja schon jahrelang zu machen. Das hätten andere vielleicht nicht mal ein Jahr geschafft.

Ich würde eher versuchen dir Freiräume zu schaffen, dass auch du mal raus kannst. Ich weiß jetzt natürlich nicht wie schwerwiegend deine Angehörige zu pflegen ist, aber vielleicht überlegst du dir mal eine Pflegekraft für einige Stunden -muss ja nicht jeden Tag sein- zu organisieren. 

Und das mit dem "Das hätte ich auch gerne" find ich überhaupt nicht verwerflich. Jeder Mensch hat irgendwas, was er auch gerne hätte. So lange es nicht ausartet, oder man vor Missgunst zerfressen wird, seh ich da jetzt kein Problem. Eher finde ich, dass du auch mal Auszeiten benötigst und Raum für dich schaffen solltest. Du kannst nicht rund um die Uhr für eine andere Person da sein und dich völlig aufgeben. Ich versteh natürlich, dass du deine Angehörige nicht in ein Heim geben möchtest, aber eine unterstützende Pflegekraft wäre vielleicht eine Option. 

LG

Vielen Dank für deine herzliche Nachricht.
Teilweise hatte ich Angst, dass es falsch rüber kommt.
Eigentlich hab ich immer wieder mal drei bis vier Stunden Auszeit. Nur eben nicht regelmäßig.

Eigentlich geht es uns allen gut mit der Situation. Nur hatte ich so ein tolles Stellenangebot und finde nicht die Betreuung (regelmäßig).
Das macht mich einfach traurig. 

Ich würde gerne wo dazugehörigen. 
In ein paar Tagen habe ich mich sicher wieder gefangen.

Vielen Dank für deine Worte!

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fraubeimer
fraubeimer
23.07.23 um 15:28
In Antwort auf atrophina

Vielleicht klingt es nun etwas gemein, ich schäme mich auch für meinen Neid.
Ich bin seit knapp 13Jahren pflegende Angehörige. 

Ich würde gerne wieder arbeiten, nur ein paar Stunden, einen Minijob zumindest. Freundschaften haben sich auch verlaufen, dabei waren meine Freunde wirklich hartnäckig. Aber wenn man ständig nur hört - ich habe niemanden zum aufpassen, klar, irgendwann fragt man nicht mehr. 

Ich habe schon alle Social Media gelöscht, damit ich nicht sehe, wie andere im Urlaub sind. Ich würde auch gerne mal ans Meer. 

Das alles klingt nun natürlich hart, wie kann man nur so egoistisch sein. Urlaub und arbeit ist nicht alles, das weiß ich natürlich. Trotzdem ertappe ich mich manchmal, dass ich auch gerne mal mehr möchte. Danach schäme ich mich. 

Ich will nicht das mein geliebter Mensch stirbt, aber entweder das oder ich schiebe sie in ein Heim ab.
Diese beiden Lösung gibt es. Ich will nichts davon.
Ich empfinde es immer als eine verpasste Chance. Für alle Beteiligten. 

Wie schaffe ich es umzudenken, mich für andere zu freuen und nicht denken, das hätte ich auch gerne .. 

Hallo A.
mir geht es nach 1.5 Jahren  pflegen bei PG 5 und Ständig parat stehen
Genau so. Hab mich bei FB gerade abgemeldet..es ging mir nicht gut damit.
Ich will es mal nicht Neid nennen sondern das Gefühl im falschen Film zu sein.
Ich bin zwar nicht allein zu Haus mit ihm..aber mache doch alles allein.
Also führe ich Tagebuch und halte durch. 
Mit bald 62 Jahren irgendwie trostlos..Ich versteh dich gut.
Liebe Grüße 

 

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M
muenchener.ego
23.07.23 um 21:53

Deine Gefühle sind völlig verständlich. Frag doch mal bei der Krankenkasse nach, ob es irgendeine Unterstützung für dich gibt. vielleicht gibt es eine Art Urlaubsvertretung oder etwas ähnliches, damit du auch mal frei hast oder in den Urlaub fahren kannst. Es gibt schließlich sehr viele pflegende Angehörige die auch mal eine Auszeit brauchen. Ich wünsche viel Erfolg

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T
tomtom77
04.08.23 um 20:55

Hallo Atrophina,

so etwas ähnliches erlebe ich gerade auch bei mir.
Am Ende des Tages ist es eine persönliche Abwägung. Bist Du oder der zu Pflegende dir mehr wert?
Ich bin mittlerweile auf dem Stand, ich habe nur ein Leben. Und es ist niemandem geholfen, wenn ich im Laufe der Zeit kaputt gehe und die besten Jahre meines Lebens dahin sind.

Wie gesagt, es ist deine Entscheidung.
Da spielen sooo viele Faktoren mit eine Rolle, also in der Entscheidungsfindung, so dass selbig echt schwer sein wird.
Aber die entscheidende, eingangs gestellte Frage musst du dir zuerst beantworten. Dann geht es in die Planung aller weiteren Schritte.

Liebe Grüße!

PS: dein Name... tja, hoffe damit ist nicht deine körperliche und vor allem seelische Gesundheit gemeint die so langsam atrophiert...

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hardy
hardy
04.08.23 um 22:21

Als meine Oma zum Pflegefall wurde, wollte meine Mutter sie nicht in das Altenheim "abschieben" und lieber bei sich zu Hause pflegen. Da sie zu dem Zeitpunkt noch am Arbeiten war und eine 1:1 Betreuung von ihr nicht leistbar war - auch nicht, wenn sie nicht gearbeitet hätte - haben wir (sie, ihre Schwestern und wir Kinder) beschlossen, dass Unterstützung her muss.

Wir sind dann über Europersonal (oder so ähnlich) an zwei polnische Krankenschwestern gekommen, die sich abgewechselt haben und immer 3-4 Wochen am Stück bei meiner Mutter und Oma gewohnt haben. Sie haben die Oma betreut, gepflegt und sich nebenher um den Haushalt gekümmert (meine Mutter durfte nicht mehr kochen 😅), weil sie nebenher etwas abwechslung haben wollten.
Unter dem Strich war es das Beste, was sowohl meiner Oma (1:1 Betreuung 24/7) als auch meiner Mutter passiert ist. So konnte sie weiterhin arbeiten und auch mal Zeit für sich nutzen.

Und das ist für dich auch wichtig. Diese aufopfernde Rolle ist zwar heldenhaft von dir, aber was nutzt es der zu pflegenden Person, wenn du burnout bekommst oder sonst wie körperlich zu Grunde gehst? Auch du hast Anspruch auf Erholungszeit, so wie es im Arbeitsgesetzt vorgesehen ist.

Geh auf Beratungsstellen oder Krankenkasse zu, welche Optionen du hast und such dir eine Unterstützung.

 

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atrophina
22.08.23 um 7:57
In Antwort auf hardy

Als meine Oma zum Pflegefall wurde, wollte meine Mutter sie nicht in das Altenheim "abschieben" und lieber bei sich zu Hause pflegen. Da sie zu dem Zeitpunkt noch am Arbeiten war und eine 1:1 Betreuung von ihr nicht leistbar war - auch nicht, wenn sie nicht gearbeitet hätte - haben wir (sie, ihre Schwestern und wir Kinder) beschlossen, dass Unterstützung her muss.

Wir sind dann über Europersonal (oder so ähnlich) an zwei polnische Krankenschwestern gekommen, die sich abgewechselt haben und immer 3-4 Wochen am Stück bei meiner Mutter und Oma gewohnt haben. Sie haben die Oma betreut, gepflegt und sich nebenher um den Haushalt gekümmert (meine Mutter durfte nicht mehr kochen 😅), weil sie nebenher etwas abwechslung haben wollten.
Unter dem Strich war es das Beste, was sowohl meiner Oma (1:1 Betreuung 24/7) als auch meiner Mutter passiert ist. So konnte sie weiterhin arbeiten und auch mal Zeit für sich nutzen.

Und das ist für dich auch wichtig. Diese aufopfernde Rolle ist zwar heldenhaft von dir, aber was nutzt es der zu pflegenden Person, wenn du burnout bekommst oder sonst wie körperlich zu Grunde gehst? Auch du hast Anspruch auf Erholungszeit, so wie es im Arbeitsgesetzt vorgesehen ist.

Geh auf Beratungsstellen oder Krankenkasse zu, welche Optionen du hast und such dir eine Unterstützung.

 

Hallo Hardy,

Das ist halt natürlich mit Platz verbunden, den wir hier nicht haben. 
Ich hätte gerne quasi einen Babysitter, für ein paar Stunden, aber irgendwie gibt es sowas nicht.
Der Sprengeldienst wie es bei uns ist, der würde halt das pflegerische machen und ist dann in 45min wieder weg 

Aber jemand der Mal ein paar Stunden bleibt, sowas gibt es hier nicht.
Auch privat hab ich niemanden gefunden.

Aber ja, ab Herbst gibt es vormittags nun eine Betreuung, dann hab ich auch wieder Zeit für mich. Bis dahin übe ich mich noch in Geduld.

Vielen herzlichen Dank für deine Antwort.

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A
atrophina
22.08.23 um 8:04
In Antwort auf tomtom77

Hallo Atrophina,

so etwas ähnliches erlebe ich gerade auch bei mir.
Am Ende des Tages ist es eine persönliche Abwägung. Bist Du oder der zu Pflegende dir mehr wert?
Ich bin mittlerweile auf dem Stand, ich habe nur ein Leben. Und es ist niemandem geholfen, wenn ich im Laufe der Zeit kaputt gehe und die besten Jahre meines Lebens dahin sind.

Wie gesagt, es ist deine Entscheidung.
Da spielen sooo viele Faktoren mit eine Rolle, also in der Entscheidungsfindung, so dass selbig echt schwer sein wird.
Aber die entscheidende, eingangs gestellte Frage musst du dir zuerst beantworten. Dann geht es in die Planung aller weiteren Schritte.

Liebe Grüße!

PS: dein Name... tja, hoffe damit ist nicht deine körperliche und vor allem seelische Gesundheit gemeint die so langsam atrophiert...

Hallo TomTom,

Nein mein Nick hat nichts mit einer Atrophie zu tun. Diese Assoziation ist mir noch gar nicht aufgefallen

Danke für deine Antwort. Wie hast du das gelöst?
Ja man wird natürlich selbst auch nicht jünger, das stimmt allerdings. 

Hast du einen Heimplatz gefunden/gesucht? 

Danke für deine Antwort.

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