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Anthropologie: was haben alle kulturen gemeinsam?

8. November 2009 um 20:36

die frage, was alle kulturen gemeinsam haben, versuchen universalforscher seit langem zu beantworten, indem sie z.b. listen aufstellen, in denen jede menge gemeinsamkeiten verzeichnet sind. von sexuellen tabus über vetternwirtschaft bis hin zu emotionen wie ekel, ärger und trauer haben alle menschen erstaunlich viel gemein.

da sich die meisten ethnologen zu stark auf die differenzen konzentrieren, aber kulturelle vielfalt (stichwort globalisierung) nur in zusammenhang mit gemeinsamkeiten sinnvoll zu untersuchen sei, stellt der ethnologie-professor an der universität trier christoph antweiler die gemeinsamkeiten in den mittelpunkt seiner untersuchungen. mit seinem buch was ist den menschen gemeinsam hat er ein wichtiges buch über die menschliche kultur und kulturen und ihre universalien geschrieben - ein buch, das zeigt, wie sehr bei allen unterschieden die menschen doch miteinander verbunden sind, und wie verrückt es deshalb erscheint, sich gegenseitig totzuschlagen.

hier sind ausschnitte aus einem interview:

Frage: In Ihrem Buch "Heimat Mensch" listen Sie 73 Gemeinsamkeiten der Kulturen auf, vom Abstillen über Begräbnisrituale, Hygiene, Kochen bis zu Zahlen. Da kann man doch gleich sagen: Der Mensch hat zwei Beine und kann sprechen.

Antweiler: Es geht nicht um triviale Ähnlichkeiten! Es ist doch frappierend, wenn fast alle Kulturen etwas auf eine Art machen, obwohl es anders möglich wäre. Dass Frauen Kinder kriegen, ist selbstverständlich. Dass Frauen die Kinder aufziehen, ist dagegen biologisch nicht notwendig und trotzdem in fast allen Kulturen der Welt der Fall. Das ist ein kulturubergreifendes Muster. Die Liste mit den 73 Universalien stammt übrigens von 1945, aus den Anfängen der Universalienforschung. Heute kennen wir je nach Definition 100 bis 200 Universalien.

Frage: Können Sie noch ein paar Beispiele nennen?

Antweiler: Gastfreundschaft. Vetternwirtschaft. Inzestverbot: Man darf nicht Menschen heiraten, die mit einem verwandt sind. Das ist universal, auch wenn Verwandtschaft unterschiedlich interpretiert wird. Oder sexuelle Beschränkungen: Wir kennen keine Kultur, die ohne sexuelle Normen auskommt, obwohl ein Leben in Freizügigkeit immer wieder erträumt wird. Schließlich Gesten: Verneinung beispielsweise wird auf der ganzen Welt durch ein Abwenden des Kopfes ausgedrückt.
Frage: Wenn wir Menschen so viel gemeinsam haben, warum gibt es dann ethnische Konflikte?

Antweiler: Die meisten sogenannten ethnischen Konflikte haben andere Ursachen, etwa Benachteiligung oder Ressourcenknappheit. Typisch sind die Bürgerkriege in Ruanda oder Exjugoslawien. Sie hatten sozioökonomische Ursachen, die nachträglich kulturell eingefärbt wurden, oft von den Beteiligten selber. Man spielt die ethnische Karte. Statt zu sagen: Wir sind einfach nur arm oder überfordert, sagt man: Wir sind die Kultur X und haben eine lange Geschichte, und deshalb steht uns das und das zu. Das ist Strategie.

Frage: Was heißt das für das Zusammenleben in Deutschland?

Antweiler: Es müssen nicht alle gleich sein, aber wir können auch nicht alle in ethnischen Enklaven leben. Wir sollten schauen, was Kulturen verbindet, ohne dass sie sich auflösen müssen. Inwiefern spielen Ehre, Respekt oder die Suche nach Anerkennung in allen Kulturen eine Rolle? Kulturen haben zum Teil auch die gleichen Probleme, etwa dass Alte und Junge oder Männer und Frauen verschiedene Interessen haben.

das komplette interview ist hier zu lesen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,657602,00.html

wie seht ihr das? erscheint es euch auch wichtiger denn je, dass man sich aufgrund der globalisierung, trotz der zahlreichen unterschiede, auf die kulturübergreifenden gemeinsamkeiten konzentrieren sollte, oder gibt es da gar nicht so viele nennenswerte und die unterschiede sind doch zuuu groß? welche positiven oder negativen erfahrungen (z.b. bei auslandsaufenthalten) habt ihr evtl. gemacht (stichwort kulturschock)?

lg











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9. November 2009 um 0:53


ich fand den teil mit der barbie-puppe irgendwie lustig.
er vergleicht ja die "westliche" barbie mit der iranischen.

hier ist noch ein anderes interview:

http://www.antropologi.info/blog/ethnologie/2007/mehr_fokus_auf_die_gemeinsamke iten_der_m

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9. November 2009 um 7:25


Ja der F. Schiller, der konnte reimen .

lg
dante

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9. November 2009 um 10:42

"Anthropologie: was haben alle kulturen gemeinsam?"
Die Kulturen werden von Menschen ausgetragen. Das ist die gemeinsamkeit. Nur leider sehen das viele nicht und denken das man sich unterschiedet weil man eine andere Kultur hat, aber im entefekt sind wir alle Menschen.

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