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Gedicht gesucht!

16. November 2005 um 20:38

Hallo ihr Lieben! ^^

Ich suche ein Gedicht für meinen Opa. Er glaubt sich daran erinnern zu können, dass es "Letzte Ernte" heißt.
Er weiß leider nur noch einen Teil vom Text, aber leider nicht mehr den Autor.

Ein Teil des Textes:
"Ich bracht in 70 Jahren viele Ernten ein
doch diese Ernte wird meine Letzte wohl gewesen sein"

Das Gedicht stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Ich wär euch echt dankbar, wenn ihr mir hier in diese Diskussion schreiben würdet, wenn ihr wisst, welches er meinen könnte (vll den Autor). Es liegt ihm (und somit auch mir) sehr am Herzen.

Vielen Dank
Eure Yura

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16. November 2005 um 20:51

Hi...
Letzte Ernte

(Aus einem alten Schullesebuch)


Ich brachte in siebzig Jahren viele Ernten ein, dies soll mein letztes Fuder wohl gewesen sein! Die Gäule scheuten am Tore, sie jagten mit Gewalt, ich schrie und riß an der Leine, aber mein Arm ist alt.

Vor ihren polternden Hufen der Staub flog auf wie Rauch, die Garben schleiften die Steine - mein alter Rücken auch.

Daß sie den Schmeid nur holen, ein eisen fehlt dem Roß, und hinterm Hof am Tore, da ist ein Pfosten los. Und daß sie nicht vergessen: da, wo die Pappeln stehn, im letzten Schlag am Berge, da sollen sie Roggen sähn.

Kommt jeder an die Reihe, König, Bauer und Knecht! Ists unsres Herrgotts Wille, so ist es auch mir recht. Was stehst du vor dem Bette und beugst dich drüber dich? Meinst du, Mutter, ich säh die Totenlichter nicht?

Vier Lichter an der Lade, wie sichs zu Recht gehört, vier Pferde vor dem Wagen, der mich vom Hofe fährt, der weißen Klageweiber zween vor meiner Truh im breiten linnenen Laken vom Kopf bis auf die Schuh!

Mutter, kommen die Kühe schon vom Kamp herein? Die Schwarze brüllt am Tore, da muß es Melkzeit sein.
Ich hör die Knechte singen vor der Dielentür - Morgen um Feierabend bin ich nicht mehr hier!

Viel Hände braucht die Ernte. Der Herrgott hats gewußt. Gottlob, daß ich nicht früher habe fortgemußt! Und wenn ich Feierabend heute machen soll - gemäht sind die letzten Ähren und alle Scheuern voll!

Lulu von Strauß und Torney




n

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19. November 2005 um 7:20
In Antwort auf nathan

Hi...
Letzte Ernte

(Aus einem alten Schullesebuch)


Ich brachte in siebzig Jahren viele Ernten ein, dies soll mein letztes Fuder wohl gewesen sein! Die Gäule scheuten am Tore, sie jagten mit Gewalt, ich schrie und riß an der Leine, aber mein Arm ist alt.

Vor ihren polternden Hufen der Staub flog auf wie Rauch, die Garben schleiften die Steine - mein alter Rücken auch.

Daß sie den Schmeid nur holen, ein eisen fehlt dem Roß, und hinterm Hof am Tore, da ist ein Pfosten los. Und daß sie nicht vergessen: da, wo die Pappeln stehn, im letzten Schlag am Berge, da sollen sie Roggen sähn.

Kommt jeder an die Reihe, König, Bauer und Knecht! Ists unsres Herrgotts Wille, so ist es auch mir recht. Was stehst du vor dem Bette und beugst dich drüber dich? Meinst du, Mutter, ich säh die Totenlichter nicht?

Vier Lichter an der Lade, wie sichs zu Recht gehört, vier Pferde vor dem Wagen, der mich vom Hofe fährt, der weißen Klageweiber zween vor meiner Truh im breiten linnenen Laken vom Kopf bis auf die Schuh!

Mutter, kommen die Kühe schon vom Kamp herein? Die Schwarze brüllt am Tore, da muß es Melkzeit sein.
Ich hör die Knechte singen vor der Dielentür - Morgen um Feierabend bin ich nicht mehr hier!

Viel Hände braucht die Ernte. Der Herrgott hats gewußt. Gottlob, daß ich nicht früher habe fortgemußt! Und wenn ich Feierabend heute machen soll - gemäht sind die letzten Ähren und alle Scheuern voll!

Lulu von Strauß und Torney




n

Tausend Dank, nathan!
Ich freue mich sehr über deinen Beitrag! Du hast mir echt geholfen! Vielen, vielen Dank!!!

Liebe Grüße
Yura

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13. Mai 2008 um 18:08

Letzte Ernte von lulu von strauß & torney
ich brachte in 70 Jahren viele ernten ein,
dies soll mein letztes fuder wohl gewesen sein,
die gäule scheuten am tore
sie jagten mit gewalt
ich schrie und riss an der leine
aber mein arm ist alt

vor ihren polternden hufen der staub flog auf wie rauch
die garben schleiften die steine, mein alter rücken auch,
mutter, was hilft das weinen, es ist nun wie es ist,
70 jahre und drüber, war doch ne schöne frist.
das sie den schmied nur holen, ein eisen fehlt dem roß und hinterm hof am tore, da ist ein pfosten los und dass ichs nicht vergesse, da wo die papeln stehn
im letzten schlag am berge, da solln sie roggen sähn.
kommt jeder an die reihe, könig,bauer und knecht
ists unsres hergotts wille, so ist es mir auch recht
was stehst du vor dem bette und beugst dich über mich,
meinst du, ich seh die totenlichter nicht?
vier lichter vor der lade, wies sich zu recht gehört, vier pferde vor den wagen, der mich von hofe fährt
der weißen klageweiber zween vor meiner truh
mit weeißen linernen laken vom kopf bis an die schuh.
mutter, kommen die kühe schon vom kamp herein? Die schwarze brüllt am tore, da muß es melkzeit sein.
ich hör die knechte singen vor der dielentür-morgen am feierabend, da bion ich nicht mehr hier.
Viel hände braucht die ernte, der herrgott hats gewußt, gottlob, dass ich nicht früher hab gemußt,
und wenn ich heute feierabend machen soll, gemäht sind die letzten ähren und alle scheuern voll.

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29. Dezember 2013 um 23:07

Ist nicht aus dem 17. Jh. ...
"Letzte Ernte" von Lulu Strauß-Torney (1873-1956)
Also 20. Jh. Bitte bei Gelegenheit einmal über die Dichterin informieren!

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