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Die Sichtweise eines Atheisten

20. Dezember 2008 um 10:45

Hier ein kurzer Auszug zum Thema Gottesbeweis eines freiberuflichen Philosophen aus Marburg der vorher Theologie studierte und darin seinen Abschluss machte.

Die beiden Säulen des Atheismus lauten:

1. Es gibt keinen Gott, der die Welt erschaffen hat. Die Welt ist keine
Schöpfung, sondern unerschaffen unerschaffbar, unzerstörbar, kurz: ewig und
unendlich. Sie entwickelt sich unaufhörlich gemäß den ihr innewohnenen
Gesetzmäßigkeiten, in denen sich Notwendiges und Zufälliges verschränken.

2. Es gibt keinen göttlichen Erlöser. Die Welt ist unerlöst und unerlösbar,
voller Webfehler und struktureller Unstimmigkeiten, die aus der
Bewußtlosigkeit ihrer Gesetzmäßigkeiten herrühren.


Die zweite Säule des Atheismus bestreitet nicht Gott den Erlöser, sondern
Gott den Schöpfer. Sie argumentiert nicht empirisch, sondern metaphysisch,
das heißt: Sie überschreitet den Bereich des Erfahrbaren und greift in
jenen Teil der Wirklichkeit hinüber, der sich allein dem abstrakten
Gedanken erschließt. Die hier vorausgesetzte Metaphysik ist eine Metaphysik
ohne Goldgrund, eine nicht - religiöse, philosophische Theorie des
Weltganzen. Erklärter- und unvermeidlicherweise verläßt sie den Bereich des
empirisch Gegebenen, ohne freilich den Boden der Rationalität zu verlassen.
Sie entschwindet nicht in eine höhere Welt, sondern denkt, was nicht
sinnlich faßbar, aber denknotwendig ist: die Welt als Gesamtzusammenhang,
als Verschränkung von Teil und Ganzem, von Relativem und Absolutem. Der
Glaube, daß ein Gott die Welt erschaffen hat, läßt sich durch Überlegungen
der folgenden Art von innen her entkräften.

Als erstes ist zu fragen: Was tat Gott vor der Erschaffung der Welt, wenn
die Schöpfertätigkeit zu seinen ewigen und unveräußerlichen Wesensmerkmalen
zählen soll ? Lag seine Schöpferkraft vorher brach ? Weshalb wurde sie auf
einmal tätig ? Offenbar hat sich Gott gewandelt, obwohl doch die
Unwandelbarkeit zu seinen klassischen Attributen gehört. Wenn er sich aber
gewandelt hat, ist er der Zeit unterworfen. Es gab also eine Phase, in der
Gott noch nicht der Schöpfer war. Der Gedanke eines ewigen Schöpfers, der
irgendwann eine zeitlich begrenzte Welt geschaffen haben soll, ist logisch
nicht widerspruchsfrei zu denken. Das hat den Philosophen Johann Gottlieb
Fichte zu der schroffen Bemerkung veranlaßt, die Annahme einer Schöpfung
sei der absolute Grundirrtum aller falschen Metaphysik. Durch sie werde
das Denken in ein träumendes Phantasieren verwandelt (Die Anweisung zum
seligen Leben, Sechste Vorlesung).

Der zweite Kritikpunkt erwächst aus der Frage: Warum hat Gott überhaupt die
Welt geschaffen, obwohl er doch ein in sich selbst vollkommenes Wesen sein
soll, das in seiner Majestät keines anderen bedarf ? Die biblische Antwort
Gott schuf sich die Welt als sein Gegenüber und den Menschen als sein
Ebenbild provoziert unvermeidlich den Einwand: Da Gott nichts Sinnloses
tut, muß ihm vorher etwas gefehlt haben. Wenn er aber ein Gegenüber
brauchte, weil er einen Mangel litt, war er nicht in sich vollkommen.
Schöpfertum und Vollkommenheit schließen sich aus. Das ergibt sich auch aus
dem religiös - liturgischen Dauerappell, die Geschöpfe sollten ihren
Schöpfer lobpreisen, verherrlichen, anbeten, ihm danken und vor ihm auf die
Knie fallen.

Diese Ermahnungen, die ihren Ursprung in patriarchalisch-despotischen
Verhältnissen nicht verleugnen können hier der absolute Herrscher, dort
die demütigen Untertanen-, beweisen erneut: Der Schöpfergott verzichtet
ungern auf das Halleluja seiner Geschöpfe. Ein Zeichen innerer und äußerer
Unabhängigkeit, gar Vollkommenheit ist das kaum.


Der gesamte Text ist zu finden unter:
http://www.ta7.de/txt/mystik/myst0020.htm

lg
Dante

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20. Dezember 2008 um 18:58

Absolut
Denn dafür gibt es wenigstens sichtbare Beweise.

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20. Dezember 2008 um 19:27

Nein
muss es natürlich nicht.Viele Gase sind nicht sichtbar aber existent.

Gegenfrage

Glaubst du alles was man dir erzählt und somit nicht sichtbar ist?

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20. Dezember 2008 um 19:30
In Antwort auf dante692

Nein
muss es natürlich nicht.Viele Gase sind nicht sichtbar aber existent.

Gegenfrage

Glaubst du alles was man dir erzählt und somit nicht sichtbar ist?

Ist es doch,
der Gedanke daran existiert, es existiert in den Gedanken. Lass und über das Sein an sich philosophieren

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20. Dezember 2008 um 20:09
In Antwort auf serafkerub

Ist es doch,
der Gedanke daran existiert, es existiert in den Gedanken. Lass und über das Sein an sich philosophieren

Eine
interessante Frage.Kann ein stark geistig behinderter diesen Gedanken fassen?Ist er sich seiner Bewusst und somit befähigt Gott zu erfassen?

Worüber willst du da diskutieren.Ob wir eine Seele haben, die unsterblich ist?Nur aufgrund der Tatsache das wir uns selbst Bewusst sind.Tiere können auch trauern.Sie können Gefühle ebenso zeigen wie Menschen.Nicht alle, aber einige.Haben sie eine Seele?

Die Neurophysiologie ( Psychologie ) hat über empirische Experimente herrausgefunden, dass wir Entscheidungen getroffen haben bevor wir uns dessen Bewusst waren.Das würde bedeuten das wir über den angeblichen "freien Willen" neu nachdenken müssen.
Wenn es den freien willen nicht gibt, dann kommt unser Gottesbild in starkes wanken.Die Gehirnforscher sind sich dieser Brisanz für unser Weltbild wohl bewusst und werden die Menschen mit Hilfe angestammter Institutionen ( u.a. Kirchen ) langsam an neue Erkenntnisse heranführen.

Die Neurophysiologie ist zwar gerade erst am Anfang das menschliche Gehirn zu verstehen, aber die ersten Erkenntnisse bringen verblüffende Ergebnisse zu Tage.

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