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Forum / Gesellschaft & Leben

Körper versus Seele!

Letzte Nachricht: 29. April 2019 um 13:25
H
huo_11850886
23.04.19 um 18:19

Bin wohl doch verrückt.
Der Post bzw. der User auf den ich antwortete ist nun nicht mehr zu sehen.  
 

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M
myra_877605
23.04.19 um 18:27


Das ist mir auch schon passiert! Plötzlich steht man ganz alleine im Raum! Gespenstisch!

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I
illtyd_18233579
28.04.19 um 21:32
In Antwort auf myra_877605


Wie ich hier lesen konnte und kann, wird doch relativ viel auf Vorsorge und Füsorge des menschlichen Körpers gelegt! Mich interessiert: wie ist es mit der Seele? Auf eine rege Beteiligung freut sich micky!
 

Geht es um Vorsorge und Fürsorge für die Seele?

Falls ja, dann ist "Seele" ein Begriff, unter dem verschiedene Leute sich verschiedenes vorstellen. Um welche Aspekte der (menschlichen) Existenz soll es gehen?

Und was genau möchtest Du dazu wissen? Welche Vor- und Fürsorgemaßnahmen wir für unsere eigene Psyche bzw unser eigenes Seelenleben treffen? Welche Vor- und Fürsorgemaßnahmen für das Seelenleben wir in der Gesellschaft wahrnehmen bzw als solche zur Kenntnis nehmen?

"Seele" ist für mich auch verbunden mit "Sinn für Gut und Böse" bzw mit der Fähigkeit, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.

Mir liegt viel an dieser Fähigkeit. Deshalb versuche ich, Aspekte, die eine (zeitweilige oder dauerhafte) Beeinträchtigung dieser Fähigkeit zur Folge haben könnten, zu vermeiden, als da zB wären: Zu viel Alkohol, Überlastung, einseitige Abnutzung, Abstumpfung.
Dazu gehört für mich inzwischen auch, fiktive Darstellungen von Verherrlichung von unverhältnismäßiger Gewalt und Menschenverachtung in den Medien nicht extra zu suchen.
Sprich: Wenn ich den Film aussuchen kann, dann wird es nicht unbedingt "Das Kettensägenmassaker" sein.
Es gibt Tage, an denen mir - zynisch ausgedrückt - die Nachrichten vollauf genügen.


Abgesehen davon heisst es nicht umsonst: 
  "mens sana in corpore sano" = "Ein gesunder Geist (soll) in einem gesunden Körper (wohnen)".

Vieles, was für den Körper gut ist, ist auch gut für die Seele.
Wenn zB meine Freundin und ich miteinander kuscheln und uns gegenseitig die Bäuche kraulen, dann wird die Seele mitgekrault.
Deshalb knuddel ich auch ab und zu meine Mom und meinen Opa obwohl wir dafür eigentlich zu alt sind, sofern man dafür tatsächlich zu alt sein kann. 

Ab und zu ein gutes, leckeres Essen ist auch gut für die Seele.

Eine körperliche Anstrengung, die den Körper nicht überlastet sondern fördert, ist auch gut für die Seele. Jedenfalls hab ich die Erfahrung gemacht, dass ich, wenn ich emotional nicht im Gleichgewicht bin, oft die Wogen glätten kann indem ich mich körperlich ein bisschen anstrenge, zB joggen gehe, oder im Kraft- und Fitnessraum der Universität trainiere, oder Holz für die Öfen in unserer Wohnung (Badofen im Bad und Holzherd in der Küche) kleinmache: Meterholz wird mit der Säge gedrittelt, die Meterdrittel werden mit der Spaltaxt in Scheite gehackt. Manche von den Scheitchen werden mit der Hippe/dem Gertel zu Spänen zum Feueranfachen weiterverarbeitet, ... 



Bei letzterem spielt noch was anderes eine Rolle: Wenn ich so etwas arbeite, dann habe ich das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, etwas, das gebraucht wird. Davon ausgehend landet man schnell bei der Frage nach den Grundbedürfnissen der Menschen und nach den Folgen, die es für die menschliche Psyche hat, wenn welche davon zu lange nicht erfüllt werden. Mit dieser Frage haben sich im Lauf der Menschheitsgeschichte viele Leute beschäftigt. ZB gibt es die Maslow'sche Bedürfnispyramide. Verschiedene Wissenschaftszweige teilen menschliche Grundbedürfnisse auch nach Daseinsbereichen ein:


ZB bei den psychischen Grundbedürfnissen spielt in die Frage, wie wir sie erfüllen können, und wie sich das auf unsere Psyche/Seele auswirkt, auch massiv die Frage hinein, wie wir Menschen miteinander umgehen, und wo wir den Umgang miteinander lernen.



Ohne meine Freundin wäre ich vermutlich außerhalb des Vorlesungsalltags in gesellschaftlicher Hinsicht ein Eigenbrötler und nicht zwangsläufig glücklich. Meine Freundin ist eher der Typ, der gerne mal raus und unter Leute geht, und sie stubst mich immer mal wieder an, damit ich auch rausgehe. Wäre sie nicht, hätte ich zB vermutlich nie einen Tanzkurs gemacht. Aber so scheue ich längst nicht mehr davor zurück, und wir machen inzwischen in aller Ruhe einen Tanzkurs nach dem anderen. Das ist nett, man kommt unter Leute, der Kreislauf kommt in Schwung, und man trainiert auch die eigene Gesellschaftsfähigkeit.

Ab und zu wandern wir bei der Seniorengruppe vom Wanderverein mit, wo meine Oma und mein Opa früher immer dabei waren. Mein Opa kann nicht mehr weit in der Gegend herumwandern, aber meistens stösst er dann beim geselligen Teil in der Wirtschaft oder bei der auch mit dem Auto anfahrbaren Grillstelle dazu, denn viele der Leute kennen ihn ja noch.
Dagegen, dass wir jungen Leute beim Wandern auch auftauchen, haben die Senioren in der Regel nichts, sondern finden es praktisch, denn manche von den Herrschaften sind schon recht betagt und finden es ganz gut wenn jemand bei ihnen bleibt wenn sich das Grüppchen im Laufe der Wanderung immer weiter auseinanderzieht, und ihnen zB den Rucksack trägt oder aufpasst, dass sie nicht ausrutschen/hinfallen oder dehydrieren und solche Sachen. Oder sich beim Grillen um das Feuerholz und die Feuerstelle kümmert. Im Gegenzug ergeben sich da oft ganz nette Gespräche.

Umgang mit Menschen ist, wenn die Leute anständig zueinander sind, auch gut für die Psyche. Schon Aristoteles hat den Menschen als ein "zoon politikon", als ein "ens sociale", als ein "soziales/politisches Wesen" charakterisiert, also als ein Wesen mit der Tendenz, sich zusammenzuschliessen, sich zu vergesellschaften, Gemeinschaften zu bilden. 

Ich denke deshalb, dass es für die Seele auch ganz gut ist, ab und zu ein bisschen auf den verschiedenen Ebenen zu philosophieren darüber, wie man richtig miteinander und mit den Dingen bzw den Fährnissen des Lebens umgeht. In diesem Zusammenhang mag ich zB ganz gerne die "Epistulae Morales Ad Lucilium" von Seneca, oder "Über den Umgang mit Menschen" von Knigge, oder "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren, oder "Die Kunst des Krieges" von Sun Tzu, oder auch "Vom Kriege" von Carl von Clausewitz, oder das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, oder die Bücher von Erich Maria Remarque, oder "Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit." von Goethe.

Da ich grade Goethe erwähne, der ein Dichter war: Gedichte und Dichten ist auch gut für die Seele. ZB Sachen wie der "Funeral Blues" von Wystan Hugh Auden, der in dem Film "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" bei der Beerdigung von Gareth von dessen Freund und Lebenspartner Mathew gelesen wird - übrigens eine Szene, bei der ich jedesmal heulen könnte wenns nicht so unmännlich wäre. ZB japanische Haikus oder Senryus. Oder Gedichte von Eugen Roth (Ein Mensch: Ein Mensch erblickt das Licht der Welt - /doch oft hat sich herausgestellt / nach manchem trüb verbrachten Jahr, / dass dies der einzige Lichtblick war.).  Oder Sachen von Eugen Ringelnatz (Drüben im Walde / Kängt ein Guruh - / Warte nur balde / Kängurst auch du.).

An was hab ich grade noch gedacht? An den Umgang mit Stress. Es gibt unzählige Methoden und Lehren der Tiefenentspannung, die dazu führen sollen, dass man mit der Zeit in einer Weise mit sich selbst umgeht, die es einem ermöglicht, negativen Stress leichter zu bewältigen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Solche Dinge zähle ich auch zur Vor- und Fürsorge für das Seelenleben bzw für die Psyche dazu.


------------------------------------------------------------------------

Wünsche
(Desiderata)


Dies ist die freie Übersetzung eines Gedichtes von Max Ehrmann aus dem
Jahre 1927.


Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens
eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe
möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere Deine
Wahrheit ruhig und klar und höre anderen ruhig zu – auch den Geistlosen
und Unwissenden. Auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen. Sie sind eine Qual für den Geist.
Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, könntest Du eitel werden oder Dir
nichtig vorkommen. Denn immer wird es jemanden geben, größer wie
geringer als Du.

Freue Dich Deiner Leistungen wie auch Deiner Pläne. Bleibe an Deinem
Fortkommen interessiert, wie bescheiden auch immer. Es ist ein echter
Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

Lass in Deinen geschäftlichen Angelegenheiten Vorsicht walten – die
Welt ist voller Betrug. Aber werde dadurch nicht blind gegen
gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.

Viele Menschen ringen um hohe Ideale, und überall ist das Leben voll
Heldentum. Sei Du selbst. Vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung,
noch sei zynisch, was die Liebe betrifft. Denn auch im Augenblick aller
Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie Gras.

Ertrage freundlich und gelassen den Ratschlag der Jahre. Gib die Dinge
der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit er Dich
bei plötzlich hereinbrechendem Unglück schützt. Aber beunruhige Dich
nicht mit Einbildungen – viele Ängste kommen aus Ermüdung und
Einsamkeit.  Neben einer heilsamen Selbstdisziplin sei freundlich mit
Dir selbst.

Du bist ein Kind Gottes, genauso wie die Bäume und die Sterne. Du hast
ein Recht, hier zu sein. Und ob es Dir bewußt ist oder nicht, es
besteht kein Zweifel. Das Universum entfaltet sich wie vorgesehen.
Darum lebe in Frieden mit Gott.

Was auch Deine Arbeit und Dein Sehnen ist, erhalte Dir den Frieden mit
Deiner Seele in der lärmenden Wirrnis des Lebens. Mit all der Schande,
der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist es dennoch eine schöne
Welt.

Strebe behutsam danach, glücklich zu sein.


------------------------------------------------------------------------


Die Freude der Fische

Quelle: Dschuang Dsï: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland

Dschuang Dsï ging einst mit Hui Dsï spazieren am Ufer eines Flusses.

Dschuang Dsï sprach: »Wie lustig die Forellen aus dem Wasser
herausspringen! Das ist die Freude der Fische.«

Hui Dsï sprach: »Ihr seid kein Fisch, wie wollt Ihr denn die Freude der
Fische kennen?«

Dschuang Dsï sprach: »Ihr seid nicht ich, wie könnt Ihr da wissen, dass
ich die Freude der Fische nicht kenne?«

Hui Dsï sprach: »Ich bin nicht Ihr, so kann ich Euch allerdings nicht
erkennen. Nun seid Ihr aber sicher kein Fisch, und so ist es klar, dass
Ihr nicht die Freude der Fische kennt.«

Dschuang Dsï sprach: »Bitte laßt uns zum Ausgangspunkt zurückkehren!
Ihr habt gesagt: Wie könnt Ihr denn die Freude der Fische erkennen?
Dabei wußtet Ihr ganz gut, daß ich sie kenne, und fragtet mich dennoch.
Ich erkenne die Freude der Fische aus meiner Freude beim Wandern am
Fluß.«


------------------------------------------------------------------------


So elend ist die Erde nicht

Martin Kessel (Pseudonym: Hans Brühl, 1901-1990)

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht spürte was da reift,
was aus der Tiefe Schicht um Schicht
ins höhere Leben übergreift,
was in den Pflanzen so im Tier
an Wissenswertem tut sich kund,
so auch in jedem Menschen hier,
so auch noch durch den kleinsten Mund.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht lachte wenn sie schaut,
wie rings um bei verhülltem Licht
der Wiederschein des Himmels blaut,
und wie an manch endzücktem Ort
zwei Küsse sich um ein bemühn
und selbst die stillsten Wasser dort
erröten oder sphärisch glühn.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht böte sich zum Trost -
ob ein geliebtes Auge bricht,
ob gar ein Krieg vorüber tost.
Und seis auch, dass sie sagt: Halt fest!
Du aber sehnst dich nach Ruh,
so deckt sie doch mit einem Rest
von Hoffnung das Verlorene zu.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht spürte, was da schwärt,
was durch Gesetz und Weltgericht
mehr als ein Hohn zu sein begehrt
und was - ob auch der Wurm drin fraß -
einmal sich doch entreißt der Not
und wieder bringt ins rechte Maß
und wieder bringt ins rechte Lot.

Die Erde ist so elend nicht,
dass ich nicht wagte sie zu sehen,
mit hungrig heißem Angesicht
nach ihren Wundern auszuspähen,
mit Schaudern, seis auch wüst durchhaust,
seis von der Wahrheit kühn geprägt,
und hat es mich auch oft gegraust,
es ist die Erde die mich trägt.

 

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myra_877605
28.04.19 um 21:50
In Antwort auf illtyd_18233579

Geht es um Vorsorge und Fürsorge für die Seele?

Falls ja, dann ist "Seele" ein Begriff, unter dem verschiedene Leute sich verschiedenes vorstellen. Um welche Aspekte der (menschlichen) Existenz soll es gehen?

Und was genau möchtest Du dazu wissen? Welche Vor- und Fürsorgemaßnahmen wir für unsere eigene Psyche bzw unser eigenes Seelenleben treffen? Welche Vor- und Fürsorgemaßnahmen für das Seelenleben wir in der Gesellschaft wahrnehmen bzw als solche zur Kenntnis nehmen?

"Seele" ist für mich auch verbunden mit "Sinn für Gut und Böse" bzw mit der Fähigkeit, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.

Mir liegt viel an dieser Fähigkeit. Deshalb versuche ich, Aspekte, die eine (zeitweilige oder dauerhafte) Beeinträchtigung dieser Fähigkeit zur Folge haben könnten, zu vermeiden, als da zB wären: Zu viel Alkohol, Überlastung, einseitige Abnutzung, Abstumpfung.
Dazu gehört für mich inzwischen auch, fiktive Darstellungen von Verherrlichung von unverhältnismäßiger Gewalt und Menschenverachtung in den Medien nicht extra zu suchen.
Sprich: Wenn ich den Film aussuchen kann, dann wird es nicht unbedingt "Das Kettensägenmassaker" sein.
Es gibt Tage, an denen mir - zynisch ausgedrückt - die Nachrichten vollauf genügen.


Abgesehen davon heisst es nicht umsonst: 
  "mens sana in corpore sano" = "Ein gesunder Geist (soll) in einem gesunden Körper (wohnen)".

Vieles, was für den Körper gut ist, ist auch gut für die Seele.
Wenn zB meine Freundin und ich miteinander kuscheln und uns gegenseitig die Bäuche kraulen, dann wird die Seele mitgekrault.
Deshalb knuddel ich auch ab und zu meine Mom und meinen Opa obwohl wir dafür eigentlich zu alt sind, sofern man dafür tatsächlich zu alt sein kann. 

Ab und zu ein gutes, leckeres Essen ist auch gut für die Seele.

Eine körperliche Anstrengung, die den Körper nicht überlastet sondern fördert, ist auch gut für die Seele. Jedenfalls hab ich die Erfahrung gemacht, dass ich, wenn ich emotional nicht im Gleichgewicht bin, oft die Wogen glätten kann indem ich mich körperlich ein bisschen anstrenge, zB joggen gehe, oder im Kraft- und Fitnessraum der Universität trainiere, oder Holz für die Öfen in unserer Wohnung (Badofen im Bad und Holzherd in der Küche) kleinmache: Meterholz wird mit der Säge gedrittelt, die Meterdrittel werden mit der Spaltaxt in Scheite gehackt. Manche von den Scheitchen werden mit der Hippe/dem Gertel zu Spänen zum Feueranfachen weiterverarbeitet, ... 



Bei letzterem spielt noch was anderes eine Rolle: Wenn ich so etwas arbeite, dann habe ich das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, etwas, das gebraucht wird. Davon ausgehend landet man schnell bei der Frage nach den Grundbedürfnissen der Menschen und nach den Folgen, die es für die menschliche Psyche hat, wenn welche davon zu lange nicht erfüllt werden. Mit dieser Frage haben sich im Lauf der Menschheitsgeschichte viele Leute beschäftigt. ZB gibt es die Maslow'sche Bedürfnispyramide. Verschiedene Wissenschaftszweige teilen menschliche Grundbedürfnisse auch nach Daseinsbereichen ein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Grundbed%C3%BCrfnis

ZB bei den psychischen Grundbedürfnissen spielt in die Frage, wie wir sie erfüllen können, und wie sich das auf unsere Psyche/Seele auswirkt, auch massiv die Frage hinein, wie wir Menschen miteinander umgehen, und wo wir den Umgang miteinander lernen.



Ohne meine Freundin wäre ich vermutlich außerhalb des Vorlesungsalltags in gesellschaftlicher Hinsicht ein Eigenbrötler und nicht zwangsläufig glücklich. Meine Freundin ist eher der Typ, der gerne mal raus und unter Leute geht, und sie stubst mich immer mal wieder an, damit ich auch rausgehe. Wäre sie nicht, hätte ich zB vermutlich nie einen Tanzkurs gemacht. Aber so scheue ich längst nicht mehr davor zurück, und wir machen inzwischen in aller Ruhe einen Tanzkurs nach dem anderen. Das ist nett, man kommt unter Leute, der Kreislauf kommt in Schwung, und man trainiert auch die eigene Gesellschaftsfähigkeit.

Ab und zu wandern wir bei der Seniorengruppe vom Wanderverein mit, wo meine Oma und mein Opa früher immer dabei waren. Mein Opa kann nicht mehr weit in der Gegend herumwandern, aber meistens stösst er dann beim geselligen Teil in der Wirtschaft oder bei der auch mit dem Auto anfahrbaren Grillstelle dazu, denn viele der Leute kennen ihn ja noch.
Dagegen, dass wir jungen Leute beim Wandern auch auftauchen, haben die Senioren in der Regel nichts, sondern finden es praktisch, denn manche von den Herrschaften sind schon recht betagt und finden es ganz gut wenn jemand bei ihnen bleibt wenn sich das Grüppchen im Laufe der Wanderung immer weiter auseinanderzieht, und ihnen zB den Rucksack trägt oder aufpasst, dass sie nicht ausrutschen/hinfallen oder dehydrieren und solche Sachen. Oder sich beim Grillen um das Feuerholz und die Feuerstelle kümmert. Im Gegenzug ergeben sich da oft ganz nette Gespräche.

Umgang mit Menschen ist, wenn die Leute anständig zueinander sind, auch gut für die Psyche. Schon Aristoteles hat den Menschen als ein "zoon politikon", als ein "ens sociale", als ein "soziales/politisches Wesen" charakterisiert, also als ein Wesen mit der Tendenz, sich zusammenzuschliessen, sich zu vergesellschaften, Gemeinschaften zu bilden. 

Ich denke deshalb, dass es für die Seele auch ganz gut ist, ab und zu ein bisschen auf den verschiedenen Ebenen zu philosophieren darüber, wie man richtig miteinander und mit den Dingen bzw den Fährnissen des Lebens umgeht. In diesem Zusammenhang mag ich zB ganz gerne die "Epistulae Morales Ad Lucilium" von Seneca, oder "Über den Umgang mit Menschen" von Knigge, oder "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren, oder "Die Kunst des Krieges" von Sun Tzu, oder auch "Vom Kriege" von Carl von Clausewitz, oder das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, oder die Bücher von Erich Maria Remarque, oder "Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit." von Goethe.

Da ich grade Goethe erwähne, der ein Dichter war: Gedichte und Dichten ist auch gut für die Seele. ZB Sachen wie der "Funeral Blues" von Wystan Hugh Auden, der in dem Film "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" bei der Beerdigung von Gareth von dessen Freund und Lebenspartner Mathew gelesen wird - übrigens eine Szene, bei der ich jedesmal heulen könnte wenns nicht so unmännlich wäre. ZB japanische Haikus oder Senryus. Oder Gedichte von Eugen Roth (Ein Mensch: Ein Mensch erblickt das Licht der Welt - /doch oft hat sich herausgestellt / nach manchem trüb verbrachten Jahr, / dass dies der einzige Lichtblick war.).  Oder Sachen von Eugen Ringelnatz (Drüben im Walde / Kängt ein Guruh - / Warte nur balde / Kängurst auch du.).

An was hab ich grade noch gedacht? An den Umgang mit Stress. Es gibt unzählige Methoden und Lehren der Tiefenentspannung, die dazu führen sollen, dass man mit der Zeit in einer Weise mit sich selbst umgeht, die es einem ermöglicht, negativen Stress leichter zu bewältigen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Solche Dinge zähle ich auch zur Vor- und Fürsorge für das Seelenleben bzw für die Psyche dazu.


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Wünsche
(Desiderata)


Dies ist die freie Übersetzung eines Gedichtes von Max Ehrmann aus dem
Jahre 1927.


Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens
eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe
möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere Deine
Wahrheit ruhig und klar und höre anderen ruhig zu – auch den Geistlosen
und Unwissenden. Auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen. Sie sind eine Qual für den Geist.
Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, könntest Du eitel werden oder Dir
nichtig vorkommen. Denn immer wird es jemanden geben, größer wie
geringer als Du.

Freue Dich Deiner Leistungen wie auch Deiner Pläne. Bleibe an Deinem
Fortkommen interessiert, wie bescheiden auch immer. Es ist ein echter
Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

Lass in Deinen geschäftlichen Angelegenheiten Vorsicht walten – die
Welt ist voller Betrug. Aber werde dadurch nicht blind gegen
gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.

Viele Menschen ringen um hohe Ideale, und überall ist das Leben voll
Heldentum. Sei Du selbst. Vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung,
noch sei zynisch, was die Liebe betrifft. Denn auch im Augenblick aller
Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie Gras.

Ertrage freundlich und gelassen den Ratschlag der Jahre. Gib die Dinge
der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit er Dich
bei plötzlich hereinbrechendem Unglück schützt. Aber beunruhige Dich
nicht mit Einbildungen – viele Ängste kommen aus Ermüdung und
Einsamkeit.  Neben einer heilsamen Selbstdisziplin sei freundlich mit
Dir selbst.

Du bist ein Kind Gottes, genauso wie die Bäume und die Sterne. Du hast
ein Recht, hier zu sein. Und ob es Dir bewußt ist oder nicht, es
besteht kein Zweifel. Das Universum entfaltet sich wie vorgesehen.
Darum lebe in Frieden mit Gott.

Was auch Deine Arbeit und Dein Sehnen ist, erhalte Dir den Frieden mit
Deiner Seele in der lärmenden Wirrnis des Lebens. Mit all der Schande,
der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist es dennoch eine schöne
Welt.

Strebe behutsam danach, glücklich zu sein.


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Die Freude der Fische

Quelle: Dschuang Dsï: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland

Dschuang Dsï ging einst mit Hui Dsï spazieren am Ufer eines Flusses.

Dschuang Dsï sprach: »Wie lustig die Forellen aus dem Wasser
herausspringen! Das ist die Freude der Fische.«

Hui Dsï sprach: »Ihr seid kein Fisch, wie wollt Ihr denn die Freude der
Fische kennen?«

Dschuang Dsï sprach: »Ihr seid nicht ich, wie könnt Ihr da wissen, dass
ich die Freude der Fische nicht kenne?«

Hui Dsï sprach: »Ich bin nicht Ihr, so kann ich Euch allerdings nicht
erkennen. Nun seid Ihr aber sicher kein Fisch, und so ist es klar, dass
Ihr nicht die Freude der Fische kennt.«

Dschuang Dsï sprach: »Bitte laßt uns zum Ausgangspunkt zurückkehren!
Ihr habt gesagt: Wie könnt Ihr denn die Freude der Fische erkennen?
Dabei wußtet Ihr ganz gut, daß ich sie kenne, und fragtet mich dennoch.
Ich erkenne die Freude der Fische aus meiner Freude beim Wandern am
Fluß.«


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So elend ist die Erde nicht

Martin Kessel (Pseudonym: Hans Brühl, 1901-1990)

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht spürte was da reift,
was aus der Tiefe Schicht um Schicht
ins höhere Leben übergreift,
was in den Pflanzen so im Tier
an Wissenswertem tut sich kund,
so auch in jedem Menschen hier,
so auch noch durch den kleinsten Mund.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht lachte wenn sie schaut,
wie rings um bei verhülltem Licht
der Wiederschein des Himmels blaut,
und wie an manch endzücktem Ort
zwei Küsse sich um ein bemühn
und selbst die stillsten Wasser dort
erröten oder sphärisch glühn.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht böte sich zum Trost -
ob ein geliebtes Auge bricht,
ob gar ein Krieg vorüber tost.
Und seis auch, dass sie sagt: Halt fest!
Du aber sehnst dich nach Ruh,
so deckt sie doch mit einem Rest
von Hoffnung das Verlorene zu.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht spürte, was da schwärt,
was durch Gesetz und Weltgericht
mehr als ein Hohn zu sein begehrt
und was - ob auch der Wurm drin fraß -
einmal sich doch entreißt der Not
und wieder bringt ins rechte Maß
und wieder bringt ins rechte Lot.

Die Erde ist so elend nicht,
dass ich nicht wagte sie zu sehen,
mit hungrig heißem Angesicht
nach ihren Wundern auszuspähen,
mit Schaudern, seis auch wüst durchhaust,
seis von der Wahrheit kühn geprägt,
und hat es mich auch oft gegraust,
es ist die Erde die mich trägt.

 


Danke dir! Morgen werde ich nochmals alles genau lesen. Du hast mir gefeht hier! 

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I
illtyd_18233579
28.04.19 um 22:31
In Antwort auf illtyd_18233579

Geht es um Vorsorge und Fürsorge für die Seele?

Falls ja, dann ist "Seele" ein Begriff, unter dem verschiedene Leute sich verschiedenes vorstellen. Um welche Aspekte der (menschlichen) Existenz soll es gehen?

Und was genau möchtest Du dazu wissen? Welche Vor- und Fürsorgemaßnahmen wir für unsere eigene Psyche bzw unser eigenes Seelenleben treffen? Welche Vor- und Fürsorgemaßnahmen für das Seelenleben wir in der Gesellschaft wahrnehmen bzw als solche zur Kenntnis nehmen?

"Seele" ist für mich auch verbunden mit "Sinn für Gut und Böse" bzw mit der Fähigkeit, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.

Mir liegt viel an dieser Fähigkeit. Deshalb versuche ich, Aspekte, die eine (zeitweilige oder dauerhafte) Beeinträchtigung dieser Fähigkeit zur Folge haben könnten, zu vermeiden, als da zB wären: Zu viel Alkohol, Überlastung, einseitige Abnutzung, Abstumpfung.
Dazu gehört für mich inzwischen auch, fiktive Darstellungen von Verherrlichung von unverhältnismäßiger Gewalt und Menschenverachtung in den Medien nicht extra zu suchen.
Sprich: Wenn ich den Film aussuchen kann, dann wird es nicht unbedingt "Das Kettensägenmassaker" sein.
Es gibt Tage, an denen mir - zynisch ausgedrückt - die Nachrichten vollauf genügen.


Abgesehen davon heisst es nicht umsonst: 
  "mens sana in corpore sano" = "Ein gesunder Geist (soll) in einem gesunden Körper (wohnen)".

Vieles, was für den Körper gut ist, ist auch gut für die Seele.
Wenn zB meine Freundin und ich miteinander kuscheln und uns gegenseitig die Bäuche kraulen, dann wird die Seele mitgekrault.
Deshalb knuddel ich auch ab und zu meine Mom und meinen Opa obwohl wir dafür eigentlich zu alt sind, sofern man dafür tatsächlich zu alt sein kann. 

Ab und zu ein gutes, leckeres Essen ist auch gut für die Seele.

Eine körperliche Anstrengung, die den Körper nicht überlastet sondern fördert, ist auch gut für die Seele. Jedenfalls hab ich die Erfahrung gemacht, dass ich, wenn ich emotional nicht im Gleichgewicht bin, oft die Wogen glätten kann indem ich mich körperlich ein bisschen anstrenge, zB joggen gehe, oder im Kraft- und Fitnessraum der Universität trainiere, oder Holz für die Öfen in unserer Wohnung (Badofen im Bad und Holzherd in der Küche) kleinmache: Meterholz wird mit der Säge gedrittelt, die Meterdrittel werden mit der Spaltaxt in Scheite gehackt. Manche von den Scheitchen werden mit der Hippe/dem Gertel zu Spänen zum Feueranfachen weiterverarbeitet, ... 



Bei letzterem spielt noch was anderes eine Rolle: Wenn ich so etwas arbeite, dann habe ich das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, etwas, das gebraucht wird. Davon ausgehend landet man schnell bei der Frage nach den Grundbedürfnissen der Menschen und nach den Folgen, die es für die menschliche Psyche hat, wenn welche davon zu lange nicht erfüllt werden. Mit dieser Frage haben sich im Lauf der Menschheitsgeschichte viele Leute beschäftigt. ZB gibt es die Maslow'sche Bedürfnispyramide. Verschiedene Wissenschaftszweige teilen menschliche Grundbedürfnisse auch nach Daseinsbereichen ein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Grundbed%C3%BCrfnis

ZB bei den psychischen Grundbedürfnissen spielt in die Frage, wie wir sie erfüllen können, und wie sich das auf unsere Psyche/Seele auswirkt, auch massiv die Frage hinein, wie wir Menschen miteinander umgehen, und wo wir den Umgang miteinander lernen.



Ohne meine Freundin wäre ich vermutlich außerhalb des Vorlesungsalltags in gesellschaftlicher Hinsicht ein Eigenbrötler und nicht zwangsläufig glücklich. Meine Freundin ist eher der Typ, der gerne mal raus und unter Leute geht, und sie stubst mich immer mal wieder an, damit ich auch rausgehe. Wäre sie nicht, hätte ich zB vermutlich nie einen Tanzkurs gemacht. Aber so scheue ich längst nicht mehr davor zurück, und wir machen inzwischen in aller Ruhe einen Tanzkurs nach dem anderen. Das ist nett, man kommt unter Leute, der Kreislauf kommt in Schwung, und man trainiert auch die eigene Gesellschaftsfähigkeit.

Ab und zu wandern wir bei der Seniorengruppe vom Wanderverein mit, wo meine Oma und mein Opa früher immer dabei waren. Mein Opa kann nicht mehr weit in der Gegend herumwandern, aber meistens stösst er dann beim geselligen Teil in der Wirtschaft oder bei der auch mit dem Auto anfahrbaren Grillstelle dazu, denn viele der Leute kennen ihn ja noch.
Dagegen, dass wir jungen Leute beim Wandern auch auftauchen, haben die Senioren in der Regel nichts, sondern finden es praktisch, denn manche von den Herrschaften sind schon recht betagt und finden es ganz gut wenn jemand bei ihnen bleibt wenn sich das Grüppchen im Laufe der Wanderung immer weiter auseinanderzieht, und ihnen zB den Rucksack trägt oder aufpasst, dass sie nicht ausrutschen/hinfallen oder dehydrieren und solche Sachen. Oder sich beim Grillen um das Feuerholz und die Feuerstelle kümmert. Im Gegenzug ergeben sich da oft ganz nette Gespräche.

Umgang mit Menschen ist, wenn die Leute anständig zueinander sind, auch gut für die Psyche. Schon Aristoteles hat den Menschen als ein "zoon politikon", als ein "ens sociale", als ein "soziales/politisches Wesen" charakterisiert, also als ein Wesen mit der Tendenz, sich zusammenzuschliessen, sich zu vergesellschaften, Gemeinschaften zu bilden. 

Ich denke deshalb, dass es für die Seele auch ganz gut ist, ab und zu ein bisschen auf den verschiedenen Ebenen zu philosophieren darüber, wie man richtig miteinander und mit den Dingen bzw den Fährnissen des Lebens umgeht. In diesem Zusammenhang mag ich zB ganz gerne die "Epistulae Morales Ad Lucilium" von Seneca, oder "Über den Umgang mit Menschen" von Knigge, oder "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren, oder "Die Kunst des Krieges" von Sun Tzu, oder auch "Vom Kriege" von Carl von Clausewitz, oder das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, oder die Bücher von Erich Maria Remarque, oder "Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit." von Goethe.

Da ich grade Goethe erwähne, der ein Dichter war: Gedichte und Dichten ist auch gut für die Seele. ZB Sachen wie der "Funeral Blues" von Wystan Hugh Auden, der in dem Film "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" bei der Beerdigung von Gareth von dessen Freund und Lebenspartner Mathew gelesen wird - übrigens eine Szene, bei der ich jedesmal heulen könnte wenns nicht so unmännlich wäre. ZB japanische Haikus oder Senryus. Oder Gedichte von Eugen Roth (Ein Mensch: Ein Mensch erblickt das Licht der Welt - /doch oft hat sich herausgestellt / nach manchem trüb verbrachten Jahr, / dass dies der einzige Lichtblick war.).  Oder Sachen von Eugen Ringelnatz (Drüben im Walde / Kängt ein Guruh - / Warte nur balde / Kängurst auch du.).

An was hab ich grade noch gedacht? An den Umgang mit Stress. Es gibt unzählige Methoden und Lehren der Tiefenentspannung, die dazu führen sollen, dass man mit der Zeit in einer Weise mit sich selbst umgeht, die es einem ermöglicht, negativen Stress leichter zu bewältigen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Solche Dinge zähle ich auch zur Vor- und Fürsorge für das Seelenleben bzw für die Psyche dazu.


------------------------------------------------------------------------

Wünsche
(Desiderata)


Dies ist die freie Übersetzung eines Gedichtes von Max Ehrmann aus dem
Jahre 1927.


Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens
eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe
möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere Deine
Wahrheit ruhig und klar und höre anderen ruhig zu – auch den Geistlosen
und Unwissenden. Auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen. Sie sind eine Qual für den Geist.
Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, könntest Du eitel werden oder Dir
nichtig vorkommen. Denn immer wird es jemanden geben, größer wie
geringer als Du.

Freue Dich Deiner Leistungen wie auch Deiner Pläne. Bleibe an Deinem
Fortkommen interessiert, wie bescheiden auch immer. Es ist ein echter
Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

Lass in Deinen geschäftlichen Angelegenheiten Vorsicht walten – die
Welt ist voller Betrug. Aber werde dadurch nicht blind gegen
gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.

Viele Menschen ringen um hohe Ideale, und überall ist das Leben voll
Heldentum. Sei Du selbst. Vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung,
noch sei zynisch, was die Liebe betrifft. Denn auch im Augenblick aller
Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie Gras.

Ertrage freundlich und gelassen den Ratschlag der Jahre. Gib die Dinge
der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit er Dich
bei plötzlich hereinbrechendem Unglück schützt. Aber beunruhige Dich
nicht mit Einbildungen – viele Ängste kommen aus Ermüdung und
Einsamkeit.  Neben einer heilsamen Selbstdisziplin sei freundlich mit
Dir selbst.

Du bist ein Kind Gottes, genauso wie die Bäume und die Sterne. Du hast
ein Recht, hier zu sein. Und ob es Dir bewußt ist oder nicht, es
besteht kein Zweifel. Das Universum entfaltet sich wie vorgesehen.
Darum lebe in Frieden mit Gott.

Was auch Deine Arbeit und Dein Sehnen ist, erhalte Dir den Frieden mit
Deiner Seele in der lärmenden Wirrnis des Lebens. Mit all der Schande,
der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist es dennoch eine schöne
Welt.

Strebe behutsam danach, glücklich zu sein.


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Die Freude der Fische

Quelle: Dschuang Dsï: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland

Dschuang Dsï ging einst mit Hui Dsï spazieren am Ufer eines Flusses.

Dschuang Dsï sprach: »Wie lustig die Forellen aus dem Wasser
herausspringen! Das ist die Freude der Fische.«

Hui Dsï sprach: »Ihr seid kein Fisch, wie wollt Ihr denn die Freude der
Fische kennen?«

Dschuang Dsï sprach: »Ihr seid nicht ich, wie könnt Ihr da wissen, dass
ich die Freude der Fische nicht kenne?«

Hui Dsï sprach: »Ich bin nicht Ihr, so kann ich Euch allerdings nicht
erkennen. Nun seid Ihr aber sicher kein Fisch, und so ist es klar, dass
Ihr nicht die Freude der Fische kennt.«

Dschuang Dsï sprach: »Bitte laßt uns zum Ausgangspunkt zurückkehren!
Ihr habt gesagt: Wie könnt Ihr denn die Freude der Fische erkennen?
Dabei wußtet Ihr ganz gut, daß ich sie kenne, und fragtet mich dennoch.
Ich erkenne die Freude der Fische aus meiner Freude beim Wandern am
Fluß.«


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So elend ist die Erde nicht

Martin Kessel (Pseudonym: Hans Brühl, 1901-1990)

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht spürte was da reift,
was aus der Tiefe Schicht um Schicht
ins höhere Leben übergreift,
was in den Pflanzen so im Tier
an Wissenswertem tut sich kund,
so auch in jedem Menschen hier,
so auch noch durch den kleinsten Mund.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht lachte wenn sie schaut,
wie rings um bei verhülltem Licht
der Wiederschein des Himmels blaut,
und wie an manch endzücktem Ort
zwei Küsse sich um ein bemühn
und selbst die stillsten Wasser dort
erröten oder sphärisch glühn.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht böte sich zum Trost -
ob ein geliebtes Auge bricht,
ob gar ein Krieg vorüber tost.
Und seis auch, dass sie sagt: Halt fest!
Du aber sehnst dich nach Ruh,
so deckt sie doch mit einem Rest
von Hoffnung das Verlorene zu.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht spürte, was da schwärt,
was durch Gesetz und Weltgericht
mehr als ein Hohn zu sein begehrt
und was - ob auch der Wurm drin fraß -
einmal sich doch entreißt der Not
und wieder bringt ins rechte Maß
und wieder bringt ins rechte Lot.

Die Erde ist so elend nicht,
dass ich nicht wagte sie zu sehen,
mit hungrig heißem Angesicht
nach ihren Wundern auszuspähen,
mit Schaudern, seis auch wüst durchhaust,
seis von der Wahrheit kühn geprägt,
und hat es mich auch oft gegraust,
es ist die Erde die mich trägt.

 

Herrjemine!
Der eine heisst zwar Eugen Roth.
Aber der andere heisst nicht Eugen Ringelnatz, sondern Joachim Ringelnatz.

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I
illtyd_18233579
29.04.19 um 12:19
In Antwort auf illtyd_18233579

Geht es um Vorsorge und Fürsorge für die Seele?

Falls ja, dann ist "Seele" ein Begriff, unter dem verschiedene Leute sich verschiedenes vorstellen. Um welche Aspekte der (menschlichen) Existenz soll es gehen?

Und was genau möchtest Du dazu wissen? Welche Vor- und Fürsorgemaßnahmen wir für unsere eigene Psyche bzw unser eigenes Seelenleben treffen? Welche Vor- und Fürsorgemaßnahmen für das Seelenleben wir in der Gesellschaft wahrnehmen bzw als solche zur Kenntnis nehmen?

"Seele" ist für mich auch verbunden mit "Sinn für Gut und Böse" bzw mit der Fähigkeit, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.

Mir liegt viel an dieser Fähigkeit. Deshalb versuche ich, Aspekte, die eine (zeitweilige oder dauerhafte) Beeinträchtigung dieser Fähigkeit zur Folge haben könnten, zu vermeiden, als da zB wären: Zu viel Alkohol, Überlastung, einseitige Abnutzung, Abstumpfung.
Dazu gehört für mich inzwischen auch, fiktive Darstellungen von Verherrlichung von unverhältnismäßiger Gewalt und Menschenverachtung in den Medien nicht extra zu suchen.
Sprich: Wenn ich den Film aussuchen kann, dann wird es nicht unbedingt "Das Kettensägenmassaker" sein.
Es gibt Tage, an denen mir - zynisch ausgedrückt - die Nachrichten vollauf genügen.


Abgesehen davon heisst es nicht umsonst: 
  "mens sana in corpore sano" = "Ein gesunder Geist (soll) in einem gesunden Körper (wohnen)".

Vieles, was für den Körper gut ist, ist auch gut für die Seele.
Wenn zB meine Freundin und ich miteinander kuscheln und uns gegenseitig die Bäuche kraulen, dann wird die Seele mitgekrault.
Deshalb knuddel ich auch ab und zu meine Mom und meinen Opa obwohl wir dafür eigentlich zu alt sind, sofern man dafür tatsächlich zu alt sein kann. 

Ab und zu ein gutes, leckeres Essen ist auch gut für die Seele.

Eine körperliche Anstrengung, die den Körper nicht überlastet sondern fördert, ist auch gut für die Seele. Jedenfalls hab ich die Erfahrung gemacht, dass ich, wenn ich emotional nicht im Gleichgewicht bin, oft die Wogen glätten kann indem ich mich körperlich ein bisschen anstrenge, zB joggen gehe, oder im Kraft- und Fitnessraum der Universität trainiere, oder Holz für die Öfen in unserer Wohnung (Badofen im Bad und Holzherd in der Küche) kleinmache: Meterholz wird mit der Säge gedrittelt, die Meterdrittel werden mit der Spaltaxt in Scheite gehackt. Manche von den Scheitchen werden mit der Hippe/dem Gertel zu Spänen zum Feueranfachen weiterverarbeitet, ... 



Bei letzterem spielt noch was anderes eine Rolle: Wenn ich so etwas arbeite, dann habe ich das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, etwas, das gebraucht wird. Davon ausgehend landet man schnell bei der Frage nach den Grundbedürfnissen der Menschen und nach den Folgen, die es für die menschliche Psyche hat, wenn welche davon zu lange nicht erfüllt werden. Mit dieser Frage haben sich im Lauf der Menschheitsgeschichte viele Leute beschäftigt. ZB gibt es die Maslow'sche Bedürfnispyramide. Verschiedene Wissenschaftszweige teilen menschliche Grundbedürfnisse auch nach Daseinsbereichen ein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Grundbed%C3%BCrfnis

ZB bei den psychischen Grundbedürfnissen spielt in die Frage, wie wir sie erfüllen können, und wie sich das auf unsere Psyche/Seele auswirkt, auch massiv die Frage hinein, wie wir Menschen miteinander umgehen, und wo wir den Umgang miteinander lernen.



Ohne meine Freundin wäre ich vermutlich außerhalb des Vorlesungsalltags in gesellschaftlicher Hinsicht ein Eigenbrötler und nicht zwangsläufig glücklich. Meine Freundin ist eher der Typ, der gerne mal raus und unter Leute geht, und sie stubst mich immer mal wieder an, damit ich auch rausgehe. Wäre sie nicht, hätte ich zB vermutlich nie einen Tanzkurs gemacht. Aber so scheue ich längst nicht mehr davor zurück, und wir machen inzwischen in aller Ruhe einen Tanzkurs nach dem anderen. Das ist nett, man kommt unter Leute, der Kreislauf kommt in Schwung, und man trainiert auch die eigene Gesellschaftsfähigkeit.

Ab und zu wandern wir bei der Seniorengruppe vom Wanderverein mit, wo meine Oma und mein Opa früher immer dabei waren. Mein Opa kann nicht mehr weit in der Gegend herumwandern, aber meistens stösst er dann beim geselligen Teil in der Wirtschaft oder bei der auch mit dem Auto anfahrbaren Grillstelle dazu, denn viele der Leute kennen ihn ja noch.
Dagegen, dass wir jungen Leute beim Wandern auch auftauchen, haben die Senioren in der Regel nichts, sondern finden es praktisch, denn manche von den Herrschaften sind schon recht betagt und finden es ganz gut wenn jemand bei ihnen bleibt wenn sich das Grüppchen im Laufe der Wanderung immer weiter auseinanderzieht, und ihnen zB den Rucksack trägt oder aufpasst, dass sie nicht ausrutschen/hinfallen oder dehydrieren und solche Sachen. Oder sich beim Grillen um das Feuerholz und die Feuerstelle kümmert. Im Gegenzug ergeben sich da oft ganz nette Gespräche.

Umgang mit Menschen ist, wenn die Leute anständig zueinander sind, auch gut für die Psyche. Schon Aristoteles hat den Menschen als ein "zoon politikon", als ein "ens sociale", als ein "soziales/politisches Wesen" charakterisiert, also als ein Wesen mit der Tendenz, sich zusammenzuschliessen, sich zu vergesellschaften, Gemeinschaften zu bilden. 

Ich denke deshalb, dass es für die Seele auch ganz gut ist, ab und zu ein bisschen auf den verschiedenen Ebenen zu philosophieren darüber, wie man richtig miteinander und mit den Dingen bzw den Fährnissen des Lebens umgeht. In diesem Zusammenhang mag ich zB ganz gerne die "Epistulae Morales Ad Lucilium" von Seneca, oder "Über den Umgang mit Menschen" von Knigge, oder "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren, oder "Die Kunst des Krieges" von Sun Tzu, oder auch "Vom Kriege" von Carl von Clausewitz, oder das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, oder die Bücher von Erich Maria Remarque, oder "Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit." von Goethe.

Da ich grade Goethe erwähne, der ein Dichter war: Gedichte und Dichten ist auch gut für die Seele. ZB Sachen wie der "Funeral Blues" von Wystan Hugh Auden, der in dem Film "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" bei der Beerdigung von Gareth von dessen Freund und Lebenspartner Mathew gelesen wird - übrigens eine Szene, bei der ich jedesmal heulen könnte wenns nicht so unmännlich wäre. ZB japanische Haikus oder Senryus. Oder Gedichte von Eugen Roth (Ein Mensch: Ein Mensch erblickt das Licht der Welt - /doch oft hat sich herausgestellt / nach manchem trüb verbrachten Jahr, / dass dies der einzige Lichtblick war.).  Oder Sachen von Eugen Ringelnatz (Drüben im Walde / Kängt ein Guruh - / Warte nur balde / Kängurst auch du.).

An was hab ich grade noch gedacht? An den Umgang mit Stress. Es gibt unzählige Methoden und Lehren der Tiefenentspannung, die dazu führen sollen, dass man mit der Zeit in einer Weise mit sich selbst umgeht, die es einem ermöglicht, negativen Stress leichter zu bewältigen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Solche Dinge zähle ich auch zur Vor- und Fürsorge für das Seelenleben bzw für die Psyche dazu.


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Wünsche
(Desiderata)


Dies ist die freie Übersetzung eines Gedichtes von Max Ehrmann aus dem
Jahre 1927.


Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens
eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe
möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere Deine
Wahrheit ruhig und klar und höre anderen ruhig zu – auch den Geistlosen
und Unwissenden. Auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen. Sie sind eine Qual für den Geist.
Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, könntest Du eitel werden oder Dir
nichtig vorkommen. Denn immer wird es jemanden geben, größer wie
geringer als Du.

Freue Dich Deiner Leistungen wie auch Deiner Pläne. Bleibe an Deinem
Fortkommen interessiert, wie bescheiden auch immer. Es ist ein echter
Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

Lass in Deinen geschäftlichen Angelegenheiten Vorsicht walten – die
Welt ist voller Betrug. Aber werde dadurch nicht blind gegen
gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.

Viele Menschen ringen um hohe Ideale, und überall ist das Leben voll
Heldentum. Sei Du selbst. Vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung,
noch sei zynisch, was die Liebe betrifft. Denn auch im Augenblick aller
Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie Gras.

Ertrage freundlich und gelassen den Ratschlag der Jahre. Gib die Dinge
der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit er Dich
bei plötzlich hereinbrechendem Unglück schützt. Aber beunruhige Dich
nicht mit Einbildungen – viele Ängste kommen aus Ermüdung und
Einsamkeit.  Neben einer heilsamen Selbstdisziplin sei freundlich mit
Dir selbst.

Du bist ein Kind Gottes, genauso wie die Bäume und die Sterne. Du hast
ein Recht, hier zu sein. Und ob es Dir bewußt ist oder nicht, es
besteht kein Zweifel. Das Universum entfaltet sich wie vorgesehen.
Darum lebe in Frieden mit Gott.

Was auch Deine Arbeit und Dein Sehnen ist, erhalte Dir den Frieden mit
Deiner Seele in der lärmenden Wirrnis des Lebens. Mit all der Schande,
der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist es dennoch eine schöne
Welt.

Strebe behutsam danach, glücklich zu sein.


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Die Freude der Fische

Quelle: Dschuang Dsï: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland

Dschuang Dsï ging einst mit Hui Dsï spazieren am Ufer eines Flusses.

Dschuang Dsï sprach: »Wie lustig die Forellen aus dem Wasser
herausspringen! Das ist die Freude der Fische.«

Hui Dsï sprach: »Ihr seid kein Fisch, wie wollt Ihr denn die Freude der
Fische kennen?«

Dschuang Dsï sprach: »Ihr seid nicht ich, wie könnt Ihr da wissen, dass
ich die Freude der Fische nicht kenne?«

Hui Dsï sprach: »Ich bin nicht Ihr, so kann ich Euch allerdings nicht
erkennen. Nun seid Ihr aber sicher kein Fisch, und so ist es klar, dass
Ihr nicht die Freude der Fische kennt.«

Dschuang Dsï sprach: »Bitte laßt uns zum Ausgangspunkt zurückkehren!
Ihr habt gesagt: Wie könnt Ihr denn die Freude der Fische erkennen?
Dabei wußtet Ihr ganz gut, daß ich sie kenne, und fragtet mich dennoch.
Ich erkenne die Freude der Fische aus meiner Freude beim Wandern am
Fluß.«


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So elend ist die Erde nicht

Martin Kessel (Pseudonym: Hans Brühl, 1901-1990)

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht spürte was da reift,
was aus der Tiefe Schicht um Schicht
ins höhere Leben übergreift,
was in den Pflanzen so im Tier
an Wissenswertem tut sich kund,
so auch in jedem Menschen hier,
so auch noch durch den kleinsten Mund.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht lachte wenn sie schaut,
wie rings um bei verhülltem Licht
der Wiederschein des Himmels blaut,
und wie an manch endzücktem Ort
zwei Küsse sich um ein bemühn
und selbst die stillsten Wasser dort
erröten oder sphärisch glühn.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht böte sich zum Trost -
ob ein geliebtes Auge bricht,
ob gar ein Krieg vorüber tost.
Und seis auch, dass sie sagt: Halt fest!
Du aber sehnst dich nach Ruh,
so deckt sie doch mit einem Rest
von Hoffnung das Verlorene zu.

Die Erde ist so elend nicht,
dass sie nicht spürte, was da schwärt,
was durch Gesetz und Weltgericht
mehr als ein Hohn zu sein begehrt
und was - ob auch der Wurm drin fraß -
einmal sich doch entreißt der Not
und wieder bringt ins rechte Maß
und wieder bringt ins rechte Lot.

Die Erde ist so elend nicht,
dass ich nicht wagte sie zu sehen,
mit hungrig heißem Angesicht
nach ihren Wundern auszuspähen,
mit Schaudern, seis auch wüst durchhaust,
seis von der Wahrheit kühn geprägt,
und hat es mich auch oft gegraust,
es ist die Erde die mich trägt.

 

Über transzendentale, außerhalb der Wahrnehmung über die Sinnesorgane liegende, zB mit einem Jenseits bzw einem Leben nach dem Tode verknüpfte Vorstellungen, und damit einhergehende Vor- und Fürsorgemaßnahmen für die Seele habe ich gestern nichts mehr geschrieben, denn da war meine Kozentrationsfähigkeit erschöpft. 

Aber es gibt ja vielfältige Lebensauffassungen und Weltanschauungen und Vorstellungen, bei denen neben Grundkonzepten menschlicher Apperzeption wie "Räumlichkeit"/"Zeitlichkeit"/"Kausalität/Implikation" oft auch Religiosität und Begriffe wie "Gottheit" eine Rolle spielen, und denenzufolge der Mensch eine Seele hat, die unsterblich ist, sodass der im irdischen Leben (auch) an den Körper gebundene Selbstprozess, der das Selbst eines Menschen ausmacht, im Sterbeprozess nicht irreversibel terminiert, sondern nach dem Sterbeprozess in einem wie auch immer beschaffenen Jenseits weiterläuft.

Oft sind solche Vorstellungen geknüpft an die ängstliche Sorge um das Wohlergehen der unsterblichen Seele nicht nur im Diesseits, sondern auch im Jenseits, und die Leute tun ganz im Sinne von Vorsorgemaßnahmen alles mögliche, um gemäß ihren Vorstellungen von einem Jenseits sicherzustellen, dass es ihrer Seele/ihrem Selbst/ihnen selbst im Jenseits gut gehen möge.
Manches davon ist eher harmlos. ZB in Gebeten wie "Lieber Gott, bitte mach mich fromm, damit ich in den Himmel komm" zeigen sich lediglich auch menschlichem Denken entsprungene Vorstellungen, denenzufolge Mitmenschlichkeit und Frömmigkeit nicht in sich als Selbstzweck gesehen werden, sondern als Mittel, das eigene Wohlergehen im Jenseits zu sichern, also geknüpft an eine im Jenseits einzulösende/zu empfangende/erhältliche Gegenleistung.
Manches davon ist aber auch mörderisch. ZB das Abmurksen von Leuten, die als ungläubig bzw nicht rechtgläubig einstuft sind. ZB wenn der Zweitfrömmste den Frömmsten verunglimpft und totschlägt, um ihn aus dem Weg zu räumen, um selbst der Frömmste zu sein. 

In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch die Frage interessant, waum manche Leute zur Beichte gehen: Geht es um das schlechte Gewissen im Diesseits gegenüber denen, denen man Unrecht getan hat, und den Wunsch, sein Gewissen zu erleichtern? Geht es um die Sorge, keinen guten Platz im Himmel zu bekommen wenn man nicht brav beichtet?

Es gibt Momente, in denen ich recht bizarr finde, was manche Leute ihrer eigenen Seele/Psyche im diesseitigen Leben antun aus Angst um das Wohlergehen ihrer Seele im Jenseits. Mitunter spielen da Ängste eine Rolle, bei denen es weniger um ethische/moralische  Kategorien wie "Gut" und "Böse" geht, sondern mehr um pragmatische Kategorien wie  "stark/mächtig" und "schwach/machtlos" - die Gottheit(en) wird/werden als stark und mächtig und über das Schicksal bestimmend empfunden, und wenn es einem gut gehen soll, muss man sie sich gewogen halten...


Was die Frage nach Gottesvorstellungen und Sorge/Fürsorge/Vorsorge angeht, finde ich zB Matthäus 6 recht interessant, auch wenn es da eher um die Frage geht, wie es damit ist, sich um das Wohlergehen auf Erden Sorgen zu machen. Aber oft beeinträchtigt ja nicht nur die Sorge um das Wohlergehen im Jenseits, sondern auch die Sorge um das Wohlergehen auf Erden bei den Leuten den Seelenfrieden in der Daseinsbewältigung:

Matthäus 6,19-34:

19 Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen,  20 sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen!  21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.  22 Die Leuchte des Leibes ist das Auge. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Leib hell sein.  23 Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muss dann die Finsternis sein!  24 Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.  25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?  26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?  27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?  28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.  29 Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.  30 Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!  31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? 32 Denn nach alldem streben die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.  33 Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.  34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.


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M
myra_877605
29.04.19 um 13:25


Lieber skycapain, ich meinte wirklich Fürsorge und Vorsorge für die Seele. Wir kamen im Modethread auf körperliche Vorsorge zu sprechen. Fast alle machen mehr Vorsorge als ich.
Und plötzlich machte ich den Gedankensprung zur Seele.
Ich hatte eine Phase im Leben da war ich extremst belastet und habe mich selbst aus den Augen verloren. Jedenfalls entwickelte ich ein Globussyndrom und Reflux. Der Gastroenterologe hat mich auf Stress angesprochen und ich erzählte ein wenig. Jedenfalls sagte er nur einen Satz zu mir: „dann sind also allen anderen ihre Sorgen zu ihren Sorgen geworden.“ Jedenfalls kamen mir die Tränen und das war für mich das Zeichen, dass ich handeln will und muss. Ich erzähle dir das so ausführlich, weil du auch Arzt sein wirst. Wie wichtig die richtigen Worte im richtigen Moment sein können. Jedenfalls bin ich in eine klassische Gesprächstherapie gegegangen. Und seither gehe ich anders mit mir um. Sicherlich kein Rundumschlag, aber immerhin so, dass ich psychisch weniger gefährlich unterwegs bin. 
Zum Weiterleben nach dem Tod erzähle ich dir wie eine Bewohnerin im Pflegeheim das gesehen hat. Irgendwie kam sie auf das Thema in den Himmel kommen. Ich dann so beruhigend: ja sicher kommen wir doch alle in den Himmel. Sie dann darauf: nein, das wolle sie also nicht. Diejenigen, die nicht so brav wie sie gewesen seien, sollen ruhig in der Hölle schmoren. 
Bei dir bewundere ich extrem, wie liebenswürdig, aufmerksam ihr in der Familie miteinder umgeht. Auch hast du eine tolle menschliche Haltung. Mach weiter so!
Auch würde ich deine Fürsorge Vorschläge unterschreiben können. Lg
 

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