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An Silbertanne (Geschichten aus dem Leben der Hexerin)

25. Oktober 2008 um 12:45

Ich werde dir etwas aus meiner Jugend erzählen. Dazu müssen wir zehn Jahre zurückgehen. Stelle dir die Hexerin mit fünfzehn Jahren vor.
Ich würde sagen, dass ich sie geliebt habe. Sie, ein Mädchen, anders als alle anderen, so natürlich und so schön.
Ja, in ihr habe ich meine Homosexualität entdeckt...ich bin lesbisch.
Wir waren anfangs verfeindet, obwohl ich nie eine Abneigung gegen sie empfand. Trotzdem war ich gemein zu ihr und empfand eine gewisse Freude daran, sie zu demütigen. Ihr schien es jedoch nichts auszumachen. Sie zeigte sich mir unverletzlich, so stark. Und sie gefiel mir, ich bewunderte sie und ihre Furchtlosigkeit. Lehrern hatte sie schon immer offen ins Gesicht gesagt, was sie von ihnen dachte und sie schien zu wissen, wie weit sie gehen konnte.
Die Schule war ihr egal, sie tat nichts, obwohl sie zweifellos klug war. Für mich war es klar, dass sie irgendwann das Gymnasium würde verlassen müssen. Ich empfand zuerst kein Bedauern darüber, obwohl ich die Gewissheit hatte, nur noch ein Jahr mit ihr verbringen zu können. Ich beschloss, dieses eine Jahr nicht mit irgendwelchen Intrigenspielchen und Demütigungen zu verschwenden. So freundete ich mich mit ihr an. Ich hatte schon immer das Talent, leicht das Vertrauen anderer zu gewinnen.
Ob sie etwas von meinen Gefühlen für sie wusste? Ob sie wusste, dass ich sie bewunderte? Ich weiß es nicht.
Die schönen Momente mit ihr waren in eine unergründliche Traurigkeit getränkt.
Sie war das Gesicht der Melancholie; es war traurig und schön zugleich und erfüllte mich mit einer tiefen Sehnsucht.
Ich selbst wurde immer melancholischer und fand Gefallen an diesem Gefühlszustand.
Die Zeit verging schnell im Sturm meiner Gefühle, die ich tief im Inneren für sie hegte. Schließlich ging sie von der Schule.
Ich hatte ernsthaft gedacht, ich würde sie nicht allzu sehr vermissen. Ich war auch ein wenig erleichtert, weil ich meine Homosexualität zuerst nicht wirklich wahrhaben wollte. "Aus den Augen, aus dem Sinn", schwor ich mir und sagte zu mir, dass ich ihr nicht hinterhertrauern sollte.

Doch ich wollte sie wiedersehen, das Gesicht der Melancholie, den traurigen Glanz ihrer klaren Augen leuchten sehen, ihr duftendes, braunes Haar berühren, ihre blasse Haut streicheln. Sie hatte anscheinend nie Verdacht geschöpft. Solche Berührungsgesten waren unter uns nicht unüblich.
Die Momente, in denen wir uns sahen, waren selten. Und die Zeit, in der wir uns nicht sahen, machte die Sehnsucht größer und größer und die seltenen Momente intensiver.
Umso mehr schmerzte es mich, als ich von ihr erfuhr, dass sie sich in einen Jungen verliebt habe.
Ich war eifersüchtig, aber genoss dennoch die wenige Zeit mit ihr.
Was blieb mir denn anderes übrig? Wenigstens als beste Freundin "Hexerin" konnte ich ihr nahe sein. Als ich ihr erzählt hatte, dass meine Rufname in meiner Kindheit Hexerin gewesen war - wegen meines rabenschwarzen Haares und meiner kreidebleichen Haut - nannte sich mich fortan "Hexerin.
Wie sie diesen Namen aussprach: Fluchend, geheimnisvoll und leidenschaftlich zugleich, mit einem Lächeln auf den Lippen...

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25. Oktober 2008 um 14:57

Jetzt bin ich 25 und das Gewicht der Jahre
lastet auf mir...oh mein Kreuz, ich schaff es nicht mehr die Treppe hoch...keuch
Scherz
Ja, heute geht's mir gut, silbertanne.

Ich wollte eben mal etwas dramatischer schreiben. Ist doch langweilig, wenn meine Texte immer die gleiche öde Wirkung haben, oder?

Ich habe kein Interesse an einer Beziehung...höchstens mit ihr, aber... öfters Sex wäre gar nicht mal so schlecht...

Ich treffe sie immer noch und an meinen Gefühlen für sie hat sich nichts geändert.
Momentan ist sie single...eine Chance für mich?
Ein gemüticher Abend zu zweit...ein bisschen Wein...ich kuschel mich an sie...erotische Gedanken...Verführung...
So was habe ich schon lange nicht mehr gemacht...hihi

Muss es für eine heterosex. Frau nicht wahnsinnig aufregend sein, sich mal mit einer Frau zu vermischen?


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25. Oktober 2008 um 15:28

In jungen Jahren waren
Zärtlichkeiten unter uns eigentlich normal...ob ich mich heute noch traue?



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25. Oktober 2008 um 17:40

Arm in Arm

Arm in Arm spazieren gegangen...das erinnert mich an unsere Spaziergänge im Herbst...
Vielleicht hätte ich es ihr damals sagen sollen...bevor sie von der Schule ging.

"Unerfüllte Liebe ist die schönste Liebe"

Ja, das ist sie.

Vielleicht wird sie es nie erfahren.
Und wir werden auch nie zueinanderfinden.
Dazu fallen mir zwei Zeilen ein:

"...Im Leben werden wir uns nie finden
Liebe wird uns niemals binden..."

Dann ist dies unsere Zukunft, die ich akzeptieren muss.






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