Forum / Gesellschaft & Leben

Ich könnte heulen, plötzlich Heimweh

2. Januar um 1:44 Letzte Antwort: 4. Januar um 19:02

Hallo liebe Community,

Ich möchte mal ein Thema ansprechen, was mich plötzlich überrumpelt hat.

Ich fange mal ganz am Anfang an:
Ich bin im März 2020 von Zuhause ausgezogen. War zu dem Zeitpunkt 22 Jahre alt und habe mich eigentlich auf den Umzug gefreut, da es die erste gemeinsame Wohnung mit meinem Verlobten ist.
Als es dann soweit war und sich meine Eltern verabschiedeten musste ich plötzlich bitterlich weinen. Das ging 1-2 Wochen jeden Tag so, mein Verlobter hat mich immer getröstet. Dann hat es sich wieder gelegt. Im Sommer bin ich dann durch gesundheitliche Probleme wieder mehr auf meine Eltern angewiesen gewesen, da ich nicht mobil bin und sie mich regelmäßig zum Arzt gebracht haben. Auch das wurde dann irgendwann weniger. An Heiligabend war ich mit meinem Verlobten dann zum Essen eingeladen. Abends merkte ich dann leichtes Heimweg aber lenkte mich schnell wieder ab. Gestern blieben mein Verlobter und ich wegen Silvester über Nacht bei meinen Eltern. Als wir dann angestoßen haben, hatte mein Vater eine kleine "Rede" gehalten, rückblickend auf das Jahr. Plötzlich erwähnte er meinen Auszug und verglich es mit einem Verlust. Mein Herz sank und brach etwas, aber ich ließ mir nichts anmerken. Seit gestern Abend bin ich wieder Zuhause und denke ununterbrochen an die Worte meines Vaters. 
Seit einer guten Stunde unterdrücke ich das weinen, damit mein Verlobter nichts merkt. Nicht, dass er am Ende denkt ich sei nicht glücklich mit ihm oder irgendwas in dieser Richtung.
Meine Eltern wohnen 5km von mir entfernt und trotzdem macht es mich gerade irgendwie unendlich traurig. Mich wundert es, da ja seit meinem Auszug einige Monate vergangen sind und mich dieses Heimweh überrascht hat.

Ist das jemandem auch mal passiert?
Als ausgewogener Erwachsener plötzlich Heimweh zu bekommen?
 

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3. Januar um 19:09

Deine Eltern wohnen 5km von Dir weg? 

Nabel Dich ab - du bist alt genug um Dein eigenes Leben zu leben und unabhängig zu werden. 

Deine Eltern wohnen so nah bei Dir, dass Du sie zu Fuß besuchen gehen kannst wenn Dir danach ist...

und nein, ich bin mit 21 in einen Ort ungefähr 200km von ihnen entfernt gezogen - alleine-. Gegen das Heimweg bin ich ab und an am WE hin gefahren...

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4. Januar um 19:02

Ich fürchte -und das meine ich nicht böse-, dass du noch bei weitem nicht so erwachsen bist wie du denkst. Der abnabelungsprozess gehört dazu und darf meiner Meinung nach auch mal Schmerzen, aber ich glaube, dass die, die sich nie so richtig unabhängig machen indem sie direkt nebenan wohnen, länger an diesem prozess zu arbeiten haben, weil es ja viel schwieriger ist, selbstständig zu werden, wenn mama und papa ja doch immer greifbar sind, wenn man krank ist oder einfach nur so Aufmerksamkeit möchte.

Ich bin mit 19 ins Ausland gegangen als au-pair und ja, ich hatte Phasen von heimweh, aber als ich zurück kam, war ich tatsächlich gewachsen. Anschließend bin ich wieder ins Ausland (gibt ja so viel Ausland ) zum studieren gegangen, knapp 400 km entfernt. Ich habe gelernt, gut damit klar zu kommen und habe auch gelernt, dass man nicht ständig bei seinen Eltern auf dem schoß sitzen muss um sich nahe zu sein und dass es okay ist, wenn man sich mal sagt: "mann, heute hätte ich sie gern bei mir." 

Aber weißt du, man bekommt mit mehr Distanz eine realistischere Einstellung zu der Geschichte. Du glaubst, du bist weg, obwohl du nur 5 km entfernt bist. Mein Umzug zum studieren ist mittlerweile 11 jahre her und weißt du, wann mir bewusst wurde, dass ich weit weg bin: nicht durch km, denn die kann man fahren, sondern als corona kam und mit dieser die Einschränkung der europäischen reisefreiheit und mir plötzlich vor augen geführt wurde, dass wir in 2 verschiedenen Ländern sitzen. Auch das wird vorbei gehen, aber du solltest dir bewusst machen, dass du bez. Abnabelung noch sehr am anfang stehst.

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