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Forum / Gesellschaft & Leben

10 Jahre nach Abtreibung

Letzte Nachricht: 7. Dezember 2022 um 9:59
L
lignin
03.11.22 um 21:18

Hallo,
vor 10 Jahren hatte ich eine Abtreibung  - nicht ganz freiwillig, aber als Notlösung. Leider für mich der falsche Weg, wie sich danach herausstellte. Ich war jahrlang in Therapie deswegen und noch heute vergeht kein Tag, an dem ich nicht an mein Kind denke und was es nun machen würde mit 9 Jahren. 
Es fehlt mir so sehr und ich bereue dies Abtreibung unendlich.

Wer hat Ähnliches erlebt und wem geht es auch so? 

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E
eisbrecher
04.11.22 um 22:50

Ich habe diese Erfahrung noch nie gemacht (ich bin männlich), es hat auch keine Partnerin von mir jemals abgetrieben, zumindest nicht, dass ich wüsste.

Es tut mir leid, dass du damals eine falsche Entscheidung getroffen hast. Sie ist aber nicht rückgängig zu machen und du solltest dieses Kind loslassen. Immer an das Kind zu denken und es zu vermissen, bringt dich gar nicht weiter, es hält dich auch auf, weil es eben nicht möglich ist, etwas im Nachhinein zu ändern.

Ich denke, du hast dir selbst noch nicht verziehen. Es wäre wichtig, dass du das tust. 

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R
roterregen
11.11.22 um 21:01

Hallo lignin,

also, das tut mir leid zu lesen. Schwer, für mich und wahrscheinlich jeden Mann, das nachzuvollziehen, eh klar, ... allerdings hatte meine Mutter das Kind, das nach mir hätte geboren werden können, abgetrieben, und daher habe ich oft das Gefühl (gehabt), jemand fehlt.

Denke auch öfter nach, wie es wäre, eine vollwertige Schwester oder Bruder zu haben. 

Aber: Freiheit! Für solche Entscheidungen...

Wie alt warst du denn damals? 

Sehr gut, übrigens, dass du darüber mit jemandem sprechen konntest!

Viele Grüße

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L
lignin
13.11.22 um 12:06
In Antwort auf roterregen

Hallo lignin,

also, das tut mir leid zu lesen. Schwer, für mich und wahrscheinlich jeden Mann, das nachzuvollziehen, eh klar, ... allerdings hatte meine Mutter das Kind, das nach mir hätte geboren werden können, abgetrieben, und daher habe ich oft das Gefühl (gehabt), jemand fehlt.

Denke auch öfter nach, wie es wäre, eine vollwertige Schwester oder Bruder zu haben. 

Aber: Freiheit! Für solche Entscheidungen...

Wie alt warst du denn damals? 

Sehr gut, übrigens, dass du darüber mit jemandem sprechen konntest!

Viele Grüße

Hallo,

danke für Deine Nachricht und Deine Toleranz "Freie Entscheidung".  
Ich war damals 45 Jahre. 

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R
roterregen
13.11.22 um 15:06
In Antwort auf lignin

Hallo,

danke für Deine Nachricht und Deine Toleranz "Freie Entscheidung".  
Ich war damals 45 Jahre. 

Oh, ich hatte vermutet, dass du etwa eine Jugendliche gewesen wärst, ... 

Tja... was soll man da machen?! Sich selbst verzeihen kann manchmal so schwierig sein, trotz aller Umstände!

Es wird ja kein Grab geben... allerdings könntest du vielleicht einen sogenannten Trauerort einrichten, und nur an diesem Trauern. Musstest du denn wegen deinem Kind schon weinen? Konntest du?

Es gibt übrigens eine gute Methode, um unaufhörlich kreisende Gedanken zu stoppen... hast du Schwierigkeiten damit?

Viele Grüße
 

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L
lignin
19.11.22 um 16:38

Hallo,

ja, meine Tränen hätten einen See erzeugen können. Ich habe jeden Tag geweint- lange. 

Habe in meiner Wohnung einen Trauerplatz eingerichtet und zünde an bestimmten Tagen eine Kerze an. Ein klein wenig "Lebendigkeit". 

Was kann man denn gegen dieses Gedanken-Kreisen machen? 

Diese Gedanken bestimmen zwar heute nicht mehr jede Minute meines Lebens, aber es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an mein Kinde denke und dann wieder traurig bin.  

Liebe Grüße,

Julia
 

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R
roterregen
19.11.22 um 17:16
In Antwort auf lignin

Hallo,

ja, meine Tränen hätten einen See erzeugen können. Ich habe jeden Tag geweint- lange. 

Habe in meiner Wohnung einen Trauerplatz eingerichtet und zünde an bestimmten Tagen eine Kerze an. Ein klein wenig "Lebendigkeit". 

Was kann man denn gegen dieses Gedanken-Kreisen machen? 

Diese Gedanken bestimmen zwar heute nicht mehr jede Minute meines Lebens, aber es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an mein Kinde denke und dann wieder traurig bin.  

Liebe Grüße,

Julia
 

Hallo Julia,

also, das Ganze ist ja auch traurig. Vielleicht gibt's ja eine Selbsthilfe-Gruppe in deiner Gegend, wo sich Frauen, welche ebenfalls abgetrieben hatten, treffen. Therapie ist ja schon mal gut, allerdings wenig tröstend, meiner Erfahrung nach...

Vielleicht verlegst du den Trauerort mit der Zeit weiter weg, nach draußen... in der Wohnung kommst du wahrscheinlich öfter am Tag daran vorbei und wirst dann jedes Mal direkt an dein Kind erinnert?! Ich weiß ja nicht, wie deine Umgebung aussieht, aber pflanze doch irgendwo einen Baum oder spende eine Parkbank, wenn du dir das leisten kannst... suche dir ein Café im Nachbarort oder in einem Viertel, wo du sonst nicht hinkommst,... einfach um Distanz zum "Thema" aufzubauen... 

Also, jetzt mal zu den kreisenden Gedanken, da gibt es tatsächlich eine Technik, die dagegen hilft und diese kreisenden Gedanken stoppt, auch wenn anfangs vielleicht ein bisschen Übung dazu gehört, und viiielleicht klingt die Schilderung jetzt ein bisschen befremdlich, aber mir hat sie wirklich gut getan...

Wenn du merkst, dass die Gedanken wieder kreisen, ermittle, wie sich deren Bewegung anfühlt. Also, bewegen sie sich vielleicht kreisförmig links herum, oder rechts herum, oder wie eine Walze, die sich nach vorne dreht, oder nach hinten...

Wenn du das heraus gefunden hast, dann stell dir einfach die Gegenbewegung dazu vor für einige Sekunden. Bei kreisförmigen Gedanken, die sich links herum drehen, stellst du dir dann eine Bewegung vor die rechts herum geht. Und so weiter...

Bei mir hatte sich direkt Entspannung eingestellt, und sich befreiend angefühlt... bin gespannt, wie du das erlebst.

Das Prinzip ist wie wenn du eine Tasse Kaffee mit dem Löffel herum rührst, bewegst du den Löffel links herum, dreht sich der Kaffee ebenfalls links herum. Bewegst du den Löffel dann plötzlich rechts herum, bleibt der Kaffee stehen.

Lass mich ruhig wissen, wie die Technik bei dir anschlägt, ...interessiert mich, wie es anderen damit geht...

Schönes Wochenende!
Viele Grüße
Thomas

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C
claui95
04.12.22 um 18:24

Das tut mir wirklich leid, dass du so darunter leiden musstest. Ich hatte eine Abtreibung mit 40 und es hat mich nie belastet, keine einzige Sekunde. So unterschiedlich sind die Menschen, ich käme niemals auf die Idee, deswegen verzweifelt oder traurig zu sein. Als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, haben mein Mann und ich sofort einig entschieden, auf gar keinen Fall. Ich hatte schon zwei KInder, vielleicht war das bei dir anders. Ich denke niemals an das Kind, Abtreibung war auch schon ganz früh, da es sofort klar war, was ich mache.
Dass du mit diesem Erlebnis solche Probleme hast, tut mir leid. Aber die ganze Sache ist doch so lang her und geschehen ist geschehehen, warum machst du dir jetzt noch einen Kopf deswegen? Klar kann man Dinge bereuen, die man gemacht hat, aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen und uns wegen etwas kaputt zu machen, was nicht so ändern ist, ist doch wirklich nicht nötig.
 

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K
kristova3
04.12.22 um 20:30
In Antwort auf lignin

Hallo,
vor 10 Jahren hatte ich eine Abtreibung  - nicht ganz freiwillig, aber als Notlösung. Leider für mich der falsche Weg, wie sich danach herausstellte. Ich war jahrlang in Therapie deswegen und noch heute vergeht kein Tag, an dem ich nicht an mein Kind denke und was es nun machen würde mit 9 Jahren. 
Es fehlt mir so sehr und ich bereue dies Abtreibung unendlich.

Wer hat Ähnliches erlebt und wem geht es auch so? 

Hallo lignin, 

Ich fühle dich. Ich war damals 18 und heute bin ich 42. Nach meinem "Aufklärungsgespräch" bei der Institution die sich "für" Familie ausspricht, war ich der Meinung es handele sich "nur" um eine Ansammlung von Zellen in meinem Bauch, nicht um ein Lebewesen mit schlagendem Herzen. Ich war der absoluten Meinung, daß es die richtige Entscheidung sei und das es nicht schlimm ist diese Ansammlung von Zellen entfernen zu lassen. Als ich nach der Narkose aufgewacht bin, musste ich unentwegt weinen. Ich war ohne Erklärung so traurig. Mit der Zeit habe ich mich immer wieder mit der "medizinischen " Seite dieses Eingriffes beschäftigt und dann kam noch mehr Schmerz in meiner Brust. Ich muss dazu sagen, dass ich Christin bin, doch damals wurde in der Kirche nicht so viel über Abtreibung gesprochen wie heute. Ich habe es unendlich viele Male gebeichtet, es half mir aber nicht. Weder die Beichte noch die Reue. Erst als ich diese Seele um Verzeihung gebeten habe und dieser Seele gesagt habe das es mir leid tut und das ich sie liebe, konnte ich mir selbst vergeben. Ich möchte allen sagen, die diesen Weg gegangen sind und sich jetzt deswegen schlecht fühlen: Sucht nach Vergebung und ihr werdet Heilung finden. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und niemand soll einen anderen deswegen Richten, denn niemand von uns ist perfekt. Alle Gute für dich. 

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L
lignin
07.12.22 um 9:59
In Antwort auf roterregen

Hallo Julia,

also, das Ganze ist ja auch traurig. Vielleicht gibt's ja eine Selbsthilfe-Gruppe in deiner Gegend, wo sich Frauen, welche ebenfalls abgetrieben hatten, treffen. Therapie ist ja schon mal gut, allerdings wenig tröstend, meiner Erfahrung nach...

Vielleicht verlegst du den Trauerort mit der Zeit weiter weg, nach draußen... in der Wohnung kommst du wahrscheinlich öfter am Tag daran vorbei und wirst dann jedes Mal direkt an dein Kind erinnert?! Ich weiß ja nicht, wie deine Umgebung aussieht, aber pflanze doch irgendwo einen Baum oder spende eine Parkbank, wenn du dir das leisten kannst... suche dir ein Café im Nachbarort oder in einem Viertel, wo du sonst nicht hinkommst,... einfach um Distanz zum "Thema" aufzubauen... 

Also, jetzt mal zu den kreisenden Gedanken, da gibt es tatsächlich eine Technik, die dagegen hilft und diese kreisenden Gedanken stoppt, auch wenn anfangs vielleicht ein bisschen Übung dazu gehört, und viiielleicht klingt die Schilderung jetzt ein bisschen befremdlich, aber mir hat sie wirklich gut getan...

Wenn du merkst, dass die Gedanken wieder kreisen, ermittle, wie sich deren Bewegung anfühlt. Also, bewegen sie sich vielleicht kreisförmig links herum, oder rechts herum, oder wie eine Walze, die sich nach vorne dreht, oder nach hinten...

Wenn du das heraus gefunden hast, dann stell dir einfach die Gegenbewegung dazu vor für einige Sekunden. Bei kreisförmigen Gedanken, die sich links herum drehen, stellst du dir dann eine Bewegung vor die rechts herum geht. Und so weiter...

Bei mir hatte sich direkt Entspannung eingestellt, und sich befreiend angefühlt... bin gespannt, wie du das erlebst.

Das Prinzip ist wie wenn du eine Tasse Kaffee mit dem Löffel herum rührst, bewegst du den Löffel links herum, dreht sich der Kaffee ebenfalls links herum. Bewegst du den Löffel dann plötzlich rechts herum, bleibt der Kaffee stehen.

Lass mich ruhig wissen, wie die Technik bei dir anschlägt, ...interessiert mich, wie es anderen damit geht...

Schönes Wochenende!
Viele Grüße
Thomas

Hallo Thomas,

vielen Dank für Deinen Hinweis zum Gedanken-Kreisen.

Habe es nun einige Zeit versucht. In welcher Bewegung die Gedanken kommen, kann ich nicht so klar erkennen - am ehesten, wie eine Walze, die über mich drüber rollt und mich sehr belastet. Diese Walze ( ich stelle sie mir vor, wie eine Teermaschine ) zurückzudrängen, kostet, auch wenn nur in Gedanken, mächtig viel Kraft und anfangs gelang es mir fast nicht. Aber nach einiger Zeit schaffte ich es mit irrsinniger Anstrengung und je länger ich mich darauf konzentrierte, umso mehr "Schwung" bekam ich und dann konnte ich die Walze tatsächlich wegschieben. Jetzt muss ich sie nur dauerhaft festmachen, damit sie nicht wieder dauernd zu mir rollt. 

Danke für diesen Tipp. Hilft mir in akuten Krisensituationen.    

Liebe Grüße

Julia

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