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Märthyrertum, was ist das eigendlich ?

28. Juni 2011 um 11:56


Märthyrertum, was ist das eigentlich ?

Zu sterben als Märthyrer, seit Jahrtausenden ist das eine Handlungmöglichkeit für besonders
in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten. Insbesondere im kultischen Bereich wurde das
regelmäßig gepflegt: Menschenopfer zur Erhaltung der Freundschaft der Götter, als besonderer Beweis der "Treue" erbracht oder als ritueller Selbstmord bei Niederlagen.
Gemeinsam dabei ist der Charakter einer "Versicherung einer Einstellung", auch wenn die Person
danach nicht mehr für weitere Dienste zur Verfügung stehen kann, soweit man das sicher sagen kann.
Eine solche unbedingte Handlung wird üblicherweise mit vielen verschiedenen sozialen Anerkennungen verbunden, kann aber nicht ganz aus dem Verdacht befreien, daß es sich hier um eine Art
"Nichtkonfrontation" mit Mißerfolgssituationen handelt, vielleicht Verzweiflung , manchmal auch den Feind zu "verfluchen" mit der Schuld an der eigenen Demission.
In der Regel erwarb der Märthyrer vor seiner finalen Tat besondere soziale Anerkennung von bestimmten Gruppen, aber nicht ohne Feindbilder zu schüren. Diese zu unterhalten dient dann auch seine letzte Tat.

Der Märthyrertot dient der Unterhaltung eines Feindbildes zur eigenen sozialen Aufwertung in einer Interessensgruppe und dem Ende eines Strafverfahrens.

Das klingt mehr nach rücksichtsloser Machtarbeit als nach selbstlosem Dienst an einer vorteilhaften Idee.

Gilt das aber auch in religiösem Zusammenhang ?

Gegenfrage: Warum sollte es dort nicht gelten ?
Im Gegenteil, religiöse "Überhöhung" verhindert gedankliche Selbstbestimmung in einer Gruppe -emotional-. Ein religiöser Kontext verschärft die Gefahr einem gruppenpsychologischem Märthyrermechanismus zu folgen.

Ich behaupte mal, das einzig legitime Märthyreropfer ist ein Jurastudium. Weil diese Tat nämlich wirklich
ein schwieriger Dienst an der Rechtsperson Mensch ist und eine besondere Anstrengung, selbst kein Feinbild braucht, aber eine ernüchternde Einschätzung der sich empirisch entwickelnden menschlichen Regelwelt und der verständlichen Schwierigkeiten damit erlaubt.

Märthyrermechanismen findet man auch bei Staatsführern, oft verbunden mit einer Anweisung
"Verbrannte Erde". Der Staatslenker nimmt seinen Staat mit in den Tod, weil sein eigener Lebenserfolg mit dem Staat identifiziert war.
Das ist eine Zwangsvorstellung und sozusagen ein negatives Pay back, also: Ein Racheimpuls. Wenn ihr mir nicht mehr treu seid....

Bei Staatführern gilt also:

Der Märthyrertot des Staatsführers dient der Unterhaltung eines Feindbildes zur eigenen sozialen Aufwertung in einer Interessensgruppe , auch wenn diese dadurch belastet, gefährdet oder gleichzeitig kollektiv bestraft wird und dem Ende eines Strafverfahrens.

Ob Staatsführer oder nicht, der Märthyrermechanismus kann ethisch nicht überzeugen.
In ihm überwiegen verdeckt die selbstbezogenen Handlungsimpulse und die soziale Rücksichtslosigkeit.
Dabei wirken sich erworbene Verdienste verschärfend aus.


Mit besten Wünschen,

Hochachtungsvoll,


Dirk Schwann












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29. Juni 2011 um 12:21

M. Gaddafi: König der Könige oder Erster unter Gleichen

Der Text oben bezieht sich auf ein
islamistiches Verhaltensmuster, aber nicht nur ! Aktuell steht M. Gaddafi vor diesem drohenden Schicksal, aber letztlich auch alle Personen seines Umfeldes mit unkalkulierbaren Folgen für die internationale Stabilität.

M. Gaddafi ist auch Opfer, weil er zwischen
zwei Welten regiert, der zu Ende gehenden
Polymonarchie Afikas und der postimperialen Polydemokratie Europas und Amerikas.
Der Ausweg ?
Er sollte lernen, sich als "Erster unter Gleichen" zu verstehen, Steuern zahlen nach Vorbild der Queen, ein regelrechtes Parlament gründen, eine Oppositionspartei (!) und endlich das Wort "Revolution" aus dem Alltagsjargon entfernen. Die Sozialdemokraten sind schliesslich auch keine unglücklichen Leute.

wikipedia:

Ein primus inter pares (lateinisch für Erster unter Gleichen, weiblich prima inter pares) ist ein Mitglied einer Gruppe, das dieselben Rechte innehat wie alle anderen auch, aber trotzdem eine erhöhte Ehrenstellung genießt. Diese Stellung hat meist repräsentativen Charakter und ist mit keinerlei Privilegien verbunden. In der Wissenschaft werden auf diese Weise herausragende Leistungsträger ohne gesonderte Stellung bezeichnet. Ausschlaggebend dabei ist ihre jeweilige Reputation und weniger Titel oder Ämter.

Geschichte [Bearbeiten]Der Begriff primus inter pares wurde unter Kaiser Augustus eingeführt, um seine Stellung im römischen Staatsgefüge zu beschreiben (siehe auch Prinzipat). Augustus wollte mit dieser Bezeichnung seine Unterordnung unter die republikanischen Institutionen unterstreichen; de facto jedoch war er unumschränkter Herrscher.

Wirtschaft [Bearbeiten]In der Wirtschaft wird in bestimmten Managementsystemen der primus inter pares genutzt, um bei fehlender Entscheidungsfähigkeit der Gruppe (gerade Anzahl an Mitgliedern oder fehlende Entscheidungsbereitschaft von einzelnen) einem einzelnen die Möglichkeit zu geben, das Zünglein an der Waage zu sein.

Beispiele [Bearbeiten]Beispiele dafür sind:

Der Papst in den ersten Jahrhunderten der Kirche
Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel innerhalb der orthodoxen Kirche
Der Erzbischof von Canterbury unter den Primates der Anglikanischen Kirchengemeinschaft
Der Erzbischof von Uppsala innerhalb der Schwedischen Kirche
Der Erzbischof von Utrecht innerhalb der Altkatholischen Kirchen
Der Kardinaldekan im Kardinalskollegium
Der Bundespräsident der Schweiz als Teil der siebenköpfigen Landesregierung (Bundesrat)
Die meisten Regierungschefs der Regierungen in den Schweizer Kantonen (Regierungsrat)
Der Österreichische Bundeskanzler als Vorsitzender der Bundesregierung.
Ein österreichischer Landeshauptmann als Vorsitzender der Landesregierung
Ursprünglich der britische Premierminister, allerdings hat sich dieses Amt zu einer den anderen Ministern an Macht klar überlegenen Position entwickelt.
Der Erstchargierte in einer studentischen Verbindung
Der Präsident der Europäischen Kommission
Der Bremer Bürgermeister und der Regierende Bürgermeister von Berlin bis zur Verfassungsänderung 2006, sowie der Hamburger Bürgermeister bis zur Verfassungsänderung 1996
Bei der Bundeswehr die erste Kompanie im ersten Bataillon des ersten Regimentes der Luftwaffenausbildung (1./I.Luftwaffenausbildungsregimen t 1)
Der evangelische Bischof, Landesbischof oder Kirchenpräsident innerhalb der Pfarrerschaft seiner Gliedkirche
Der Bundesratspräsident unter den Ministerpräsidenten der deutschen Länder
Der Dekan unter den Professoren seiner Fakultät
Die Oberbürgermeister/ Bürgermeister (nach der unechten Magistratsverfassung) in Hessen.
Jahrgangsbester eines bestimmten Studienfaches.
Gildenmeister einer Gilde
Der Verwaltungsratspräsident (VR-P) des Verwaltungsrates (VR) einer Schweizer Aktiengesellschaft (AG).

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30. Juni 2011 um 9:15

Pre-Revolution

Libyen plus Internet = Demokratie ?

Wenn da kein politisches Erdbeben entsteht,
wäre es nicht normal.
Gerade weil M. Gaddafi den afrikanischen Terror-Regimen noch etwas sozialistische Würde verleihen konnte, steht er jetzt am Pranger. Letztlich ist es aber ein Clash der historischen Systeme. Der Rechtsstaat löst den "Familien"-clan ab. Daß auch dem Westen das nicht ganz recht war, ist peinlich genug. M. Gaddafi hat aber
kaum Zeit mehr hier irgendetwas Positives zu bewegen. Wie gesagt: Er sollte Steuern bezahlen. Das wäre eine sofort verständliche Geste als Verbeugung vor der rechtstaatlichen Zukunft. (>Andere Ideen ?)
Afrikas "Könige" werden das nicht gut finden, aber: Auch die werden ohne Verbeugung vor dem verdienten Volk bald nicht weiterregieren können.



Aus: "Schule macht Geschichte"
Ursachen der Revolution - Ludwig XVI.
1. Geschichtlicher Überblick
Erste Ursachen der Revolution traten bereits unter der Herrschaft Ludwigs XIV. auf. Durch sein teures Heer, die vielen kostspieligen Kriege und seine aufwendige Hofhaltung legte er den Grundstein für die unter seinen Nachfolgern immer weiter voranschreitende Staatsverschuldung. Unter Ludwig XVI. kam es zu ersten ernsthaften Konfrontationen zwischen der Monarchie und dem Parlament, weil sich die Parlamentarier erstmals in die Reformbemühungen der Krone einmischten und diese boykottierten. Diese Blockadepolitik forderte wiederum den König heraus, der mit einer Justizreform reagierte, durch die einerseits das Parlament aufgelöst werden und andererseits der 2. und 3. Stand besteuert werden sollte. Diese Vorhaben stieß natürlich bei Adel und Klerus auf wenig Zustimmung. Es entstanden Aufstände und Tumulte, welche vom Adel angezettelt worden waren. Erst als die beiden Stände es ablehnten, dass der 3.Stand mehr Sitze in der Nationalversammlung bekommt, ebbten die Unruhen ab. Die sogenannte Pré-Revolution blieb also zumindest vorerst ohne Erfolg. Ludwig XVI., der sich um Sympathien im Volk bemühte, setzte jedoch die Parlamente wieder ein, welche aber weiterhin auf ihre Privilegien bestanden und jede Form von Steuergleichheit ablehnten. Es blieb also dabei, dass nur der 3. Stand Steuern entrichten musste. Die Bauern, welche immer mehr Abgaben und Steuern zu entrichten hatten und unter großen Ernteausfällen litten, begannen zunächst friedlich gegen ihre Lehensherren zu protestieren, indem sie unter anderem Abgaben verweigerten. Diese Ernteausfälle führten zu einer Lebensmittelknappheit überall in Frankreich, was große Unruhe in der Bevölkerung auslöste. Das Verhalten der Bauern aber duldeten die Landesherren nicht und sie versuchten mit Gewalt ihre Abgaben einzutreiben. Dieses Vorgehen führte zu schweren Spannungen zwischen der Landbevölkerung und den Grundherren, welche ein Auslöser für die sogenannte Bauernrevolution waren. Letztendlich ging die Revolution also nicht vom 3. Stand aus, sondern die ersten beiden Stände und das aufstrebende Bürgertum waren ausschlaggebend für den Umbruch.


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13. April 2014 um 10:53

Dem .....
märthyrer fehlt schlichtweg das gehn zum selbstschutz, und der überlebenswille,im grunde eine mittleidserregende,hilfebedürf tige person.

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17. April 2014 um 17:55

Falsch
Im christlichen Denken aus dem der Begriff stammt, ist ein Märtyrer jemand, der für seinen Glauben getötet wird. Er selbst tötet nicht.

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18. April 2014 um 9:48

Ganz falsch
Das Wort "Christentum" ist auch das, was der Benutzer damit möchte, man kann es als Mobbing-tool benutzen, aus
verdeckter Orientierungslosigkeit ("Abstrakte Begriffsstutzigkeit") und als Garantie (?) für unberechtigte Dominanz.
Der "christliche" Märthyrer stirbt aber mit derselben aufgeprägten "Weihe" aller Gläubigen, ohne nötigen "Ballast im Kiel" und immer mit dem selbstbezogenen Belohnungsanspruch danach... Das Märthyrertum trägt viele Themen-Kleider.
Aber es ist auch selbst eine Art Persönlichkeits- "Unterwäsche": Für Momente (?) allzu nackten Hochmuts.
Das gilt besonders für Gottessöhne....
Da Wort Märthyrertum ist eine Art sozialer "Abgrund" für jeden.

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Frühere Diskussionen
Konvertiert zum Christentum, Islam, ect.?
Von: yu_12568713
neu
13. April 2014 um 20:38
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