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Entzaubert oder Verzaubert die Wissenschaft

2. Juli 2009 um 11:43

.....die Welt?


Hallo werte Kultur-Diskutanten

Wissenschaft hat in unserer Gesellschaft irgendwie sowohl eine zentrale als auch eine außenstehende Position. Im Zeitalter der Information, der Technik und der Medizin dürfte die zentrale Rolle jedem klar sein. Dennoch stehen viele Menschen der Wissenschaft skeptisch gegenüber.

Ein Satz, den ich man häufig hört ist "Die Wissenschaft sollte nicht *alles* erforschen!", oder in einer anderen Variation: "Manche Dinge sollten mysteriös und unverstanden bleiben!".

Inwiefern ist an dieser Aussage etwas dran?

Nun, ist ein Regenbogen schöner mit oder ohne dem Wissen, dass sich weißes Licht in feinen Wassertropfen in seine farbigen Bestandteile trennt?

Was ist mit den großen Fortschritten in der Neurobiologie, die nicht zuletzt zu dem größten Zweifel an der Willesnfreiheit aller Zeiten geführt haben?

Gleichzeitig hätten wir aber ohne Wissenschaft nicht erahnen können, wie unbeschreiblich groß das Univesum ist und was sich im Kleinsten abspielt.

Wird zu sehr an dem Bild des Menschen gerüttelt, wenn die Evolutionstheorie uns lehrt, mit Affen verwandt zu sein oder vernetzt sie uns somit mit allem Leben auf der Erde, so dass wir geehrt sein dürfen, zu etwas Größerem zu gehören?

Wenn Wissenschaft Phänomene wie Liebe oder Bewusstsein erklären will, überschreitet sie dabei Grenzen der Blasphemie, des guten Geschmacks oder versetzt der Zauberhaftigkeit der Welt Risse? Oder bleiben diese Dinge zauberhaft, auch wenn keine Fragen übrig bleiben sollten?

Ist die Quantenphysik beängstigend und verwirrend oder ist sie in ihren exotischen Ausprägungen Reizvoll?


Also: Seid ihr der Meinung, dass Wissenschaft sich nicht mit allem beschäftigen sollte, seid ihr sogar völlig gegen die Bestrebungen von Wissenschaftlern oder findet ihr gut, dass die Wissenschaft mit großem Aufwand selbst das letzte Rätsel entschlüsseln will?


Ich bin mir schon bewusst, dass ich hier als Wissenschafts-Fan gelte. Ist ja auch nicht weit hergeholt. Aber diese Frage interessiert mich wirklich sehr, da die Kultur der Neuzeit maßgeblich von der Wissenschaft geprägt wurde, diese aber dennoch irgendwie sehr außerhalb der Gesellschaft steht.
Zudem verstehe ich die Sorge, man könnte der Welt den Zauber nehmen, durchaus. Insbesondere die vermeindlichen "Angriffe" auf die Natur des Menschen irritieren viele Menschen sehr.
Z.B.: Was sind wir ohne Willensfreiheit? Was bin "ich" dann? Gibt es dann noch Schuld? Machen Strafen dann noch einen Sinn? Fragen, die wir uns ohne Wissenschaft nicht stellen würden und ohne die wir bisher auch gut gelebt haben.


Ich bin gespannt auf eure Antworten.

LG
Ele

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2. Juli 2009 um 14:26

Ehrlich gesagt,
habe ich von Wissenschaft keinen blassen Schimmer.

Ich bin halt nur ne Klobürste.

Aber trotzdem denke ich ab und zu in meiner dunklen Ecke über die Zusammenhänge des Lebens nach.

Mich würde z.B. brennend interessieren, warum sich alle Fliegen auf mich setzen

Vielleicht hat einer ne Idee

Ich mein , ich bin zum Kloputzen da und keine Raststätte für Ungeziefer.

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2. Juli 2009 um 16:59

Germanisten
An die Interpretations- und Analyse"wut" von Germanisten/Kunstwissenschaftler habe ich bei meinem Eingangspost tatsächlich gar nicht gedacht. Ich denke, man sollte in einem solchen Fall tatsächlich niemals Sekundärliteratur lesen, bevor man das Werk an sich kennt, denn dann sieht man tatsächlich das Werk durch die Augen eines Anderen. Beim zweiten, besser noch dritten oder vierten Lesen (oder hundertsten Anschauen beim Bild) mag es sein, dass auch durch Sekundärliteratur durch Germanisten einem etwas erschlossen werden kann, was man vorher noch nicht gesehen hat, so dass man eine neue Perspektive erhält.

Wichtig zu Wissenschaft im Allgemeinen finde ich deine Aussage, dass Wissenschaft die Faszination am Objekt des Interesses nicht vernichten kann, da auf eine Antwort einige neue Fragen kommen. Das sehe ich ganz genau so. In meinen Augen sieht es daher danach aus, als würde dem Erleben der Welt noch einiges an Tiefe hinzugefügt.
Ist es doch eher eine naive Sicht der Dinge, die sich manche Leute behalten wollen? Ich weiß es nicht und will es niemanden unterstellen, es mag aber durchaus bei dem ein oder anderen der Fall sein.

Kunst genieße ich im Übrigen auch lieber unvoreingenommen, da ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Interpretationen oft komplizierter gedacht sind, als der Künstler dachte und fühlte, als er das Werk schuf.
Gleichzeitig hilft ein wenig Wissen über die Epoche, des Stils und des Künstlers dabei, die Symbolik besser zu verstehen. Das ist wohl ein Problem: Wann weiß man zu viel über den Hintergrund eines Werks, wann zu wenig?

Liebe Grüße
Ele

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2. Juli 2009 um 18:04

Hallo Maybe
Ich zitiere zu Beginn mal stumpf:
"Und gerade diese Dinge sind es, die überhaupt erst bei mir für solche Faszination gesorgt haben, die es mir unmöglich macht, an etwas anderes als einen hochintelligenten Bauplan zu glauben. "
Ja, es ist schon interessant, wie unterschiedlich die Schlüsse aus den Errungenschaften der Wissenschaft sein können
Für mich ist einfach die Zuversicht gewachsen, dass alles im Universum "mit rechten Dingen" zugeht

Aber von der unterschiedlichen Bewertung der großartigen Tatsachen des Universums abgesehen, gebe ich dir recht: Ob es nun Schöpfung ist oder ob es "aus sich" heraus entstanden ist, es ist wundervoll und ich denke auch, dass wir in erster Linie aus dem Studium der Welt nur gewinnen können.

Liebe beweisen? Hihi, Liebe ist in dem Moment bewiesen, indem man sie spürt. Wissenschaftlichen Methoden von außen erschließt sie sich allerdings nicht. Es ist ein Gefühl. Man kann höchstens, was du beschreibst, den Hormonspiegel und zusätzlich die Hirnaktivität messen, aber sieht man dadurch die Liebe?
Aber das reicht wohl auch, um manchen Menschen Unbehagen einzuflößen. Dich halten sie aufgrund solcher Aussagen ja schon für unromantisch
Wenn dann auch noch Evolutionsbiologen erklären, warum Liebe für gewöhnlich so kurz hält, dann haben sie einen schweren Stand. Oder wenn Verhaltensbiologen/Psychologen heraus finden, dass Frauen um den Eisprung herum am ehesten fremdgehen.... Naaaa, das kommt nicht sonderlich gut an.

Tjaja, mysteriöse Welt....

LG
Ele

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2. Juli 2009 um 19:07

Nein, "Danke" für die Romanlänge
Hallo t4u,

Du sprichst tatsächlich einige Dinge an, die über meine Frage hinaus gehen, aber durchaus das Bild der rücksichtslos forschenden Wissenschaftler mitprägen.

Nehmen wir zum einen Gefahren, die du nennst. Hier sind oftmals wirtschaftliche Interessen im Spiel. Wenn Geld auf Möglichkeiten trifft, rücken Ethik und Vorsicht manchmal ein wenig (oder ein wenig mehr) zurück.
Grundlagenforschung sehe ich fast ausnahmslos positiv gegenüber.
Wissenschaft im Sinne der Wirtschaft ist zwar gut und wichtig (immerhin ist auch Forschung von Geldern abhängig und Innovation entsteht oft dort, wo Bedürfnisse befriedigt werden), aber wo Geld lockt, werden Menschen gerne auf dem ein oder anderen Auge blind....
Natürlich kann auch eine Passion im Sinne von einem Forschungsdrang einzelne Menschen dazu treiben, gewisse Grenzen überschreiten zu wollen.

Nein, Wissenschaftler sind keine besseren Menschen. Auf keinen Fall! Die meisten Wissenschaftler sind zwar weit entfernt von dem Kittel-tragenden Hollywood-Schurken, aber da Wissenschaft selbst keine Ethik lehrt gibt sie natürlich auch keinen Ethik-Vorsprung. Es sind eben Menschen. Daher ist es auch gut, dass Politik, Gesellschaft und Konkurrenten ihnen auf die Finger schauen.

Zur Neurobiologie:
"(...)Gefühle wie Liebe und Schmerz, Trauer, Sehnsucht, nichts als ein Cocktail unserer Hirnchemie sind ... aber in alledem steckt für mich immer noch so etwas "Irrationales" wie Poesie, Zauber, tiefe Emotion(....)"
Ich glaube, dies wird niemals angekratzt werden, da Gefühle und emotionale Betätigungen (Kunst machen und genießen z.B.) niemals durch die Wissenschaft komplett erklärt werden kann. Die Erklärungslücke zwischen Gehirn und "Mind" (englisch ist es eindeutiger) wird bestehen bleiben, selbst wenn wir die Schaltkreise im Hirn vollständig kennen und verstehen würden.
Allerdings wirkt dann natürlich selbst unser Innerstes wie die Automatismen einer Maschine. Ich persönlich habe damit eigentlich kein Problem, denn ich kann mich in einem Augenblick wundern, wie gut eins ins andere in unserer Kopfmaschine greift und diese Eleganz schätzen und im nächsten Augenblick bin ich so unvoreingenommen wie ein Kind, weil ich mich über irgend eine Kleinigkeit wie z.B. einer schönen Melodie freue.
Oh, aber ob das für alle Menschen gelten muss? Ich hab ja schon ein ziemliches Hirn-Faible


LG
Ele

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3. Juli 2009 um 8:31

Hallo
Interessante Ansichten hast du da
Mich überrascht nur, dass du zum einen bemängelst, dass durch Unwissenheit Sekten und Religionen ermöglicht werden und dir dagegen starke Argumente wünschst, aber deine Neugierde im Bereich "wo kommen wir her / wo gehen wir hin?" schon gestillt ist. Das sind immerhin die großen Fragen, die die Relgionen beschäftigen.
Wobei dir Frage nach dem Tod natürlich nicht mit endgültiger Sicherheit beantwortet werden kann.

Was ich persönlich nicht denke ist, dass unser Wissensdurst mehr Schaden anrichtet, als er nützt.
Hm, wobei, dazu müsste man natürlich erst einmal einen Nutzen definieren. In der Wirtschaft bringt Forschung mit sich, dass Technologien umweltfreundlicher werden, gleichzeitig tauchen völlig neue Möglichkeiten auf, deren Auswirkungen noch diskutiert werden ("Genfood" z.B.). In der Grundlagenforschung ebnet man zwar indirekt den Fortschritt, aber der direkte Nutzen ist ein Wissenszuwachs. Jedoch einer, der der breiten Masse ohnehin kaum noch präsentierbar ist, da sich die Naturwissenschaften inzwischen mit so speziellen Fragen beschäftigen, dass der Laie erst einmal den Kontext der Frage verstehen lernen müsste, bevor er etwas von der Antwort hat.
Für mich ist die Frage nach dem Nutzen der Wissenschaft daher teilweise auch ähnlich wie der der Kunst. Interessenten bekommen durch sie sehr viel Inspiration und können darin quasi aufblühen, aber für Nichtinteressierte kann Kunst wie (rein wissensvermehrende) Wissenschaft eben einfach "Ballast" sein.

Ich persönlich würde die Wissenschaft nicht begrenzen wollen, es sei denn im Sinne der Ethik und der Risiken.

LG
Ele

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3. Juli 2009 um 18:50

Ich ziehe mir
alles rein .Egal welche wissenschaftliche Disziplin.Mein Fetisch ist allerdings Geschichte.Bio hatte ich als Leistungskurs und ist deswegen nach wie vor einer meiner Favoriten.

Was Wissen anbelangt halte ich es wie "Nummer 5 lebt".


Meeeehhhrrrr Input!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


lg
dante

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3. Juli 2009 um 19:31

@ Wenn man auch nur so schnell Bücher und Texte lesen könnte wie der
Joo das wäre geil!

Da ich nur über lesen nicht schnell genug Informationen aufnehmen kann mache ich das mittlerweile audio- visuell.Also viel über Dokumentationen.

lg
dante

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