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Dringend von zu Hause ausziehen!

14. Juni 2007 um 10:37

Hallo an die Community,

ich steht vor schweren Entscheidungen.
Ich werde diesen Sommer 19 Jahre alt und spiele bereit seit langer Zeit mit dem Gedanken, von zu Hause auszuziehen.

Dafür gibt es viele Indikatoren:
Zum einen ist meine Mutter seit über 2 Jahren schwer krebskrank und ich habe jedweden Bezug zu Ihr verloren, zum anderen ist mein Vater ein jähzorniger Alkoholiker, seit Jahr und Tag.
Früher kam ich gut aus mit meiner Mutter, mittlerweile ist sie ein reines Nervenbündel, rastet ständig aus, wirft Sachen durch die Wohnung etc. Mein Vater hingegen wird immer agressiv und lässt den Frust aus seinem einfachen und schlecht bezahlten Job an mir aus, macht mich fertig, und da er Südländer ist, musste ich lernen, ihm nicht zu widersprechen. Ich hab mir schon mal eine gefangen, weil ich mit 14 sagte, dass es meine Entscheidung sei, ob ich mich rasiere oder nicht.

Die Verhältnisse zu Hause haben mich psychisch krank gemacht, da bin ich mir sicher. Früher war ich eine 1er-Schülerin, jetzt hatte ich den totalen Durchhänger und werde von der Schule abgehen müssen. Ursprünglich besuchte ich dieses Jahr die 12te Klasse eines Gymnasiums, war dann aber viel krank, nicht mehr aufnahmefähig und ließ mich in die 11te Klasse zurückstufen. Nun ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich die erneute Versetzung in die 12te Klasse nicht erreichen werde und somit das Thema Abitur für mich gestorben ist.

Jedenfalls steht für mich fest, egal wie es weitergeht, ich muss unbedingt von zu Hause ausziehen, zu Hause zu sein macht mich krank, ich verkrümele mich jedes Wochenende von daheim zu Freunden, einfach weil sich meine Eltern am Wochenende meist böse in den Haaren liegen, da gehen Handgreiflichkeiten und Selbstmorddrohungen, Geschrei und böse Worte mit einher.

Ich kann das einfach nicht mehr aushalten, es macht mich total krank, ich möchte es auch nicht mehr mitmachen müssen. Meine Mutter meint selbstverständlich es sei überstürzt, ich sei zu jung um zu wissen was ich will und kommt mit Drohungen wie "wenn du ausziehst, dann brauchst du auch deinen führerschein nicht weitermachen" oder "das kannst du nicht bezahlen und wir unterstützen dich nicht". Das ganze natürlich sehr tränenreich.

Nun stecke ich ja wegen meiner schulischen Probleme ziemlich in der Klemme. Mit der Schule ist kein Verhandeln mehr möglich, entweder ich bestehe das Jahr oder nicht. Ich habe evtl. auch die Möglichkeit auf einen Ausbildungsplatz als Industriekauffrau, aber das ist noch genauso wackelig wie die Sache mit der Schule.
Würde ich weiter zur Schule gehen, könnte ich mir das Kindergeld überweisen lassen und mir einen Nebenjob suchen, damit ich mir die Wohnung finanzieren kann. Sollte ich eine Ausbildungsstelle erhalten, könnte ich mit den ca. 500-600 irgendwie über die Runden kommen. Sollte ich weder eine Ausbildung machen können noch zur Schule gehen, werde ich versuchen einen Fulltime-Job zu bekommen, auch wenns nur kassieren im Supermarkt ist und nebenbei, wenn das Geld reicht, mein Abitur per Fernstudium nachzuholen.

Ich wäre zumindest nicht allein in Sachen ausziehen, mein bester Freund würde sich mir anschließen und mit mir in einer WG leben. Seine Eltern leben getrennt, er wohnt eine Woche bei seiner Mutter, die darauffolgende Woche bei seinem Vater und fühlt sich nirgends richtig zu Hause oder gewollt. Er wird ebenfalls 19 und wird in 2 Jahren sein Abitur machen, würde sich dann einen Nebenjob besorgen um die Wohnung zu finanzieren.

Es ist klar, dass es dann keine ausschweifenden Parties mehr geben wird, dass dazu einfach kein Geld da sein wird, aber dem sind wir uns voll bewusst und nun stellt sich mir die Frage:
Ist es unter gegebenen Umständen möglich, unser Vorhaben in die Tat umzusetzen?

Einen halben Roman später könnt ihr euch sicher wenigstens ein kleines Bild unserer Situation machen, ich hoffe auf rege Antwort.

Lg,
Vanessa

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14. Juni 2007 um 15:18

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen:
JA es ist möglich!

Ich bin auch von zu Hause "abgehauen" weil die Zustände unzumutbar waren.

Und auch ich stand mit relativ leeren Händen da, war zumindest Azubi, aber du kannst dir vorerdt wirklich ne Stelle im Supermarkt etc suchen und selbst mit Sozialhilfe kannst du dir eine Bruchbude leisten.

Und glaubs mir, ich hätte lieber gelebt wie der ärmste Schlucker als zu Hause zu sein.

Ich hatte eine kleine Wohnung, am Anfang war Chaos pur, alles war mir egal. Ich hab mich jeden Tag so gefreut heim zu kommen wo mich kein Ärger erwartet und ich machen kann was ich will.

Das alels war unmittelbar vor der Abschlussprüfung. Zeit zum Lernen hatte ich kaum. Aber ich bin mir sicher dass ich die Abschlussprüfung besser gemeistert hab als wenn ich zu hause geblieben wäre.
Einfach weil der Kopf frei war.

Zieh aus und zwar so schnell es geht und such dir irgendeine Wohnung, scheißegal welche, umziehen kannst du jederzeit wieder.

Oder in eine WG, schau bei der Mitwohnzentrale etc.

Eins kannst du mir glauben, egal wie besch... deine finanzielle und berufliche/ schulische Situation ist: Es funktioniert, auszuziehen!

Solange du bereit bist, jeglichen Luxus aufzugeben und für dich nur noch zählt, dass du erstmal "in Sicherheit" bist.

Kannst mir ja mal ne PM schreiben.
Woher kommst du?

Deine Situation erinnert mich sehr an mich selber.
Und jetzt, 3 Jahre später hab ich auch einen gutbezahlten Job, eine sehr schöne Wohnung und auch sonst ist alles bestens.

Bei dir wird es genauso wenn du es nur schaffst, aus dieser Hölle rauszukommen. (Man wird dadurch ein ganz anderer mensch, man ist ausgeglichen wie noch nie, Kopfschmerzen, Zittern, alles weg von einem Tag auf den anderen)

Abracadabra

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16. Juni 2007 um 21:23

Schwierige entscheidung
Deine Situation sieht echt schwierig aus. Einerseits ist es besser fuer dich um auszuziehen, anderseits deine Eltern brauchen die Hilfe. Dazu kommen noch die Geldprobleme. Hast du vielleicht die Verwandte, bei denen konntest du wohnen bis du selbst eine Wohnung sich leisten kannst? Es waere auch gut wenn jemand wuerde deinen Vater zu eine Therapie ueberzeugen. Meiner Meinung nach braucht auch deine Mutter eine Psychologe (oder einen Seelsorger, wenn sie glaubige ist). sie kann deutlich nicht mit ihre Krankheit umgehen.
Ich wuensche dir alles Gute, egal ob du ausziehst oder nicht.

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